Dienstag, 23. September 2014

Hier kommt die Flut (1)

Es war ein beschaulicher Samstag. Ich lag noch so auf unserem Monster herum, wie ich dem Bett zuvor entstiegen war, und beehrte Klein-Bloggersdorf als erste gute Tat des Tages mit einem morgendlichen Rundgang. Die zweitbeste Ehefrau von allen machte sich bereit zum Aufbruch in die reale Welt, denn die Trainerschule harrte ihrer Anwesenheit. Die ersten Lizenzen hat sie ja nun bereits durch anhaltenden Fleiß und Können erworben, möchte sich aber weiterqualifizieren. Es gibt da schließlich eine ordentliche Bandbreite an Dingen, für die man noch eine Prüfung ablegen kann. Was mir insgesamt durchaus auch als sinnvoll erscheint. Sowohl daß es diese Dinge gibt als auch, daß sich meine Angetraute dafür interessiert.

Den Tag gedachte ich in aller Ruhe zu beginnen, um dann locker flöckig mein Betätigungsfeld auf die Säuberung unserer Schmutzwäsche, der Reinigung einiger Katzenklos (yeah, Katzenscheiße schaufeln, das belebt) und auf all die anderen Dinge auszuweiten, zu deren Erledigung der liebe Gott einst die fleißige Hausfrau erschaffen hat. Bis Nietzsche schließlich Gott für tot und Alice Schwarzer den Mann zwar grundsätzlich für überflüssig aber dennoch auch als geeignet zur Erledigung sämtlicher Hausarbeiten erklärte. Dumm gelaufen.

Wie so oft wies mich meine Angetraute im Moment ihres Aufbruchs noch auf  die wesentlichen Dinge hin. So erinnerte sie mich daran, daß sie – wie meistens, wenn ich zu Hause bleibe und ihre nicht allzu späte Rückkehr erwartet werden durfte – keine Haustürschlüssel mitnehme und der Merkur-Bote heute wohl erscheinen würde. Insbesondere Letzteres war ziemlich blöd lästig nervend für mich, bedeutete dies schließlich, daß ich mich nun baldmöglichst unter die Dusche begeben sollte. Denn ohne solches getan zu haben, vermag ich mich der Außenwelt wirklich nicht zu präsentieren. Und daß ich dem Boten die Tür zu öffnen habe stand fest, denn er hatte auch gemäß der Planung meiner Angetrauten hier nicht nur ein Paket zu hinterlassen, sondern gefälligst ein solches auch wieder mitzunehmen. Somit konnte ich ihn im Fall des Falles nicht einfach überhören und die Annahme des erwarteten Paketes auf Knutsens abwälzen.

Das mit dem Boten gefällt mir aus verschiedenen Gründen ja nun so gar nicht. Wie der kundige Blogleser weiß, öffne ich nicht gerne die Tür für Fremde. Und erst recht, wenn ich mich mit ihnen auch noch auseinandersetzen muß. Nun gut, der Bote ist angekündigt, ich bin darauf vorbereitet. Außerdem ist er nicht geschwätzig. Genau genommen sagt er gar nichts, außer „Hallo“ und „Tschüß“. Oder die russisch eingefärbte Variante dieser Worte, so genau ist das nämlich auch nicht zu verstehen. Hinzu kommt das Problem, daß ich in der Zeit, in der ich auf sein Klingeln warte, die Katzenbande weder mit dem Besuch des Onkel Staubsaugers erfreuen noch mich mit der Wäsche beschäftigen kann, weil ich das Klingeln des Boten bei schleudernder Maschine und tösenden Trockner mit Untermalung des Rauschens der Raumventilation nicht höre. Zumindest nicht, wenn ich mich just in diesem Moment im Waschmaschinenraum befinde. Und natürlich wird er eben diesen Moment abpassen. Genauso natürlich wird er auch nur kurz über den Klingelknopf streicheln und noch bevor der letzte Nachhall des Schellens im nicht vorhandenen Wind verweht ist wieder verschwunden sein. Lassen wir einfach die Zeit vergehen.

Aber erst mal duschen.

Also begab ich mich, kaum daß meine Angetraute das Haus verlassen hatte, eine Etage nach unten in das dort befindliche Männer-Bad (*grunz*) und ließ das herrliche Nass über meinen ebenso herrlichen stattlichen Körper laufen. Die Badezimmertür hielt ich zwecks Dunstabzuges geöffnet. Plötzlich, nachdem ich meine Haare ausreichend zwecks nachfolgende Waschung vorgewässert hatte, war mir so, als ob ich in der Ferne ein sanftes Klingeln vernehme würde. Nö, mein lieber Merkur-Bote, beim besten Willen, aber jetzt öffne ich dir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht.

Aus dem Klingeln wurde ein Sturmschellen. Ich hatte sogar den Eindruck, daß das Schellen immer lauter werden würde, obwohl dies technisch eher auszuschließen war. Aber was weiß ich schon von Technik?

Es kann nur Eine geben…

Genau, die zweitbeste Ehefrau von allen, ohne Schlüssel unterwegs, hatte vermutlich etwas vergessen mitzunehmen, stand jetzt unter Zeitdruck vor der Tür und begehrte Einlass. Was blieb mir also übrig, als so wie ich war aus der Dusche zu springen, die Brille im doch vorhandenen Raumnebel (ja, ich bin ein Warmduscher) zu suchen, über den bereitstehenden Marty stolpernd durch das Gartenzimmer zu latschen und dabei mit den nassen Fußsohlen so viel überall verbreitete Katzenstreupartikel aufzunehmen, wie irgend möglich war. Der Weg führte der Not gehorchend in gewisser Eile strauchelnd und rutschend auf den nass-teilpanierten Füßen die hölzerne Treppe nach oben hinauf ins Erdgeschoss und schließlich über die somit ebenfalls relativ haftarm gewordenen Fliesen zur Tür. Ein Blick unter Nutzung der immer noch nebelbeschlagenen Brille durch den Türspion ließ mich etwas großes, Rotes erkennen wahrnehmen erahnen. Meine Angetraute. Hoffte ich zumindest. In dieser Annahme jedenfalls öffnete ich den Zugang zu unserer Wohnung in schamlos-tropfender Nacktheit, meine Blöße notdürftig hinter der Tür versteckend, als...


(wird fortgesetzt)



Kommentare:

  1. Boäääääh

    Cliffhanger - wie gemein

    LG
    Mechthilda

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  2. ?...die Zeugen Jehovas vor der Tür standen?..

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  3. ja - es müssen die Zeugen Jehovas sein.
    Die kommen noch unpassender als Merkur oder die Herren mit dem Horn auf dem Wagen....

    Nackt.... OmG.

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