Montag, 2. Juni 2014

Ran an die Wurst (1)

Wer jetzt bei dem Titel dieses Eintrages vermutet, daß ich mich hier mit mehrwöchiger Verspätung auch zum aktuellen Grand Prix Song Contest-Siegerlied äußere, der liegt ja mal so was von verkehrt. Oder vielleicht doch nicht; damit den Erwartungen der geschätzten Leserschaft genüge getan wird, könnte ich ja doch mal was außerhalb des vorgesehenen Themas dazu schreiben. Ist es nicht ekelig, wie ich mich hier anbiedere, nur um die Erwartungshaltungen meiner Leser zu bedienen? Ich hoffe, ihr wisst es zu schätzen.

Die zweitbeste Ehefrau von allen findet das Lied absolut toll. Ich empfinde es als ein mittelprächtiges, für den Anlass typisches Liedchen und hätte es schon am nächsten Tag nicht wiedererkannt. Und ob der Interpret ein Mann mit Abendkleid oder die Interpretin eine Frau mit Vollbart ist, geht mir sonst wo vorbei. Ist mir also Wurst total egal. Entweder es  gefällt mir, wenn ich es höre, oder es gefällt mir nicht. Der optische Eindruck des Interpreten oder seines Hintergrundes ist mir absolut egal. Ich will Lordi wieder haben. Und damit hätte ich jetzt auch meinen Senf zur Wurst gegeben. Ja, die ganzen Kalauer will nun auch niemand mehr hören oder lesen. Ist mir schon klar.

Wir gehen zurück in die Vergangenheit. In die gute alte Zeit. Nicht in die Achtziger, wie zweifelsohne von allen zu vermuten wäre, die noch bei Verstand sind, sondern noch davor.  Also folgerichtig in die Siebziger. Die mittleren bis späten Siebziger, um genau zu sein. Na ja, etwas genauer wenigstens. Das Städtchen, in dem ich aufgewachsen bin, besaß ein eigenes, von der öffentlichen Hand betriebenes Freibad, unmittelbar am Waldrand neben einem kanalisierten Bach. Passenderweise befand sich dies alles in unserem Stadtteil und konnte mit dem Fahrrad gut erreicht werden. Als alte Wasserratte war ich dort durchaus auch schon mal anzutreffen; zu dieser Zeit in Begleitung von Sabine und Holger. Auch der missliebige Zwang zur Badekappe, welchen die seinerzeitige Pump- und Umwälztechnik der Bäder erforderlich machte, hielt mich nicht davon ab, meinem doch recht ausgeprägten Schwimmbedürfnis nachzugehen.

Die Fahrräder konnten in einem eingezäunten Areal gegen eine kleine Gebühr von 50 Pfennigen abgestellt werden. Dort standen sie gemäß dem ausgehändigten Parkschein unter dem Schutz einer namhaften Versicherung gegen Diebstahl und Beschädigung. Der kleine Platz wurde von dem Kassierer überwacht. Beim Rausfahren war der Parkschein vorzuweisen. Es wäre überhaupt kein Problem gewesen, mit einer alten Schrottgurke von Klapprad anzukommen und mit einem tollen Bonanza- oder gar Rennrad wieder zu verschwinden, da die meisten Diebstahlsicherungen zu dieser Zeit aus einem kleinen Schieberiegel bestanden, den man mit wenig Kraftentfaltung abzubrechen vermochte. Auch von einem Vor-Teenager, wenn man nicht gerade ein Hänfling war. Der Kassierer hätte es wohl niemals mitbekommen. Und einen Nachweis über die Zusammengehörigkeit von Parkschein und dem mitgeführten Fahrrad ließ sich nicht erbringen. Nun, mein grünes Klapprad zählte wohl nicht zur Risikogruppe besonders diebstahlgefährdeter Fahrzeuge. Also bestand keine Gefahr, daß ich nach Hause laufen musste.

Im Inneren des Freibades standen in der Nähe der Umkleidekabinen Spinde, in denen man seine nicht benötigten Sachen lagern konnte. Zu sichern waren diese damals noch mit selbst mitgebrachten Vorhängeschlössern. Der Schlüssel hierzu fand meistens in der Kleingeldtasche der Badehose Platz. Hatten die Badeanzüge der Mädchen bzw. der Frauen so etwas eigentlich auch? Kann ich mir fast nicht vorstellen. Schließlich haben Damenjacken bekanntlich auch nicht mal das Minimum an Taschen, welche ein Mann so für seine drei Sachen benötigen würde. Ein Großteil der Spinde war von außen nicht sichtbar. Mit entsprechendem Gerät wurde damals so manches Billigschloss in Windeseile geknackt. Der einzige Bademeister vor Ort hatte keine Chance, hier einzugreifen.

Auf dem Freibad-Areal hat sich seinerzeit, in den nicht umsonst so genannten wilden Siebzigern, etwas zugetragen, was an Abscheulichkeit mit den damaligen Mitteln kaum noch überboten werden konnte. Es gab ja genügend Gelegenheiten, wie man sieht. Und ich war Zeuge. Böswillige Mitmenschen könnten sogar der Meinung sein, daß ich als Erfüllungsgehilfe der bösen Tat fungierte. Sei es drum, es ist verjährt, so daß ich freimütig darüber reden kann. Heute, mit dem gebührenden zeitlichen Abstand und der im Laufe meines Lebens hinzugewonnen Weisheit, fällt es mir nicht mehr so schwer.


(wird fortgesetzt)




Kommentare:

  1. Oh oh, das läßt jetzt Böses erahnen ....
    ....aber los, erzähl schon! :)

    Ich hatte auch ein Klapprad, Ossi-Marke "Mifa". Später ein "Diamant"-Fahrrad. Die weit verbreitete Meinung über die Qualität der Marken läßt sich übrigens in zwei Sätzen zusammen zufassen: 'Wer MIfa fährt, fährt nie verkehrt, weil MIfa überhaupt nicht fährt.' und 'Diamant ist in der ganzen Welt bekannt, wird im Ausland Schrott genannt.' :D

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    1. Ach, was war ich froh, das Klapprad irgendwann losgeworden zu sein und endlich ein Rennrad zu bekommen. Zu Marken fällt mir da aber nichts mehr ein.

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    2. Ich hab mir das 28er meines Bruders immer mal wieder "ausgeborgt". Allerdings hatte das keine Rücktrittbremse, was dann ein zweimal fast zu Unfällen geführt hätte. :o)

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  2. Das hört sich nach einem kleinen Kurzkrimi an...

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