Samstag, 31. Mai 2014

Papiermüll

Es war ein Urlaubstag wie viele andere auch. Die zweitbeste Ehefrau von allen war aushäusig, während ich mich den haushaltsüblichen Tätigkeiten widmete. Unter anderem bereitete ich den noch nach draußen zu befördernden Müll vor. Das Wetter war nicht von der Sorte, welche den durchschnittlichen Mitteleuropäer dazu zwingen würde, sich mit einem Übermaß an Sonnencreme zu versorgen. Im Gegenteil, es wehte ein relativ kräftiger Wind, welcher mit mehr als nur vereinzelten Wassertropfen durchsetzt war. Eine gute Gelegenheit, das Haus zu verlassen, ohne daß ich mich dem Risiko aussetzen müsste, jemanden zu begegnen.

So schnappte ich mir die erste Ladung meines Mülls, schön sortiert nach Wertstofftonne, Restmülltonne und Biotonne. Vor dem Haus konnte ich unseren Postboten sehen, während er in seinem Wagen herumkramte. Wir nannten uns, höflich wie wir nun mal sind, gegenseitig die Tageszeit und gingen danach weiterhin unseren bereits begonnenen Aktivitäten nach.

Wieder in der Wohnung schnappte ich mir als nächste Ladung den Papiermüll. Der hier zugehörige Mülleimer steht hinter dem Haus, weswegen ich das überschüssige Papier nur nach Ansammlung größerer Chargen wegbringe. Denn der Weg bietet eine höhere Wahrscheinlichkeit, auf gesprächsbereite Menschen, insbesondere aber auf Frau Kleinhüppgenreuther zu treffen. Doch wie gesagt, das Wetter war auf meiner Seite. Tatsächlich traf ich auf niemanden, bis unser Postbote auf seinem Rückweg zum Wagen bei mir vorbeikam.

„So, da habe ich auch noch was für den Herrn Paterfelis.“

Ich nahm ihm eine größere Menge Papier ab und warf einen schnellen Blick darüber. „Wäre ja ziemlich blöd für Sie, wenn ich das jetzt direkt in den Papiermüll schmeiße, oder?!“ grinste ich ihn an. Die erste mentale Barriere war ja schon überwunden, so daß ich das hinbekam.

„Nö, machen Sie das mal nicht, Herr Paterfelis. Ist nicht nur Werbung.“

Ich schaute mir den Stapel genauer an und – tatsächlich! Zwischen den Unmengen an Werbebriefen und Prospekten befand sich wahrhaftig etwas Werbefreies, bei dem es Sinn gemacht hat, eine Briefmarke zu opfern.

Unfassbar.



Kommentare:

  1. Zeichen und Wunder geschehen. Wenn jetzt noch ein Dornenbusch brennt, besteht Hoffnung ;-)

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