Donnerstag, 28. August 2014

Besuch für die bärtigen Typen mit eigenem Haus

Entweder man mag - nennen wir es doch ruhig beim Namen - Kriegsspiele, oder man mag sie nicht. In Deutschland haben diese Spiele ja ein gewisses Geschmäckle, was nicht zuletzt auch daran liegt, daß wir die letzten beiden Weltkriege verloren haben. Es ist politisch einfach nicht korrekt. Anderen Ortes, insbesondere in Großbritannien, hat man damit durchaus weniger Probleme.

Schon als Kind habe ich gerne mit Spielzeugwaffen, Modellsoldaten etc. gespielt. Wie die meisten mir bekannten Kinder Jungs damals. Entgegen der Annahme moderner neuzeitlicher achwasweißichwelcher Erziehungswissenschaftlicher bin ich deswegen dennoch nicht zum psychopathischen Irren geworden, welcher seine Mitmenschen als Amokläufer hirnlos abschlachtet. Was vielleicht, aber auch nur vielleicht, ausschließlich daran liegt, daß ich mir weiterhin keine massakertaugliche, benzinbetriebene Kettensäge mit extra langem Blatt kaufen darf. Lassen wir diesen Punkt einfach mal ungeklärt.

Wenn es darum ging, irgendwelche Schlachtszenarien in unseren Tabletop-Spielen zu entwerfen, hatte ich immer den Hang zu Belagerungen. Diese sind eine sehr untypische Variante im Bereich der Tabletops, was auch seine Gründe hat. Spielt man nämlich eine Belagerung durch, so hat der Verteidiger nur wenig anderes zu tun als abzuwarten, was der Belagerer so alles anstellt. Klar, er kann einen Ausfall wagen, aber das ist es im Wesentlichen auch schon. So war es zumindest nach den seinerzeit aktuellen Warhammer-Regelwerken der fünften bis siebten Edition.

Ich wusste, daß die Regeln der früheren Editionen, insbesondere der dritten, sich deutlich von den späteren Ausgaben unterschieden. Und daß es in der dritten Edition ein sehr umfangreiches Regelwerk zum Thema Belagerungen gegeben hat. Leider wurden die Regeln erst mit Beginn der vierten Edition vom Hersteller auch ins Deutsche übertragen, so daß ich, falls mir dieses alte Regelwerk jemals in die Hand fallen sollte, mit viel Mühe eine entsprechende Übersetzung anfertigen müsste.

Nach langer Zeit der Sucherei fand ich schließlich das besagte Buch und konnte es überraschend günstig gebraucht erwerben. Die Gerüchte hatten nicht getrogen, die Regeln waren sehr viel weitreichender und detaillierter als zu späteren Zeiten. Ich fertigte also die Übersetzung an und nahm einige Anpassungen vor, welche den Grundregeln der damals aktuellen Warhammer-Edition geschuldet waren.

In unserer Spielerunde experimentierten wir mit diesen Regeln, ergänzten und verfeinerten sie immer mehr. Im Rahmen eines solchen Spieles entstanden die nachstehenden Bilder. Eine Dunkelelfen-Armee greift eine Zwergenfestung an. Es handelt sich nicht um meine Figuren, wohl aber um meine Geländestücke, also die Festung, der Belagerungsturm, die Ramme, verschiedene Ölkessel und die Leitern, welche alle von meinem Vater aus Holz gebastelt und von mir bemalt farblich gestaltet wurden. Ich habe das Spiel als Schiedsrichter begleitet und beobachtet, wie die aktuelle Regelversion funktioniert.


Bild 1:



Die Startaufstellung. Die Armeen nehmen ihre Plätze ein und führen die ersten Bewegungen aus.


Bild 2:



Gardisten der Dunkelelfen haben den Belagerungsturm bis an die Mauer geschoben. Die Brücke des Turms knallt auf die Zinnen des Wehrganges und hakt sich daran fest. Besonders wagemutige Gardisten stürmen den Zwergen entgegen.

Der General der Dunkelelfen steht ihnen mit seinem Drachen bei.


Bild 3:



Hier nochmal die Gardisten. Die Zwerge mit ihren Musketen können kaum über die Zinnen sehen, da das Festungsmodell eigentlich für Menschen gedacht ist.


Bild 4:



Der Drache hat die Mauern überflogen und befindet sich jetzt auf Zwergenjagd. Rechts neben ihm liegt die Atemschablone. Alles was sich unter ihr befindet, wenn man diese an seine Schnauze legt, wird vom Drachenfeuer erwischt.


Bild 5:



Die Zwerge bereiten eine Ladung siedendes Öl vor, um dies auf die heranrückenden Krieger der Dunkelelfen zu schütten.


Bild 6:


Henker der Dunkelelfen (die heißen nunmal so) haben Sturmleitern angelegt und erklimmen die Zinnen. Die Zwerge verteidigen sich tapfer bis zuletzt.


(wird in loser Folge fortgesetzt)


Kommentare:

  1. Dürfen die Katzen auch mitspielen? Gladiatorenkämpfe in Paterfelis Heim? ;-D

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    1. Es kam schon mal vor, daß eine Katze verbotenerweise auf dem Spieltisch war. Meistens Sally oder Daisy. Die zählten dann als 3.000-Punkte-Monster, was ziemlich blöd war, wenn die regulären Armeen nur 2.000 Punkte groß waren. :-D

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  2. Ich kenn solche Spiele nicht deswegen meine Frage:
    wird denn da dann ausgewürfelt wer wie viele Schritte er machen darf bzw. Schadenspunkte er erhält?

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    1. Na, da stellst du jetzt eine Frage, über die sich ganze Abhandlungen schreiben ließen. :-D Grundsätzlich ist das bei jedem Spielsystem anders. Ich beschreibe mal etwas vereinfacht, wie es bei Warhammer ist. Bei den wohl meisten mir bekannten Systemen wird das ähnlich praktiziert, wobei der Teufel im Detail steckt.

      Jede Figur hat eine bestimmte Bewegungsreichweite. Diese wird in Zoll oder in Zentimeter gemessen. Innerhalb dieser Reichweite kann sich eine Figur weitgehend frei bewegen. Stößt sie entlang ihres Weges auf Hindernisse, können diese die Bewegung verlangsamen. So würde man zum Überqueren oder Erklimmen von schwierigem Gelände (Geröll, dichte Vegetation, Mauern) z. B. pro Zoll Bewegung zwei Zoll Bewegungsreichweite verbrauchen.

      Geraten zwei Figuren in Kontakt, kämpfen sie gegeneinander. Jedes Modell verfügt unter anderem über je einen Wert für Kampfgeschick, Stärke, Widerstand und Lebenspunkte. Der Angreifer schlägt zuerst zu. Man vergleicht das Kampfgeschick des Angreifers mit dem des Verteidigers und liest auf einer Tabelle ab, welches Ergebnis zu würfeln ist, um einen Treffer zu erzielen.

      Nach einem Treffer vergleicht man die Stärke des Angreifers gegen den Widerstand des Verteidigers, liest wieder auf der Tabelle das benötigte Wurfergebnis ab und würfelt. Erreicht man den benötigten Wert, verliert der Gegner einen Lebenspunkt. Sinkt der Wert auf Null, nimmt man das Modell aus dem Spiel. Irgendwann kennt man die Tabellen auswendig.

      Es gibt zahlreiche Modifikationen, welche Einfluss auf diese Grundregeln haben. Schon die Verwendung bestimmter Waffen und Rüstungen kann alles verändern.

      Treten ganze Regimenter gegeneinander an wird festgestellt, ob und in welchem Umfang der Ausgang des Kampfes deren Kampfbereitschaft ändert, was dazu führen kann, daß die Regimenter fliehen.

      Andere Spielsysteme fassen bestimmte Werte zusammen, so daß nicht ganz so oft gewürfelt werden muss, oder regeln die Kämpfe ganz ohne Würfel.

      Die Regeln sind schon umfangreich; nicht selten hat ein Regelbuch 40 und mehr Seiten Umfang. Das Warhammer-Regelwerk liegt da weit im dreistelligen Bereich, was sich jetzt schlimmer anhört als es ist. Nach ein paar Spielen hat man die Regeln drauf, wen jemand dabei ist, der sie schon kennt. Dennoch gibt es immer wieder Situationen, in denen ein Blick ins Regelwerk nicht verkehrt und durchaus üblich ist.

      Hier hätte ich auch noch einen Link, in dem ein Regelwerk vorgestellt wird, welches die Sachen etwas anders regelt:

      Klick mich

      Ab 2:55 geht es los. Mit dem Spiel habe ich mich auch lange beschäftigt und finde es heute noch toll.

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    2. Sorry das du soviel von deiner Urlaubszeit abknapsen musstest. Ich wollte nicht das du dich langweilst...

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