Sonntag, 1. Juni 2014

Buntes Treiben, Ballonkinder und Käse

Stadtfest in Neustadt. Mal wieder eine Gelegenheit für die Mädels, öffentlich aufzutreten. Kurz zuvor wurde mir offenbart, daß ich mich wieder mit der Videokamera vor Ort einzufinden habe, um das Ereignis in Bild und Ton nachvollziehbar festzuhalten. Es gab ein kurzes Missverständnis darüber, wann der Zeitpunkt gewesen wäre, zu dem man mich erstmalig auf diesen Umstand hingewiesen habe. Naturgemäß behauptete meine Angetraute, daß eben dieser Zeitpunkt schon mindestens vor Wochen wenn nicht gar Monaten gewesen sei, während ich felsenfest meine Überzeugung vertrat, daß erst Minuten vergangen sein könnten. Kinder, wie die Zeit vergeht. Na gut, wie immer war ich ein netter Ehemann und ergab ich in mein Schicksal willigte freudestrahlend ein.

Der Auftritt würde am frühen Nachmittag sein, Aufbruch also zur Mittagszeit. Aus Gründen meiner persönlichen Sicherheit verbrachte ich den Vormittag lesenderweise auf der Terrasse. Ist schon besser als meiner Angetrauten auf der Zielgeraden ihrer Vorbereitungen in irgendeiner Form im Weg herumzustehen oder sich gar zu einer unglücklichen Bemerkung hinreißen zu lassen. Mitlesende Ehemänner werden wissen, was in solchen Fällen passieren kann. Außerdem war sie bewaffnet – mit Schere, Nadeln, Klämmerchen und was Schränke und Schachteln sonst noch so alles hergaben.

Dennoch wurde ich wiederholt aus meinem selbst gewählten Exil abgerufen und in die Höhle der Löwin – ähm - gebeten. Und wenn es nur darum ging, als dritte und vierte Hand zu dienen oder scheinbar verschwundene Dinge zielgerichtet wieder aufzufinden. So gelang es uns, deutlich vor der Zeit mit allen erforderlichen Dingen fertig zu werden. Ist ja auch mal ein Erlebnis.

Vor Ort erwartete uns ein buntes Treiben. Wahrlich bunt. Ein Blick auf Katjas Haare genügte, um diesen Worten gerecht zu werden. Conny hatte wieder zugeschlagen und sich gnadenlos ausgetobt. Bei verhaltener Sichtung habe ich keine bekannte Farbe des Regenbogens auf ihrem Kopf vermisst. Irgendwie. Obwohl: Ich glaube, daß Gelb gefehlt hat. Da muß ich unbedingt nochmal was überprüfen. Blau-, Rot- und Grüntöne waren aber eindeutig vorhanden.

Auf geht’s, der Bürgermeister redet schon. Den trifft man auch überall. Jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern, jemals so oft persönlich einem Bürgermeister begegnet zu sein wie diesem. Nun noch Portemonnaies, Schlüssel sowie Mobilmultifunktionssprechundlesegeräte der Damen einsammeln und im Rucksack verstauen (war ja kein Jackenwetter, Mist), Kamera und Stativ so aufbauen, daß niemand darüber stolpert, Rucksack sichern, Achtung Klappe halten, Aufnahme läuft. Hoffe ich wenigstens. Die aus unglücklichem Winkel leuchtende Sonne machte es mir unmöglich, den Kameramonitor und die Anzeigen auch nur halbwegs erkennen zu können. Na ja, zumindest ein viertelwegs war möglich. Auch mit Abdecken durch die Hand war keine spürbare Verbesserung zu erfahren. Zudem musste ich das Stativ auf Maximalhöhe ausfahren, um über die Menschenmassen hinwegfilmen zu können, zumal die Bühne relativ niedrig war. Damit befand sich die Kamera aber auch deutlich oberhalb meiner Kopfhöhe. Hoffen wir mal, daß es passte. Zumindest die Bühnenränder konnte ich auf dem kleinen Bild erkennen.

Selbstverständlich gab es auch dieses Mal die üblichen Herrschaften, die sich spontan zu einem Happening vor meiner Kamera trafen und sich lautstark über Dinge austauschten, die wirklich niemanden interessieren aber trotzdem jeder mitbekommt. Heute ging es mal um Käse. Das Thema hatte ich noch nicht zu solch einer Gelegenheit. Man sei ja eigentlich auf dem Weg, um eben Käse zu kaufen. Es ist schon faszinierend, wie lange man sich vollkommen nichtssagend aber vielversprechend über den Kauf von Käse unterhalten kann. Ja, wirklich sehr schön.  Dabei habe ich noch nicht mal erfahren, um welchen Käse es genau ging. Vielleicht gelben. Oder weißen. Wäre ja auch noch eine Information gewesen. Falls ich auch mal Käse kaufen will. Mal sehen, ob ich das jetzt auch für die Ewigkeit festgehalten habe oder ob das Mikrofon es ignorieren konnte.

Und natürlich bewahrheitete sich auch wieder das ominöse aber eindeutig vorhandene Naturgesetz, nach dem die einzigen Kinder weit und breit, die mit Luftballons auf Papas Arm oder im Kinderwagen unterwegs waren, mittig vor der Bühne parkten. Und damit zentral vor der Kamera. Kann ja gar nicht anders sein. Hach wie herrlich, ich könnte mir den wunderbaren roten und den prächtigen gelben Ballon immer wieder ansehen. Und den bemerkenswerten blauen auch. Kann ich jetzt ja, schließlich habe ich die ja aufgenommen.  Und wenn dann hin und wieder neben den Ballons ein Arm herausragt, dann könnte es sich um einen von Alexandra oder der Baronin gehandelt haben.

Die Mädels waren mit der Aktion zufrieden, durften schon vor dem Auftritt vor zahlreichen Kameras posieren, wurden während des Auftritts von durch ordentlich präsenten Publikum hochgehaltenen Smartphones aufgenommen und beantwortet auch nach dem Auftritt brav auch die obligatorischen Fragen anwesender Zuschauerinnen nach der Herkunft der mit reichlich Glitzerdingern versehenen schönen Kleider. Selbst der vor Ort befindliche Lokalreporter stürzte sich auf Alexandra und outete sich als Fan. Nicht verkehrt, gar nicht verkehrt.

Und übrigens: Ich habe einen Sonnenbrand. In Rot. Was auch sonst? Grün sähe ja auch doof aus. Sofern das jetzt noch jemanden interessiert. Und falls nicht, dann habe ich ihn trotzdem.




Kommentare:

  1. Ich hoffe, Dein Sonnenbrand hat nun die Farbe gewechselt von rot zu braun. Ansonsten kann ich Dir nur sagen, dass es bei unseren Aufführungen nicht anderes ist. Es gibt immer irgendeinen, der Dir vor die Linse tanzt oder ganze Horden Kinder, die sich auf den Bühnenrand setzen, um ja nichts zu verpassen. Alle Appelle, von wegen Sicherheit oder so kommen da gar nicht erst an...

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    1. Die Sache mit dem Bühnenrand ist schnell geklärt. Man nehme ein Schwert um einen Schwerttanz zu veranstalten. Da genügt die Vorwarnung. Und um Eindruck zu schinden - damit die Brut nicht während des Tanzes wieder zurückkommt - empfiehlt es sich, das Schwert während das Tanzes mit der Spitze auf den Bühnenrand donnern zu lassen. :-D

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    2. Danke für den Supertipp! Ich hab auch schon ein Musikvorschlag:
      Den Säbeltanz von Chachaturjan. Jetzt brau ich nur noch nen Säbel....

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