Samstag, 20. September 2014

Der kleine Unterschied (1)

Wir müssen reden. Rein virtuell natürlich. Aber ein wir müssen schreiben hört liest sich einfach doof an. Also nochmal von vorne: Wir müssen reden. Über den kleinen Unterschied.

Daß es ihn, den kleinen Unterschied zwischen Männlein und Weiblein, tatsächlich gibt, setze ich der Einfachheit halber mal als bekannt voraus. Und gerade zu dieser Zeit werde ich regelmäßig damit konfrontiert. Ich kann einfach nicht anders; immer und immer wieder muß ich mir ansehen, was mir da präsentiert wird. Es ist wie ein Zwang. Bei den Herren der Schöpfung ist da eher – man(n) möge mir verzeihen – wenig zu sehen. Bei den Damen hingegen wird nicht gegeizt. Sie zeigen, was sie haben. Mal mehr, mal weniger voluminös gestaltet. Mal mit und mal ohne Haare, gleich ob zur Zierde oder zum Nutzen. Es ist eine Frage, wo man gerade hinsieht. Mitunter findet sich auch eine Art Lederoptik. Wie das eben so ist.

Das Thema ist mal wieder das Wetter und seine Begleiterscheinungen. Und Stoff. Konkret Stoff, der zu Jacken verarbeitet wurde. Auch Leder. Daraus kann man bekanntlich auch Jacken machen. Mit und ohne Pelzbesatz. Außerdem reden wir über das unterschiedliche Wärmeempfinden der Geschlechter. Mal wieder. Ja, es muß sein. Die Kontraste waren einfach zu bemerkenswert; das konnte ich nicht einfach in der Tiefe des ewigen Vergessens verschwinden lassen.

In einem ordentlichen Sommer gibt es eine klare Ansage: Die Jacken bleiben zu Hause. Meistens. Sollte hier mal so etwas Einzug halten, was auch außerhalb der alpennahen Bundesländer als knackiger Winter bezeichnet werden kann, ist allseits eine wirklich wärmende Jacke angesagt, keine Frage. Männer überlegen dann sogar, ob sie in Betracht ziehen sollen, mal die Damen des Hauses zu fragen, wo denn wohl die Handschuhe gerade am vergammeln sind.

Doch an der Wetterlage, welche in der letzten Woche an einigen Tagen vorherrschte, scheiden sich die Geister Geschlechter eindeutig, wie ich morgens auf dem Weg zur Arbeit feststellen durfte.

Der Bus, in dem ich mich befand, hatte Verspätung. Dies bedeutet, daß ab einem bestimmten Punkt des Kurses niemand mehr zusteigt, da die zuvor gefahrenen Wagen anderer Linien jeden aufgenommen hatten, dessen Zwischenziel der Neustädter Hauptbahnhof war. Danach ist der wagen meistens bis auf wenige Versprengte geleert. Somit ergab sich die Gelegenheit, die einzelnen Fahrgäste in dem Wagen abweichend von meiner sonstigen Übung näher in Augenschein zu nehmen. Entgegen meiner Gewohnheit saß ich relativ weit hinten im Wagen, da sich meine sonst bevorzugten Sitzplätze zu meinem größten Unvergnügen als besetzt erwiesen.

Es gibt fünf Plätze, die ich genau in der nachstehenden Reihenfolge bevorzugt einnehme. Zunächst wäre da der Platz hinter dem Fahrer. Da habe ich meistens meine Ruhe; nur höchst selten findet sich jemand, der meint, die Sitzreihe mit mir teilen zu wollen, was mir natürlich entgegenkommt. Ist dieser Platz besetzt oder bauartbedingt so ausgeführt, daß ich meine Beine verrenken muß, um dort sitzen zu können, nehme ich auch gerne den Einzelplatz in der ersten Reihe rechts ein. Dies aber nur, wenn er nicht in der Schmalversion ausgeführt ist und ein Haltewunschsignalisationselement erreichbar ist. Dies ist nicht immer der Fall, es gibt unterschiedliche Innenausstattungsvariationen. Die mit dem fehlenden Haltewunschsignalisationselement in Griffweite ist mir die unbegreiflichste von allen.

Sind diese Plätze besetzt oder aus anderen Gründen nicht für mich nutzbar, bietet sich als nächstes akzeptables Ziel die erste Sitzreihe auf der rechten Seite, die sich links neben der hinteren Tür befindet. Diese Option entfällt in bestimmten Wagen, da sich bei denen auf dem Boden eine gewölbte Erhöhung befindet. Und das natürlich genau an der Stelle, auf der mein rechter Fuß seinen Platz einnehmen würde. Haltet euren Fuß mal fast 40 Minuten auf so einer Wölbung. Das wird richtig fies.

Die Rangfolge meiner beliebtesten Sitzplätze in einem Bus wird fortgeführt mit der ersten Sitzreihe auf der rechten Seite rechts neben der hinteren Eingangstür. Da kann man den Arm so schön auf dem kleinen Vorsprung unter dem Fenster ablegen, jedoch birgt der Platz ein großes Risiko, die Sitzreihe mit Fremdpersonen teilen zu müssen. Da kann ich so böse gucken wie ich will.

Als letzte Wunschlösung bietet sich noch die erste Reihe der linken Seite links neben der hinteren Eingangstür an. Davor befindet sich üblicherweise die Abstellfläche für Kinderwagen. Und wenn dort auch besetzt ist, muß ich eben improvisieren. So kam es, daß es mich trotz an sich übersichtlicher Belegung des Fahrzeuges dennoch nach weiter hinten verschlagen hatte. Ganz in die Nähe der letzten Reihe, in der früher bei Klassenfahrten immer die coolen Jungs saßen. Außer in Doppeldecker-Bussen. Denn da saßen die coolen Jungs immer ganz vorne. Natürlich eine Etage höher.

Und für beide Fälle gilt: Ich saß da natürlich nicht. Nie. Niemals. Auf gar keinen Fall. Denn ich gehörte nie zu den coolen Jungs.

Na, höre ich ein allgemeines, virtuelles und natürlich mich bedauerndes Ooooooohhh?


(wird fortgesetzt)






Kommentare:

  1. Ich weis gar nicht wann ich das letzte mal Bus gefahren bin. Muss 12 Jahre her sein. Meine Jungs ,damals 3 und 4 Jahre wollten unbedingt. Wir sind dann zwei Stunden durch die Stadt gefahren. Die haben sich gefreut wie die Schneekönige.

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    1. Mit Sitzplatz außerhalb des Berufs- und Schülerverkehrs und ohne auf Pünktlichkeit oder Umsteigen angewiesen zu sein finde ich das auch nicht schlimm. Ansonsten aber...

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  2. Ja,
    jeder hat so seine Lieblingsplätze. Und du gehörtest nicht zu den cooolen Jungs? Tsts, ich bedauer dich ja sooooo sehr: ooooooooooooooooooooooh.

    Man muß auch nicht immer dazugehören. Auf anderen Plätzen hat man dann wenigstens seine Ruhe.

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    1. Täusche ich mich oder war das Bedauern jetzt nicht doch ein klein wenig gekünstelt? Egal, ich nehme, was ich bekommen kann. ;-)

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  3. Das sind äußerst nützliche Sitzplatztips.
    Wie bei mir ja zu lesen war, werde ich in Zukunft eine Bushaltestelle vor der Haustür haben und ich gedenke, den Bus auch zu nutzen, der da fährt.
    Und selbstverständlich kommt von mir ein virtuelles Oh!
    Jetzt bin ich aber erstmal gespannt, wie es mit dem Unterschied weiter geht.
    Und ob der wirklich so klein ist.

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    1. Da kam doch glatt der Bildungscharakter dieses Blogs wieder durch. :-D

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  4. Hm, da erwartet man eine Abhandlung über den kleinen Unterschied zwischen Mann un d Frau und bekommt eine Lehrstunde über unterschiedliche Busausstattungen;-)

    Du erdreistest dich also wirklich Müttern den Sitzplatz direkt am Kinderwarenabstellplatz wegzunehmen?

    Schäme dich!
    Du Rüpel;-)

    So, so... kein cooler Typ warst du.

    Ich habe kürzlich ein paar der coolen Jungs von der "Pritsche" wieder gesehen.

    Im Freibad.
    Angedickt, weizenbiertrinkend und Karten spielend.
    Traurige Gestalten.
    Sahen mittlerweile völlig uncool aus...

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    1. Den Müttern mit Kinderwagen nehme ich keineswegs ihren Sitzplatz weg. Ich habe doch keine Lust, mich von denen blöd anmachen zu lassen. Vor der "festen" Sitzreihe befinden sich bei uns nämlich noch Klappsitze - extra für die Muttis. :-)

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