Dienstag, 3. Juni 2014

Ran an die Wurst (2)

Zum Freibad gehörten neben den beiden voneinander unabhängigen Becken, ganz klassisch unterteilt in Schwimmer- und PipiNichtschwimmerbecken, eine sehr große Liegewiese und eine kleine Halle, in der man an Tischen sitzen konnte, um sich mittels des Angebotes der hauseigenen Nahrungsmittelversorgung zu verköstigen. Das Angebot bestand aus Pommes und Bratwurst. Wahlweise auch Bratwurst und Pommes, Pommes ohne Bratwurst und zu guter Letzt sogar Bratwurst ohne Pommes. Nach Wunsch alles auch mit Mayonnaise, Tomatensauce (= Ketchupersatz) und Senf. Das war alles. Ende der Fahnenstange. Der Kontakt zwischen Anbieter und potentiellen Kunden bestand über eine Art Durchreiche, wie man sie in manchen Wohnungen noch zwischen Küche und Wohnzimmer kennt.

Glücklich konnten sich diejenigen wähnen, welche nur Pommes zu erwerben gedachten. Die tiefgefrorenen Kartoffelstäbchen, noch deutlich dicker und als Folge im Ergebnis auch deutlich schmackhafter als das, was man heute so angeboten bekommt, wanderten portionsweise für maximal zwei Hungernde in die Friteuse, waren zügig fertig und wurden gegen einen kleinen Obolus, der insgesamt aber doch spürbar höher anzusehen war als derjenige, welcher in einer Pommesbude für eine vergleichbare Menge fällig wurde, übergeben.

Erbat nun ein Kunde eine Bratwurst, so wurde eine längere, schon fast staatstragende Aktion daraus. Denn die Bratwurst wartete nicht wie in einer üblichen, durchschnittlich stark frequentierten Pommesbude bereits fertig auf der heißen Platte, sondern wurde frisch und roh aus dem Kühlschrank geholt und entsprechend zubereitet. So etwas frisst Zeit. Um der Überforderung durch wartende Kunden Herr zu werden, wich man von dem Konzept ab, nur maximal zwei Bestellungen gleichzeitig anzunehmen und wagte sich an eine dritte. Aber nur, wenn diese ausschließlich aus Pommes bestand. Ansonsten hatte man zu warten, bis die laufende Bestellung abgearbeitet war. Ein Engländer hätte bei Ansicht der Warteschlange, die sich insbesondere zur Mittagszeit regelmäßig bildete, feuchte Augen der Glückseligkeit bekommen.

Eines Tages begaben sich Sabine und ich in diesen Tempel effektiven Arbeitens, um uns des kulinarischen Hochgenusses zweier Bratwürste zu versichern. Ohne Senf bitte, den mochte ich damals noch nicht. Und Sabine wohl auch nicht. Im Küchenbereich arbeiteten zwei Damen. Fragt mich nicht, wie die sich beschäftigt haben. Möglicherweise  bestand etwas Abwechslung für die Beiden darin, auch noch den von der Küche aus über eine andere Öffnung zu bedienenden Außenkiosk zu betreuen. An sich bestand die Auswahl der über diesen Außenkiosk feilgebotenen  Waren nur aus Eis am Stiel (Nogger dir einen für 1,00 DM, das war damals schon recht teuer für ein Eis am Stiel) und ein paar Getränken. Diese waren jedoch keineswegs über die Durchreiche zu beziehen, man hatte sich entsprechend außen neu anzustellen.

Sabine und ich gaben unsere Wünsche – jeder eben eine der besagten Bratwürste inklusive der jeweils zugehörigen halben Scheibe diagonal geschnittenen Toastbrots  - bekannt und traten danach etwas zur Seite, damit der nächste Kunde auch noch seine Pommesbestellung in den Arbeitsablauf integrieren lassen konnte. Das passte ja, wir kannten aus. Niemand unter den Anwesenden konnte die sich schon zusammenballenden Wolken der sich anbahnenden Untat zu diesem Zeitpunkt richtig einschätzen. Ich jedenfalls nicht, und Sabine… vermutlich auch nicht. Oder etwa doch? Noch wäre jedenfalls alles aufzuhalten gewesen.


(wird fortgesetzt)




Kommentare:

  1. Maaan, ....Du kannst doch nicht mitten in der Geschichte noch eine Unterbrechung machen ... *unruhighinundherhüpfend* .... weiter ,,,, bitte ...... bitte ... :-)

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    1. Hmmm, ich könnte vielleicht einen Vierteiler...

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    2. Denk gar nicht erst dran .... tztztz ...

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  2. Ja, genau!
    Ich scrolle den Text beim Lesen ja immer nur Stück für Stück hoch, damit ich nicht "vorweglesen" kann, wie's ausgeht. Und während ich mir noch vorzustellen versuche, wie eine halbe, diagonal geschnittene Scheibe Toastbrot zu einer Bratwurst geschmeckt und überhaupt für diese ausgereicht haben mag, zeitgleich in einem parallelen Gedankenstrang bemüht bin zu eruieren, wo nun überhaupt die (halbe!) Scheibe Toastbrot herkommt, nachdem das Angebot doch zunächst aus einer x-beliebigen Kombination zwischen Bratwurst / Pommes / Senf / Mayo / Ketchupersatz-Tomatensoße bestand und sich über alledem die Wolken der anbahnenden Untat zusammenballen, lese ich ein dreistes "(wird fortgesetzt)" - ha!
    Hm. Naja. Aber morgen geht's weiter, ja?

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    1. Die halbe, diagonal geschnittene Scheibe Toastbrot ist elementares Zubehör zur bestellten Bratwurst, ebenso wie das Salz zu den Pommes gehört. Also nicht getrennt bestellbar.

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    2. Toastbrot als conditio sine qua non für die Bratwurst und vice versa, wie wir Lateiner zu sagen pfleg(t)en? [i]kicher[/i]

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    3. Boaaah, das stand aber nicht in Asterix. ;-) Ich als alten niederrheinischen Ruhrgebietler würde das Toastbrot "als datt Dings, mit watt ich die heiße Wuast anpacken tu" bezeichnen.

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  3. Ich hasse Cliff wenn er rumhängt...

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    1. Ich lasse ihn runter, bevor er anfängt zu stinken.

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  4. das ist ja Psychoterror, was du hier betreibst! Jetzt hab ich echt Angst; da wird doch wohl nicht einer der nachfolgenden Kunden so dreist gewesen sein, eine dritte Bratwurstbestellung... oder gar eine Currykrakauer... allein der Gedanke verursacht bei mir Schweißausbrüche (auch wenns hier bei dir jetzt unappetitlich riecht... nach Schweiß-Bratwurstmischung...)

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    1. Currykrakauer? Da kommt bei mir aber noch ganz was anderes raus - außer einem Schweißausbruch. Und wer wischt die Sauerei jetzt wieder weg?

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  5. Eine bestimmte Mischung aus Sonnencreme- und Bratwurst/Pommes/Chlorgeruch ruft bei mir immer heftigste Deja-gerochen-Gefühle hervor, und vor meinem inneren Auge ersteht das alte Freibad zwischen Autobahn und Siedlungsstraße, mitsamt dem kreischblau gestrichenen Betongrund des Kinderplanschbereichs. *seufz*

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    1. Kreischblau? Hört sich nach einer interessanten Farbvariante an.

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