Freitag, 2. Mai 2014

Wahnsinnige unterwegs

Während wir im Büro am heutigen zweiten Mai weitgehend friedlich vor uns hinarbeiteten, hörte ich von draußen Geräusche. Soll ja mal vorkommen, insbesondere wenn (m)ein Fenster geöffnet ist. Mandy zeigte schon wieder leichte Erscheinungen gewisser Genervtheit und äußerte wohlformuliert aber jeglichen Widerstand direkt im Keim erstickend den Wunsch, ich möge doch das Fenster bitte schließen.

Just zu dieser Gelegenheit wagte ich dann auch einen Blick nach draußen. Und noch einen. Dann vergewisserte ich mich, daß wir tatsächlich den zweiten Mai hatten. Wirklich und wahrhaftig den zweiten Mai. Wenn mir jemand erklärt hätte, daß es der letzte Tag vor Heilig Abend sei, hätte ich es bedingungslos geglaubt. Trotz des Grüns an den Bäumen. Über die Winter in Deutschland müssen wir spätestens seit der Saison 2013/14 ja nicht mehr reden.

Was mich so erschütterte war der Verkehr auf der an unserem Büro vorbeiführenden Hauptstraße. Der stand nämlich, so voll war das. So wie sonst nur in der Vorweihnachtszeit. Nach der Mittagspause ließen wir uns von einigen armen Irren Unverzagten, die sich tatsächlich vor die Hütte gewagt hatten, bestätigen, daß die Innenstadt entsprechend aussah. Nicht weihnachtlich, aber weihnachtsähnlich. Die menschliche Komponente sorgte dafür.

Ja, auch ich hatte begriffen, daß wir einen Brückentag haben. Da ich einer der Trottel war, die nicht freinahmen, um endlich mal Ruhe im Büro zu genießen und vernünftig arbeiten zu können. Aber wieso und weshalb und warum nutzt der Rest der Nation den Brückentag, um einen Stadtbummel zu machen? Und sich von den anderen Mitmenschen mit gleichen wirren Gedankengut niedertrampeln zu lassen? Wer tut so etwas? Freiwillig? Am zweiten Mai?

Zu Weihnachten kann ich für derlei Ambitionen ja noch ein Mindestmaß an Verständnis aufbringen. Da gibt es den Weihnachtsmarkt, Weihnachtsdekoration, Weihnachtsmusik, die Aussicht auf Weihnachtseinkäufe und was den modernen Menschen sonst noch so in bestimmte Gemütslagen versetzt. Und auch das Warenangebot ist schließlich nur sehr zeitspezifisch zu erstehen. Die Weihnachtssaison im deutschen Einzelhandel dauert ja nur von Ende August bis fast Ende Dezember. Das ist schon etwas knapp; da muß man eben etwas Verständnis für die Gehetzten aufbringen.

Aber kann mir bitte jemand klarmachen, was es am zweiten Mai in der Stadt gibt, was man nicht auch an anderen Tagen da vorfinden würde? Von den Menschenmassen abgesehen? Begreife ich nicht.

Sollte ich jemals einen Stadtbummel unternehmen wollen, was mit Sicherheit kaum der Fall sein wird, sofern man frau mich nicht dazu zwingt, dann nehme ich mir zu einem stinknormalen Werktag frei und erledige das dann. In Ruhe. Und Frieden.

So friedlich, wie wir auch im Büro arbeiten würden.





Kommentare:

  1. Ich hab am 2. Mai arbeiten müssen. Paterfelis, ich kann dir im Nachhinein bestätigen, dass die Hölle los war! Fing gleich zur Ladenöffnungszeit an und riss bis zum Abend nicht ab. Verrückt. Absolut verrückt.

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    1. Warum ist die Welt nicht ein wenig mehr so wie wir? Es könnte so schön sein.

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