Mittwoch, 1. Oktober 2014

Aus tiefstem Herzen

Werte Freunde der gepflegten Primitivität, wir holen jetzt alle mal gaaaanz tief Luft und brüllen einmal



Arschlochbus!



Auch wenn vermutlich weder Bus noch Fahrer etwas dafür konnten, daß sie mal eben in einem an sich 20minütigen Takt fahrend saubere 45 Minuten Verspätung aufgebaut hatten, während deren elend langsamen Verrinnens ich mir die Beine am Haltepunkt Neustädter Ländchen in den Bauch stehen konnte. Ich will auch mal simpel gestrickt sein und den ausführenden Organen die Schuld an allem geben, wozu sie nichts können. Ich bekomme es ja schließlich ebenfalls immer ab, obwohl ich nichts dafür kann, daß der Staat kein Geld mehr hat.

Dann erschien der Bus endlich. Da in der Zwischenzeit auf der Bahnhofsseite nach meinem Zug zwei weitere aus der gleichen Richtung kommenden entsprechenden Gefährte ihre Menschenmassen zwecks schienenloser Weiterbeförderung ausgespien hatten, füllte sich der ohnehin schon bis an die Grenzen beladene Bus bis zum geht nicht mehr.

Das muß ich mir nach einem Tag, an dem ich meine mir zugebilligte tägliche maximale Arbeitszeit wieder bei nur einer zehnminütigen Pause im unermüdlichen Dienst für Volk und VaterMutterWieauchimmerland nahezu bis an die Grenze ausgereizt hatte, echt nicht mehr geben. Außerdem hatte ich in meinem Stoffbeutel etwas Zerbrechliches. Eine meiner Teetassen verlangte nach einem dreiviertel Jahr des Dauereinsatzes mal wieder gespült zu werden. Vorfristig, sonst gibt es das nur zu Weihnachten.

Mein Blick fiel zufällig auf das elektronische Fahrgastinformationssystem. Ich begann zu überlegen. Der Anzeige war zu entnehmen, daß der Bus, der gerade prächtig überfüllt unmittelbar vor mir stand, überhaupt nicht da ist, sondern erst in ein paar Minuten kommt. Dies eröffnete zwei Möglichkeiten. Beide basierten auf der Annahme, daß die Anzeige nicht so ganz korrekt war.

Möglichkeit A:

Der vor mir stehende Bus wurde von dem System aus technischen Gründen nicht erfasst. Was bedeutet, daß nahezu unmittelbar hinter ihm der nächste Wagen der gleichen Linie fährt und in Bälde hier erscheint. Mit nur gut 20 Minuten Verspätung.

Möglichkeit B:

Der vor mir stehende Bus wurde von dem System aus technischen Gründen nicht ganz korrekterfasst. Ein Unterschied zu Möglichkeit A, denn dann wäre es keineswegs sicher, daß der nächste Wagen in ein paar Minuten erscheint.

Ein Zockerspiel, denn beide Optionen sind mir schon als Realität untergekommen.

Ich entschied mich von den Umständen geleitet dazu, meine Hoffnung auf Möglichkeit A zu setzen.

Der überfüllte Bus war gerade hinter der nächsten Kurve verschwunden, als auch schon der avisierte zweite Wagen erschien.

Leer.

Absolut leer.

Ich hatte ihn für mich alleine. Vom Busfahrer mal abgesehen, den ich durchaus als anwesend tolerieren konnte. Wenigstens etwas.

Die Aktion dann trotzdem wieder als Grund für Frustfressen hergehalten.

Mir ist keine Ausrede zu blöd.




Kommentare:

  1. Du spielst eben gerne - und, wenn's ÖPNV-Poker ist..:-)

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    1. Ja, aber beim ÖPNV-Poker ist mir der Einsatz zu hoch. Da geht es um Lebenszeit.

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  2. Lach ..da hamma sie wieder ..die kleinen Nicklichkeiten des Alltags ..Übrigens ..lange benutzte Teetassen werden mit einem Coregatab (20 Minuten einwirken lassen) wieder vollkommen salonfähig ..
    Gruß vonner Grete

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    1. Bitte keine Salonfähigkeit. So lange die Tasse noch ein wenig Siff zeigt, muß ich mir keine Sorge machen, daß sie jemand leihen will. Oder noch schlimmer.

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    2. Da erkennt man den Büroprofi. Ich fische einmal die Woche meine Tassen aus dem Büroküchenschrank, weil irgendwer beim Spülmaschinenausräumen eine TARDIS-Tasse nicht von einer einfachen, weißen. Keramikbechervariante unterscheiden kann. Es gibt halt Menschen mit wirklich schlimmen Einschränkungen.

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    3. Und diese Menschen können so froh sein, daß sie sich dessen noch nicht mal bewusst sind.

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