Montag, 5. Mai 2014

Es geht aufwärts

Freitag Abend hat Herr Knutsen noch bei uns angeklingelt. Herr Knutsen ist der über uns wohnende Nachbar. Ein freundlicher Herr, ehemaliger Ingenieur-Offizier aus der christlichen Seefahrt. Oder auch unchristlichen, wer muß das schon so genau wissen? Er habe da ein Anliegen. Gut, immer raus damit.

Es ist nämlich so, daß man sich unlängst, vor einigen Wochen, ja quasi nur wenigen Tagen, einen Strandkorb geleistet hätte. Um ihn auf dem Balkon aufzustellen. Und nach dem aufwendigen Transport durch das nicht übertrieben großzügig bemessene Treppenhaus habe man sozusagen direkt bis unmittelbar nach Erreichen der Wohnungstür festgestellt, daß der untere Teil besagten Strandkorbes in seinen Ausmaßen tendentiell weniger geeignet sei, auch nach Öffnen eben dieser Tür durch die so gebildete Öffnung befördert zu werden. Kurz zusammengefasst: Passt nicht rein.

Blöde Sache.

Bei dieser Gelegenheit stelle ich mir – und nur mir, aber nicht ihm – gleich die Frage, wie er denn gedenke, den sicherlich ganz wunderbaren Strandkorb auf dem doch nicht übertrieben großen Balkon zu parken. Aber wie gesagt, ich verkneife es mir.

Zur Lösung des uns beiden bekannten Problems würde er nun die Bitte an uns richten, ob man nicht im Laufe des nächsten Morgens mal unsere Terrasse betreten dürfe, um diese zum Zwecke des weiteren Transportes des Strandkorbes in ungeahnte Höhen als Startrampe nutzen zu können.

Klar, dürfen darf er. Mir ist die Sache zwar etwas unangenehm, weil unsere Terrasse gerade nicht in einem Zustand ist, mit dem man dort Gäste zu empfangen gedenkt – wir erinnern uns an die Sache mit den Mülltüten aus unserer Entrümpelungsaktion, von denen immer noch einige herumstehen. Aber es gibt Schlimmeres. Und eine Müllhalde ist da ja nicht. Also nicht so richtig. Je nachdem, aus welchem Blickwinkel man das betrachtet. Aber alles ist ordentlich gelagert! Da lege ich jetzt Wert drauf. Noch zwei Abfuhrtermine, dann sollte sich die Sache erledigt haben. Also in zwei Monaten…  wenn die Müllabfuhr nicht herumzickt.

Am Tag X wurde unsere Terrasse schließlich geentert. Man stellte fest, daß der Strandkorb sich bestimmt auch hervorragend bei uns machen würde, sah aber davon ab, ihn uns zu überlassen. Schade eigentlich. Von oben hingen zwei Seile herunter, welche mit fachmännischen Seemannsknoten an dem Strandkorb befestigt wurden. Ein Helfer erkundigte sich nach dem Namen des Knotens, welcher auch prompt von Herrn Knutsen genannt wurde. Ist ja nicht so, daß ich mich damit auskennen würde. Der Helfer auch nicht. Wir einigten uns darauf, daß wir so tun würden, als ob wir wüssten, wovon Herrn Knutsen da redet, während wir uns auch weiterhin unsere Schuhe mit einem schnöden Altweiberknoten zubinden werden.

Wie nicht anders zu erwarten, gestaltete sich die Aktion zu einem Happening für die halbe Nachbarschaft, die natürlich just an diesem Tag und zu dieser Uhrzeit wie auf Absprache ihre Fenster putzen musste.

Langsam hob sich der Korb an, während Marty sich an der Terrassentür fast die Nase plattdrückte. Meine hochverantwortungsvolle Aufgabe war es, mittels eines Besens dafür Sorge zu tragen, daß ein gewisser Abstand zur nächsten Balkonbrüstung gewahrt wurde, während die Herren von oben tatkräftig zogen und sich die ihnen zugehörigen Damen ihrerseits ab einem bestimmten Zeitpunkt dafür verantwortlich zeigten, auf die Einhaltung des gebührenden Sicherheitsabstandes zu allen möglichen Ecken und Kanten zu achten.

Beim finalen Wuchten des Ladegutes über die Balkonwände wurde schließlich auch noch Herr Kleinhüppgenreuther zwangsrekrutiert. Es scheint alles funktioniert zu haben, denn bis jetzt ist nichts auf unserer Terrasse aufgeschlagen, was ich wieder hätte zusammenkehren müssen.

Ob wir jetzt alle mal der Reihe nach eine Stunde in dem Strandkorb probesitzen dürfen?





Kommentare:

  1. Oh, die Idee mit dem Strandkorb gefällt mir sehr gut, auch wenn die Terrasse klein ist.
    Es freut mich, dass es euch mit vereinten Kräften gelungen ist, dem Herrn Knutsen Hilfe
    zu leisten. Ach Probesitzen, dann kommst du höchstens auf den Geschmack und wie willst dann
    du das Ding auf deiner Terrasse positionieren?
    LG und einen tollen Wochenbeginn.
    Sadie

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    1. Ich würde ihn jedenfalls nehmen. Auch wenn ich dann wahrscheinlich keine Nacht mehr ruhig schlafen kann in der Befürchtung, daß er geklaut werden könnte.

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  2. Was sich manche Leute nicht alles einfallen lassen, um ihre Nachbarn ein wenig zu unterhalten! ;-)

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  3. Es wäre doch möglich, das der Herr Nachbar noch 1 bis 2 Schippen feinsten Sand vor seinem Korb verteilt. Aber keine Angst, sollte er wirklich auf diese Idee kommen - Sand gibt es fein abgepackt in 25 Kg Säckchen.
    Was für dich nur heissen kann: Er könnte dich zum tragen gebrauchen, nicht aber deinen Balkon.

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    1. Eine bedrohliche Option. Ich glaube, ich habe Rücken.

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