Dienstag, 30. September 2014

Kleine Randbemerkung - Gemütlichkeit ist relativ

Also mal ehrlich jetzt. In diesem Haushalt wimmelt es von Katzenkissen, Menschenkissen, Woll- und anderen Decken sowie Körbchen.

Und wo liegt Katze gerade am liebsten?

Genau hier:




Das kann einfach nicht gemütlich sein.




Sonntag, 28. September 2014

Benutz die Suchfunktion

Im Gegensatz zu unserer Außenstelle in Neustadt befinden sich in der LASA-Hauptverwaltung in Bad Husten gemütliche Pausenbereiche, eine Kantine sowie eine angeschlossene Cafeteria. Das Angebot war schon zu der Zeit, in der ich selbst noch in der Hauptverwaltung gearbeitet habe, ausnehmend vielfältig und wurde in den letzten Jahren nochmal deutlich ausgeweitet. Die Preise sind für eine Kantine zwar nicht mehr am unteren Rand des bekannten Gefüges, aber immer noch günstig. Die Versuchung, täglich Frühstück und Mittagessen vor Ort zu kaufen ist groß und würde alleine schon aufgrund der regelmäßigen Wiederholungen doch meinen nicht vorhandenen Geldberg dramatisch reduzieren. Da kann das so günstig sein wie es will.

Zu meiner Sturm- und Drangzeit, also kurz nach dem letzten Knüppelkrieg, bestand das Standardgericht männlicher Auszubildender aus Pommes und einer großen Bockwurst. Weibliche Auszubildende bevorzugten ganz klischeehaft Grünzeug. Ein Großereignis auch über den kulinarischen Horizont der Auszubildenden hinaus lag immer vor, wenn es alle paar Monate mal Currywurst gab. Die erwies sich als Renner des Tages. Heute gibt es neben zahlreichen hochwertigeren und raffinierteren Angeboten auch regelmäßiger diese Currywurst; die Bockwurst ist aus dem Angebot meines Wissens nach verschwunden. Macht nichts, so gut war die auch nicht. Aber preiswert. Wir hatten damals ja nichts.

In unregelmäßigen Abständen habe ich auch nach Wechsel meines Dienstortes in eine unserer Außenstellen immer noch in Bad Husten zu tun. Gerne bin ich früher morgens vor meinem Termin noch kurz durch die Cafeteria gehuscht und habe mich für den Tag eingedeckt. Zu solchen Gelegenheiten war es mir das dann doch wert. Seinerzeit gab es noch warme, hausgemachte Frikadellen und den ewigen Klassiker des Hauses – Rühreibrötchen.

Doch schon begann die Zeit der Entfremdung, in der ich mich dort weder morgens noch in der Mittagspause auch noch niedergelassen hatte. Die Brötchen wurden in bereitgestellte Tüten gepackt und mitgenommen. Zu groß waren meine Befürchtungen, dort auf Menschen zu treffen, mit denen ich einst zusammengearbeitet hatte. Ich wäre in die Verpflichtung geraten, mit ihnen zusammen am Tisch zu sitzen, erzählen oder zuhören zu müssen. Nein, das wollte ich nicht; es widerstrebte mir einfach.

Dann stellte unsere Kantine auf bargeldlosen Zahlungsverkehr um. Unsere Dienstausweise konnten über einen Chip mit Geld (kein Kleingeld bitte, sondern nur ordentliche Beträge) aufgeladen werden, Bares wollte man nicht mehr sehen. Eine Auszahlung vorhandenen Restguthabens war nur zu bestimmten Uhrzeiten über die Kantinenverwaltung möglich. Viel zu viel Aufwand für jemanden, der ganztägige Termine im Haus hat und sich nur alle paar Monate mal dort aufhielt. Außerdem hatte ich zu jenen Uhrzeiten keine Zeit. Somit stellte ich die wenigen Besuche in unserer Kantine vor ein paar Jahren gänzlich ein.

Soviel zur Vorgeschichte. Wir schwenken nun geistig um in die Gegenwart. Ich befinde mich zu Hause, bin weiterhin mental nicht auf der Höhe und wieder in einer Phase, in der ich froh bin, die Wohnung nicht verlassen zu müssen. Zu viel prallt gerade auf mich ein, ich habe keine Gelegenheit, irgendwo mal richtig zur Ruhe zu kommen. Wir haben Wochenende. Den Sport lasse ich sausen. Selbst wenn ich zum Sporttempel gefahren wäre, hätte ich die heiligen Hallen vermutlich nicht betreten, wenn da schon mehr als zwei Personen gewesen wären. Und daß dort mehr als zwei Personen anwesend sein würden, dürfen wir zwingend als gegeben voraussetzen. Ich verbringe einen nach Ableistung üblicher Haushaltsarbeiten vollkommen sinnlosen Tag. Obwohl ich meiner Meinung nach gut geschlafen habe, werde ich nicht richtig wach. Und das schon seit Tagen. Nachmittags lege ich mich nochmal hin. Hauptsache, der Tag vergeht irgendwie.

Ich scheine tatsächlich eingeschlafen zu sein. Mein nächstes Erlebnis findet nämlich an meinem Schreibtisch im Büro statt. Eine Kollegin – die mit den Fluchkuchenfotos hier im Blog - hat mir von draußen ein belegtes Brötchen mitgebracht. Ein Käsebrötchen, um genau zu sein. Gouda. Mittelalt. Nicht allzu dünn geschnitten. Dazu Butter, sonst nichts. Gut so, auch wenn eine Gurkenscheibe oder ein Salatblatt schön gewesen wäre. Salatblätter haben wir zu Hause nur selten zur Verwendung auf Brötchen vorrätig. Es lohnt sich einfach nicht. Tatsächlich ist dieses Brötchen das erste in einer Bäckerei oder etwas in der Art belegte Brötchen seit Jahren, welches ich mittags bekomme. Ich kaufe mir die nicht. Dementsprechend sind mir die Preise vollkommen unbekannt. Ich habe noch nicht mal im Ansatz eine Idee, was das kostet. Weder im Traum noch in der Realität. Meine Kollegin, der ich natürlich Geld in die Hand zu drücken habe, hat sich das dummerweise ebenfalls nicht gemerkt.

„Komm, lass mal, ist schon gut.“

Nein, ist es nicht. Ich mag es nicht, wenn man mir etwas schenkt. Sei es nun was Größeres oder nur ein olles Käsebrötchen. Es hat immer etwas Verpflichtendes. Ich möchte niemandem verpflichtet sein. Also kommt mir die Idee, im hauseigenen Intranet den dort befindlichen Angebotsplan der Bad Hustener Kantine zu suchen, dort den Preis für Käsebrötchen zu ermitteln und selbigen mit einem angemessenen Aufschlag zu bezahlen.

Also suche ich wie ein Verrückter nach diesem Plan. Es gibt ihn, ich weiß es. Klassischer Weise hört man nun die Stimmen, welche dich mit „Benutze die Suchfunktion“ zubrüllen. Vergesst es, die Suchfunktion in unserem Intranet ist nicht so toll. Ich suche und suche, klicke mich durch alle möglichen und unmöglichen Stellen des Intranets, bis ich schließlich…

(nein, dieses Mal keinen Cliffhanger)

…von der Stimme meiner Schwiegermutter geweckt werde, die im heimischen Wohnzimmer aus dem Anrufbeantworter tönt. Die Sache mit dem Käsebrötchen hat sich damit wohl erledigt. Natürlich habe ich während meines Traumes noch nicht mal da reingebissen. Das wäre immerhin noch kalorienarm gewesen.

Aber warum auch? Seit ein paar Tagen habe ich schließlich Schmacht nach Streuselkuchen. Ohne Obstbelag. Einfach nur Streuselkuchen. Und etwas Zuckerglasur zwischen den Streuseln.

Ich!

Kuchen!

Mit Streuseln!

Und Zuckerglasur!

Tagelang!

Womöglich noch mit Rosinen! (die werte ich nicht mehr als Obst)

Das kann schon eine gewisse Besorgnis auslösen.





Gruß aus der Küche - Ofenklöße

Ofenklöße lassen sich preislich günstig und bei Verwendung von Fertig-Kloßteig auch schnell herstellen. Um eine durchschnittliche Auflaufform ordentlich zu füllen, werden zwei Pakete des Teigs benötigt. Das Gericht ist sehr sättigend; diese Menge ist für zwei Personen schon eine ordentliche Ansage, bei der unbedingt mit Resten zu rechnen ist.






Man nehme auf ein Paket gerechnet:

1 Paket Kloßteig (Kartoffelklöße, halb und halb) oder die entsprechende selbst produzierte Teigmasse
Schinken oder andere Wurstreste
evtl. Zwiebeln
Käse zum Überbacken
200 ml Sahne oder Milch
Salz
Pfeffer
Paprikapulver


Aus dem Teig kleine Klöße formen und in der Auflaufform verteilen. Die kleingeschnittenen Schinken- und Wurstreste darüber verteilen, ebenso die Zwiebeln, sofern gewünscht.

Die Sahne bzw. eine entsprechende Milch-Sahne-Mischung mit Salz, Pfeffer und Paprikapulver würzen und darüber geben. Die Klöße nehmen viel Flüssigkeit auf. Wer nach dem Backen noch Soße haben will, sollte die Flüssigkeitsmenge deutlich erhöhen.

Nun den Käse über das Gericht verteilen und 40 Minuten bei 180 Grad im Ofen backen.

Variationen mit Paprika, Champignons oder Kräutern kann ich mir hier auch sehr gut vorstellen.

Als Beilage eignet sich ein grüner Salat oder Gurkensalat.




Samstag, 27. September 2014

Der Zorn des Achilles

Wäre es nicht naheliegend, mal etwas Radikales zu versuchen, nachdem man festgestellt hat, daß das Hergebrachte nicht funktioniert und schwache Versuche einer Änderung ebenfalls gescheitert sind?

Natürlich geht es wieder um die Arbeitssituation im Büro. Nach wie vor ist alles vor die Wand gefahren.

Auch wir wurden nach Ideen gefragt, wie dem Umstand beizukommen wäre. Aber alle Lösungen mussten im konventionellen Rahmen bleiben, bloß keine Veränderungen im Arbeitsablauf.

Mir kamen ebenfalls meine Gedanken, damals wie heute. Die Ideen werden abgeblockt. Mir wird verboten, bestimmte Teile davon Dr. Strebsinger auch nur weiterzugeben. Und zwar nicht, weil die Idee als solche für ungeeignet gehalten wird, sondern weil man sie als Angriff gegen die eigene Person interpretiert.

Das nennt man unter dem Strich den Dienstweg einhalten. Eine Umgehung des Dienstweges kann zu nachhaltigem Ärger führen. Dazu habe ich aktuell keine Lust. In letzter Zeit habe ich mich zu einigen Dingen in bester Absicht auch für andere weit aus dem Fenster gelehnt und bin dort von allen Seiten hängen gelassen worden. Das Thema ist für mich also erst mal durch. (Jetzt heißt es: jeder für sich, Gott gegen alle.)

Die Teile, mit denen ich einst mal zu Dr. Strebsinger vorgedrungen bin, wurden als Versuch nur halbherzig und nicht so wie vorgesehen umgesetzt. Dies und einige unglückliche äußere Begleitumstände führten vor einem Jahr zum Scheitern.

Soweit ich sehe, gäbe es einen weiteren Lösungsansatz, bei dem sogar bestehende Hierarchien eingehalten werden. Denn die sind tatsächlich nicht so ohne weiteres antastbar. Soviel Einsicht habe ich noch.

Aber Eitelkeiten, mangelndes Verständnis, wenig Mut zum Risiko und das Sichern von Pfründen blockieren alles. Revolutionen im öffentlichen Dienst? Bloß das nicht. Und schon gar nicht auf lokaler Ebene.

Wie soll sich durch bloßes Verharren im alten Trott denn wohl eine Aufbruchstimmung einstellen können?

Es ist nur noch frustrierend.


PS: Ja, der Titel dieses Eintrages drückt durchaus eine gewisse Arroganz meinerseits aus. Aber es beschreibt am besten, wie ich mich gerade fühle. Ich stehe dazu. Obwohl ich durchaus nicht der Ansicht bin, daß mit mir alles steht und fällt. Auch räume ich gerne ein, daß die Herleitung des Vergleiches vielleicht ein wenig hinkt. Nur mal so am Rande bemerkt.




Verantwortung und ähnlicher Unfug

Dr. Strebsinger wies uns an, unmittelbar und ab sofort nur und ausschließlich noch die Akten mit den grünen Bändchen zu bearbeiten. Die anderen sollen wir angehen, wenn die Akten mit dem grünen Bändchen fertig sind. Das ist sehr unglücklich, denn dann bleiben die Akten mit den blauen, roten und gelben Bändchen liegen. Es kommen einfach zu viele Akten mit grünen Bändchen rein. Wir wiesen ihn darauf hin, aber er meinte nur, daß das Liegenlassen dann eben die Konsequenz daraus wäre.

Sehr einleuchtend. Da zeigt sich der akademisch geschulte Verstand.

„Herr Dr. Strebsinger, übernehmen Sie denn auch die Verantwortung dafür, wenn bei den Akten mit den blauen, roten und gelben Bändchen jetzt etwas ganz gewaltig aufbrummt, bloß weil wir die liegenlassen müssen?“

„Nein, natürlich nicht. Jeder ist für seinen Arbeitsbereich selbst verantwortlich. Das müssen Sie schon alleine regeln.“

Ähm, ja. Finde den Fehler…




Freitag, 26. September 2014

Ungläubiges Staunen

Es gibt Tage, an denen es zur Gewissheit wird, daß sich in bestimmten Teilen deines Umfeldes jeglicher Anflug von Intelligenz bis zum Verbleib von nur noch homöopathischen Dosen verflüchtigt hat.

Und wenn du dir dann dann nicht mal mehr selbst  beantworten kannst, warum du den ganzen Scheiß auch noch mitmachst, wird es echt anstrengend.




Augenblicke

Dr. Strebsinger rauschte mit einer Akte in unser kleines, lauschiges Büro, in welchem wir – natürlich – ruhig und friedlich vor uns hinarbeiteten.

„Oh, Herr Paterfelis, Sie wirken jetzt aber schon etwas gelangweilt.“

„Natürlich. Was es hier auf dem Bildschirm zu sehen gibt hat ja auch nur einen mäßigen Unterhaltungswert.“

„Was haben Sie denn da?“

„Arbeitsanweisungen.“

Was denkt der denn, was man auf unseren Rechnern Spannendes finden könnte, wenn die wirklich coolen Sachen ausnahmslos gesperrt sind?!




Mittwoch, 24. September 2014

Hier kommt die Flut (2)

Na, was glaubt ihr? Wer stand da wirklich vor der Tür und hat mich unter der Dusche hervorgeklingelt? War es der Merkur-Bote? Ein Staubsauger-Vertreter? Ein Doppelpack der Zeugen Jehovas? Oder doch die zweitbeste Ehefrau von allen? Vielleicht gar Frau Kleinhüppgenreuther?

Leute, ehrlich. Wer von euch hat denn jetzt wirklich angenommen, daß da jemand anderes als meine Angetraute stand? Das ist hier keine Sitcom, es wird von dem wirklich wahren Leben berichtet. Da geschehen solche Dinge nicht.

Obwohl..?


Machen wir einfach weiter, wo wir aufgehört haben.


...als auch schon meine Angetraute (na, seht ihr) reinhuschte, sich einen Ordner schnappte und wieder mit einigen Worten des Bedauerns nach draußen entschwand.

Nun hatte ich die Gelegenheit, immer noch tropfnass meinen Blick in Ruhe durch die zwischenzeitlich wieder klarsichtige Brille schweifen zu lassen. Unser Flur: geflutet. Die Treppe: geflutet. Der Teppich im Gartenzimmer: geflutet. Und all die beachtlichen Pfützen schön mit den üblichen Fusseln, Katzenhaaren und -streupartikeln angereichert. 

Wäääähh!

Ich wollte ja ohnehin Fliesen und Treppe mal wieder feucht wischen.

Später vielleicht, nachdem der Merkur-Bote da war. Welcher übrigens tatsächlich noch erschienen ist. Immerhin.

Diesen Eintrag schließe ich dann mal mit etwas guter Musik:


Dienstag, 23. September 2014

Hier kommt die Flut (1)

Es war ein beschaulicher Samstag. Ich lag noch so auf unserem Monster herum, wie ich dem Bett zuvor entstiegen war, und beehrte Klein-Bloggersdorf als erste gute Tat des Tages mit einem morgendlichen Rundgang. Die zweitbeste Ehefrau von allen machte sich bereit zum Aufbruch in die reale Welt, denn die Trainerschule harrte ihrer Anwesenheit. Die ersten Lizenzen hat sie ja nun bereits durch anhaltenden Fleiß und Können erworben, möchte sich aber weiterqualifizieren. Es gibt da schließlich eine ordentliche Bandbreite an Dingen, für die man noch eine Prüfung ablegen kann. Was mir insgesamt durchaus auch als sinnvoll erscheint. Sowohl daß es diese Dinge gibt als auch, daß sich meine Angetraute dafür interessiert.

Den Tag gedachte ich in aller Ruhe zu beginnen, um dann locker flöckig mein Betätigungsfeld auf die Säuberung unserer Schmutzwäsche, der Reinigung einiger Katzenklos (yeah, Katzenscheiße schaufeln, das belebt) und auf all die anderen Dinge auszuweiten, zu deren Erledigung der liebe Gott einst die fleißige Hausfrau erschaffen hat. Bis Nietzsche schließlich Gott für tot und Alice Schwarzer den Mann zwar grundsätzlich für überflüssig aber dennoch auch als geeignet zur Erledigung sämtlicher Hausarbeiten erklärte. Dumm gelaufen.

Wie so oft wies mich meine Angetraute im Moment ihres Aufbruchs noch auf  die wesentlichen Dinge hin. So erinnerte sie mich daran, daß sie – wie meistens, wenn ich zu Hause bleibe und ihre nicht allzu späte Rückkehr erwartet werden durfte – keine Haustürschlüssel mitnehme und der Merkur-Bote heute wohl erscheinen würde. Insbesondere Letzteres war ziemlich blöd lästig nervend für mich, bedeutete dies schließlich, daß ich mich nun baldmöglichst unter die Dusche begeben sollte. Denn ohne solches getan zu haben, vermag ich mich der Außenwelt wirklich nicht zu präsentieren. Und daß ich dem Boten die Tür zu öffnen habe stand fest, denn er hatte auch gemäß der Planung meiner Angetrauten hier nicht nur ein Paket zu hinterlassen, sondern gefälligst ein solches auch wieder mitzunehmen. Somit konnte ich ihn im Fall des Falles nicht einfach überhören und die Annahme des erwarteten Paketes auf Knutsens abwälzen.

Das mit dem Boten gefällt mir aus verschiedenen Gründen ja nun so gar nicht. Wie der kundige Blogleser weiß, öffne ich nicht gerne die Tür für Fremde. Und erst recht, wenn ich mich mit ihnen auch noch auseinandersetzen muß. Nun gut, der Bote ist angekündigt, ich bin darauf vorbereitet. Außerdem ist er nicht geschwätzig. Genau genommen sagt er gar nichts, außer „Hallo“ und „Tschüß“. Oder die russisch eingefärbte Variante dieser Worte, so genau ist das nämlich auch nicht zu verstehen. Hinzu kommt das Problem, daß ich in der Zeit, in der ich auf sein Klingeln warte, die Katzenbande weder mit dem Besuch des Onkel Staubsaugers erfreuen noch mich mit der Wäsche beschäftigen kann, weil ich das Klingeln des Boten bei schleudernder Maschine und tösenden Trockner mit Untermalung des Rauschens der Raumventilation nicht höre. Zumindest nicht, wenn ich mich just in diesem Moment im Waschmaschinenraum befinde. Und natürlich wird er eben diesen Moment abpassen. Genauso natürlich wird er auch nur kurz über den Klingelknopf streicheln und noch bevor der letzte Nachhall des Schellens im nicht vorhandenen Wind verweht ist wieder verschwunden sein. Lassen wir einfach die Zeit vergehen.

Aber erst mal duschen.

Also begab ich mich, kaum daß meine Angetraute das Haus verlassen hatte, eine Etage nach unten in das dort befindliche Männer-Bad (*grunz*) und ließ das herrliche Nass über meinen ebenso herrlichen stattlichen Körper laufen. Die Badezimmertür hielt ich zwecks Dunstabzuges geöffnet. Plötzlich, nachdem ich meine Haare ausreichend zwecks nachfolgende Waschung vorgewässert hatte, war mir so, als ob ich in der Ferne ein sanftes Klingeln vernehme würde. Nö, mein lieber Merkur-Bote, beim besten Willen, aber jetzt öffne ich dir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht.

Aus dem Klingeln wurde ein Sturmschellen. Ich hatte sogar den Eindruck, daß das Schellen immer lauter werden würde, obwohl dies technisch eher auszuschließen war. Aber was weiß ich schon von Technik?

Es kann nur Eine geben…

Genau, die zweitbeste Ehefrau von allen, ohne Schlüssel unterwegs, hatte vermutlich etwas vergessen mitzunehmen, stand jetzt unter Zeitdruck vor der Tür und begehrte Einlass. Was blieb mir also übrig, als so wie ich war aus der Dusche zu springen, die Brille im doch vorhandenen Raumnebel (ja, ich bin ein Warmduscher) zu suchen, über den bereitstehenden Marty stolpernd durch das Gartenzimmer zu latschen und dabei mit den nassen Fußsohlen so viel überall verbreitete Katzenstreupartikel aufzunehmen, wie irgend möglich war. Der Weg führte der Not gehorchend in gewisser Eile strauchelnd und rutschend auf den nass-teilpanierten Füßen die hölzerne Treppe nach oben hinauf ins Erdgeschoss und schließlich über die somit ebenfalls relativ haftarm gewordenen Fliesen zur Tür. Ein Blick unter Nutzung der immer noch nebelbeschlagenen Brille durch den Türspion ließ mich etwas großes, Rotes erkennen wahrnehmen erahnen. Meine Angetraute. Hoffte ich zumindest. In dieser Annahme jedenfalls öffnete ich den Zugang zu unserer Wohnung in schamlos-tropfender Nacktheit, meine Blöße notdürftig hinter der Tür versteckend, als...


(wird fortgesetzt)



Montag, 22. September 2014

Heldentaten und Willenskraft

Nur mal so als kleiner Nachtrag zum Wochenende: Ich bin der Meinung, daß es durchaus ein Zeichen wahrer körperlicher und geistiger Selbstbeherrschung ist, sämtlichen Schmerz und Erschöpfung nach absolvierter sportlicher Ertüchtigung alleine durch pure Willenskraft auszublenden und unmittelbar nach dem Erreichen der heimischen Wohnung eine große Wäscheladung nasser Jeanshosen auf die Leine zu hängen. Das stellt mich doch wohl in eine Reihe mit John Rambo, Rocky Balboa (he, ich kann auch nichts dafür, daß beide Rollen vom gleichen Typen dargestellt wurden), Herakles und Frodo Beutlin.

Wenn ich vorher das Sofa erreicht hätte, wäre ich da nie wieder von runtergekommen.



Sonntag, 21. September 2014

Der kleine Unterschied (2)

Da bin ich jetzt aber wieder ordentlich vom Thema abgewichen. Es ging doch um den kleinen Unterschied.

Morgens verbreitete sich draußen, in der freien, ungehemmten Natur eine gewisse, durchaus angenehme niederwertige Temperatur, gemeinhin auch als Morgenkühle bezeichnet. Später wird es dermaßen schwül-warm, daß ich, so ich denn eine Jacke an der dafür vorgesehenen Stelle trage, wieder einen Hitzestau bekomme. Trage ich die Jacke hingegen an einer zu diesem Zweck im eigentlichen Sinne nicht vorgesehenen Stelle, zum Beispiel über dem Arm oder in der Hand, bin ich ausnehmend schnell von diesem Umstand genervt.

Außerdem heißt kühlnicht kalt. Was bedeutet: Jacke, du hängst weiterhin zu Hause mit deinen Freunden ab.

Schon an der Haltestelle fand sich die erste Frau, die dort eigemummelt in einer immerhin noch vorwinterlich einsetzbaren Jacke stand und sich von der sanften Glut einer Zigarette zusätzliche Wärme versprach. Im Bus gab es ähnliche Bilder zu sehen, wenn auch ohne Glimmstengel. Ich spürte förmlich die vereinzelten irren Blicke der anwesenden Damen ob meiner luftigen Kleidung.

Doch ich blieb nicht alleine. Während der Fahrt stiegen von mir persönlich gezählte sechs Männer dazu. Vier von ihnen trugen außer ihrem Shirt oder Kurzarmhemd keine weitere sichtbare Oberkörperbekleidung. Einer hatte sich als männertypische Ersatzwohnung eine Weste angezogen, welche offenkundig sämtlich erforderlichen Utensilien und noch etwas mehr an Zeug beherbergte, welches man so zum Überleben im Großstadtdschungel benötigt. Einen peinlichen Ausreißer gab es dann doch. So ein Hänfling hatte tatsächlich eine – längere (!) – Jacke an. Bei näherer Betrachtung entschied ich mich, ihm das durchgehen zu lassen. Unter Aufbietung sämtlicher Vorurteile kam ich zu dem Entschluss, daß der Bursche augenscheinlich zumindest genetisch-familiär aus Gefilden stammen musste, in denen tendentiell wärmere Temperaturen vorherrschen sollten.

Bei den mir ansichtig gewordenen weiblichen Mitreisenden blieb mir aber mehr als einmal die Spucke weg. Ja, man frau ist frösteliger. Als Ehemann sowie als Mitarbeiter in einer zahlenmäßig von Frauen dominierten Behörde erlebe ich das durchaus häufiger und habe mich gelegentlich auch schon hier im Blog dazu ausgelassen. Frauen können vermutlich nichts dafür. Das habe ich ja nunmehr begriffen. Angeblich wegen weniger vorhandener Muskelmasse – was aber eindeutig im eklatanten Widerspruch zu meiner allgemeinen Lebenserfahrung steht. Dennoch hätte ich leichte Strickjacken, Jeansjacken oder so etwas ohne mit der Wimper zu zucken akzeptiert. Aber was mir da geboten wurde, war unglaublich. Lange dickere Jacken, Pelzkragen, alle hochgeschlossen, in zwei Dritteln der Fälle mit oben herausragendem Schal. Es hätte mich nicht mehr gewundert, auch schon die ersten Handschuhe zu sehen, so wie manche ihre Hände verzweifelt an dem mitgeschleppten Kaffeebecher aus Togo klammerten. Was machen die, wenn es wirklich Winter wird?

Und daneben sitzend dann die Kerle in ihrer spätsommerlich-leichten Bekleidung. Ein durchaus bemerkenswerter Anblick.

Irgendwann erbarmte sich der Busfahrer mit den armen, frierenden Geschöpfen und wandte sich damit gegen seine Geschlechtsgenossen. Er machte die Heizung an.

Die! Heizung! An!

Im Spätsommer.

Mir bleibt nur die Vermutung, daß dieser Mensch irgendwann mal eine Frau war. Kann man ja nicht ausschließen. Hätte ich auch kein Problem mit. Andere Erklärungsversuche jedenfalls erschließen sich mir nicht. Nicht, daß die Damenwelt auch nur irgendetwas an ihrem Bekleidungszustand geändert hätte. Zum Beispiel den obersten Knopf ihrer Jacke geöffnet. Aber man taute immerhin soweit auf, daß die Schnatterei losging. Und bei den Herren der Schöpfung? Die Gesichtsfarbe wechselte allenthalben von entspannter, mitteleuropäischer Sommerblässe zur mehr als dezenten Ich-will-sofort-aus-der-Dampfsauna-raus-Röte.

Es bleibt also schwierig.

Aber das wusstet ihr ohnehin schon, oder?!


(Ende)




Samstag, 20. September 2014

Der kleine Unterschied (1)

Wir müssen reden. Rein virtuell natürlich. Aber ein wir müssen schreiben hört liest sich einfach doof an. Also nochmal von vorne: Wir müssen reden. Über den kleinen Unterschied.

Daß es ihn, den kleinen Unterschied zwischen Männlein und Weiblein, tatsächlich gibt, setze ich der Einfachheit halber mal als bekannt voraus. Und gerade zu dieser Zeit werde ich regelmäßig damit konfrontiert. Ich kann einfach nicht anders; immer und immer wieder muß ich mir ansehen, was mir da präsentiert wird. Es ist wie ein Zwang. Bei den Herren der Schöpfung ist da eher – man(n) möge mir verzeihen – wenig zu sehen. Bei den Damen hingegen wird nicht gegeizt. Sie zeigen, was sie haben. Mal mehr, mal weniger voluminös gestaltet. Mal mit und mal ohne Haare, gleich ob zur Zierde oder zum Nutzen. Es ist eine Frage, wo man gerade hinsieht. Mitunter findet sich auch eine Art Lederoptik. Wie das eben so ist.

Das Thema ist mal wieder das Wetter und seine Begleiterscheinungen. Und Stoff. Konkret Stoff, der zu Jacken verarbeitet wurde. Auch Leder. Daraus kann man bekanntlich auch Jacken machen. Mit und ohne Pelzbesatz. Außerdem reden wir über das unterschiedliche Wärmeempfinden der Geschlechter. Mal wieder. Ja, es muß sein. Die Kontraste waren einfach zu bemerkenswert; das konnte ich nicht einfach in der Tiefe des ewigen Vergessens verschwinden lassen.

In einem ordentlichen Sommer gibt es eine klare Ansage: Die Jacken bleiben zu Hause. Meistens. Sollte hier mal so etwas Einzug halten, was auch außerhalb der alpennahen Bundesländer als knackiger Winter bezeichnet werden kann, ist allseits eine wirklich wärmende Jacke angesagt, keine Frage. Männer überlegen dann sogar, ob sie in Betracht ziehen sollen, mal die Damen des Hauses zu fragen, wo denn wohl die Handschuhe gerade am vergammeln sind.

Doch an der Wetterlage, welche in der letzten Woche an einigen Tagen vorherrschte, scheiden sich die Geister Geschlechter eindeutig, wie ich morgens auf dem Weg zur Arbeit feststellen durfte.

Der Bus, in dem ich mich befand, hatte Verspätung. Dies bedeutet, daß ab einem bestimmten Punkt des Kurses niemand mehr zusteigt, da die zuvor gefahrenen Wagen anderer Linien jeden aufgenommen hatten, dessen Zwischenziel der Neustädter Hauptbahnhof war. Danach ist der wagen meistens bis auf wenige Versprengte geleert. Somit ergab sich die Gelegenheit, die einzelnen Fahrgäste in dem Wagen abweichend von meiner sonstigen Übung näher in Augenschein zu nehmen. Entgegen meiner Gewohnheit saß ich relativ weit hinten im Wagen, da sich meine sonst bevorzugten Sitzplätze zu meinem größten Unvergnügen als besetzt erwiesen.

Es gibt fünf Plätze, die ich genau in der nachstehenden Reihenfolge bevorzugt einnehme. Zunächst wäre da der Platz hinter dem Fahrer. Da habe ich meistens meine Ruhe; nur höchst selten findet sich jemand, der meint, die Sitzreihe mit mir teilen zu wollen, was mir natürlich entgegenkommt. Ist dieser Platz besetzt oder bauartbedingt so ausgeführt, daß ich meine Beine verrenken muß, um dort sitzen zu können, nehme ich auch gerne den Einzelplatz in der ersten Reihe rechts ein. Dies aber nur, wenn er nicht in der Schmalversion ausgeführt ist und ein Haltewunschsignalisationselement erreichbar ist. Dies ist nicht immer der Fall, es gibt unterschiedliche Innenausstattungsvariationen. Die mit dem fehlenden Haltewunschsignalisationselement in Griffweite ist mir die unbegreiflichste von allen.

Sind diese Plätze besetzt oder aus anderen Gründen nicht für mich nutzbar, bietet sich als nächstes akzeptables Ziel die erste Sitzreihe auf der rechten Seite, die sich links neben der hinteren Tür befindet. Diese Option entfällt in bestimmten Wagen, da sich bei denen auf dem Boden eine gewölbte Erhöhung befindet. Und das natürlich genau an der Stelle, auf der mein rechter Fuß seinen Platz einnehmen würde. Haltet euren Fuß mal fast 40 Minuten auf so einer Wölbung. Das wird richtig fies.

Die Rangfolge meiner beliebtesten Sitzplätze in einem Bus wird fortgeführt mit der ersten Sitzreihe auf der rechten Seite rechts neben der hinteren Eingangstür. Da kann man den Arm so schön auf dem kleinen Vorsprung unter dem Fenster ablegen, jedoch birgt der Platz ein großes Risiko, die Sitzreihe mit Fremdpersonen teilen zu müssen. Da kann ich so böse gucken wie ich will.

Als letzte Wunschlösung bietet sich noch die erste Reihe der linken Seite links neben der hinteren Eingangstür an. Davor befindet sich üblicherweise die Abstellfläche für Kinderwagen. Und wenn dort auch besetzt ist, muß ich eben improvisieren. So kam es, daß es mich trotz an sich übersichtlicher Belegung des Fahrzeuges dennoch nach weiter hinten verschlagen hatte. Ganz in die Nähe der letzten Reihe, in der früher bei Klassenfahrten immer die coolen Jungs saßen. Außer in Doppeldecker-Bussen. Denn da saßen die coolen Jungs immer ganz vorne. Natürlich eine Etage höher.

Und für beide Fälle gilt: Ich saß da natürlich nicht. Nie. Niemals. Auf gar keinen Fall. Denn ich gehörte nie zu den coolen Jungs.

Na, höre ich ein allgemeines, virtuelles und natürlich mich bedauerndes Ooooooohhh?


(wird fortgesetzt)






Freitag, 19. September 2014

Es hat Bestand

Gedanke des Tages:

Das Ansehen der Filme Braveheart und Rob Roy scheint heute keine angemessene Abendunterhaltung zu sein.



Sommer, Sonne, Strand und - Piraten

Ahrrr, Ihr räudigen Landratten. Käpt'n Greybeard ist wieder zurück. Und natürlich hat er wieder Polly den Mamagei Papagei auf der Schulter. Los, Polly, grüß die netten Leute hier, bevor wir sie alle kielholen. Brav, Polly, bist ein guter Vogel. Los, nimm dir einen Keks. So ist's richtig, ahrrr.

Wie der kundige Blogleser eventuell schon von alleine bemerkt hat, ist heute wieder der weltweite  Sprich-wie-ein-Pirat-Tag. Huldigen wir dem Fliegenden Spaghettimonster mit einer ordentlichen Portion Spaghetti mit Fleischbällchen. So etwas kann man auch schon zum Frühstück erledigen.

Um nicht schon wieder ein Foto davon zu bringen, erzähle ich heute thematisch passend von einem Spiel, welches meine Tabletop-Jungs und ich einst regelmäßig an diesem bewegenden Tag auf der Platte hatten. 

Folgerichtig führt uns die heutige Reise in die alte, von Piraten befallene Karibik. Oder in eine Gegend, welche der Karibik in gewisser Weise nachempfunden ist. Ganz ehrlich: Ich würde bei einem Karibik-Trip nicht unbedingt erwarten, auf Goblins zu treffen...


Bei Freebooter's Fate handelt es sich um ein so genanntes Skirmisher-Spiel. Man führt keine gewaltigen Armeen in die Schlacht, sondern nur kleine Kampfgruppen. Zehn Modelle pro Seite auf einmal wären hier schon relativ viel, obwohl auch Spiele mit mehr Modellen möglich sind. Es ist eben alles eine Frage der zu investierenden Zeit und der Fähigkeit, die Übersicht zu behalten.

Die Regeln warten mit einigen Besonderheiten auf. Zunächst fällt nicht unbedingt auf den ersten Blick ins Auge, daß der Hersteller der Modelle und des Regelwerkes tatsächlich aus Deutschland stammt - eine echte Seltenheit in der Branche. Das Unternehmen ist sehr klein, dafür aber ausgesprochen kunden- und serviceorientiert bei einem ansprechenden Preis-Leistungsverhältnis. Ich mache hier gerne und aus tiefster Überzeugung etwas kostenlose Werbung dafür, denn man hat es sich dort wirklich verdient.

Aber auch der Spielablauf zeigt sich im Detail von einer unüblichen Seite. Im Gegensatz zu anderen Tabletops werden keine Würfel benötigt. Während der beherzte Spieler bei den Schlachten mit Massenarmeen durchaus auch mal in die Verlegenheit gerät, mehr als 36 Würfel gleichzeitig werfen zu müssen, tendentiell jedoch selten über mehr als 36 Würfel verfügt (von einigen Irren wie mir mal abgesehen *räusper*), und man selbst bei anderen Skirmishern durchaus auch mal fünf Würfel gleichzeitig in die Hand nehmen soll, benötigt man hier keinen einzigen. Alleine die Erwähnung des Wortes Würfel im Zusammenhang mit einer Partie Freebooter's Fate führt nach den mit Blut geschriebenen Anmerkungen des Regelwerkes zu ewiger Verdammnis. Mindestens!

Die in einem Tabletop-Spiel immer wieder benötigte Zufallskomponente wird über ein Kartensystem gesteuert. Am Anfang ist dies durchaus für den routinierten Spieler gewöhnungsbedürftig, aber man hat sich schnell darauf eingestellt. Ich mag dieses Spiel einfach, sowohl seitens der mitunter auch humorvollen aber nicht albernen Gestaltung der Miniaturen, des wunderschönen Regelwerkes, der sympathischen Außenwirkung des Unternehmens und des Umstandes, mit vielen Geländestücken arbeiten zu können. Da die Miniaturen einzeln auf dem Spielfeld bewegt werden und nicht in starren Regimentsformationen, kann es durchaus auch mal räumlich enger zugehen.

Freebooter's Fate spielt in einer an unserer Realität des 18. Jahrhunderts angelehnten Fantasywelt, hier konkret auf einer karibikartigen Inselumgebung. Es treffen sich die Vertreter der Kolonialherren, Piraten (jaaaa, wichtig, ahrrrr!), ein Geheimbund, Angehörige eines voodooartigen Kultes, Söldner der örtlichen Handelsorganisation sowie einheimische Amazonen und ebenfalls anwohnende Goblin-Piraten.

Bild 1:


Das Gelände stellt die einheimische Bebauung dar. Ich verwende sie gerne für Szenarien, die in heißeren Gegenden spielen, ähnlich Süd- und Mittelamerika, Afrika oder den arabischen Ländern. Gebäude, Wasserbecken und Zäune wurden wie meistens von meinem Vater aus Holz gebaut und schließlich von mir bemalt. Am unteren Bildrand sammelt sich eine doch sehr große Gruppe von Soldaten der Kolonialherren. Diese ist deswegen so groß, weil wir ein 2 : 1-Spiel veranstalten, also zwei Spieler mit ihren Mannschaften gegen einen Einzelspieler mit doppelter Mannschaftsgröße antreten. Es handelt sich auf dem Bild nicht um meine Figuren.


Bild 2:


Ein anderer Geländeaufbau. Das Gebäude mutet europäischer an und stellt den Bauernhof eines Kolonialisten dar. Dieses Gebäude wurde noch nicht bemalt, sieht aber dennoch schon auch farblich ganz ordentlich aus. Der Bewohner hätte wohl nicht damit gerechnet, mit einem hier im Blog wohlbekannten Monstrum konfrontiert zu werden. Damit wäre die Frage der Sturmtänzerin jetzt auch mit Bildbeleg geklärt, selbst wenn auf dem Bild nicht Sally und Daisy, sondern Lilly zu sehen ist.


Bild 3:



Die andere Seite der Spielfläche zeigt einen symbolisierten Wald und eine Stufenpyramide der hier lebenden Amazonen. Im angenommenen Szenario haben die Kolonialisten ihre Siedlungen bis an einen Fluß ausgedehnt, an dessen gegenüberliegenden Seite das Land der Einheimischen beginnt. Die Amazonen versuchen verzweifelt, ihr Land zu schützen. Das Modell der Pyramide habe ich zu Beginn meiner Tabletop-Karriere noch recht günstig kaufen können. Es handelt sich nicht um Massenware, sondern um eine handgefertigte Kleinserie.


Bild 4:


Angehörige der Bruderschaft, des von mir gespielten Geheimbundes, stellen einen Soldaten zum Kampf. Der Soldat, eine Miniatur meines Gegenspielers, wurde nach dem Vorbild eines englischen Scharfschützen der britischen Armee zur Zeit Napoleons bemalt. Insbesondere Fans der Fernsehserie Die Scharfschützen werden die markanten Uniformen wiedererkennen. Es handelt sich dabei nicht um ein Modell aus der Freebooter's Fate-Miniaturenschmiede, kann aufgrund seines Äußeren aber durchaus als Ersatzmodell verwendet werden, wenn man den Rest dieser Truppe ebenfalls entsprechend ausstattet. Meine Modelle sind die beiden Äußeren auf dem Bild. Die Dame zur rechten ist eine Assassin der Bruderschaft, welche eine weiße Maske trägt. Links neben dem Soldaten steht ein weiterer Assassine. Die Modelle der Bruderschaft wurden von mir bemalt. Sie sind historischen Venezianern nachempfunden, wenn auch aus naheliegenden Gründen weniger farbenfroh.

Hier gibt es ab 2.56 Min. auch noch was zu Gucken.


Na, wo waren da denn jetzt die Piraten? Leider habe ich keine Bilder, auf denen zumindest die Piratenmodelle meiner Mitspieler ordentlich zu sehen gewesen wären. Und meine eigenen warten noch originalverpackt darauf, Bekanntschaft mit Farbe zu machen. Vielleicht irgendwann mal. Vielleicht zum nächsten Sprich-wie-ein-Pirat-Tag. Bei einer ordentlichen Lage Spaghetti mit Fleischbällchen.

Ramen.



Donnerstag, 18. September 2014

Gedöns

Bilde ich es mir ein, oder erzählt ganz Klein-Bloggersdorf von Spinnen, die gerade ins Haus kommen? Blöd, da kann ich nicht mit Dramatik aufwarten. Natürlich könnte ich von der daumennagelgroßen Spinne erzählen, die seit ein paar Tagen im Büro unter der Decke wohnt. Genau über dem Gang in Richtung Teeküche. Sie hat sich vor meinen Augen noch nie bewegt, aber leben wird sie wohl, denn sie ändert ihre Position von Tag zu Tag. Ich weiß noch nicht mal, ob die einschlägig bekannte Kolleginsie schon gesehen hat. Schreie sind jedenfalls noch nicht an mein Ohr gedrungen. 

Ich habe doch gesagt, daß es nicht dramatisch wird.

Das zweite Thema, welches sich gerade ausbreitet, sind die aktuellen Einschulungen der Kinder sowie Erinnerungen an die eigene Einschulung. Da kann ich auch nicht viel mitreden. Eigene Kinder habe ich nicht, Kontakt zu Verwandten mit passenden Kindern besteht meinerseits auch nicht, und ansonsten kenne ich keine Kinder näher, die schulpflichtig werden oder gerade geworden sind.

Und die eigene Einschulung? Dieses einschneidende Ereignis ist nun auch schon mehr als ein halbes Leben her. Elvis lebte noch, aber Harrison Schmitt hatte den Mond schon längst verlassen. Irgendwann dazwischen geschah es dann. Der Tag der Einschulung scheint jedenfalls nicht besonders spektakulär gewesen zu sein. Ich erinnere mich nur noch daran, daß die meisten anderen Kinder ihre Schultüten mit in das Klassenzimmer genommen zu haben, während ich  meine erst später erhielt. Das fand ich ausnehmend doof.  Im Klassenzimmer saß ich in der letzten Reihe, am Tisch ganz links, aber an dessen rechter Hälfte. Und sonst? Feierlichkeiten zu Hause oder in der Schule? Jubel, Trubel, Heiterkeit? Verwandte zu Besuch? Alles aus dem Gedächtnis verschwunden.


Ich muß mich da mal bei meinen Eltern erkundigen.




Mittwoch, 17. September 2014

Aufgegabelt

Zitat des Tages – aus gegebenem Anlass natürlich:

Wenn ich in einem Sternerestaurant sitze, lasse ich mich gerne über Art die belehren, eine Gabel möglichst elegant zu halten. Stehe ich aber in einem Schweinestall bis zur Stiefelöffnung im Dreck, ist mit mir über ein möglichst feines Halten der Mistgabel nicht mehr zu reden.



Dienstag, 16. September 2014

Mahlzeit!

Katzen neigen bekanntlich dazu, mit ihrem Futter zuweilen wählerischer zu sein. Sally und Daisy waren da zum Ende ihrer Leben schon etwas anstrengend, was aber eindeutig den Auswirkungen ihrer jeweiligen Erkrankungen geschuldet war. Lilly hingegen ist noch topfit. Phasenweise versteift sie sich auf eine Futtersorte und weigert sich standhaft, etwas anderes zu sich zu nehmen. Nach einigen Wochen oder wenigen Monaten hat sich das dann auch wieder erledigt. Zum Glück haben wir ja noch Marty und Smilla als weitere Futterverwerter, so daß nur selten etwas im Napf bleibt, was wirklich weggeworfen werden muß.

Wenn Lilly wieder eine ihrer derartigen Mäkelphasen hat, versuchen wir, ihr hin und wieder doch mal ein anderes Futter unterzuschieben in der Hoffnung, daß sie es akzeptiert. Denn insbesondere in ihrer letzten derartigen Phase hat sie sich auf eine Futtersorte in den sündhaft teuren Portionspacks eines Premiumherstellers versteift, welche wir an sich seinerzeit mal gekauft hatten, um Sally damit zu versorgen. Die hatte deren Annahme aber glatt verweigert.

Die zweitbeste Ehefrau von allen öffnete eine neue Dose. Marty saß brav an der Küchentür, exakt an der ihm bekannten Grenze, an der seine Welt endet, in Bereitschaft. Lilly zeigte sich, wie immer zu solchen Gelegenheiten, durchaus aufgeregter und streunte durch das Wohnzimmer. Smilla wartete für sie typisch mit etwas Abstand auf die Dinge, die da kommen würden. Wenn es etwas aus ihrer Sicht wirklich Gutes ist, würde es ihr schon gelingen, die beiden anderen von dem Napf zu verdrängen. Da muß man sich keine Sorgen machen.

Kaum stand der Napf auf dem Boden, versanken auch schon zwei Katzennasen in seinem Inneren. Danach folgte der Blick, der eindeutig die Vermutung zum Ausdruck brachte, daß wir sie verarschen veralbern wollten.  Man probierte ein wenig, danach spielte man etwas mit dem Futter – wobei sich wieder zeigte, warum der Boden um die Näpfe immer aussieht wie Sau - und versuchte, rund um die Futterecke den Boden aufzugraben. Dies war  wohl der verzweifelte Versuch, dort verbuddeltes leckeresFutter wiederzufinden. Kinders, muß ich euch wirklich darauf aufmerksam machen, daß ihr da noch nie irgendetwas vergraben habt? Durch die Bodenfliesen kommt ihr nicht durch. Echt nicht.

Resigniert stellte meine Angetraute fest, daß auch nach einigen Minuten niemand unserer Katzenbande von dem Futter etwas haben wollte. Ich erkundigte mich danach, was denn da in der Dose gewesen sei.

Also las sie vor:

„Hering, Wasser, Krabben, Kürbis, Aloe Vera, Seealge, Lachsöl, Taurin.“

Ganz ehrlich: Ich verstehe die Kleinen. Das kann doch so nicht schmecken.

Thunfisch pur gefällig?




Montag, 15. September 2014

Erkenntnisgewinn und weitere Fragen

Es war noch früh am Morgen. Aufgrund der immer noch allgemein miesen Stimmung zwischen unserer Führungsebene und uns als Fußvolk hatten wir unsere Bürotür geschlossen. Unbedachte Worte können leicht aufgeschnappt und missinterpretiert oder – was noch schlimmer wäre – zutreffend verstanden werden. Von daher: Schotten dicht allen Ortes.

Es klopfte. Ohne eine Antwort abzuwarten kam Trudi rein, schaute zu Mandys noch verwaistem Arbeitsplatz und fragte dann zu mir gewandt: „Wo ist sie?“

Bevor ich auch nur Luft holen konnte, hörte man aus Karlas Richtung nur ein „Noch nicht da.“

Trudi schaute mich an. „Wieso weiß die immer mehr als du?“

Nun, was soll man dazu noch sagen? „Ich bin halt nicht mehr der Schnellste.“

Uff! Warum bin ich heute überhaupt aufgestanden?




Sonntag, 14. September 2014

Eindeutige Signale

Und es gibt sie doch – diese eindeutigen Signale, welche uns darüber in Kenntnis setzen, daß der Winter gnadenlos seinen Anmarsch aufgenommen hat. Das Wetter ist dabei vollkommen ohne Bedeutung. Und auch der Umstand, daß ich kürzlich bereits den Restjahresvorrat Mandelspekulatius erworben habe, bevor diese in der Adventszeit wieder ausverkauft sind, sollte in diesem Zusammenhang als nur von minderem Interesse betrachtet werden.

Der eindeutige und zweifelsfreie Hinweis auf den kurz bevorstehenden Winter stellt sich in der Tatsache dar, daß die Busse hier in der Gegend bereits morgens vor sechs Uhr Verspätung haben. Nur vier Stationen nach der erstmaligen Bereitstellung des Wagens. Oder daß sie gänzlich ausfallen. Das ist hier typisch für den Winter.

Nein, ganz so ist es nicht. War nur Spaß. Die Busse fallen auch im Sommer immer wieder aus oder starten ihre Tour zumindest mit ordentlicher Verspätung. Unserem regionalen Nahverkehrsunternehmen, der NÖP, fehlen schlichtweg die Fahrer. Bedingt durch einige schlecht koordinierte Großbaustellen auf Hauptverkehrsstrecken muß auf verschiedenen Linien seit Monaten ein nicht unerheblicher Umweg gefahren werden, um das örtliche Fließgewässer und verschiedene Bahnlinien zu überqueren. Gleichzeitig wird für die Deutsche Bahn auch noch Schienenersatzverkehr gestellt.

Um den Takt zumindest halbwegs halten zu können, ist der Einsatz von mehr Fahrzeugen als üblich notwendig. Die Fahrzeuge sind vorhanden, es fehlt am Personal, welches jetzt händeringend gesucht wird.

Man scheint alles in die Wagen zu setzen, was einen passenden Führerschein hat. Wie sonst wäre es zu erklären, daß es in letzter Zeit wiederholt vorgekommen ist, daß ein Fahrer die Fahrgäste im Allgemeinen bzw. mich im Besonderen, weil ich gerade vorne rechts saß, gefragt hat, ob ihm der Weg gewiesen werden könnte? Oder daß Fahrer sich tatsächlich so verfahren, daß sie unter Nutzung des Rückwärtsganges wenden mussten, um wieder auf den Linienweg zu kommen?! Zu meinen frühmorgendlichen Fahrzeiten mag dies mangels sonstigem Verkehr auf den Straßen ja noch angehen, aber mal ehrlich: Das kann es doch nicht sein.

Und der Fahrermangel war auch absehbar. Doch wie in anderen öffentlichen Betrieben gilt auch hier das Prinzip: Wir versuchen das Kind erst zu retten, wenn es in den Brunnen gefallen ist.


Und keinen Moment früher.



Freitag, 12. September 2014

Realitätsbezug

Wir saßen in unserem gemütlichen Büro und arbeiteten vor uns hin, als aus dem Radio wieder dieses Lied aus der Hölle dröhnte. Ich kann und will es nicht mehr hören. Das konnte und wollte ich noch nie. Und beim besten Willen vermag ich mir auch nicht zu erklären, warum dieses Lied schon seit ewigen Zeiten immer und immer wieder im Radio gespielt wird. Meine diesbezügliche Theorie hatte ich zwar schon mal geschildert, aber da muß es noch andere Ursachen geben. Die bereits angedeutete Weltverschwörung zum Beispiel, denn zwischenzeitlich habe ich das Lied auch im Sporttempel hören müssen. Und die spielen da einen ganz anderen Sender. Was mein Problem jedoch nicht löst.

Also tat ich meinen Unmut kund.

„Mandy, die spielen immer noch das blöde Lied.“ quengelte ich los.

„Soll ich dir deine Kettensäge holen?“

Hach Mandy, immer sehr fürsorglich. Aber in diesem Fall doch etwas neben der Zielgeraden.

„Du weißt ganz genau, daß ich keine Kettensäge haben darf, weil meine Angetraute mir das verbietet. Also streu nicht noch Salz in meine Wunden. Meine leidgeprüfte Seele hält das nicht mehr aus.“

„Tja, und was machen wir jetzt?“

„In meiner Schublade habe ich noch ein altes Feuerzeug. Vielleicht könnte ich damit ja…“

„Was?“

„…das Radio abfackeln.“

„NEIN! Nicht mein Radio!“

„Wie soll ich denn sonst gegen den Psychoterror vorgehen? So ohne benzinbetriebene Kettensäge mit extra langem Blatt.“

„Nicht! Mein! Radio!“

„Vorschläge?“

„Nimm dein Feuerzeug und gehe damit zum Sender.“

„Klar, ich stelle mich dann bei denen in die Empfangshalle und bedrohe alle mit meinem Einwegfeuerzeug. Flamme hochdrehen auf satte fünf Zentimeter und dann so tun, als ob es ein Lichtschwert sei.“

Frauen können so unrealistisch sein.

Vielleicht frage ich den Ökoklaus doch mal, ob er mir eventuell seine Heidesense...




Donnerstag, 11. September 2014

Kleine Randbemerkung - Alternativen

Immer, wenn mir solch ein Anblick dargeboten wird,




bin ich froh, daß mir als Mensch Alternativen der Handhabung desselben zur Verfügung stehen.

Und es ist nicht nur eine Frage des guten Geschmacks.




Mittwoch, 10. September 2014

Ruinen, Hügel und Aquarien

Heute begeben wir uns mal wieder weit weg von dem Ungemach meines aktuellen Daseins und gleiten zurück in die Vergangenheit, als das Leben noch weitgehend schön, die Gräser grün und das Grillfleisch saftig waren, um danach einen Sprung in die ferne Zukunft zu wagen. Ich habe wieder im virtuellen Fotoalbum gesucht und bin fündig geworden.

Genau! Es geht wieder um Spielzeug. Nach einigen kurzen Erläuterungen (ha ha, ich und mich kurz fassen) gibt es einen Ausblick in die Welt des Jahres 40.998.


Man kann ein Tabletop-Spiel einfach auf einer grün begrasten Platte stattfinden lassen. Interessanter und auch optisch ansprechender wird es, wenn Geländeteile aufgebaut werden: Häuser oder Ruinen, Hügel, Gewässer und Pflanzen. Es gibt eine riesige Auswahl an Möglichkeiten.

Der Aufbau kann erfolgen, indem die beteiligten Spieler immer abwechselnd jeweils nach eigenem Ermessen ein Geländestück auf die Platte stellen, bis die vereinbarte Gesamtzahl positioniert ist, oder sie bauen gemeinsam und einvernehmlich etwas auf.

Plan C wäre es, daß der Gastgeber Platte und Gelände schon mal vorbereitet und somit alles alleine hinstellt. Natürlich gibt man den Gästen die Gelegenheit, noch Änderungen vorzunehmen.

Bei dem Aufbau eines Geländes, also der Szenerie der anstehenden Schlacht, achte ich immer sehr darauf, daß alles in sich stimmig ist. Nicht jeder Spieler sieht dies so wie ich. Immer wieder stößt man auf wirklich unrealistische Kombinationen, wie zum Beispiel einer Gebäudeecke in Form zweier aneinander befestigten Mauerteilen, welche eine Ruine darstellen sollen, und einen daneben aufgestellten Hügel. Spinnt man den Gedanken weiter und überlegt sich, wie das Gebäude vor seiner Zerstörung ausgesehen haben könnte, fällt nicht selten auf, daß sich der Hügel zu jener Zeit in dem Gebäude befunden haben muß.

Gegen so etwas komme ich ja innerlich nicht an. Das entspricht nicht meinem Anspruch an ein schönes Spiel, auch wenn diese Gestaltung mehr oder weniger dieselben Auswirkungen auf das spätere Geschehen haben wird wie andere Kombinationen auch.

Wir spielten eine Warhammer 40.000-Kampagne. Ich hatte ein Spiel mit relativ geringer Punktzahl zu bestreiten. Das Gelände wurde vom Gastgeber gestellt, wir bauten gemeinsam auf. Ich hatte schon was zu tun, um die gröbsten Schnitzer bei der Geländeverteilung bereinigt zu bekommen.

Mein Gegner befand sich in den Wahnvorstellungen, mich mit Space Marines besiegen zu können, eine Armee genetisch und biotechnisch modifizierter Übermenschen im Dienst des allerheiligsten, göttlichen Imperators der Menscheit. Ich führte meine Necrons ins Feld, eine Roboterarmee, in welcher die einzelnen Roboter vom Geist der Angehörigen eines in sie gepflanzten, längst untergegangenen Volkes gesteuert werden und die nach Millionen Jahren des Schlafes in ihren Gruften nur das Ziel verfolgen, die Seelen Sterblicher aufzusaugen, damit sich ihre Götter daran laben können. Also eine Art Vampirarmee im Jahr 49.998.  Das Universum bietet zu dieser Zeit ein reichhaltiges Angebot verschiedener zu diesem vorbestimmten Zweck in Frage kommender Intelligenzwesen, welche förmlich darauf warten, von den Necrons geerntet zu werden. Oder so. 

(Irgendwelche Ähnlichkeiten mit dem erzählerischen Hintergrund von Stargate Atlantis wären rein zufällig. Die Necron-Geschichte gibt es schon länger.)


Bild 1:


Drei Necron-Phantome, schlangenförmige Schweber, deren Körper sich halb in einer anderen Dimension befinden und deswegen nur schwierig zu attackieren sind, setzen einige Space Marines gewaltig unter Druck. Das bunte, blaue auf dem Rücken sind Würfel. Und natürlich liegen sie keineswegs auf dem Rücken meiner Phantome; das Bild täuscht ein wenig.

Das Grünzeug auf der rechten Seite ist Zubehör aus dem Aquarien-Handel, welches ein wenig zweckentfremdet und bearbeitet wurde.


Bild 2:


Der Necron-Lord, mein General, führt gemeinsam mit einer auf dem Bild nur schlecht erkennbaren Gruftspinne einen kombinierten Angriff auf den Space-Marine-General und sein Gefolge durch. Auch diese beiden Modelle sind Schweber. Im Gegensatz zu den meisten anderen Modellen befinden sich meine Necrons auf Basen, die nicht mit Gras ausgestaltet wurden, sondern eine karge Marsoberfläche darstellen sollen, um die exotische Herkunft darzustellen.


Bild 3:


Necron-Krieger, gewöhnliche Fußlatscher, werden in den Nahkampf gezwungen. Die Jungs sollten sich eigentlich nicht darauf einlassen; ihre Stärke ist der Fernkampf. Genau wie meine anderen Necrons habe ich auch diese Modelle nicht in blankem, frischen Silber bemalt, sondern eher beschmutzt und in schlechtem Zustand dargestellt. Nach ein paar Millionen Jahren der Existenz darf man schon mal ein paar Flecken aufweisen.




Dienstag, 9. September 2014

Emma und die hohen Berge

Der Ökoklaus kam zu mir ins Büro. Er war schon ein wenig hibbelig und platzte schließlich mit dem neuesten Unfug raus, den sich unsere FührungsKräfte ausgedacht hatten. Die Details erspare ich euch an dieser Stelle mal, nicht aber meine spontane Reaktion, nachdem ich mir blitzartig überlegt hatte, daß sich ein Sprung aus dem Fenster des zweiten Stocks doch eher unspektakulär darstellen würde und im Hinblick auf ergebnisorientiertes Handeln nicht zwangsläufig zum erhofften Ziel führen müsste:

„Ich glaube, ich bekomme eine Krise!“

„Habe ich schon. Dann müssen wir ja nur noch einen Dritten finden, der auch solche Berge auftürmt wie…“

„Das ist dann hier in der Gegend ja wohl das kleinste Problem. Aber wozu?“

„Lass mich doch ausreden.“

„Ja.“

„Ja was?“

„Ich lass dich doch reden. Dann mach auch hinne.“

„Also: Wir brauchen den Dritten im Bunde, damit wir unsere Krisengespräche…“

„Krisengespräche?“

„…auf Lummerland führen können.“

Mir drängten sich wieder Gedanken an holländische Coffeshop-Kekseauf. Er nimmt eindeutig zu viele davon. Kann nicht anders sein.

„Warum Lummerland?“offenbarte ich meine Unfähigkeit, bestimmten verworrenen Gedankengängen eines gewissen Beamten folgen zu wollen können.

„Na, eine Insel mit drei Bergen.“

„Lummerland hat aber nur zwei Berge.“

„Drei!“

„Zwei. Ganz bestimmt.“

„Wenn du meinst. Dann wären wir ja schon genug.“

„Aber du machst die Emma.“

Klar."

Wie gut, daß wir gerade alleine im Raum waren. So sind wenigstens keine Zeugen des Gesprächs zu beseitigen.

Obwohl ich mir immer wieder überlege, ob dieser seltsame Knopf oben am Monitor meines Bürorechners nicht vielleicht doch mehr als nur Dekorationsein könnte…


PS: Ja, ich finde diese Beitrag auch ein wenig peinlich. Und ich schäme mich. Etwas. Aber wirklich nur etwas.

PPS: Das kommt davon, wenn man mir meine verdiente Kettensäge vorenthält. Benzinbetrieben. Mit extra langem Blatt.



Montag, 8. September 2014

Was Nettes also

„Na, Paterfelis, hat du denn im Urlaub auch was Nettes gemacht?“ erkundigte sich der Ökoklaus.

„Tagsüber habe ich an die Situation hier im Büro gedacht. Nachts habe ich dann darüber weitergegrübelt. Und die Zeit zwischendurch habe ich irgendwie vergehen lassen.“

„Nein, ich wollte wissen, ob du wirklich was Nettes gemacht hast.“

„Ach so, ich habe das Wort dann wohl kursiv gehört.“

Kurzes Schweigen. Es war 7 Uhr und ein paar Kleine, als mich eine Eingebung durchdrang.

"Wieso habe ich jetzt eigentlich Bock auf in Tomatensauce geschwenkte Gnocchi und Parmesan?"

"Na, weil es was Nettes wäre. Auch zum Frühstück."

Recht hat er.




Neue Runde

Die nächste Runde ist eingeläutet. Mein Urlaub ist vorbei.

Vorbei scheinen auch die Zeiten zu sein, in denen man frohen Herzens und ohne nur einen Anflug schlechten Gewissens in Urlaub ging, diesen genossen hat und tatsächlich unbeschwert auch wieder zur Arbeit gehen konnte, wenn er denn erfolgreich vergangen war.

Lange ist's her. Sehr lange.

Zu lange.




Sonntag, 7. September 2014

So nicht!

Boaaah! Katzgetiere, sofort antreten. Ja, auch du, Smilla. Und du erst recht, Lilly. Marty... ach, du bist schon da. Sehr gut.

Jetzt hört mir mal gut zu.

Wir tolerieren es ja weitgehend, daß ihr ständig der Meinung seid, das gute Feuchtfutter vor dem Fressen neben den Näpfen zwischenlagern zu müssen. Und daß ihr damit den Boden dermaßen einsaut, daß ich ihn nur nach elend langem Einweichen wieder gereinigt bekomme.

Aber es geht überhaupt nicht, die Fleischbrocken in unseren Schuhen zu parken.

Definitiv NICHT!

Das klebt immer so an den Socken.




Samstag, 6. September 2014

Jahrmarkt der Sensationen

Man sollte keineswegs behaupten, daß im Neustädter Ländchen nichts los sei. Hier gibt es das jährliche Schützenfest, den Tag der offenen Tür der freiwilligen Feuerwehr, den Ostermarkt im Rathaus, alle zwei Jahre die örtliche Gewerbeschau und sogar zwei Karnevalsumzüge, deren Wege sich zuweilen überschneiden hart aneinander angrenzen. Die Karnevalsgruppen unseres Ortsteiles unterstützen auch den Umzug der benachbarten Ansiedlung, damit etwas Masse auf die Straße kommt. Wie gut, daß die Umzüge an unterschiedlichen Tagen stattfinden.

Nun wird auch der eventuell nur mit wenig Phantasie begnadete Leser erkennen, daß hier im Neustädter Ländchen bislang vielleicht doch nicht ganz so die Hütte brannte, wie dies bei entsprechenden Veranstaltungen in der großen Stadt eventuell der Fall sein mag.

Jetzt aber bin ich im Vorraum unserer örtlichen Spaßkasse, als ich darauf warten musste, daß der Geldautomat endlich zu meiner Verfügung steht, eines Plakates ansichtig geworden, welches darauf hindeuten lässt, daß der große Umbruch bevorsteht. Das Neustädter Ländchen trumpft auf. Die jährliche Kirmes kommt nämlich wieder in die Stadt. Und wie der interessierte Bürger dem Plakat fettgedruckt entnehmen kann, gibt es eine bislang ungeahnte Sensation.

Moment, ich bringe mich in Position zur wohlgefälligen Verkündung. So, fertig.

Jetzt auch mit Schupfnudelverkauf am Wochenende.

Oh ja, hier steppt der Bär. Nur kein Neid, ihr Großstadtpflanzen da draußen, nur kein Neid.




Freitag, 5. September 2014

Sonntag (4) - Kimme, Korn, ran

Nach dem anstrengenden Tag bei meinen Schwiegereltern wurde ich trotz der vorweihnachtlichen Episode etwas müde. Wenn ich müde bin, neige ich auch dazu, unleidlich zu werden.

So fuhren wir in den heimischen Kirschgartenweg ein, als wir dort eine Gestalt die Straßen entlang laufen sahen. Eine bauliche Trennung zwischen Bürgersteig und Fahrbahn gibt es bei uns nicht. Zumindest nicht über einen Bordstein. Wohl aber über die Farbgebung. Was bedeutet, daß der Bürgersteig vom fließenden Verkehr unter gewissen Umständen mitbenutzt werden darf.

Die weitere Inaugenscheinnahme der Gestalt offenbarte uns, daß es sich um Frau Kleinhüppgenreuther handelte, welche sich augenscheinlich auf dem Rückweg von den Mülleimern zu ihrer Wohnung befand. Wer weiß, welche Ereignisse sie wieder zur Entsorgung des Papiermülls auf die Straße getrieben hatte. Und das zu dieser Uhrzeit. Hoffentlich stören sich keine Nachbarn daran, wenn jemand mitten in der Nacht Müll wegwirft. Wenn wir das gemacht hätten - gar nicht auszudenken.

Unsere Position war gut, also sagte ich zu meiner Angetrauten die entscheidenden Worte:

„Los, die kriegst du noch!“

„Nein, ich habe keinen Stern auf der Haube.“

„Was? Brauchst du da etwa noch eine Zielvorrichtung?“

Und schon waren wir vorbei, stellten Balduin in seinen Carport und warteten ab, bis Frau Kleinhüppgenreuther die Haustür von innen geschlossen hatte. Auf ein Gespräch mit ihr verspürten wir beide nicht mal einen Hauch von Muße. Wie immer eigentlich.

Verdammt, dabei war die Gelegenheit so günstig.

Böser Paterfelis aber auch...


(Ende, aus, vorbei, Schluß, Feierabend, Basta, es reicht jetzt)




Donnerstag, 4. September 2014

Sonntag (3) - Wenn einem ein Licht aufgeht

Wie anderen Ortesbereits erwähnt, nutzten die zweitbeste Ehefrau von allen und ich eine Starkregenpause, um uns in den bereitstehenden Balduin zu flüchten und die Heimreise anzutreten. Der Verkehr verkehrte nicht ganz verkehrt nur recht übersichtlich auf den Straßen, als plötzlich, nach einer Kurve, weihnachtliche Wärme mein Herz erfüllte. Warum auch nicht?! Die erste Fuhre von dem winterlichen Weihnachtszeug Herbstgebäck steht ja traditionsgemäß schon im jetzigen Spätsommer in den Läden zwecks Anpreisung einer Verkaufsofferte des Handeltreibenden bereit. Was mich daran erinnert, beizeiten wieder Mandelspekulatius zu sichern. Ihr wisst ja...

Doch wenden wir unseren Blick wieder auf die Straße. Einige unter euch werden sich sicher an die Szene aus dem Film Unheimliche Begegnung der dritten Art erinnern, als das Raumschiff in der Dunkelheit über dem BergDevils Tower schwebte und selbst in voller Pracht leuchtete.

Falls nicht, dann >Klick mich< .

So jedenfalls kam es mir vor, als die zweitbeste Ehefrau von allen und ich plötzlich den LKW sahen, der vor uns seines Weges zog. Nicht ganz so wie der Weihnachtstruck dieses bekannten amerikanischen Limonadenherstellers, aber mindestens so wie das Alien-Raumschiff. Das hatte in der dunklen  Nacht schon was Kitschig-Schönes. Wir überholten den LKW und sahen, daß der auch an den Seiten und von vorne mit Lampen und Lämpchen bis zum Abwinken ausgestattet war.

Als mir eine Idee kam.

„Sag mal, es wäre doch viel cooler, wenn man die ganzen roten und weißen Lampen nicht einfach mit der normalen Beleuchtung verbindet, sondern mit der Lichthupe. Stell dir mal vor, der fährt ganz normal und unauffällig hinter dir her und dann – WHOMM! Und es ward Licht.“

„Ähm...“

Dann eben nicht. Aber seinen Weg hätte es garantiert freigeräumt. Ganz bestimmt.


(wird fortgesetzt)



Mittwoch, 3. September 2014

Sonntag (2) - Katzen, Krallen, Künstlerseelen

Ihr kennt Sammy und Kitty noch nicht. Sammy und Kitty sind erbitterte Feinde von Mohrle. Darf man eine schwarze Katze heute noch Mohrle nennen? Neger darf man ja auch nicht mehr sagen. Weiß ich gerade nicht, aber ist ja auch egal. Mohrle heißt nunmal Morhle.Und nicht Negerle. Dann hätte ich mir wohl was ausdenken müssen. Mohrle lasse ich einfach mal so stehen. Jedenfalls ist Mohrle wiederum die unter anderem im Garten meiner Schwiegereltern herumlaufende, von irgendwoher stammende Freigängerkatze, während Sammy und Kitty die hauseigenen und damit ins solche gehörenden Katzen meiner Schwiegereltern sind. Mohrle steht sowohl mit Sammy und Kitty als auch mit meinen Schwiegereltern in keiner weiteren engeren persönlich zugewandten Bindung. Ich denke, damit sind die wesentlichen euch bislang unbekannten Protagonisten der folgenden Geschehnisse hinreichend vorgestellt.

Um dem Umstand Rechnung zu trage, daß Sammy und Kitty reine Wohnungskatzen sind und dieses auch bleiben sollen, wurde die Terrassentür des schwiegerelterlichen Hauses vor vielen Jahren mit einem Katzennetz versehen. Das erleichtert das Offenhalten besagter Tür zwecks Frischluftzufuhr ungemein, was ein nicht ganz unbedeutendes Ansinnen ist. Denn das Haus, in dem meine Schwiegereltern ansässig sind, verfügt nicht über die 22 Fenster, mit der unsere eigene Wohnung verflucht gesegnet ist.

Zu unserem Bedauern wurde meiner Angetrauten und mir anlässlich unseres aktuellen Besuches mitgeteilt, daß man die Terrassentür heuer auf keinen Fall geöffnet halten könne, da ansonsten die akute Gefahr bestünde, daß Kitty einen unerlaubten Gang nach draußen unternehme. Dies sei unlängst bereits vorgekommen. Mohrle hatte ihr diese Gelegenheit verschafft. Als sie auf ihrem Patrouillengang über die Terrasse Sammy und Kitty auf der anderen Seite der Tür gesehen hatte, meinte sie, mal wieder den dicken Max markieren zu müssen. Ihre damit einhergehende Attacke gegen die Beiden führte dazu, daß das bereits etwas spröde Katzennetz an einigen Stellen nunmehr unerwünschte zusätzliche Löcher aufwies, welche immerhin so groß waren, der zierlich geratene Kitty den Weg nach draußen zu ermöglich.

Um nun nicht in verbrauchter, stickiger Luft umzukommen beschloss meine Angetraute, diese Löcher mit vorhandenen Kabelbindern provisorisch zu flicken. Das Werk könnt ihr auf dem nachfolgenden Bild in Augenschein nehmen. Vor dunklem Hintergrund sind die Kabelbinder übrigens besser zu erkennen.


Katzennetz, Fliegennetz, Kabelbinder und Sammy


Wie die zweitbeste Ehefrau von allen bemerkte, hat das Ergebnis durchaus etwas Künstlerisches. Vielleicht könne man es auch für einen Haufen Geld verkaufen, wenn die Installation am bisherigen Platz nicht mehr vonnöten sei.

„Liebe Angetraute,“ begann ich meine wohlmeinenden Hinweise, „Kunst ist das erst, wenn du es erklären kannst.“

„Hm, da fällt mir gerade aber nicht viel ein.“

„So? Also wenn du mich fragst, erkenne ich da eindeutig eine Kritik an die degenerierte, kapitalverseuchte, kriegslüsterne und zutiefst amoralische Gesellschaft, welche sich wie ein Krebsgeschwür ausweitet und die letzten Klardenkenden unter uns mit seinen Metastasen zu verschlingen droht. Wer das in der von deiner Qual und innerem Aufbegehren getriebenen, derart manifestierten Installation nicht kraft eigener Erkenntnis wahrzunehmen vermag, dem musst du es auch nicht mehr darlegen, denn dann gehört er ebenfalls schon zu den Verlorenen dieser Welt. Und die Verständigen werden es von alleine begreifen, ja es wird sich einem Feuer gleich in ihr Innerstes brennen. Ganz klare Sache.“

Gebote bitte auf den bekannten Wegen an mich. Diskretion wird zugesichert. Keine Abwicklung über schweizerische oder luxemburgische Konten.


(wird fortgesetzt)




Dienstag, 2. September 2014

Sonntag (1) - Glänzende Klarsicht

Es ist Sonntag. Wir haben gerade noch so August. Meteorologischer Sommer also. Aber in den letzten Zügen. Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich nutzten eine Pause zwischen den ganztägigen Starkregenphasen, um den guten Balduin in weitgehend trockenem Zustand zu erreichen. Inzwischen haben wir den Weg nach Hause hinter uns gebracht. Nun hänge ich an meinem Laptop. Während ich rechtshändig nach einem Tag mit salzarmer Kost dringend benötigte Mineralien in Form von Zwiebelringen und Paprikasticks -  nein, nicht das angeblich gesunde Zeug aus der Natur, sondern die haltbarere Salzgebäckvariante  - zu mir nehme und mit den daraus resultierenden Fettfingern die Tastatur einsaue, versuche ich, den Tag Revue passieren und die wesentlichen Dinge in wohlfeile Worte fließen zu lassen.

Wir waren also bei meinen Schwiegereltern.

Noch bevor wir zu den wirklich elementaren zu erörternden Themen, also Alter, Krankheit und Tod, gefolgt von den Ungerechtigkeiten des Lebens und den üblichen Weltverschwörungen gelangten, wurde uns das neueste System zur Reinigung von Fenstern als echter Geheimtipp unentgeltlich überlassen.

Nun muß man wissen, daß unsere Fenster, tja, wie soll ich es sagen, also bei genauerer Betrachtung, aber wirklich nur dann, doch eher unhäufig bis tendentiell selten geputzt werden. Unsere Wohnung hat total viele Fenster. Um genau zu sein, sind es 22 an der Zahl. Große Fenster, nicht nur so kleine, verglaste Schießscharten. Echt jetzt. Und dabei rechnen wir Fenster, die noch ein Blumenfenster unten dran haben, als ein einzelnes Fenster. Das ist ganz schön viel. Und wir können immer noch aus allen raussehen. Es kommt auch Licht rein. Von draußen. Nach drinnen. Tagsüber müssen wir innen keine Lampen einschalten. Meistens, aber falls doch mal, dann wäre das wetterbedingt. Und selbst wenn wir die Fenster regelmäßiger säubern würden, hätten wir doch nichts davon, weil die Katzenbande die alle ratz fatz wieder von innen einsaut. Die müssen mit Nase, Pfoten und Fell ja ständig darangehen. Jetzt haben wir wenigstens auch drei Schuldige für die schmutzigen Fenster gefunden. Nur um das mal klarzustellen.

Jedenfalls hatten meine Schwiegereltern dieses wunderbare Fensterreinigungssystem selbst zuvor käuflich irgendwo erstanden und wollten uns mit einem weiteren daran teilhaben lassen. Was wir ungewollt erhielten waren zwei Tücher. Nun möchte ich mich über deren korrekten Einsatz nicht weiter auslassen. Meine Angetraute jedenfalls nahm sich, kaum daß wir zuhause angekommen waren, direkt die Homepage des Herstellers vor. Pure Neugier, kein plötzlich erwachter Putzwahn. Man konnte dort noch mehr Tücher erwerben. Mindestens eines für jeden Reinigungszweck. Es gab Tücher für Böden, Fenster, Weingläser, Autos, Spiegel und für alle die anderen Dinge, welche sich in einem ordentlichen Haushalt finden lassen sollten. Allerdings fand sich keines für fettige Laptop-Tastaturen, was ich gerade im Moment als sehr hilfreich empfunden hätte. Egal. Würde man jedes dieser Tücher in einmaliger Ausführung erwerben, müsste man sich über die weiteren Verwendungsmöglichkeiten eines über 700 Euro liegenden Gesamtbetrages keine weiteren Gedanken machen. Und das alles für ein paar Mikrofasertücher. Wer es technischer mag, dem kann ergänzend mit einem 599 Euro teuren extraklassigen wassergefilterten Raumreinigungssystem geholfen werden. Also zusätzlich jetzt. Ergänzend halt. Oder so ähnlich.

Nein, wir würden da nicht zuschlagen. Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich zeigten sich da sehr einig. Denn meine Schwiegereltern kommen alle Nase lang mit einem neuen, noch supertolleren und dazu sogar noch besseren Fensterreinigungssystem an. Jedes vereinfacht die Arbeit mehr als das davor Erworbene und macht die Fenster wesentlich dauerhafter durchsichtiger. Dumm nur, daß man trotzdem weiterhin selbst Hand anlegen muß. Aber wenn die technische Weiterentwicklung in diesem Tempo voranschreitet, wird die Fensterreinigung bald von alleine funktionieren.

Und dann, meine Lieben da draußen, dann werden wir zuschlagen und kaufen. Aber nicht vorher.

Ach ne, wir werden dieses dann supertollste, unverbesserlichste System von allen wohl auch wieder aufs Auge gedrückt bekommen.

Bis es etwas Neueres gibt.


(wird fortgesetzt)


Montag, 1. September 2014

Nur die Ruhe

Später Vormittag im Neustädter Ländchen. Es war mittelprächtig warm, vielleicht auch etwas drückend. Draußen herrschte Ruhe und Frieden. Fast so wie in unserem Büro, wenn die FührungsKräfte abwesend sind und man endlich mal wieder arbeiten kann.

Plötzlich war die aufgeregte Stimme Frau Lewandowskis zu hören. Und zwar laut. Furchtbar laut. Man hat sie bestimmt bis zum anderen Ende der Straße im dortigen Wendehammer gehört. Selbst der unaufmerksame Zuhörer wurde ganz zweifelsfrei darüber in Kenntnis gesetzt, daß jemand sofortvorbeizukommen habe, da ihr die Tür zugeschlagen sei und der Schlüssel passenderweise innen stecke. Auch gut, da konnte sie ihn wenigstens in aller Aufregung nicht auch noch verlieren.

Damit nicht genug, begann Frau Lewandowski nach Ende des Telefonates, in heller Aufregung auf ihren noch im Kleinstkindalter befindlichen Nachwuchs einzureden. „Alles ist gut.“ war die ständig wiederholte Kernaussage ihres Redeschwalls.

Ich wähnte das arme Kind alleine in der Wohnung, doch war dem nicht so. Frau Lewandowski befand sich mit Kind auf der heimischen Terrasse, welche über den Garten auch von der nunmehr verschlossenen Haustür aus erreichbar war.

Nun kenne ich mich mit Kindern ja bekanntlich nicht übertrieben aus und bin mir im Wesentlichen darüber mit mir einig, daß sie mir auf (nicht mit) Abstand immer noch am besten gefallen. Einem möglichst großen Abstand. Ich weiß das, weil man mir einst – nur um sich über mich lustig machen zu können – ein solches Kind in den Arm gelegt hat. Das waren mit die schrecklichsten Stunden meines Lebens. Echt ehrlich jetzt. Herr Kollege, solltest du hier mitlesen: Das habe ich dir immer noch nicht verziehen. Denk mal darüber nach, wenn ich dir mal wieder eine Akte nicht unterschreibe. Ich sage immer, daß ich Dienstliches und Privates trennen kann. Ich habe nie behauptet, das auch zu wollen. Nur mal so am Rande.

Aber selbst ohne ein echter Auskenner zu sein bin ich mir sehr sicher, daß es der inneren Ruhe eines Kindes im Säuglingsalter nicht dienlich sein kann, in heller Aufregung immer wieder zu betonen, daß alles gut ist. Niemals. Da könnte man auch einem bereits der Sprache mächtigen Kind ja gleich erklären, daß die Welt in ein paar Minuten untergehe. Oder daß es abends anstatt der versprochenen Pizza nun doch Leber mit Rosenkohl gebe.

Erwartungsgemäß fing das bislang ruhige Kind an, lautstark Alarm zu schlagen, was Frau Lewandowski keineswegs veranlasst hat, selbst ruhiger zu werden. Ein spiralförmiger Prozess hat sich in Bewegung gesetzt.

Gut, daß schon nach wenigen Minuten der ersehnte Schlüssel gebracht wurde. Und es ward Frieden.

Nein, sie hat scheinbar weder Essen auf dem Herd gehabt noch eine Verletzung an ihrem Kind entdeckt, denn man unterhielt sich noch eine ganze Weile draußen mit dem Schlüsselüberbringer, bevor es wieder in die Wohnung ging.

So, und jetzt versuche ich, mich von meiner eigenen im Anmarsch befindlichen, total sinnbefreiten sowie grundlosen Panikattacke abzulenken und kümmere mich um das weitere Gelingen des werdenden Rhabarberkompotts, das ich auf dem Herd habe. Einkaufen werde ich später...