Donnerstag, 30. Oktober 2014

35 oder: Total der Schaden

In letzter Zeit schlafe ich wieder etwas schlechter, vor allen Dingen aber werde ich selbst für meinen Geschmack viel zu früh wach. 2 Uhr nochwas ist da einfach blöd, egal ob Lilly sich zu dieser Zeit gerade an meiner Heldenbrust angekuschelt hat oder Marty mir die Füße wärmt. Ok, wenn ich Smilla einmal dabei erwischen würde, nachts bei mir anzudocken, wäre mir dies eine gelegentlich etwas kürzere Schlafphase durchaus wert. Doch die Wahrscheinlichkeit, solches zu erleben, ist eher als gering anzusehen.

Gestern jedenfalls bin ich mit nahezu unmenschlicher Gewalt länger aufgeblieben, nur um mal wieder in so etwas wie einen akzeptablen Rhythmus hineinzukommen. Etwas Grübelei hat mich dann doch schon in der Koje liegend länger wach gehalten. Es gibt da nämlich ein Buch, welches ich sehr gerne hätte. Kostet aber 35 Euronen, was  sich in unserem Budget pekunär-monetär gerade etwas happig darstellt. Eine günstige Taschenbuchausgabe wird es nicht geben, das ist umständehalber sicher. Blöd.

Gerade war ich etwas weggedämmert, als meine Angetraute nach Hause kam, mich aus dem beginnenden Schlaf riss, den vorübergehend lillyfreien Platz an meiner Heldenbrust sicherte und – beichtete:

Auf dem Rückweg von ihrem üblichen mittwöchlichen TreibenTribaln steuerte sie unseren Balduin über eine herbstlich geprägte Straße, als der Vordermann an einem Zebrastreifen eine Vollbremsung hinlegte. Achtung, Radfahrer in Tarnfarben, ohne Licht und Reflektoren, kreuzt Straße und setzt sich ab. Auf der rutschigen Straße kam es, wie es kommen musste. Der kombinierte Ausweich- und Bremsversuch  meiner Angetrauten erwies sich als weitgehender Fehlschlag, Balduin rutschte auf den anderen Wagen auf.

Dessen Fahrer blieb relativ entspannt und zeigte sich nach kurzer Klärung der leiblichen Unversehrtheit zunächst auch weniger an den Wagen sondern mehr an dem Verbleib des Radfahrers interessiert, welchen er beinahe auf der Haube gehabt hätte. Ein voll krasser 3er-BMW fuhr im Schrittempo vorbei; die beiden gleichfalls voll krassen Spacken in seinem Inneren gafften.

Während die Verunfallten den erforderlichen Förmlichkeiten nachgingen, fuhr schließlich ein voll krasser 3er-BMW im Schrittempo vorbei; die beiden gleichfalls voll krassen Spacken in seinem Inneren gafften. Vier weitere Autos näherten sich im Laufe der Zeit. Die jeweiligen Fahrer erkundigten sich, ob Hilfe zu leisten sei. Ein voll krasser 3er-BMW fuhr übrigens auch noch im Schrittempo vorbei; die beiden gleichfalls voll krassen Spacken in seinem Inneren gafften.

Während nun die herbeigerufene Rennleitung erwartet wurde,  kam – nur mal so am Rande erwähnt - ein voll krasser… na, ihr wisst schon. Der Unfallgegner meinte auch nur, daß man da scheinbar Langeweile habe. Interessantes jedenfalls gab es nicht zu sehen. Keine Verletzten, keine Brände, keine explodierenden Autos. Kein Wunder, es waren ja auch keine amerikanischen Modelle beteiligt, welche bekanntlich einen gewissen Hang dazu haben, sich schon bei kleinsten Karambolagen mit einer optischen ansprechenden Explosion in ihre Einzelteile zu zerlegen. Wer schon mal den einen oder anderen Actionfilm gesehen hat, der weiß das. Die Spacken werden da wohl Experten sein.

Die Wagen waren fahrfähig, also konnte die nächtliche Angelegenheit nach Abzug der Rennleitung mit einer gewissen Zügigkeit zu einem vorübergehenden Abschluss gebracht werden.

Meine erhoffte Nachtruhe war damit natürlich erst mal Geschichte. Aber zumindest hatten sich meine Grübeleien über die potentielle Verwendung eines gewissen Betrages in Höhe von 35 Euro erledigt, denn das war tatsächlich die Summe, welche die Rennleitung meiner Angetrauten ob ihrer augenscheinlich unangepassten Fahrweise abknöpfte. Statt dessen konnte ich mir Gedanken über den möglichen Schaden und die Erbringung der versicherungstechnisch für den Fall der Fälle vereinbarten Selbstbeteiligung machen.

Heute holte mich meine Angetraute aus dem Büro ab, um auf dem Rückweg bei unserer Werkstatt vorbeizufahren. Die Schadenslage war recht zügig geklärt. Ein neuer Halter für das vordere Kennzeichen musste nach offenkundigem Bruch des Plastikrahmens her, das Licht wurde neu eingestellt und bei der Gelegenheit sorgten ein Wischlappen und Silikonreiniger beiläufig für die vollständige Entfernung einiger auf unserem Stoßfänger befindlichen Hinterlassenschaften eines Remplers, welcher unserem Balduin von einem flüchtigen Fahrer eines blauen Fahrzeuges schon vor einiger Zeit zugefügt worden waren.

Alles war also in Ordnung und keiner weiteren auszuführenden Arbeiten würdig. Die Werkstattkosten beliefen sich somit auf 0,00 – in Worten: Null – Euro. Wertarbeit eines asiatischen, so verunglimpften - Billigherstellers. Der von einem Grinsen untermalte Kommentar des JuniorChefs lautete in etwa: „Hin und wieder gibt es bei uns auch Service.“ Ja, nicht nur was das angeht sind wir hier ausnehmend zufrieden.


Der Unfallgegner fuhr übrigens ein deutsches Markenfabrikat. Wir sind sehr gespannt, ob wir von dieser Seite einen Totalschaden gemeldet bekommen. Die Sache mit der Selbstbeteiligung steht schließlich immer noch im Raum.




Mittwoch, 29. Oktober 2014

Ich gebe der Hoffnung Ausdruck

Sehr geehrte Damen und Herren der Neustädter Öffentlicher Nahverkehrsgesellschaft (NÖP),

wie nahezu jeden Morgen mache ich mich jetzt auf den Weg zur Arbeit. Zu eben diesem Zwecke gedenke ich, eines der von Ihnen gemäß öffentlichem Aushang der Unverbindlichen Fahrempfehlung zu erwartenden Einsatzfahrzeuge zu benutzen.

Damit gebe ich der Hoffnung Ausdruck, daß es heute zumindest mal erscheint. Es war nicht sehr schön, gestern an der Haltestelle ohne jegliche Sitzgelegenheit und natürlich bar jeden Wetterschutzes geschlagene 40 Minuten dumm herumstehend auf den nächsten Bus warten müssen, bloß weil mal wieder ein Fahrzeug ausgefallen ist.

So freundlich es geht
Ihr

Paterfelis



Dienstag, 28. Oktober 2014

Feuer

Nur mal so angedacht, rein hypothetisch natürlich, etwas abstrahiert und mit keinen Dingen der Realität in Zusammenhang stehend:

Macht es wirklich Sinn, im Falle eines lodernden Fettbrandes in der Küche erst mal die Windlichter auf der Terrasse zu löschen?




Montag, 27. Oktober 2014

Wir machen den Weg frei - denkste

Himmelherrgottnochmal!

Ist es denn so schwierig zu verstehen, daß man mit der Verwendung einer groben Kelle schon mal schneller vorankommt als durch den Einsatz chirurgischen Präzisionsgerätes?

Außerdem möchte ich dem Typen, der heute gefühlte Ewigkeiten unter meinem Bürofenster stand und mit irgendeinem elektrotechnischen Gerät und schlechten Lautsprechern immer und immer wieder das gleiche Lied abspieltedudelte, gerne einen Amboss spendieren. Von oben direkt auf den Schädel.

Und da ich gerade so schön in Fahrt bin: Weiß irgend jemand, wer diese Terrortaste Wahlwiederholungstaste für Telefone und ähnliche überflüssige Gerätschaften erfunden hat? Und bei der Gelegenheit möchte ich auch dem Typen begegnen, der selbiges mit der automatischen Rückruffunktion getan hat? Ich hasse sie alle. Pest, Hölle und Verdammnis, mögen sie auf ewig in siedendem Öl garen.




Samstag, 25. Oktober 2014

Weihnachten naht

Selbst der größte Ignorant, sei es aus Vorsatz oder aus reiner Tüddeligkeit, wird spätestens bei einem Einkaufsbummel nicht umhin kommen festzustellen, daß Weihnachten naht. Diese Erkenntnis hatten auch die Kollegen meines Fachbereiches im LASA damals in der guten, alten Zeit, also vor ungefähr einer Woche, gewonnen. Natürlich zieht dieses Wissen gewisse Konsequenzen nach sich.

Geschenke kaufen kann man später, denn schließlich fällt der Heilige Abend in diesem Jahr auf einen Mittwoch. Also haben die Geschäfte an dem Tag noch bis mittags geöffnet. Zeit genug. Was aber jetzt so langsam auf den Weg gebracht werden sollte ist die Reservierung eines Tisches in einem Restaurant, in welchem man sich zu einem harmonischen Miteinander nach Feierabend zusammenzufinden gedenkt.

Unsere wöchentliche Dienstbesprechung näherte sich dem Ende zu. Dr. Strebsinger sprach die abschließenden Worte und fragte wie üblich nach, ob wir noch was hätten.  Ja, hätten wir. Helga meldete sich zu Wort und erklärte kurz, daß man noch über den Termin für das Weihnachtsessen sprechen wollte.

Dr. Strebsinger war an diesem Essen nicht beteiligt, erkundigte sich aber dennoch, wohin es denn dieses Jahr ginge.

„Zu einem Spanier in Gutterburg. Dabei handelt es sich mehr um einen Verein mit Restauration. Da er keinen Gewinn erzielen darf, sind die Preise auch ganz günstig.“ vermeldete Helga.

(Sollte sich jetzt jemand unter meinen wissenden Bloglesern daran erinnern, daß es sich dabei doch bestimmt um eine Veranstaltung handeln wird, an welcher der gute alte Paterfelis teilzunehmen keine Freude haben dürfte, dann trügt diese Erinnerung mitnichten. Weswegen ich dies wohl auch nicht machen werde. Aber es wäre ja auch nicht so gut, den Kollegen immer den Chinamann aufzunötigen, oder?!)

„Wir müssen jetzt noch klären, wie wir die Zeit zwischen Feierabend und Öffnung des Restaurants totschlagen. Da sind ja weder Eislaufbahn noch Weihnachtsmarkt in der Nähe.“ wandte Sven ein.

Der Ökoklaus hatte die Idee. „Wir könnten ja zum Obi fahren. Da ist doch einer.“

Dr. Strebsinger war irritiert. „Sie wollen ihre Weihnachtsfeier beim Obiveranstalten?“

„Nein, aber da kann man Verkäufer in den Wahnsinn treiben und Glühwein trinken. So zur Überbrückung der Zeit. Das ist bestimmt sehr unterhaltsam.“

(Du meine Güte, was bin ich froh, nicht dabei zu sein. Noch so ein lebend gewordener Alptraum für mich.)

„Beim Obi gibt es Glühwein?“

„Zumindest bei diesem. Und wenn wir da als Horde einfallen, kommt das bestimmt richtig gut.“

„Ähm, ja.“ meinte Dr. Strebsinger grinsend. „Dann fahren sie mal schön zum Obi. Ich gehe zu IKEA, da bekomme ich mein Essen früher.“

Ich bin übrigens durchaus der Meinung, daß Dr. Strebsinger zuweilen auch in der Lage ist, die richtigen Prioritäten zu setzen. Wie man gerade wieder erlebt hat.




Freitag, 24. Oktober 2014

Das wirklich wahre Leben




Die unmögliche Tatsache


Palmström, etwas schon an Jahren,
wird an einer Straßenbeuge
und von einem Kraftfahrzeuge
überfahren.

„Wie war“ (spricht er, sich erhebend
und entschlossen weiterlebend)
„möglich, wie dies Unglück, ja –
daß es überhaupt geschah?

Ist die Staatskunst anzuklagen
in bezug auf Kraftfahrwagen?
Gab die Polizeivorschrift
hier dem Fahrer freie Trift?

Oder war vielmehr verboten,
hier Lebendige zu Toten
umzuwandeln, - kurz und schlicht:
Durfte hier der Kutscher nicht -?

Eingehüllt in feuchte Tücher,
prüft er die Gesetzesbücher
und ist alsobald im klaren:
Wagen durften dort nicht fahren!

Und er kommt zu dem Ergebnis:
„Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil“, so schließt er messerscharf,
„nicht sein kann, was nicht sein darf!“



Christian Morgenstern




Donnerstag, 23. Oktober 2014

Mehr als nur Vorahnungen

Die Spitze des Berges wurde überwunden und anschließend entfernt.

Nur dumm, daß es ein Eisberg war und jetzt der Teil zum Vorschein kommt, der sich unter Wasser verborgen hatte.




Falls es hier in den nächsten Tagen ruhiger werden sollte, mache ich wohl gerade wieder kostenlose Überstunden. Und die auch garantiert ohne Zeitanrechnung oder ähnliche Dinge, um meinen und anderer Leute Arsch zu retten. Ab jetzt geht es mehr als nur um Anranzer. In Bad Husten droht ein Amoklauf. Und zwar nicht meiner.




Mittwoch, 22. Oktober 2014

Das ging aber schnell

Im Moment absolviert eine unserer Azubienen aus Bad Husten bei uns ein Praktikum. So etwas findet regelmäßig statt, um unseren jungen Nachwuchs aus der kuscheligen Atmosphäre der Ausbildung in der Hauptverwaltung zu reißen und mit den Realitäten des Lebens zu konfrontieren. Gar nicht so verkehrt.

Während Nadja bei uns mir im Raum die durch Mandys Abwesenheit bedingte temporäre Umverteilung aller anfallenden Arbeiten für alle Anwesenden organisierte, erzählte sie mir von ihren ersten Eindrücken.

„Weißt du, in den ersten beiden Tagen waren Karla und ich ja doch ziemlich schweigsam zu unserer Auszubildenden, aber dann konnte ich mich nicht mehr zurückhalten.“

„Was war denn los?“

„Ich habe ihr gesagt, daß wir nicht so ruhig waren, weil wir sie nicht leiden können, sondern weil man uns verboten hat, was Schlechtes über unsere Außenstelle zu erzählen. Und was Gutes fällt mir nicht ein.“

„So so.“

„Ja, aber dann habe ich es nicht mehr ausgehalten. Außerdem ist die ja nicht doof und bekommt doch mit, was bei uns los ist.“

„Vermutlich. Und was sagte sie?“

„Sie meinte, daß Dr. Strebsinger wohl auch etwas seltsam zu sein scheint.“

Respekt! Wenn das jemand, der seit Jahrzehnten mit immer wieder anderen Außenstellenleitern und Menschen in vergleichbaren Positionen zu hat, nach zwei Tagen merkt, halte ich das für durchaus begründbar.

Aber eine Auszubildende, die bislang nur maximal zwei von der Sorte kennengelernt haben sollte?

Es würde mich jetzt ja schon brennend interessieren, was Dr. Strebsinger da wieder angestellt hat.




Montag, 20. Oktober 2014

Spielplatzimpressionen

Während des Sommers haben wir unseren Grill nicht ständig auf der Terrasse stehen. Das Gerät ist aus meiner Sicht viel zu teuer, um es dort klauen zu lassen. Die Nachbarschaft hat da im Hinblick auf ihre eigene entsprechende Ausrüstung zwar eine abweichende Meinung, was aber nicht mein Problem sein soll.

Da ich auch nur eine ausnehmend geringe Lust verspüre, das schwere Ding regelmäßig wieder in den Keller zu schleppen oder dort wieder rauszuholen, wird es während der Hauptsaison eben irgendwo in der Wohnung geparkt, wo es nicht stört. Darunter befindet sich zu eben dieser Zeit meistens die bereits bekannte Wolldecke, welche von der Katzenbande während der Zeit der Verfügbarkeit zum Herumtoben genutzt wird.

Nun, zum Ende der Hauptsaison, habe ich den Grill doch endlich an seinen eigentlichen Aufbewahrungsort gebracht. In der winterlichen Nebensaison wird zwar auch auf der Terrasse gegrillt, aber nicht ganz so oft. Also erst mal weg damit.

Für die Katzenbande haben wir die Wolldecke noch etwas liegenlassen und Spielzeug ausgelegt: eine Kugelbahn und ein Kifferdingens, welches mit Katzenminze ausgestattet wurde.

Und das sieht dann wie folgt aus:


Kiffen gefährdet den äußeren Eindruck.

Hin und weg

Du kommst da nicht durch.

Nicht reiben, sondern Stelle merken und waschen

Wie immer: alle gleich

Die Letzte muß aufräumen. 

Wir haben auch noch Verlängerungsstücke für die Kugelbahn. Muß ich unbedingt mal ausprobieren, 





Samstag, 18. Oktober 2014

Klebrige Angelegenheiten

Wieder einmal werden hier die wichtigen Fragen an das Leben gestellt. Die wirklich wichtigen Fragen.

Zum Beispiel die Frage, warum sich in diesem Haushalt Unmengen an mit Marmelade gefüllte Gläser stapeln. Und sich von diesen nur die Zahl der Erdbeermarmeladengläser nach regelmäßiger vorheriger Aufstockung beständig reduziert.

Gut, ich räume ein, daß hier nicht alle Marmeladengläser mit Marmelade und erst recht nicht alle Erdbeermarmeladengläser tatsächlich mit Erdbeermarmelade gefüllt sind. Wobei die Betonung auf Marmelade liegt. Mir ist es egal, ob es sich in den jeweils konkreten Einzelfällen tatsächlich um Marmelade, Konfitüre,  Gelee, Mus oder Kompott handelt. Es geht um zuckerverstärkte Brotaufstriche auf Basis von Obst – oder das, was landläufig dafür gehalten wird. Und deren permanente Reduzierung um die erdbeerhaltigen Sorten. Wenn Haselnüsse und Erdnüsse als Obst zählen würden, könnte man natürlich Nuss-Nougat-Cremes und Erdnussbuttercrems in meine Auflistung einbeziehen.  Ja, ich weiß, daß die gemeine Haselnuss auch als Schalenobst gesehen wird. Aber eher nicht im landläufigen Sinne. Denn sie ist nicht saftig. So!

(Ich hasse Klugscheißer. Es sei denn, ich klugscheiße selbst. Nur mal so zur Klarstellung, damit wir uns hier verstehen.)

Aus dieser Perspektive gesehen ist es gut, daß sich insbesondere Haselnüsse und Erdnüsse eben nicht zu den nach landläufiger Lesart als solche angesehene Obstsorten zählen lassen. Denn sonst würde sich die Fragestellung etwas komplexer gestalten. Also beschränken wir uns auf Erdbeermarmelade. Denn die ist schließlich auch zentraler Gegenstand der heutigen Fragestellung.

Kaum ist in diesem Haushalt ein Erdbeermarmeladenglas geöffnet, lässt sich auch schon der im Regelfall klarsichtige Boden bei allgemeiner Betrachtung des geöffneten Glases von oben erahnen. Und warum? Weil das Glas schon wieder fast geleert wurde.


Erdbeermarmeladenglas - aktuelle Draufsicht bei geöffneten Deckel

Aber wie? Und warum? Die Frage nach dem weshalb stelle ich schon gar nicht mehr.

Was mich betrifft, wird Erdbeermarmelade nur sehr dünn auf die dafür vorgesehene Unterlagen gestrichen. Eine passende Unterlage besteht aus meiner eindeutigen Sicht der Dinge nur in Ausnahmefällen aus einem Butterbrot oder Butterbrötchen. Eher wird es sich um ein Brot oder Brötchen mit Frisch- oder Hüttenkäse handeln. Darunter mag ich keine Butter. Man könnte natürlich hilfsweise auch ein Camembert- oder Briebrot oder –brötchen zur Hilfe nehmen. Da sich darunter aber zumindest in meinem Fall doch wieder Butter befindet, erweitert sich die Liste hiermit um Camembertbutterbrötchen, Camembertbutterbrote, Briebutterbrötchen und Briebutterbrote. Mit dünn aufgestrichener Marmelade. Erdbeermarmelade. Auch gerne mal unter Weglassen von Butter, Brötchen oder Brot. Aber unter Beibehaltung des Camemberts. Oder des Bries. Der Rest ist ohnehin nur überflüssige Sättigungsbeilage.

Gesalzene Butter als Trennschicht zwischen Brot oder Brötchen und Erdbeermarmelade ist übrigens auch sehr lecker. Nur mal so am Rande.

Brote oder Brötchen mit Erdbeermarmelade sind grundsätzlich ungeeignet, um von mir als Pausenbrot oder Pausenbrötchen mitgenommen zu werden. Was sie in der Benennung natürlich zu Pausenerdbeermarmeldenbutterbrötchen etc. machen würde. Es ist nunmehr darauf hinzuweisen, daß derartige Brötchen in einer Brotdose Brötchendose stets ein klebendes Chaos hinterlassen. Weswegen ich Entsprechendes verweigere. Ich bin kein Chaot. Wenn ich denn mal was zu Essen ins Büro mitnehme, ist es jedenfalls nichts, was mit Marmelade in Kontakt stand.

Wir erreichen gemeinsam Punkt 2 der Betrachtung: die zweitbeste Ehefrau von allen. Sie frühstückt eher selten, zumeist nur am Wochenende, überwiegend aber nur sonntags. Mit mir zusammen. Der Anteil an Erdbeermarmelade, den sie auf ihr Brot oder Brötchen - ich verzichte aufgrund eines gewissen auch von mir favorisierten Leseflusses jetzt und im Weiteren auf die politisch korrekte Aufzählung der in Frage kommenden Alternativen - im Verhältnis zur Erdbeermarmeladenunterlage streicht, ist bedeutend höher als in meinem Fall. Aufgrund der geringeren Frühstücksfrequenz relativiert sich dies jedoch wieder.

Werfe ich einen Blick in den Kühlschrank, finde ich sowohl noch originalverschlossene als auch teilweise seit Urzeiten geöffnete Gläser mit anderen Marmeladen. Alle noch genießbar. 


Aktuelle Auswahl, außer dem Samt und der Erdbeermarmelade alles OVP

Ein Blick in das Lebensmittelkellerregal zeigt mir gleichfalls Unmengen an noch genießbaren Marmeladen an. Alle ungeöffnet. Seit Jahren. Obwohl die Sorten durchaus als lecker angesehen werden können.
 

Aktuelle Auswahl aus dem Vorratsregal


Selbst wenn ich heldenmütig beim Decken des Frühstücktisches eines dieser anderen Gläser, die so genannten Abweichler, mit auf den Tisch stelle, passiert mit ihnen und ihren jeweiligen Inhalten genau rein garnichts. Es geht niemand ran.

Warum aber werden die Dinger immer wieder gekauft? Und wohin verschwindet die Erdbeermarmelade so schnell, obwohl auch diese hier nicht so übertrieben intensiv gegessen wird?

Ich weiß es auch nicht.

Dann wandern die Abweichler eben in die Erbmasse. Vielleicht werden das ja mal gesuchte Sammlerstücke aus alter Zeit.

Historiker werden mal ihre Freude daran haben.




Freitag, 17. Oktober 2014

Paterfelis spielt - nicht mehr (3)

Der nächste Knackpunkt war der zunehmende Wegfall von Räumlichkeiten. Wir benötigten schließlich Fläche. Wie bereits erwähnt, ist die Standard-Spielflächengröße 120 x 180 cm, gerne auch mehr. Einige Systeme kommen bei zwei Spielern mit 90 x 90 cm aus, was aber auch schon eine Ansage sein kann. Bei Ulf konnten wir immer weniger spielen. Ich hatte zu den ihm schichtdienst- und anderen zeitaufwendigen Hobbys bedingt genehmen Zeiten auch das Auto nicht mehr zur Verfügung, da es aufgrund der berechtigten Ambitionen meiner Angetrauten in Richtung Selbständigkeit von dieser vermehrt in Anspruch genommen werden musste. Die An- und Abreise mit dem öffentlichen Nahverkehr gestaltet sich schwierig, wenn der letzte Bus am Zielort samstags um 14 Uhr und dann erst wieder am Montag fährt.

Mit der Zeit ergab es sich, daß nur noch mein heimischer Metzelsaal, unser Gartenzimmer im Souterrain, als Spielort zur Verfügung stand. Dies gefiel mir nicht, da nicht alles damit stehen und fallen sollte, ob ich Zeit hätte oder nicht. Mir würde es psychisch zu anstrengend werden, immer anwesend sein zu müssen. Außerdem war ich somit auch in der Verpflichtung, unsere Wohnung in einem vorzeigefähigen Zustand zu halten, was seinerzeit aber unter anderem wegen des langwierigen Umbaus unseres Arbeitszimmers zum Mädchenzimmer meiner Angetrauten nicht möglich war. Mir wurde es zunehmend peinlich, die Tür für andere zu öffnen, das Chaos hatte überhand genommen. Ich brauche eine Umgebung, in der ich mich wohl und sicher fühle, wenn ich mich mit anderen Menschen auseinandersetzen muß. Die hatte ich aber nicht mehr. Außerdem wurde die Terminfindung immer schwieriger, da außer Ulf auch einige weitere Spieler an Wochenenden arbeiten mussten bzw. deren familiäre Situation es nicht gestattete, sich an Wochenenden mit anderen Dingen als eben dieser Familie zu beschäftigen. Ehefrauen und Freundinnen können da schon etwas eigen sein. Für mich jedoch ergaben sich nur an Wochenenden die Möglichkeiten des Spielens.

Schließlich fand man nach längerer Suche die Gelegenheit, sich außerhalb irgendwelcher selbst genutzter Wohnungen in leerstehenden Bürogebäuden auszutoben. Wir durften die dort von einer Brettspielgruppe angemieteten Räume gelegentlich mitbenutzen. Doch wurden diese Gebäude nach einiger Zeit planmäßig abgerissen.

Nun sollte es eine bestimmte Kneipe sein, auf deren Kegelbahn wir uns spieltechnisch vergnügen konnten. Die Zeit der großen Tabletops war damit für uns vorbei, es ließen sich nur noch Spiele mit wenig Platz- und Materialbedarf veranstalten. Außerdem war der Termin immer donnerstags ab 19.00 Uhr. Unmöglich für mich, ihn wahrzunehmen, denn mit dem ÖPNV war die Anreise für mich viel zu aufwendig. Außerdem sehe ich mich nicht in der Lage, morgens um 4.30 Uhr aufzustehen, zu arbeiten, und dann nach einem Umweg über zu Hause noch an Spielen teilzunehmen, die von den Spielern doch ein deutlich höheres Konzentrationsniveau verlangen als Mensch-ärgere-dich-nicht und die zumeist mehr als zwei Stunden reine Spielzeit in Anspruch nehmen. Ich weiß es nicht, wie die anderen es nach Ende ihrer Arbeitszeit so hinbekommen, aber bei mir geht dann in Richtung geistiger Anstrengung nichts mehr.

Das Forum hatten wir mittlerweile aufgegeben und eine Facebook-Gruppe gegründet. Zu dieser Zeit war ich ohnehin mental eher schlecht eingestellt. Die große Tanzshow stand an. Im Vorfeld gab es mit einem Beteiligten massive Querelen, welche aufgrund seiner Position im Zusammenhang mit der Show durchaus dazu führen konnte, daß alles kurzfristig abgesagt werden müsste. Ich möchte hier nicht näher darauf eingehen.

Nach der Show begann ich, deren Geschichte zu erzählen. Die Querelen und die Rolle des Beteiligten verschwieg ich weitgehend. Niemand sollte in ein schlechtes Licht gerückt werden. Dennoch wurde ich zu dieser Zeit massiv von ihm dahingehend angegangen, daß ich die Veröffentlichung dieser Erzählungen zu unterlassen habe. Dies geschah noch bevor ich mit meiner Erzählung an die Stelle kam, zu der es für ihn überhaupt kritisch hätte werden können, wenn ich wirklich alles verarbeitet hätte. Und trotzdem war er nicht zufrieden, an vielen Stellen meines Textes wurde Unmögliches reininterpretiert. Dabei war diese Person im Text noch nicht mal ansatzweise zu identifizieren. Nicht für die meisten Beteiligten und schon gar nicht für Außenstehende, und alleine um die ging es. Dennoch zogen mich diese Angriffe weiter runter, bis ich meinen Rundumschlag startete und mich von allen Außenkontakten zurückzog. Ich löschte alles, wirklich alles aus meinem Facebook-Konto, welches ich später gänzlich aufgab. Fast sämtliche Kontakte flogen damals raus, ebenso meine Kontakte aus der Facebook-Gruppe des Spielerkreises. Meine Devise lautete Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Diese Form des Rückzugs ist ein Damoklesschwert, welches über allen meinen Aktivitäten schwebt - auch über das Blog hier und den vielen Kleinigkeiten darum herum.

Der damalige soziale Rückzug besiegelte das endgültige Ende meiner Tabletop-Karriere sowie meiner außerhalb des Büros gepflegten Kontakte. Seit dieser Zeit habe ich niemanden außerhalb der Familie, das heißt Eltern und Schwiegereltern, mehr besucht und keinerlei Besuche mehr empfangen. 

Obwohl es theoretisch sehr einfach wäre, Anschluß an eine andere regionale Gruppe zu erhalten, habe ich nicht mehr die Kraft und auch nicht den Willen dazu, mich nochmal auf eine solche Herausforderung einzulassen. Denn das ist es für mich: eine Herausforderung. Die Mauern sind zu massiv. Es ist nach fast 15 Jahren wirklich intensiver Beschäftigung mit dem Thema vorbei.

Heute verfolge ich die Szene nur noch aus der Ferne, schaue mir die Neuigkeiten via Internet an und trauere den alten Zeiten nach. Geblieben sind Unmengen von eingelagerten Spielen und Miniaturen sowie der gelegentliche Kauf eines neuen deutschsprachigen Regelwerkes aus der Tabletop-Szene, weil mich die Regeln interessieren. Fast wie früher.

Das war es also: Paterfelis, das leidenschaftliche Spielkind, spielt nicht mehr.



(Ende)




Mittwoch, 15. Oktober 2014

Fahrt doch endlich

Und hier ein rechtlicher Hinweis an alle Teilnehmer des bundesdeutschen Kraftverkehrs:

Fährt ein Polizeiwagen mit 100 km/h auf der rechten Spur eines Autobahnteilstücks, auf dem keinerlei Geschwindigkeitsbegrenzung herrscht,…

…DANN DARF MAN DEN WAGEN RUHIGEN GEWISSENS ÜBERHOLEN!

Niemand ist gezwungen, die Fahrt auf der linken Spur abzubrechen, hinter dem Polizeiwagen nach rechts einzuscheren und zur Kolonnenbildung beizutragen. Wirklich nicht.

Müsst ihr einfach mal ausprobieren. Es funktioniert. Die wollen nur spielen.




Dienstag, 14. Oktober 2014

Paterfelis spielt - nicht mehr (2)

Gemeinsam mit ein paar anderen Unzufriedenen, darunter Ulf, verabschiedeten wir uns also aus dem Forum. Es wurde einem anderen Spieler übertragen, der die Gruppe bis heute organisiert. Man ist dort zufrieden, die Gruppe wächst und gedeiht. Zumindest soviel bekomme ich mit. Direkte Kontakte habe ich keine mehr. Es ist schön zu sehen, etwas auf den Weg gebracht zu haben, auch wenn es sich anders entwickelte als geplant.

Die Abtrünnigen zogen in ein neues Forum. Viele waren wir nicht mehr, denn wir Rädelsführer hatten nur die Spieler angesprochen, die wir persönlich kannten und bei denen vermutet werden durfte, daß sie unsere Spielphilosophie teilten. Unser Problem war jedoch, daß wir nun auf einer Vielfalt von Spielsystemen saßen, aber keines dominierte. Das Interesse an Warhammer war verloren gegangen, denn durch verschiedene Regeländerungen hatte sich der Spielcharakter derart verändert, daß es uns nicht mehr gefiel. Alles auf den Stand einer älteren Edition zurückzusetzen war schwierig, denn das Spielsystem mit deinem Grundregelwerk und den völkerspezifischen Erweiterungsregeln unterliegt einem ständigen Fluss.

Wir versuchten, neue zentrale Spielsysteme zu etablieren, an denen die ganze Gruppe, oder zumindest eine Mehrheit, ihren Spaß haben sollte. Die weiteren Systeme ließen sich ja unabhängig davon spielen. Wenn man denn einen Gegner finden würde. Wieder gab es das Bemühen um eine Blood Bowl-Liga. Sie scheiterte, allerdings veranstalten wir Meisterschaftswochenenden, an denen turnierartig gegeneinander gespielt wurde. Mit unseren verbliebenen Spielern bestand die Gewähr, ein solches Turnier entspannt und unverbissen abhalten zu können.

Ein weiterer Versuch bildete das Spiel Behind Omaha, welches als historischen Hintergrund die Landung der Alliierten in der Normandie hatte. Ein paar Spiele fanden statt, aber wiederum ergab sich keine Regelmäßigkeit. Gleiches galt auch für Wings of War (später Wings of Glory genannt), ein schnelles, zügig lernbares Spiel um Luftkämpfe im ersten Weltkrieg. Alles wurde nur noch sehr halbherzig angegangen. Aber immerhin hatten wir noch so viel Spaß dabei, daß während der Dauer der Luftkämpfe historische Marschmusik aus dem CD-Player dröhnte. Die würden wir zwar ansonsten niemals hören wollen, aber man hat während des Spielens mit den Modellen der historischen Flieger ja auch Stil an den Tag zu legen.

Unsere Richtung, ein historisches Tabletop in unserer Gruppe zu etablieren, wurde aber beibehalten. So beschafften wir uns Regeln und Figuren für Field of Glory, welches in der Antike spielte. Es fand kein einziges Spiel statt. Als nächstes starteten wir mit Freebooter‘s Fate. Nach einigen Spielen, die sehr positiv liefen, war es auch hiermit vorbei. Nun ging es an Warmaster, welches im Warhammer-Universum spielt, regeltechnisch aber eher den historischen Tabletops nahe ist. Wir beschränkten die Modellauswahlen auf alles, was historisch möglich war und kauften online bei einem britischen Hersteller ganze Armeen aus Zinnfiguren im 10 mm-Maßstab, passend zum Hundertjährigen Krieg, zu einem sehr günstigen Preis. Kein Spiel fand jemals statt. 

Dann sollte es napoleonisch werden. Wir fanden eine inoffizielle Warmaster-Variation, für welche wir Modelle im Maßstab 1/72 verwendeten. Ich kaufte alles zusammen, als Ulf der Meinung war, ein Spiel im 28 mm-Maßstab sei schöner. Ohne mich, kein Bedarf. Als letzter ernst gemeinter Versuch, ein Spiel ans Laufen zu bekommen, gestaltete sich X-Wing. Es ging in dieser wankelmütige Richtung weiter, BattleTech kam verstärkt ins Gespräch, während ich mich wieder mal ausklinkte. Bereits im Vorfeld hatte ich kritisiert, daß insbesondere Ulf zu wankelmütig in seinen Interessen war, alles begann und nichts zu Ende führte. Ihm machte es nichts aus, seine Sachen wieder zu verkaufen. Mir allerdings schon, so daß sich Unmengen von Figuren bei mir ansammelten und sowohl das Geld als auch der Wille zum Kauf weiterer Miniaturen fehlten.


(wird fortgesetzt)




Montag, 13. Oktober 2014

Gedankenspiele

Eines Tages kam ich an Helgas Büro vorbei. Es war in der Mittagszeit, Helga wusste nicht so recht, was sie in ihrer Pause mit sich anfangen sollte. Also sprach sie mich an. Wir wechselten die üblichen, zumeist belanglosen Worte. Schließlich rückte sie doch noch mit einer Frage raus.

„Sag mal, Paterfelis, willst du dich nicht auf die zweite Fachbereichsleiterstelle hier oben bewerben, wenn die mal frei wird? So lange wird das ja auch nicht mehr dauern.“

Ich verneinte meine diesbezüglichen Ambitionen. Dies hat durchaus verschiedene Gründe. Nachdem wir die ernsthafteren darunter abgearbeitet hatten, kam ich zu meinem Totschlagargument.

„Außerdem habe ich keinen Anzug.“

„Wieso Anzug?“

„Unser Geschäftsführer besteht doch darauf, daß man ab der Ebene des Fachbereichsleiters einen Anzug zu tragen hat. Zumindest dann, wenn er es sieht. Keine Jeans mit Sakko oder so etwas, sondern Anzug.“

„Kann man für das Vorstellungsgespr… ähm, Interview auch leihen.“

„Nein. Ich bin kein Typ für Anzüge. Und du weißt doch, daß ich mich weigere, Krawatten zu tragen.“

„Ich habe mal eine getragen.“

„Du?!“

„Ja. Es ging um eine Feier. Mit Verkleidung. Meine Begleiterinnen trugen alle etwas mit superkurzen Miniröcken, eher breiten Gürteln. Das wollte ich nicht. Also habe ich mich als Schulmädchen verkleidet. Mit Schuluniform. Da konnte der Rock etwas länger bleiben.“

„Du hast dich als Schulmädchen verkleidet?“

„Ja.“

Zwischenzeitlich hatte sich der Ökoklaus zu uns gesellt.

„Habe ich das richtig gehört? Helga hat sich als Schulmädchen verkleidet?“

Er grinste.

„Ja, habe ich.“

„Gibt es da auch einen Film von?“ fragte ich.

„Quasi einen Report?“ ergänzte der Ökoklaus.

„Es kann sein, daß da jemand was aufgenommen hat.“

„Helga, du weißt schon, daß du dich gerade um Kopf und Kragen redest?“

„Warum?“

Ja, warum wohl? Ich glaube, ich muß mal eben was nachsehen...




Sonntag, 12. Oktober 2014

Er lernt es nie

Auch wenn der Titel diese Eintrages vielleicht etwas anderes vermuten lässt, geht es dieses Mal nicht um Dr. Strebsinger, sondern um unseren allseits bekannten Hauskater Marty.

Das kleine Muskelpaket hat ja doch ein gewisses Schmusebedürfnis. Dies verfolgt er nicht nur in den Ritualen mit uns, sondern auch mit den beiden Damen an seiner Seite. Im Gegensatz zur verstorbenen Sally scheinen die ihm dahingehend aber weiterhin nur wenig entgegenkommend zu sein.







Feingefühl ist einfach nicht seine Stärke.




Samstag, 11. Oktober 2014

Paterfelis spielt - nicht mehr (1)

Mein Streifzug durch die Welt des Spielens nähert sich dem Ende. Ihr konntet mich dabei begleiten und erfahren, daß ich als Kind vielleicht schon ein wenig schräg drauf war, wie ich dem Monopoly-Wahn erlegen bin, Gesellschaftsspiele nahezu gesammelt habe und über heute vielleicht exotisch anmutende Wege zum Tabletop-Spiel gefunden habe. Auf der bis in die Gegenwart gezeichneten Strecke habe ich die Welt der Modelleisenbahn und der Videospiele aus bestimmten Gründen außen vor gelassen. Vielleicht komme ich später nochmal darauf zu sprechen. Sie sind für die Streckenführung bis zur nun anstehenden Finalrunde nicht so sehr von Bedeutung.

Über den gesamten Weg verstreut finden sich immer wieder Aspekte meiner Persönlichkeit, die ich aus der Nachschau als kleine Randmarkierungen ansehe. Und bis zum Schluss werden sich weitere Markierungen finden.

Tauchen wir wieder ein in die Welt, die mir so viel bedeutet hat.

Der Markt an Tabletop-Spielen ist weit gefächert. Viel weiter, als sich ein Außenstehender überhaupt vorstellen möchte. Und auch wenn wir uns in unserer Gruppe darauf beschränkt haben, nur Spiele in Angriff zu nehmen, für die deutschsprachige Regeln vorliegen, bleiben noch genügend Optionen übrig. Weitere Spiele fanden den Weg zu uns, die Mortheim-Kampagne war irgendwann ausgelaufen und verlangte nach Ersatz. Den fanden wir in Blood Bowl, einem nun schon seit über 25 Jahren sehr populären, mit mehr als nur einem Hauch Satire versehenem Fantasy-Footballspiel. Es ist möglich, Einzelspiele zu veranstalten, aber der eigentliche Spaß ergibt sich erst, wenn es als Liga gespielt wird, da Veränderungen in der Mannschaft und ihren Fähigkeiten zum Tragen kommen. So begannen wir zunächst mit den Übungsspielen, um in die Sache reinzufinden. Obwohl allgemein ein guter Anklang herrschte, gelang es uns nicht, richtig Fahrt aufzunehmen. Wir bliesen die entsprechenden Versuche zunächst ab. Darüber verlor sich der Kontakt zu meinen ehemaligen Kollegen. Es gab keinen Streit, doch schlief alles so langsam ein.

Durch die ständigen Zugänge in unserem Forum erweiterte sich die Zahl der angebotenen Spielsysteme immer mehr. Wir hatten aber genügend Spieler, um uns fast jederzeit entsprechend betätigen zu können. Alles lief rund. Dachte ich.

Es kam die Zeit, zu der ich zum ersten Mal bemerkte ich, daß eben doch nicht alles – zumindest mich betreffend - so rund läuft, als eine Gruppe von Spielern eine eigene, über ein Wochenende laufende Warhammer-Kampagne auf die Beine stellte und diese veranstaltete. Ich fand es zwar bedauerlich, daß dies nicht unter dem Oberbegriff und in der Tradition unserer Megametzel organisiert wurde, stand der Sache als Gründer und ein wenig auch Lenker der Gruppe aber offen gegenüber. Das war also nicht direkt das Problem. Mir wurde aber bewusst, daß ich von den an dieser Kampagne teilnehmenden Spielern tatsächlich nur einen, nämlich den Veranstalter, persönlich kannte. Ich konnte mich nicht überwinden, an der Kampagne teilzunehmen, obwohl mir alle Möglichkeiten offen standen. Das waren mir zu viele unbekannte Gesichter auf einmal.

Ich ging die Namen der Angehörigen unserer Spielergruppe durch und musste erkennen, daß ich immer an denselben paar Spielern kleben blieb. Klar, auch in der Vergangenheit hatte ich mich persönlich neuen Spielern fast nur noch geöffnet, wenn mindestens ein mir vertrauter Spieler zu einem möglichen Spiel ebenfalls anwesend sein würde. Schlimm wurde es für mich, wenn ein Termin vereinbart war und mein vertrauter Spieler kurzfristig absagte. Oder sich verspätete. Ich kann nicht sagen, wo denn jetzt der Unterschied zwischen meinen spielerischen Anfängen in der Zeit mit Michael zur jetzigen Situation lag.

Ich zog mich zermürbt und angeschlagen aus der Führung der Gruppe zurück und übertrug die administrativen Rechte an dem Forum an einen Spieler namens Ulf. Er hatte immer wieder Ideen, konnte auf Menschen zugehen, ließ sich leicht begeistern und wollte die Gruppe voranbringen. In seiner Spielauffassung war er vollständig auf meiner Seite. Dennoch nahm die Anzahl der Spiele, die unter meiner Beteiligung zustande kamen, immer weiter ab. Um mich herum wurde die Mauer immer höher.

Die Anzahl der Spieler in unserer Gruppe nahm weiterhin zu. Irgendwann kippte die Einstellung der Mehrheit der mit den Ton angebenden Forenangehörigen vom Typus Bier- und Bretzel-Spielerzu den Turnierspielern. Wer nur nach deutschen Regeln spielen wollte, musste sich rechtfertigen, denn schließlich seien nur die englischsprachigen Originalregelwerke relevant, da man sich hier nicht mit Übersetzungsfehlern auseinandersetzen müsse und heute doch jedermann das bisschen Englisch können müsse. Nach so einer Diskussion hatte ich die Schnauze voll. Gerade solche Auseinandersetzungen finden sich immer und immer wieder in den großen Foren. Wer sich nicht den Ansichten dieser Clique unterwirft, gilt nicht als ernstzunehmender Spieler. So einfach ist das.

Ich lege zwar keinen übermäßigen Wert darauf, von mir Unbekannten als ernstzunehmender Spieler angesehen zu werden, da kann ich mir schließlich kein Ei drauf braten, aber diese Auseinandersetzungen nerven mich. Ich war froh, einen Kreis aufgebaut zu haben, in denen eben diese Diskussionen nicht geführt werden müssen, denn sie werden nie zu einem Ergebnis führen. Und nun ging dies auch bei uns los. Ich hatte das Gefühl, ein Baby, nein, mein Baby endgültig verloren zu haben. So verließ ich das von mir gegründete Forum und den Spielerkreis.

Aber das Ende war noch nicht erreicht.


(wird forgesetzt)




Freitag, 10. Oktober 2014

Einmal jährlich

Eine unruhige Nacht lag hinter und ein ekelhafter Termin vor mir. Einer jener  Termine, welche man in gewisser Regelmäßigkeit hinter sich bringen muß.

Den Kontrolltermin beim Zahnarzt.

Der mich immer wieder vollkommen begeisternde Teil ist die damit verbundene Zahnsteinentfernung. Meine Zähne sind im Laufe der Jahre etwas empfindlich geworden. Nicht alle, aber einige. Insbesondere einer. Und wenn man irgendwo hingeht und schon die Garantie darauf hat, daß einem richtig fiese Schmerzen zugefügt werden, und sei es für noch so kurze Zeit, dann – nun ja, dann macht man das üblicherweise wohl kaum in allerfreudigster Erwartung.

Meine Zahnärztin unterhält ihre Praxis in einer Klinik. Dies geht einher mit einem Schichtbetrieb, welcher die Vorteile einer durchaus langgestreckten Öffnungszeit mit sich bringt. Mein Termin war um 7 Uhr morgens. Früh genug, um anschließend noch den Weg ins nahegelegene Büro zu bewältigen, ohne dort zu spät aufzuschlagen. Gleitende Arbeitszeit ist schon eine praktische Sache.

Als altes Gewohnheitstier habe ich meine regelmäßige morgendliche Startzeit um 6.30 Uhr. Dies aber auch nur deswegen so spät, weil ich früher nicht darf. Bin ich um 6.45 Uhr noch nicht am Platze, beginnen bei den dann gleichfalls schon anwesenden Kollegen die ersten Schweißperlen zu laufen, befürchtet man doch eine Krankmeldung meinerseits sowie eine neue Phase der Vertretungtemporären Umverteilung aller anfallenden Arbeiten auf alle Anwesenden. Also habe ich die Bande mal wieder etwas leiden gelassen.

Die Zahnklinik erreichte ich, gerädert vom ausgeprägten Schlafmangel, etwa eine halbe Stunde zu früh, was sich dank der erforderlichen Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel nicht verhindern ließ. Also lief ich gemächlichen Schrittes ein wenig die Straße rauf und runter, bis man die Pforten öffnete.

Schnurstracks ging ich auf die – so von mir vermutete - einstige Raumschiffs-Befehlszentrale zu, welche dort als Arbeitsbereich der Damen vom Empfang fungierte. Zwei Plätze vorne, mittig dahinter hinter ein weiterer Platz – bestimmt der ehemalige Kommandantenbereich mit dem Stuhl des Captains. Doch etwas war anders als sonst.

Ja, da fiel es mir auf. Man kennt sich ja seit einigen Jahren. Und ich weiß ganz genau, daß die Dame, welche sich meiner Krankenversicherungskarte annahm, sonst einen etwas anderen Kleidungsstil bevorzugte. Um es mal ganz klar auszudrücken: Während sie auf ihrer Seite des Tresens arbeitete und ich derweil auf der Gästeseite stehend auf weitere Anweisungen wartete, konnte ich ihr stets an den Hupen vorbei bis zum Bauchnabel gucken. Es bestand nahezu keine Chance, nicht dorthin zu sehen.

Und jetzt: weiße Hose und rosa Poloshirt. Ihre Kollegin auch. Die Dame im Stuhl des Captains ebenfalls, allerdings das Shirt in etwas dunklerer Ausführung. Na ja, als Captainin muß man sich ja abheben.

Ich wurde direkt in den Wartebereich meiner Zahnärztin entlassen. Kaum daß ich einen der neben einem Kanapee aufgestellten höchst bequemen Sessel mit meinem Allerwertesten berührte, stand auch schon meine Zahnärztin bereit, mich in den Behandlungsraum zu geleiten. Sie war entgegen meines sonstigen Erlebens mit weißer Hose und leuchtend grünem Poloshirt bekleidet. Der Farbton des Shirts passte exakt zu den Wasserbechern, Papiertüchern und –lätzen des Raumes, in dem die Untersuchung stattfinden würde. Man scheint Dienstkleidung mit einem Farbcode eingeführt zu haben.

Eines aber frage ich mich jetzt doch.

Der Raum nebenan wird ebenfalls von meiner Zahnärztin genutzt. Dort sind die farblich variablen Bestandteile der Verbrauchsgüter aber sämtlich in Lila gehalten.

Zieht sie sich jetzt vor jedem Raumwechsel um?

Mal sehen, ob ich nächstes Jahr mehr herausfinden kann. Bis dahin habe ich jetzt nämlich wieder meine Ruhe.

Hoffentlich.

Und übrigens: Der Umstand, nach einem wiederholten  Nervenkitzel plötzlich hellwach zu sein, hält entgegen landläufiger Meinung keineswegs den Tag über an.




Donnerstag, 9. Oktober 2014

Fehlversuch

Mandy ist mit der von ihr verbreiteten Theorie, nach welcher Bananen glücklich machen sollen, grandios bei mir gescheitert. Vielleicht habe ich da ja auch etwas missverstanden, denn sie hat nie behauptet, daß die Bananen zum Zwecke der Schaffung von Glückseligkeit gegessen werden sollen. Eventuell hätte man anders mit den Dingern umgehen müssen. Ich weiß es nicht.

Tja, im Moment kann ich sie nicht dazu befragen, da sie gerade für einige Zeit nicht im Büro weilt.

Also habe ich Plan B ausgeführt. Man muß ja auch für andere, moderene Dinge aufgeschlossen sein.





Was soll ich noch sagen? Ich bin der Annahme unterlegen, daß die Donuts zum Erreichen des gewünschten Effektes auch tatsächlich von mir zu verzehren sind. Drölfzillionen Kalorien pro Stück. Hat zwar auch nicht funktioniert, doch ich werde immerhin lange was davon haben.

Hrmpf.




Mittwoch, 8. Oktober 2014

Chance vertan

Es gibt da ja solche Tage – ach, wir reden besser nicht darüber. Jedenfalls war ich gerade dabei, mein Hemd, von welchem ich kurz zuvor notdürftig einigen Blutflecken entfernt hatte, nun auch noch von einigen Spritzern frisch ausgepflaumten Saft von eben dieser Steinfrucht zu befreien, als Dr. Strebsinger den Raum betrat um mich mit einer Akte zu belästigen. Nachdem wir geklärt hatten was nicht geklärt werden konnte, verkündete er mir, daß er für unseren geplanten Gesundheitsraum tatsächlich einen Punchingball bestellt habe.

Ja, da darf man gespannt sein. Ein Boxsack ist zwar was anderes, aber es wird schon gehen. Hoffe ich. Jedenfalls zeigte sich Dr. Strebsinger zuversichtlich, daß wir beide uns in der Reihenfolge der Nutzung sicherlich einig werden würden. Und natürlich würde er es durchaus befürworten, auf dem Punchingball abwechselnd Fotos anzubringen.

„Da haben Sie doch bestimmt nichts dagegen, wenn ich ein Bild unseres Geschäftsführers verwende.“

„Och, Herr Paterfelis, vielleicht sollten sie erst mal weiter unten anfangen und sich dann langsam hocharbeiten.“

Verdammte Hacke, nie hat man eine Kamera griffbereit, wenn man eine benötigt. Der gute Dr. Strebsinger hat gerade so schön gelächelt. 




Dienstag, 7. Oktober 2014

Gemütlichkeit ist relativ - immer noch

Auch auf die Gefahr der Wiederholung hin: Das kann einfach nicht gemütlich sein.




Obwohl ich auch manchmal zumindest mit ziemlich verquerer Armhaltung schlafe. So wird jedenfalls behauptet. Aber das ist dann gemütlich.





Montag, 6. Oktober 2014

Umwidmungen

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich mich, wenn auch eher am Rande, noch darüber ausgelassen, daß wir in unserer Außenstelle keinen gemütlichen Pausenraum haben, schon wird fast alles anders. Fast, weil die Betonung auf Pausenraum liegt und nicht auf gemütlich. Aber immerhin.

An sich gab es dieses als Sozialraum definiertes Zimmer schon von Anfang an in unserer Außenstelle. Ein paar quadratische Tische, ein paar nicht unbedingt zum längeren Verweilen einladende Stühle, etwas Grünzeug  auf dem Boden und Bilder an den Wänden, alles in der Nähe der Teeküche. Mehr ist ja auch nicht gefordert.

Nach einigen Jahren mehr oder weniger intensiver Nutzung meldete sich der Nichtraucherschutzbeauftragte und verbot weitestgehend das Rauchen im Gebäude. Lediglich in einem einzigen Zimmer sollte dies noch gestattet sein. So wurde unser Sozialraum zum Raucherraum umgewidmet.

Seit diesem Tag habe ich den Raum nicht mehr betreten. Es war schon schlimm genug, wenn der Letzte abends vergessen hatte, die Tür richtig zu schließen. Kaum öffnete man dann am frühen Morgen die Brandschutztür zum Gang Richtung Teeküche, wurde man von dem Gestank nach kaltem Zigarettenrauch förmlich erschlagen. So oft kam das aber nicht vor.

In der nächsten Stufe des Nichtraucherschutzes wurde das Rauchen im gesamten Gebäude verboten, was unsere Raucher dazu zwang, die von der benachbarten Hauptstraße hineinströmende frische Luft in unserer ebenerdigen Tiefgarage zu aromatisieren. Der Raucherraum hingegen war nicht mehr zu verwenden. Die ehemals weißen Tapeten zeigten ihre ursprüngliche Farbe nur noch an den Flächen, welche sich jahrelang unter den nun abgehängten Bildern verstrecken konnten. Der Rest erstickte in einem kräftigen gobi-beige. Der Geruch hielt sich hartnäckig.

Nachdem im letzten Jahr mit der Renovierung unserer Außenstellebis zum Verbrauch des Etats begonnen wurde, konnte nun weitergemacht werden. Der ehemalige, nach kaltem Rauch stinkende Raucherraum wurde ebenfalls mit einem neuen Teppich sowie frischer Farbe versehen und nun unfeierlich wieder eröffnet.

Sieht ganz hübsch aus. Und er stinkt auch nicht mehr nach kaltem Rauch. Wie ich den Aromamix aus Rauch, Farbe und Teppichkleber allerdings bezeichnen soll, weiß ich noch nicht. 




Sonntag, 5. Oktober 2014

Putzteufelchen (aktualisiert)

Es gibt da noch eine Geschichte, die ich schon lange nachreichen wollte. Doch ich hatte irgendwie nie die Muße, sie aufzuschreiben. Daher gibt es jetzt  mit Verzögerung folgendes Annekdötchen.

Wie sich die Leser dieses Blogs, welche schon längere Zeit dabei sind, vielleicht noch erinnern, ist Karla eines schönen Tages von zu Hause ausgezogen. Das macht man halt so, wenn man ein gewisses Alter erreicht hat und sein eigenes Geld verdient: Man steht auf eigenen Füßen.

Einige Wochen waren vergangen, als Mandy sich erkundigte, wie es Karla denn in ihrer eigenen Wohnung so gefiel.

„Ja, alles prima. Es läuft gut. Ich habe auch einen Plan, wann ich alles mache. Putzen und so. Das macht mir richtig Spaß.“

Ungläubige Blicke wurden aus Mandys Richtung erkennbar.

„Doch, ehrlich. Im Wohnzimmer habe ich Laminat und unter dem Sessel einen Teppich. Das sieht immer ganz toll aus, , wenn ich den gesaugt habe. Dann laufe ich gar nicht mehr auf dem Teppich herum, weil das doch wieder Spuren hinterlässt. Das gefällt mir dann nicht so. Ist nur scheiße, weil ich dann nicht zu meinem Sessel komme.“

„Strich! Zehn sind voll. Wir bekommen einen Fluchkuchen von dir.“

„Oh. Na gut, ich sage meiner Mama Bescheid, daß sie einen backen soll.“

„Nö, denn wollen wir schon von dir.“

„Hmmm.“

„Hast du in deiner Küche überhaupt schon mal was gemacht?“

„Hin und wieder wärme ich eine Tiefkühlpizza auf. Meinen Herd habe ich noch gar nicht benutzt.“

„Warum das denn nicht?“

„Ich gehe doch immer zu meiner Mama essen. Die freut sich, wenn sie meine älteren Geschwister und mich noch bekochen kann.“

„So geht’s natürlich auch. Ist das denn nicht lästig?“

„Wieso das denn? Die wohnt doch im gleichen Haus wie ich, nur eine Etage unter mir.“

Wie kommt es nur, daß ich das geahnt habe?


EDIT:

Ich weise auch auf den Kommentar der zweitbesten Ehefrau von allen hin.




Freitag, 3. Oktober 2014

Das Geld muß raus

Wir hatten das, was früher eine Dienstbesprechung war, woanders seit Jahren als Meeting oder Jour Fixe bekannt ist und im LASA jetzt als Teambesprechung bezeichnet wird. Insgesamt lief alles sehr unaufgeregt ab.  Zum Ende hin gab Dr. Strebsinger bekannt, daß er in Kontakt mit Herrn Mümmler stehen würde. Herr Mümmler ist der Gesundheitsbeauftragte im LASA. Er habe noch etwas Geld in seinem Etat, aus dem er für uns einige Dinge bezahlen könnte, welche wir zur Erhaltung unseres höchstens Gutes, nämlich unserer ungebremsten Arbeitskraft als Galeerensklaven 
selbstlosen Hingabe an das Unternehmen Gesundheit vielleicht unterstützend verwenden könnten.  Vielleicht ein paar Therabänder oder etwas in der Art. Einige Kollegen seien doch vor geraumer Zeit als Bewegungsmoderatoren in Bad Husten geschult worden, die müssten uns doch wohl zeigen können, was man damit alles Tolles machen kann.

Der sich zumindest allen männlichen Anwesenden direkt unvermeidlich aufdrängende Gedanke wurde ausnahmsweise nicht von mir verkündet. Da war jemand schneller.

„Wie wäre es mit einem Baseballschläger einer benzinbetriebenen Ket... einem Boxsack?“

„Der Vorschlag kam schon aus einem anderen Fachbereich.“ klärte uns Dr. Strebsinger auf.

Die weiteren Kommentare überschlugen sich aus allen Richtungen. „Ist ja auch sinnvoll.“ „Oh, da müssen wir dann aber Schlange stehen.“ „Gilt das denn als Arbeitszeit?“ „Wer vor mir dran ist, wird weggeboxt, dann hat sich das mit der Schlange erledigt.“

„Müssen wir mal sehen. Ich schreibe auf alle Fälle erst mal alles auf, was Sie haben wollen und gebe es an Herrn Mümmler weiter.“ versuchte Dr. Strebsinger wieder Herr der Lage zu werden. „Mit einer Ausnahme allerdings.“

Fragende Blicke aus der Runde.

„Einen Medizinballgibt es nicht.“

„Warum das denn nicht?“

„Wenn Herr Paterfelis wieder schlechte Laune hat, schmeißt er den durch die Wände. Das wird auf Dauer etwas teuer.“

So ein Mist. Dämliche Leichtbauweise heutzutage.




Donnerstag, 2. Oktober 2014

Druck

Wer versucht, sein Ziel mit zuviel ausgeübtem Druck zu erreichen, muß sich nicht wundern, daß es bei unerwartet wenig Widerstand doch zu einem Rückschlag kommt.


Nö, dieses Mal handelt es sich bei der eingangs von mir formulierten Weisheit ausnahmsweise mal nicht um etwas Verklausuliertes aus dem im Büro erlebten Führungsverhalten. Es geht um handfestere Dinge. Aber auch aus dem Büro.

Ich denke, die einfachen Tacker kennt jeder, der schon mal irgendetwas mit Papierkram zu tun hatte. Ist ja auch ganz bequem, um mal zwei oder drei Blatt Papier miteinander zu verbinden. Und funktioniert auch mit wenig Kraftaufwand. Aber bleibt mir weg mit diesen Ladytackern und deren Winznadeln. Die Tackernadeln wieder zu entfernen ist die Hölle. Deswegen bleiben wir hier auch bei normalen, handfesten und damit männertauglichen Tackern.

Bei gut 20 Blatt Papier bedarf es schon etwas mehr Schmackes, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Also drückte ich mit entsprechendem Kraftaufwand zu und – AUTSCH. Es befand sich keine Munition mehr in der Maschine. Der erwartete Gegendruck blieb aus, kein Ruck war erforderlich, um die erste Nadel vom Rest des fest verbundenen Nadelblocks zu trennen. Kein Papier bremste den Hebel über die tief eindringende und dann sich verbiegende Nadel. Nein, die ungeminderte Wucht wurde ungebremst und damit unsanft erst von dem Papierstapel aufgehalten. Und wenn dann noch das Unterteil des Tackers instabil weil gerissen ist und die Finger etwas ungünstig in diesen Holkörper reinrutschen und überdehnen…

Leute, das kann schon gehörig in Sehnen und Gelenke gehen. Büroarbeit ist echt gefährlich. Das kann man sich als Nichtbürokrat überhaupt nicht vorstellen.

Schönes Gefühl, wenn der Schmerz nachlässt.



Mittwoch, 1. Oktober 2014

Aus tiefstem Herzen

Werte Freunde der gepflegten Primitivität, wir holen jetzt alle mal gaaaanz tief Luft und brüllen einmal



Arschlochbus!



Auch wenn vermutlich weder Bus noch Fahrer etwas dafür konnten, daß sie mal eben in einem an sich 20minütigen Takt fahrend saubere 45 Minuten Verspätung aufgebaut hatten, während deren elend langsamen Verrinnens ich mir die Beine am Haltepunkt Neustädter Ländchen in den Bauch stehen konnte. Ich will auch mal simpel gestrickt sein und den ausführenden Organen die Schuld an allem geben, wozu sie nichts können. Ich bekomme es ja schließlich ebenfalls immer ab, obwohl ich nichts dafür kann, daß der Staat kein Geld mehr hat.

Dann erschien der Bus endlich. Da in der Zwischenzeit auf der Bahnhofsseite nach meinem Zug zwei weitere aus der gleichen Richtung kommenden entsprechenden Gefährte ihre Menschenmassen zwecks schienenloser Weiterbeförderung ausgespien hatten, füllte sich der ohnehin schon bis an die Grenzen beladene Bus bis zum geht nicht mehr.

Das muß ich mir nach einem Tag, an dem ich meine mir zugebilligte tägliche maximale Arbeitszeit wieder bei nur einer zehnminütigen Pause im unermüdlichen Dienst für Volk und VaterMutterWieauchimmerland nahezu bis an die Grenze ausgereizt hatte, echt nicht mehr geben. Außerdem hatte ich in meinem Stoffbeutel etwas Zerbrechliches. Eine meiner Teetassen verlangte nach einem dreiviertel Jahr des Dauereinsatzes mal wieder gespült zu werden. Vorfristig, sonst gibt es das nur zu Weihnachten.

Mein Blick fiel zufällig auf das elektronische Fahrgastinformationssystem. Ich begann zu überlegen. Der Anzeige war zu entnehmen, daß der Bus, der gerade prächtig überfüllt unmittelbar vor mir stand, überhaupt nicht da ist, sondern erst in ein paar Minuten kommt. Dies eröffnete zwei Möglichkeiten. Beide basierten auf der Annahme, daß die Anzeige nicht so ganz korrekt war.

Möglichkeit A:

Der vor mir stehende Bus wurde von dem System aus technischen Gründen nicht erfasst. Was bedeutet, daß nahezu unmittelbar hinter ihm der nächste Wagen der gleichen Linie fährt und in Bälde hier erscheint. Mit nur gut 20 Minuten Verspätung.

Möglichkeit B:

Der vor mir stehende Bus wurde von dem System aus technischen Gründen nicht ganz korrekterfasst. Ein Unterschied zu Möglichkeit A, denn dann wäre es keineswegs sicher, daß der nächste Wagen in ein paar Minuten erscheint.

Ein Zockerspiel, denn beide Optionen sind mir schon als Realität untergekommen.

Ich entschied mich von den Umständen geleitet dazu, meine Hoffnung auf Möglichkeit A zu setzen.

Der überfüllte Bus war gerade hinter der nächsten Kurve verschwunden, als auch schon der avisierte zweite Wagen erschien.

Leer.

Absolut leer.

Ich hatte ihn für mich alleine. Vom Busfahrer mal abgesehen, den ich durchaus als anwesend tolerieren konnte. Wenigstens etwas.

Die Aktion dann trotzdem wieder als Grund für Frustfressen hergehalten.

Mir ist keine Ausrede zu blöd.




Teilchenphysik

Wir saßen ruhig und friedlich in unserem lauschigen Büro und arbeiteten mit gedämpfter Motivation vor uns hin. Mit einem Ohr war ich bei dem blöden Gequake, daß der unsägliche Gute-Laune-Moderator aus dem Volldampfradio so von sich gab. Da, plötzlich – unfassbar. Woher kennt der solche Wörter? Und wieso sagt der so etwas im Volldampfradio? Das ist doch nie im Leben zielgruppengerecht.

„Mandy, hast du gerade den Blödsinn gehört?“

„Nö, was denn?“

„Der unsägliche Gute-Laune-Moderator aus dem Volldampfradio hat gerade erzählt, daß Neutrinos die am schnellsten vergänglichen Teilchen sein sollen. Der spinnt wohl.“

„Äh, warum denn?“

„Weil die am schnellsten vergänglichen Teilchen eindeutig die Nachwuchskräfte in unserer Außenstelle sind.“

Ist doch war.