Donnerstag, 19. Juni 2014

Home, sweet home

Ich bin wieder draußen. Beziehungsweise ich werde wahrscheinlich draußen sein, wenn ihr dieses lest. Noch aber, während ich diese Zeilen schreibe, bin ich drinnen. Im Krankenhaus. Ich warte auf meine Entlassung.

Zunächst bedanke ich mich für die vielen Genesungswünsche, die mich über die Kommentarfunktion oder auch das Kontaktformular erreicht haben. Das ist echt lieb von euch. Unter Nutzung des Smartphones der zweitbesten Ehefrau von allen habe vor ein paar Tagen schon alle gelesen.

Ich liege also noch im Bett unseres örtlichen Krankenhauses und lasse mich umsorgen. Das Fenster steht weit geöffnet, die kühle Außenluft wird mit einem leichten Windhauch ins Zimmer geweht. Ich kann den beginnenden Sonnenaufgang beobachten, die Vorhänge sind alle weit zurückgezogen. So langsam beginnt drinnen und draußen geschäftiges Treiben. Ich habe hier noch meine Ruhe, lediglich Schwester Enja stört mich kurz, um mir eine neue Infusion zu verabreichen. Sie ist überrascht, daß ich schon wach bin. Es ist 5.30 Uhr. Wir haben uns zuletzt um 00.20 Uhr gesehen, als sie mich vom Tropf der letzten Infusion gelöst hat. Der Schichtwechsel steht an.

Mir wurde hier Bettruhe verordnet; nur zur Erledigung der wirklich allernötigsten Dinge durfte ich mal aufstehen. Das gilt auch noch für die ersten Tage, wenn ich wieder zu Hause bin. Ich befinde mich auf dem Wege der Genesung. Doch diesen Weg gehe ich gemäßigten Schrittes. Alles braucht seine Zeit. Der mich einweisende Arzt meinte etwas von drei Tagen, bis ich wieder raus sei. Diese drei Tage sind nun schon mehrfach abgelaufen. Zehn Tage waren es am Ende. Der Bursche hat mich reingelegt, klare Sache. Bloß damit ich hierbleibe. Wollte ich nämlich nicht. Ich habe danach immer wieder neue, sich nach hinten verschiebende Entlassungstermine avisiert bekommen, so daß ich mich gar nicht zu einem möglichen Zeitpunkt äußern (lassen) konnte. Vielleicht hatte man im Krankenhaus auch vor zu warten, bis sich keine Vene mehr finden lässt, in die man etwas reinpumpen oder aus der sich noch was rausholen lässt. Dann hätten sie es aber vermasselt, es gäbe da noch verschiedene Optionen.

Eine Schwester Rabiata, von der ich euch erzählen könnte, ist mir nicht untergekommen. Die Mitarbeiter waren hier freundlich und hilfsbereit. Man sorgte sogar für regelmäßigen, auch nächtlichen Damenbesuch an meinem Bett. Grob alle sechs Stunden, beginnend um Mitternacht, legte mir eine der vielen hübschen Schwestern eine Infusion an. Mal etwas früher, mal etwas später. Und wenn keine von den hübschen kam, dann erschien eine von den weniger hübschen. Da war die Auswahl aber nicht so groß. Sollte auch von denen mal keine erschienen sein, erledigte es eben der einzige Krankenpfleger dieser Station. Der hat sich bislang aber nur einmal in meine Nähe getraut.

Als ordentlicher Blogger fand ich immer genügend Material, aus dem sich was Erzählbares ergeben hat, und stellte daraus fleißig Tagesberichte zusammen, welche für einige Blogeinträge herhalten werden. Eure Versorgung mit Lesestoff ist also sichergestellt. Natürlich fotografierte ich auch mein Essen, wie sich das gehört. Ich muß Texte und Bilder nur noch etwas aufarbeiten, dann geht es los. Das dauert nicht lange, ich habe ja noch Zeit und muß mich schonen. Um das Thema im Blog nicht zu sehr zu strapazieren, werde ich in den nächsten Tagen wohl mehrfach täglich etwas veröffentlichen. Mal sehen, wie ich hinkomme.

Ich habe mich bewusst entschieden, den Laptop ohne Internetzugang zu lassen. Und auch den Fernseher nicht anzumelden. Zu Hause wird einem ohnehin zu viel Zeit durch diese Geräte geraubt. Ich wollte endlich mal ohne sein und wieder zu anderenDingen kommen. Auch mal wieder ein Buch lesen, welches in einem schwierigerem Deutsch geschrieben ist. So wie meine Wallenstein-Biographie. Mal wieder bewusst einen Film ansehen, per DVD über den Laptop, ohne sich nebenbei im Internet zu verlieren. Hat funktioniert. Fand ich gut. Und regt an zum Nachdenken.

Sehr gespannt bin ich darauf, wie die Katzenbande sich verhält, wenn ich gleich durch die Wohnungstür komme.

Lilly reagiert auf tatsächliche oder vermeintliche Verluste immer mit großer Anhänglichkeit. Dieses Mal konnte sie diese Anhänglichkeit nicht auf uns aufteilen, sie hatte nur noch meine Angetraute. Es ist anstrengend, tagelang eine Katze an den Beinen kleben zu haben.

Marty hat viel geweint. Was ihn betrifft, bin ich besonders gespannt.

Und Smilla? Sie, die in der internen Hierarchie der Katzenbande immer als Letzte steht? Die sich aus sämtlichen Situationen, in denen man sich behaupten muß, immer heraushält? Und damit stets nur das vom Nassfutter abbekommt, was die anderen beiden übrig lassen? Sie ist nicht so stark auf mich fixiert, sondern auf meine Angetraute. Die Unsicherheit von Lilly und Marty bekam sie sehr wohl mit, hat sie aber nicht besonders auf sich übertragen. Nein, sie hat die Situation schamlos ausgenutzt. In den letzten Tagen war sie immer die erste am Nassfutternapf. Und sie hat sich nicht verjagen lassen. Sobald Lilly und Marty wieder zu alter Form auflaufen, wird sich dies wieder geben. Oder auch nicht, wir werden es sehen.

Was war jetzt eigentlich geschehen? Ganz genau lässt es sich nicht feststellen, aber die Vermutung lautet wie folgt:

Ich habe mir am Schienenbein zunächst eine Mikroverletzung eingefangen, ein winzig kleines Loch in der Haut. Dies kann durch die Spitze einer Katzenkralle zustande gekommen sein, durch einen Insektenstich, durch eine Nadel. Vieles bietet sich dazu an.

Durch dieses Loch in der Haut sind Keime eingedrungen, wie sie allgegenwärtig um uns herum zu finden sind.

Im Büro sitze ich meist ungewollt mit untergeschlagenen gekreuzten Beinen, im Regelfall das rechte über dem linken Bein. Dadurch wurde an der Auflegestelle der Blutfluß gehemmt, was die sich bildende Entzündung weiter begünstigte. Der ursprüngliche rote Fleck fand sich genau an dieser Stelle.

Das schwül-warme Wetter sorgte dann für eine fast schon explosionsartige Keimvermehrung.

Das abends festgestellte Fieber war ein Indiz darüber, daß die Entzündung sich schon in meinem ganzen Körper verteilt hatte, so daß die Fahrt zum ärztlichen Notdienst erforderlich wurde, der praktischerweise in dem gleichen Krankenhaus seinen Sitz hat, in dem ich später untergebracht wurde. Von der Ärztin des Notdienstes wurde auch direkt ein Arzt aus dem Krankenhaus angefordert, welcher ihre entsprechende Vermutung bestätigte, so daß ich an die Notfallambulanz des Krankenhauses weitergeleitet wurde.

Es hat mehrere Tage gedauert, bis das Penicillin die sich immer noch dramatisch ausweitende Entzündung erkennbar begonnen hat zurückzudrängen. Auch dies ist ein weiterer Hinweis darauf, wie weit alles schon fortgeschritten war.

Und am Morgen des ersten Tages war von alldem noch nichts zu sehen oder auch nur zu ahnen.

Wie sagt der Terminator immer so schön?

I’ll be back – Ich komme wieder!

Ich bin wieder da.







Kommentare:

  1. Wie schön, dass Du wieder da bist und es Dir besser geht! Hab Dich und Deine Posts schon sehr vermisst hier. Nun ist alles wieder gut! ;-) Ganz liebe Genesungswünsche und Grüße auch an die zweitbeste Ehefrau - Eure Sturmtänzerin

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    1. Der Trott muß sich erst wieder aufbauen, aber da bin ich zuversichtlich.

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  2. Wow... Sachen gibts....
    Schön, dass Du wieder da bist und es Dir soweit gut geht. Dann kanns ja jetzt nur noch besser werden - alles Gute dazu wünsch ich Dir! :)

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    1. Es geht aufwärts. Auch wenn ich jetzt schon merke, daß die verordnete Bett- bzw- Sofaruhe mich wahnsinnig machen wird.

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  3. Schön, dass Du wieder da bist

    LG
    Mechthilda

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  4. Schön…
    … das es dir besser geht
    … das du wieder zu hause bist
    … das du weiter für uns schreibst
    … das die Mietzen dich wieder beschäftigen werden
    … das du mal abschalten konntest

    … alles eben.

    Welcome back in Blogtown

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    1. Insbesondere der Punkt mit dem Abschalten war durchaus interessant.

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  5. Herzlich willkommen zurück im eigenen Heim. Geht nix drüber! So, jetzt bleibste aber stabil. Und wie meine Oma immer sagte: "Kind, setz dich aufrecht hin und die Füße gerade und nebeneinander auf den Boden!". Ob die schon Bakterien kannte?
    LG, Holger

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    1. Meine Oma sagte immer: "Kind, trinke kein Wasser aus der Leitung, davon bekommst du nur Läuse in den Bauch."

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    2. Auch von mir ein: Schön das Du wieder da bist!
      Und tut Euch beide zusammen. Gemeinsam schonen macht doch gleich viel mehr Spaß und die Zeit vergeht auch viel schneller. Abgesehen davon paßt ihr beide gegenseitig auf, das es keiner von Euch zu früh übertreibt und sich zuviel zumutet. Und zu guter Letzt haben wir als fleißige Blogleser bestimmt auch viele gute Geschichten davon, ..... oder?^^

      Liebe Grüße und gute Besserung für Euch beide.

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    3. Ich kann ja mal meine Angetraute fragen, was die so davon hält. ;-)

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  6. Wenn ich deinen Krankheitsverlauf so lese, bin ich froh, dass ich während der Arbeit meine Beine nicht übereinander schlagen kann...

    Aber Willkommen im Leben :p

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    1. Warte mal ab, die schmutzigen Details kommen noch.

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  7. Schön, dass Sie wieder zu Hause (und natürlich auch wieder hier im Blog *g*) sind :-) weiterhin gute Besserung!
    Weniger schön: Sie sind jetzt der Dritte in kurzer Zeit, bei dem ich von solch einer heftigen Entzündung höre bzw. lese (so schnell, so massiv, mit Krankenhausaufenthalt). Und ich werde künftig wieder ordentlich am Schreibtisch sitzen und die Beine nicht kreuzen ;-)

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  8. Lieber Paterfelis, wie gestern schon gesagt: Schön wieder von Dir zu hören/lesen.
    Auch schön von Westernhagen folgende Zeile: "Ich bin wieder hier, in meinem Revier..."
    Gut, dass Du zurück bist.

    Liebe Grüße
    Silvia

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    1. Marius kennt jeder, aber Klaus Lage scheint mir langsam in Vergessenheit zu geraten. Da musste ich gegensteuern.

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