Sonntag, 21. September 2014

Der kleine Unterschied (2)

Da bin ich jetzt aber wieder ordentlich vom Thema abgewichen. Es ging doch um den kleinen Unterschied.

Morgens verbreitete sich draußen, in der freien, ungehemmten Natur eine gewisse, durchaus angenehme niederwertige Temperatur, gemeinhin auch als Morgenkühle bezeichnet. Später wird es dermaßen schwül-warm, daß ich, so ich denn eine Jacke an der dafür vorgesehenen Stelle trage, wieder einen Hitzestau bekomme. Trage ich die Jacke hingegen an einer zu diesem Zweck im eigentlichen Sinne nicht vorgesehenen Stelle, zum Beispiel über dem Arm oder in der Hand, bin ich ausnehmend schnell von diesem Umstand genervt.

Außerdem heißt kühlnicht kalt. Was bedeutet: Jacke, du hängst weiterhin zu Hause mit deinen Freunden ab.

Schon an der Haltestelle fand sich die erste Frau, die dort eigemummelt in einer immerhin noch vorwinterlich einsetzbaren Jacke stand und sich von der sanften Glut einer Zigarette zusätzliche Wärme versprach. Im Bus gab es ähnliche Bilder zu sehen, wenn auch ohne Glimmstengel. Ich spürte förmlich die vereinzelten irren Blicke der anwesenden Damen ob meiner luftigen Kleidung.

Doch ich blieb nicht alleine. Während der Fahrt stiegen von mir persönlich gezählte sechs Männer dazu. Vier von ihnen trugen außer ihrem Shirt oder Kurzarmhemd keine weitere sichtbare Oberkörperbekleidung. Einer hatte sich als männertypische Ersatzwohnung eine Weste angezogen, welche offenkundig sämtlich erforderlichen Utensilien und noch etwas mehr an Zeug beherbergte, welches man so zum Überleben im Großstadtdschungel benötigt. Einen peinlichen Ausreißer gab es dann doch. So ein Hänfling hatte tatsächlich eine – längere (!) – Jacke an. Bei näherer Betrachtung entschied ich mich, ihm das durchgehen zu lassen. Unter Aufbietung sämtlicher Vorurteile kam ich zu dem Entschluss, daß der Bursche augenscheinlich zumindest genetisch-familiär aus Gefilden stammen musste, in denen tendentiell wärmere Temperaturen vorherrschen sollten.

Bei den mir ansichtig gewordenen weiblichen Mitreisenden blieb mir aber mehr als einmal die Spucke weg. Ja, man frau ist frösteliger. Als Ehemann sowie als Mitarbeiter in einer zahlenmäßig von Frauen dominierten Behörde erlebe ich das durchaus häufiger und habe mich gelegentlich auch schon hier im Blog dazu ausgelassen. Frauen können vermutlich nichts dafür. Das habe ich ja nunmehr begriffen. Angeblich wegen weniger vorhandener Muskelmasse – was aber eindeutig im eklatanten Widerspruch zu meiner allgemeinen Lebenserfahrung steht. Dennoch hätte ich leichte Strickjacken, Jeansjacken oder so etwas ohne mit der Wimper zu zucken akzeptiert. Aber was mir da geboten wurde, war unglaublich. Lange dickere Jacken, Pelzkragen, alle hochgeschlossen, in zwei Dritteln der Fälle mit oben herausragendem Schal. Es hätte mich nicht mehr gewundert, auch schon die ersten Handschuhe zu sehen, so wie manche ihre Hände verzweifelt an dem mitgeschleppten Kaffeebecher aus Togo klammerten. Was machen die, wenn es wirklich Winter wird?

Und daneben sitzend dann die Kerle in ihrer spätsommerlich-leichten Bekleidung. Ein durchaus bemerkenswerter Anblick.

Irgendwann erbarmte sich der Busfahrer mit den armen, frierenden Geschöpfen und wandte sich damit gegen seine Geschlechtsgenossen. Er machte die Heizung an.

Die! Heizung! An!

Im Spätsommer.

Mir bleibt nur die Vermutung, daß dieser Mensch irgendwann mal eine Frau war. Kann man ja nicht ausschließen. Hätte ich auch kein Problem mit. Andere Erklärungsversuche jedenfalls erschließen sich mir nicht. Nicht, daß die Damenwelt auch nur irgendetwas an ihrem Bekleidungszustand geändert hätte. Zum Beispiel den obersten Knopf ihrer Jacke geöffnet. Aber man taute immerhin soweit auf, daß die Schnatterei losging. Und bei den Herren der Schöpfung? Die Gesichtsfarbe wechselte allenthalben von entspannter, mitteleuropäischer Sommerblässe zur mehr als dezenten Ich-will-sofort-aus-der-Dampfsauna-raus-Röte.

Es bleibt also schwierig.

Aber das wusstet ihr ohnehin schon, oder?!


(Ende)




Kommentare:

  1. mitgeschleppten Kaffeebecher aus Togo--

    geil. Werd ich mir merken😅

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  2. *Prust*....wie mein Vater vor einigen Jahren "Kommt der Kaffee aus Togo oder was?"
    Er ist wirklich ein toleranter Mensch gegenüber jedem und allem, aber diese übertriebenen und teils unnötigen Anglizismen hasst er wie die Pest. Für ihn ist das zuerst mal "Kaffee zum Mitnehmen" und danach, so er, könne es ja noch in englisch und fünf anderen Sprachen dastehen...für die Touristen ;o)
    Zu dem unterschiedlichen Wärme- bzw. Kälteempfinden gibt es fast nichts zu ergänzen, ausser, dass es mich schon auch sehr nervt, morgens zu frösteln und nachmittags im Auto einen Hitzekollaps zu erleiden. Man könnte ja Wechselgarderobe mitnehmen, ist aber den meisten doch zu viel Gedöns, denke ich. Wobei ich tatsächlich als FRAU morgens nur ein dünnes Jäckchen über dem T-Shirt getragen habe ;o) Ich hätte ja nach dem Heizung anmachen im Bus sämtliche Klappfenster geöffnet und auf mein Existenzbedürfnis "Luft" bestanden *g*!

    Lieben Gruß
    Conny

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    1. Was? WAS? Für so etwas wie nach einem geöffneten Fenster zu verlangen würdest du hier aus der Weltgemeinschaft der Frauen ausgeschlossen werden.

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  3. Wir Frauen frieren doch nur, damit ihr Helden uns heldenhaft wärmen könnt:-)

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    1. Ach so. Dann kann ich das ja im Bus mal versuchen. :-D

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  4. Es ist nunmal die Zeit gekommen, zu der es in den Läden wieder Weihnachtsgebäck zu kaufen gibt. Passend hierzu trägt FRAU ganz ohne Scham eine Winterjacke...

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    1. An sich wollte ich als Antwort zu deinem Kommentar ja klugscheißend mal wieder darauf hinweisen, daß das Zeug HERBSTgebäck heißt. Aber seit ich die Adventskalender daneben liegen gesehen habe, wage ich das nicht mehr. Obwohl besagter Kalender seine Dienste ja auch überwiegend im Herbst verrichtet.

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  5. Der Busfahrer kann es sich erlauben die Heizung anzuschalten. Immerhin sind die meisten Linienbusse mit einer separaten Heizung/Klimaanlage für den Fahrer ausgestattet. Er könnte den Bus also für die Damen auf mollige 100° (Fahrenheit in dem Fall *g*) aufheizen und selbst bei gemütlichen 18 - 20 °C rumsitzen.

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    1. Außerdem kann er sich ja ein Fenster öffnen. Wenn der mir nochmal unterkommt...

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