Donnerstag, 30. Oktober 2014

35 oder: Total der Schaden

In letzter Zeit schlafe ich wieder etwas schlechter, vor allen Dingen aber werde ich selbst für meinen Geschmack viel zu früh wach. 2 Uhr nochwas ist da einfach blöd, egal ob Lilly sich zu dieser Zeit gerade an meiner Heldenbrust angekuschelt hat oder Marty mir die Füße wärmt. Ok, wenn ich Smilla einmal dabei erwischen würde, nachts bei mir anzudocken, wäre mir dies eine gelegentlich etwas kürzere Schlafphase durchaus wert. Doch die Wahrscheinlichkeit, solches zu erleben, ist eher als gering anzusehen.

Gestern jedenfalls bin ich mit nahezu unmenschlicher Gewalt länger aufgeblieben, nur um mal wieder in so etwas wie einen akzeptablen Rhythmus hineinzukommen. Etwas Grübelei hat mich dann doch schon in der Koje liegend länger wach gehalten. Es gibt da nämlich ein Buch, welches ich sehr gerne hätte. Kostet aber 35 Euronen, was  sich in unserem Budget pekunär-monetär gerade etwas happig darstellt. Eine günstige Taschenbuchausgabe wird es nicht geben, das ist umständehalber sicher. Blöd.

Gerade war ich etwas weggedämmert, als meine Angetraute nach Hause kam, mich aus dem beginnenden Schlaf riss, den vorübergehend lillyfreien Platz an meiner Heldenbrust sicherte und – beichtete:

Auf dem Rückweg von ihrem üblichen mittwöchlichen TreibenTribaln steuerte sie unseren Balduin über eine herbstlich geprägte Straße, als der Vordermann an einem Zebrastreifen eine Vollbremsung hinlegte. Achtung, Radfahrer in Tarnfarben, ohne Licht und Reflektoren, kreuzt Straße und setzt sich ab. Auf der rutschigen Straße kam es, wie es kommen musste. Der kombinierte Ausweich- und Bremsversuch  meiner Angetrauten erwies sich als weitgehender Fehlschlag, Balduin rutschte auf den anderen Wagen auf.

Dessen Fahrer blieb relativ entspannt und zeigte sich nach kurzer Klärung der leiblichen Unversehrtheit zunächst auch weniger an den Wagen sondern mehr an dem Verbleib des Radfahrers interessiert, welchen er beinahe auf der Haube gehabt hätte. Ein voll krasser 3er-BMW fuhr im Schrittempo vorbei; die beiden gleichfalls voll krassen Spacken in seinem Inneren gafften.

Während die Verunfallten den erforderlichen Förmlichkeiten nachgingen, fuhr schließlich ein voll krasser 3er-BMW im Schrittempo vorbei; die beiden gleichfalls voll krassen Spacken in seinem Inneren gafften. Vier weitere Autos näherten sich im Laufe der Zeit. Die jeweiligen Fahrer erkundigten sich, ob Hilfe zu leisten sei. Ein voll krasser 3er-BMW fuhr übrigens auch noch im Schrittempo vorbei; die beiden gleichfalls voll krassen Spacken in seinem Inneren gafften.

Während nun die herbeigerufene Rennleitung erwartet wurde,  kam – nur mal so am Rande erwähnt - ein voll krasser… na, ihr wisst schon. Der Unfallgegner meinte auch nur, daß man da scheinbar Langeweile habe. Interessantes jedenfalls gab es nicht zu sehen. Keine Verletzten, keine Brände, keine explodierenden Autos. Kein Wunder, es waren ja auch keine amerikanischen Modelle beteiligt, welche bekanntlich einen gewissen Hang dazu haben, sich schon bei kleinsten Karambolagen mit einer optischen ansprechenden Explosion in ihre Einzelteile zu zerlegen. Wer schon mal den einen oder anderen Actionfilm gesehen hat, der weiß das. Die Spacken werden da wohl Experten sein.

Die Wagen waren fahrfähig, also konnte die nächtliche Angelegenheit nach Abzug der Rennleitung mit einer gewissen Zügigkeit zu einem vorübergehenden Abschluss gebracht werden.

Meine erhoffte Nachtruhe war damit natürlich erst mal Geschichte. Aber zumindest hatten sich meine Grübeleien über die potentielle Verwendung eines gewissen Betrages in Höhe von 35 Euro erledigt, denn das war tatsächlich die Summe, welche die Rennleitung meiner Angetrauten ob ihrer augenscheinlich unangepassten Fahrweise abknöpfte. Statt dessen konnte ich mir Gedanken über den möglichen Schaden und die Erbringung der versicherungstechnisch für den Fall der Fälle vereinbarten Selbstbeteiligung machen.

Heute holte mich meine Angetraute aus dem Büro ab, um auf dem Rückweg bei unserer Werkstatt vorbeizufahren. Die Schadenslage war recht zügig geklärt. Ein neuer Halter für das vordere Kennzeichen musste nach offenkundigem Bruch des Plastikrahmens her, das Licht wurde neu eingestellt und bei der Gelegenheit sorgten ein Wischlappen und Silikonreiniger beiläufig für die vollständige Entfernung einiger auf unserem Stoßfänger befindlichen Hinterlassenschaften eines Remplers, welcher unserem Balduin von einem flüchtigen Fahrer eines blauen Fahrzeuges schon vor einiger Zeit zugefügt worden waren.

Alles war also in Ordnung und keiner weiteren auszuführenden Arbeiten würdig. Die Werkstattkosten beliefen sich somit auf 0,00 – in Worten: Null – Euro. Wertarbeit eines asiatischen, so verunglimpften - Billigherstellers. Der von einem Grinsen untermalte Kommentar des JuniorChefs lautete in etwa: „Hin und wieder gibt es bei uns auch Service.“ Ja, nicht nur was das angeht sind wir hier ausnehmend zufrieden.


Der Unfallgegner fuhr übrigens ein deutsches Markenfabrikat. Wir sind sehr gespannt, ob wir von dieser Seite einen Totalschaden gemeldet bekommen. Die Sache mit der Selbstbeteiligung steht schließlich immer noch im Raum.




Kommentare:

  1. Ich finde ja immer nur wichtig, dass niemandem etwas körperlich passiert ist. Alles andere kann ärgerlich sein, ist aber letztendlich nur Geld.

    Überlege immer noch, ob mich der 3er BMW eher an "Und täglich grüßt das Murmeltier" oder "Inception" erinnert.

    Frage zum Buch: hast Du schon mal von rebuy gehört? Ich zahle inzwischen nur noch selten den vollen Preis für Bücher und kaufe mich dort dumm und dusselig (gut, bei neueren Büchern lohnt sich das nicht immer, aber einen Versuch wäre es sicher wert).

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    1. Bei dem Buch handelt es sich um ein frisch erschienenes, deutschsprachiges Tabletop-Regelwerk. Das gibt es noch nicht gebraucht. Und die Erfahrung sagt, daß man das auch später nur höchst selten gebraucht bekommen wird. Die Auflagen sind zu niedrig, und wer sich das kauft, der weiß was er tut und wird nicht wieder verkaufen.

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