Freitag, 9. Mai 2014

Ging nochmal gut

Anlässlich eines anstehenden Auftritts hatte die zweitbeste Ehefrau von allen seit einiger Zeit das Bedürfnis, an einem im Rahmen eben diesen Auftritts zu tragenden Kleides herumzuarbeiten. Es gibt da ja immer was zu tun.

Montag wurde ich auch direkt dienstverpflichtet, um besagtes Kleid in einer bestimmten Position zu halten. Gut, das schaffte ich gerade noch, auch wenn die Betätigung als Aushilfsschneiderpuppe mit Sicherheit keines meiner Hobbies werden wird.

Doch dann erwischte mich ein weiteres Ansinnen wie ein kalter Hauch des Todes: Ich erhielt die Ankündigung, im Laufe des fortgeschrittenen Abends, nach Rückkehr meiner Angetrauten von einem Vortrag bei Rajiv, selber Nadeln stecken zu müssen.

Ich? Handwerkliche Tätigkeit?

Das erfordert geschicktes Arbeiten. Eine quälende Vorstellung, zumal ich von den geforderten Arbeiten ja nun so gar keine Ahnung habe und die zweitbeste Ehefrau von allen dazu neigt, etwas unleidlich zu werden, wenn sie mal wieder sieht, wie blöd ich mich dabei anstellen kann. Ein gewisser Ansatz von Nervosität auf meiner Seite mag auch zu einer reizenden Stimmungslage beitragen.

Nach solchen, mitunter unvermeidlichen handwerklichen Aktionen sehe ich uns regelmäßig beim Scheidungsanwalt. Na ja, nicht ganz. Aber fast.

Zum Glück erhielt ich vor dem Aufbruch meiner Angetrauten noch Entwarnung. Meine Dienste sollten an diesem Abend wohl nicht mehr benötigt werden. Gut, ein Tag Verlängerung.

Dienstag wurde es aus organisatorischen Gründen unter Berücksichtigung eines Triebfahrzeugdefektes bei der Deutschen Bahn und anschließender ungeplanter nicht unmittelbar damit in Zusammenhang stehenden Folgemaßnahmen etwas später als geplant. Zu spät für das Kleid. Ein weiterer Tag gerettet.

Ich überschlug den Rest der Woche. Mittwoch der übliche längere Auswärtstermin. Keine Gelegenheit für das Kleid. Donnerstag ein weiterer später Auswärtstermin. Und ein geretteter Tag. Gnadenfrist bis Freitag. Ach nein, ein weiterer Vortragstermin. Da würde ich auch mal wieder mitgehen. Also Samstag. Uff.

Zurück zum Donnerstag. Vorsorglich hatte ich schon mal für gute Stimmung gesorgt und einige Wege erledigt, Pakete weggebracht, Balduin gefüttert und solche Dinge. Meine Angetraute verabschiedete sich mit den Worten, daß es wahrscheinlich später als üblich werden würde, weil sie gedachte, weibliche Hilfskräfte für die Steckarbeiten einzuspannen. Sollte es Hoffnung geben?

Wider Erwarten erschien die zweitbeste Ehefrau von allen doch pünktlich zu Hause. Oh oh!

„Na, was ist schiefgegangen?“

„Wieso?“

„Du wolltest später kommen?“

„Ach so, ja. Es ist erledigt. Alexandra hat das Kleid abgesteckt. Ich musste nicht viel sagen, sie wusste direkt, was ich wollte, noch bevor ich es selbst wusste. Nach fünf Minuten waren wir fertig.“

Alexandra, du hast uns quälende Stunden erspart.

Danke!





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen