Montag, 23. Juni 2014

Und das alles ohne mich

Die zweitbeste Ehefrau von allen und die Mädels hatten an diesem Wochenende wieder Auftritte im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung. Da ich ja weiterhin in meiner Mobilität aufgrund dringenden ärztlichen Anratens hin eingeschränkt bin, was mich hier zu Hause im Übrigen noch mehr in den Wahnsinn treibt als dies je im Krankenhaus der Fall gewesen ist, war es natürlich nicht angebracht, meinerseits dem Ereignis mit Stativ und Kamera beizuwohnen. Und dabei hätte ich mich ausgerechnet dieses Mal wirklich sinnvoll einbringen können.

Ich starte den Versuch, das mir Berichtete nachzuerzählen.

Die Mädels hatten also ihren Auftritt. Diesen absolvierten sie mehr oder weniger in Zusammenhang mit den Darbietungen der den treuen Lesern bereits bekannten Zirkusschule Don Peperoni, welche sich in diesem Jahr für ihre eigene im Rahmen der Gesamtveranstaltung stattfindenden Show den Zauber von 1.001 Nacht auf die Fahnen und ins Programm geschrieben hatte.

Nach der Show setzten sich die Damen noch zu einem improvisierten Abendessen zusammen. Eine jede hatte aufgrund kurzfristiger Vereinbarung noch geeignete Vorräte aus Küche und Keller geplündert, um eine entsprechende Teilversorgung leisten zu können. Fladenbrote oder Ähnliches sowie verschiedene Soßen und Cremes zum Dippen Tunken haben zumindest wir fast immer vorrätig. Ebenso tunkbares Grünzeug.

Als die Hauptdarstellerinnen dieser kleinen Erzählung die nicht allzuweit vom Veranstaltungsort befindlichen Räumlichkeiten der Zirkusschule, in welcher sie auch in angemieteten Räumen für gewöhnlich das Training abhalten, nach erfolgtem Ausklang des Beisammenseins wieder verließen, bemerkte meine Angetraute Irritierendes. Der mäßig kleine Zirkus-LKW-Oldtimer, welcher vor dem Haus quer zur Fahrrichtung der vorbeiführenden Straße seinen Stellplatz gefunden hatte, schien sich zu bewegen. Ohne Fahrer. Meine Angetraute warf einen Blick auf die Räder des Gefährts, um sich ihren Eindruck bestätigen zu lassen. Ja, stimmt, die Karre rollt. Ohne Fahrer! Und natürlich in Richtung der Straße. Auf der anderen Straßenseite standen in den Parkbuchten genau an der vermutlichen Aufschlagstelle natürlich auch direkt zwei Nobelkarossen aus München und Zuffenhausen. Üble Sache.

Nun ist meine Angetraute in den Theorien von Physik und Mechanik nicht gerade unterbelichtet und wusste, daß sich der LKW zu diesem Zeitpunkt, in dem er noch nicht richtig an Schwung gewonnen hatte, durchaus noch durch reine Körperkraft aufhalten lässt. Außerdem ist sie als angehende Fitnesstrainerin nicht unbedingt ein unmuskulöses Püppchen, welches schon durch einen Windhauch umgeworfen werden kann. Also stellte sie sich hinter das Fahrzeug und konnte dieses durch Einsatz eigener Körperkraft zum Stehen bringen. Der Rest unserer Tanzmädels zeigte sich schon alleine von dem Gedanken, solches tun zu müssen, hellauf begeistert entsetzt und verweigerte sich an dieser Stelle der aktiven Mithilfe. Umso mehr zeigten sie sich von der Leistung meiner Angetrauten als durchaus beeindruckt.

Nun war meine Angetraute aber weder gewillt noch in der Lage, das schwere Fahrzeug auf längere Zeit in Position zu halten. Die Mädels fanden in der Zirkusschule die Reste eines zerbrochenen Gummihammers. Das Kopfteil wurde unter ein Rad gekeilt, was sich als vorübergehende Maßnahme zur Bekämpfung des Übels als durchaus wirkungsvoll erwies.

Aber damit war es natürlich nicht getan. Der LKW befand sich nun etwa 1 ½ Meter von seinem Stellplatz entfernt in Straßennähe. So konnte es nicht bleiben. Außerdem musste er gegen neuerliches Wegrollen gesichert werden. Also Handy zücken und Don Peperoni als Eigentümer anrufen.

Der Schreck fuhr ihm ordentlich in die Glieder.

„Verdammte Scheiße, ich habe die Haltekeile vergessen. Der Wagen hat Probleme mit der Hydraulik.“

„Kannst du vorbeikommen?“

„Nein, ich bin schon im Zug nach Frankfurt.“

Das ist natürlich schlecht.

„Sind die Keile denn irgendwo in der Zirkusschule?“

„Die liegen im Fahrerhaus.“

Was man als noch schlechter bezeichnen könnte.

„Hast du die Schlüssel dabei?“

Ein Aufatmen an der anderen Seite der Leitung.

„Nein, die liegen im Schreibtisch in meinem Büro in der Zirkusschule. Da kommt ihr ran.“

Gut, also ein Problem weniger. Schlüssel und Haltekeile wurden schnell gefunden. Nun galt es, den Wagen wieder auf seinen Parkplatz zu steuern. Keine der Damen wagte sich, den Oldtimer per Motorkraft in Bewegung zu setzen, und auch ich räume ein, mir dieses nicht zugetraut zu haben, wenn ich in die Verlegenheit gekommen wäre, dies versuchen zu sollen. Ich darf zwar einen 7 ½-Tonner fahren, aber grau ist alle Theorie. Und das alte Schätzchen würde eventuell sogar noch mit Zwischengas geschaltet werden müssen. Lieber nicht. Und schon gar nicht 1 ½ Meter vor einer Steinwand.

Also war(en) frau(en) bemüht, den LKW mit Muskelkraft in Bewegung zu setzen. Freiwillig zufassende Passanten gab es zunächst nicht. Spätestens an der Stelle, an der eine relativ kleine Stufe, deutlich niedriger als eine übliche Bordsteinkante, als Abgrenzung von Gehweg und Parkplatz für eine Bodenunebenheit sorgte, war Schluß mit Lustig. Hier wurde weitere, bevorzugt männliche Hilfe zwingend erforderlich.

Nachdem die Aussicht auf vorbeischlendernde Passanten und deren Mithilfe trotz Ansprache mangels Masse als wenig optimistisch betrachtet werden musste, begab man sich in das auf der anderen Straßenseite befindliche arabische Restaurant, in dem die Damen ohnehin aufgrund wöchentlicher Einkehr bestens bekannt waren. Beim Wirt wurden hilfsbereite, kräftige Männer bestellt – und einer auch prompt geliefert. So gehört sich das. Praktischerweise gesellte sich später ein weiterer Helfer in Form eines augenscheinlichen Kraftsportlers hinzu, welcher seine erworbenen Kräfte auch sinnvoll und geschickt einzusetzen wusste. Ohne weitere Klagen erreichte der LKW wieder seinen Standplatz, wurde sicher verkeilt und harrte nun der Dinge. Insbesondere aber, daß ein Bekannter Don Peperonis sich der weiteren Sache annimmt.

Die Mädels aber hatten neben dem Ausdauertraining auf der Bühne auch noch ein schönes Krafttraining zum Abschluss des Tages. Man weiß ja nie, wozu es gut ist.

Und dieses Mal wäre ich auch gerne dabei gewesen. Einfach mal wieder rohe Kräfte sinnlosvoll walten lassen ist doch auch mal was Schönes.




Kommentare:

  1. Das ist schon ein Jammer: Da ist endlich mal was los (hier: ein LKW) und Du bist nicht dabei...

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