Samstag, 17. Mai 2014

Szenen

Im Zusammenhang mit so einem gesellschaftlichen Großereignis wie den Besuch beim Kleinen Chinamann gibt es natürlich immer wieder Szenen, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen.


***


Durch verschiedene kurzfristige Absagen war die Zahl der Teilnehmer auf sechs Personen reduziert, so daß wir an einem Tisch entsprechender Größe Platz nahmen. Etwas eng, aber noch akzeptabel. Die Breite vom Ökoklaus und mir wurde durch die Schmalheit einiger Teilnehmerinnen wieder ausgeglichen.

Nach jedem vom Ökoklaus und mir eingenommenen Gang imitierte ich die Bewegung, die man ausführen würde, um mit einem Taschenmesser, wie man es zu so einer Gelegenheit natürlich immer zur Hand hat, eine Kerbe in die Tischplatte zu schneiden.

„Was machst du da?“

„Ich schneide für jeden Gang eine Kerbe in den Tisch.“

„Wie viele waren das beim letzten Mal?“

„14.“

„Ich fühle da aber nichts.“

„Wir waren ja auch noch nie an diesem Tisch und sind erst am Anfang.“

„Und wo ist der andere? Der vom letzten Mal?“

„Da hinten, in der Ecke. Nachdem wir fertig waren, konnte der nur noch als je ein Vierer- und ein Zweiertisch verwendet werden.“


***


„Ähm, Frl. Hasenclever, Sie wissen schon, daß das eine Gesundheitsveranstaltung wird, oder?!“

„Wie das?“

„Der Ökoklaus hat doch wieder Rücken.“

„Ja?“

„Bei mir zwickt es auch gerade.“

„Und?“

Der Ökoklaus schaltete sich in das Gespräch ein.

„Dann muß man sich viel bewegen.“

„Aha.“

„Ja. Immer wieder zum Buffet hingehen und mit vollem Teller zurückkommen. Als zusätzliche Belastung. So oft wie möglich.“

„Ihr macht mich fertig…“

Ja. Und zwar mit Begeisterung.


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„Du, Paterfelis, wie wäre es jetzt mit ein paar Vitaminen?“

„Das würde zu unserer Gesundheitsveranstaltung passen.“

„Eben.“

„Es gibt Vitamine, die lassen sich vom menschlichen Körper nur mit Hilfe von Fett aufnehmen.“

„Gut, dann ignorieren wir den Obstteller und wenden uns direkt der Ananas im Backteig zu.“


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„Ludwig?“

„Ja, Chef.“

„Ich finde es ja sehr löblich, daß du dem Ökoklaus und mir nacheiferst, indem du die Zeit, die der Koch für die Zubereitung der Mongolenteller benötigt, mit einer Zwischenmahlzeit überbrückst.“

„Nicht wahr?!“

„Aber so richtig scheinst du das noch nicht im Griff zu haben.“

„Echt?“

„Ja. Oder wie willst du mir sonst erklären, daß da hinten schon die Kellnerin mit deinem Teller voller Känguruhfleisch in Sicht ist, während du hier noch mit einer Lage Frühlingsrollen und jeweils einem Schüsselchen Peking- und Hühnersuppe kämpfst?“

„Ich bin noch jung und muß viel üben.“

Zweifellos. Und wie gut, daß auf der Fensterbank noch Platz war.


***


„Sag mal, Ludwig, wirst du in deinem Dorf jetzt eigentlich noch gesellschaftlich akzeptiert oder stehen die da schon mit den Mistgabeln und Pechfackeln bereit, wenn du nach Hause kommst?“

„Warum?“

„Du bist doch jetzt schon zum zweiten Mal in der großen Stadt beim Chinesen essen.“

„Ist nicht so schlimm, Chef. Einige bei uns haben schon einen Fernseher und wissen, um was es geht.“


***


Der Ökoklaus erschien am nächsten Morgen in meinem Büro.

„Du, Paterfelis, ich fühle mich wie Mittagspause.“

„???“

„Die edelste Pflicht eines Beamten ist es doch, zu verdauen.“

„Aha.“

„Ich bin immer noch dabei.“

„Ähm, ja, dann geh mal schön weiter deinen Verpflichtungen nach.“


***


Und nicht vergessen wollen wir die Erkenntnis, die eine lebenserfahrene weise Frau der zweitbesten Ehefrau von allen hat zukommen lassen:

„Das musst du mal beobachten: Der Ökoklaus und Paterfelis beim Buffet ist so wie zwei Jungs unter dem Weihnachtsbaum.“

Recht hat sie.





Kommentare:

  1. Hey, sage mal: werden zu Euren Chinaausflügen auch Ehemalige eingeladen?
    Schöne Grüsse an alle die mit dir noch die Stange halten.... und an meine Ex-Mitbewohnerin Mandy ;)

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    1. Interessant mitzubekommen, wohin sich Informationen so alles verbreiten. ;-) Aber ich denke, daß sich da was machen lässt, auch wenn du vom Ehemaligen nicht mehr zum Aktiven wechseln wolltest, mein Lieber.

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