Montag, 12. Mai 2014

Wo Licht ist, da ist auch Schatten

Nun ist es also doch endlich mal geschehen: Wir bekommen zusätzliches Personal. Und sogar relativ viel. Wie vorab von mir befürchtet hat die Sache auch ein paar ganz massive Haken. Doch dazu will ich mich hier jetzt nicht auslassen, es sind zu viele Interna damit verbunden. Eines aber steht fest: Der Rest des Jahres wird für mich wohl von Amts wegen wieder eine sehr durchwachsene Sache werden. Was wäre es schön, einfach mal nur normal arbeiten zu können. Ohne zwingend erforderliche Extratouren und Mehrbelastung über ein normales Maß hinaus. Doch sei es drum.

Um aber mal zu verdeutlichen, was entsprechende Ankündigungen und Zusagen aus Bad Husten bedeuten können, greife ich auf eine ältere Geschichte zurück.

Es war ein heißer Sommertag vor einigen Jahren. Unser Geschäftsführer war auf seiner jährlichen Besuchstour zu den verschiedenen LASA-Außenstellen unseres Bundeslandes. Man muß sich ja mal bei dem Volk blicken lassen.

Wir hatten seinerzeit bereits die gleichen Probleme mit den Arbeitsmengen wie heute und planten, dies mit unserem Geschäftsführer in einem persönlichen Gespräch zu erörtern, denn bei uns ging nichts mehr. Weder vor noch zurück. Unser Ausstoß an entschiedenen Anträgen war nicht zu beanstanden, doch es ging immer mehr Nachschub ein als wir loswerden konnten. Eine unhaltbare Situation.

Ich selbst kam erst später zu dieser kleinen Konferenz hinzu, da ich zuvor meinerseits wegen einer Routinebesprechung in Bad Husten zu tun hatte. So betrat ich zu vorgerückter Stunde den viel zu kleinen und nicht nur wegen der hohen Außentemperaturen überhitzten Raum. Unser Geschäftsführer hatte sich sogar seines Sakkos und der Krawatte entledigt. Die Stimmung aber war erstaunlich gut, wenn man berücksichtigt, wie sehr meine Kollegen im Vorfeld auf Krawall gebürstet waren. Sehr gut, mit dummen Pöbeleien kommt man nicht weiter.

Meine Ankunft war gerade noch rechtzeitig, um mitzubekommen, wie uns folgendes versprochen wurde:

„Sie erhalten drei erfahrene Mitarbeiter: zwei erfahrene Assistenten aus der Außenstelle in Groten (quasi in der Nachbarstadt) sowie einen Sachbearbeiter.“

Das war doch mal eine Ansage!

Natürlich dauert so eine Um- und Versetzung seine Zeit, wir befinden uns ja in öffentlichen Diensten. Da geht das alles nicht so schnell. Aber dann war es soweit, neues Personal stand auf der Matte.

Zwei Personen. Nicht drei.

Zwei erfahrene Personen. Aber nicht erfahren in unserem Fachbereich.

Die Assistentin war zuvor im Fachbereich Unmittelbare Kundenbetreuung beschäftigt und hatte die Sachbearbeitung schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Sie musst erst eingearbeitet werden. Immerhin aber waren Grundlagen vorhanden, auf denen man aufbauen konnte.

Die Sachbearbeiterin kam gar nicht aus der benachbarten Stadt. Sondern aus einer Stadt und der dortigen Außenstelle, welche mal eben 70 km entfernt war. Und sie war zwar Sachbearbeiterin, hatte aber gerade erst ihre Fortbildungsprüfung bestanden. Ihre vorherige Tätigkeit als Assistentin hatte sie in einem Bereich ausgeübt, der mit unserem so rein gar nichts zu tun hat. Mit anderen Worten: Ihre Berufserfahrung war – was uns betrifft – voll für den Arsch nicht mal ansatzweise zu gebrauchen. Also musste auch sie eingearbeitet werden. Von Null an. Die unbestrittene Erfahrung sagt, daß Kollegen, die frisch von ihrer Prüfung kommen, mindestens ein Jahr benötigen, bis sie selbständig arbeiten können. Und ein weiteres Jahr, bis sie in dem, was sie tun, auch halbwegs sicher sind. Die haben dann wenigstens noch zeitnahe Erinnerungen an ihre praktische Ausbildung. Ausreißer nach oben und unten gibt es immer wieder, das ist klar. Diese Kollegin war aber seit zehn Jahren aus ihrer Erstausbildung raus. Und in der Fortbildung lernt man nichts, was mit der praktischen Arbeit zu tun hat.

Nun ja, man muß es wohl als Investition in die Zukunft sehen. Diesen Standpunkt habe ich schon immer vertreten und daher stets versucht, trotz der darüber hinausgehenden Zusatzbelastungen alles in die Ausbildung und Einarbeitung meiner jungen Kollegen zu investieren, was möglich war. Ideal wäre noch mehr gewesen, aber wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, dann funktioniert das eben nicht. Es gibt sicherlich niemanden, der dies mehr bedauert als ich selbst, denn ich habe da einen hohen Anspruch an mich.

Im Gespräch mit der neuen Sachbearbeiterin stellte sich dann heraus, daß es nie vorgesehen war, daß sie bei uns bleiben würde. Sie solle uns nur für sechs bis neun Monate unterstützen, um anschließend in ihrer eigentlichen Außenstelle als Sachbearbeiterin eingesetzt zu werden. Und zwar in dem Fachbereich, in dem wir sie hier vor Ort einarbeiten würden. Mit anderen Worten: Wir sollten die zeit- und arbeitsaufwendige Einarbeitung für diese andere Außenstelle machen! Eine Hilfe würde die junge Kollegin uns in der fraglichen Zeit keineswegs sein, eher eine weitere Belastung.

Nach so einem Schlag ins Gesicht wandten wir uns schriftlich an unseren Geschäftsführer in Bad Husten, erinnerten an sein Versprechen und zeigten auf, was daraus geworden war. Die Antwort fiel erwartungsgemäß aus: Ihr wolltet Personal und ihr habt Personal bekommen. Und jetzt haltet endlich die Schnauze.

Natürlich waren die Worte etwas gefälliger gewählt. Die Kernaussage bleibt jedoch unverändert.

Der Umstand, daß sich die Zusammenarbeit mit unseren neuen Kolleginnen sehr angenehm gestaltete, tröstet jedoch nur wenig darüber hinweg, dermaßen verarscht worden zu sein. Nicht zum ersten Mal. Und auch nicht zum letzten Mal.

Diese Erfahrung macht unser heutiger Dr. Strebsinger gerade, wenn auch nicht in diesem Extrem. Wir hatten ihn nach seinem Dienstantritt bei uns vorgewarnt.

Er wollte es nicht hören. Die Vergangenheit interessierte ihn nicht.

Irgendwann wird er jedoch soweit sein.  Ganz bestimmt. Denn die Gegenwart erklärt sich nur aus der Vergangenheit. Und diese ist wiederum die Grundlage der Zukunft.

Und dann wird er endlich verstehen, warum sich nicht einfach alles per Anordnung auf Null setzen lässt, um mit voller Kraft einen neuen Start anzugehen.





Kommentare:

  1. Hach ja, die Welt ist klein und Bad Husten irgendwie überall ;-) kann dem nur vollinhaltlich zustimmen - genau so läuft's.

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  2. So was nennt man dann kreative Personalführung! Tut mir echt leid für Dich! Lieben Gruß - ST.

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    1. Vielleicht haben wir ja dieses Mal Glück und es ist nicht alles an Arbeit umsonst, was investiert wird.

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