Samstag, 31. Mai 2014

Papiermüll

Es war ein Urlaubstag wie viele andere auch. Die zweitbeste Ehefrau von allen war aushäusig, während ich mich den haushaltsüblichen Tätigkeiten widmete. Unter anderem bereitete ich den noch nach draußen zu befördernden Müll vor. Das Wetter war nicht von der Sorte, welche den durchschnittlichen Mitteleuropäer dazu zwingen würde, sich mit einem Übermaß an Sonnencreme zu versorgen. Im Gegenteil, es wehte ein relativ kräftiger Wind, welcher mit mehr als nur vereinzelten Wassertropfen durchsetzt war. Eine gute Gelegenheit, das Haus zu verlassen, ohne daß ich mich dem Risiko aussetzen müsste, jemanden zu begegnen.

So schnappte ich mir die erste Ladung meines Mülls, schön sortiert nach Wertstofftonne, Restmülltonne und Biotonne. Vor dem Haus konnte ich unseren Postboten sehen, während er in seinem Wagen herumkramte. Wir nannten uns, höflich wie wir nun mal sind, gegenseitig die Tageszeit und gingen danach weiterhin unseren bereits begonnenen Aktivitäten nach.

Wieder in der Wohnung schnappte ich mir als nächste Ladung den Papiermüll. Der hier zugehörige Mülleimer steht hinter dem Haus, weswegen ich das überschüssige Papier nur nach Ansammlung größerer Chargen wegbringe. Denn der Weg bietet eine höhere Wahrscheinlichkeit, auf gesprächsbereite Menschen, insbesondere aber auf Frau Kleinhüppgenreuther zu treffen. Doch wie gesagt, das Wetter war auf meiner Seite. Tatsächlich traf ich auf niemanden, bis unser Postbote auf seinem Rückweg zum Wagen bei mir vorbeikam.

„So, da habe ich auch noch was für den Herrn Paterfelis.“

Ich nahm ihm eine größere Menge Papier ab und warf einen schnellen Blick darüber. „Wäre ja ziemlich blöd für Sie, wenn ich das jetzt direkt in den Papiermüll schmeiße, oder?!“ grinste ich ihn an. Die erste mentale Barriere war ja schon überwunden, so daß ich das hinbekam.

„Nö, machen Sie das mal nicht, Herr Paterfelis. Ist nicht nur Werbung.“

Ich schaute mir den Stapel genauer an und – tatsächlich! Zwischen den Unmengen an Werbebriefen und Prospekten befand sich wahrhaftig etwas Werbefreies, bei dem es Sinn gemacht hat, eine Briefmarke zu opfern.

Unfassbar.



Freitag, 30. Mai 2014

Alle Neune

Katzen sind ja doch irgendwie anders als Menschen. Interessant werden die Dinge für sie mitunter erst oder wieder, wenn sie an einem anderen Platz stehen. Oder mal für ein paar Wochen verschwunden waren. So wie unser Katzentunnel.

Ein Katzentunnel ist eine flexible Röhre aus einem Plastikmaterial. Dieses Plastikmaterial sorgt für ein markantes Rascheln, wenn katze durch die Röhre marschiert oder auf selbige einprügelt.




Das finden sie interessant.

Nun habe ich einen solchen Tunnel aus unserem Fundus ausgegraben und auf den Boden gelegt. Lilly und Smilla fanden ihn ausgesprochen unterhaltenswert. An einer Öffnung hängt ein kleiner Spielzeugfisch, den Lilly als unsere Kleinste gerne schnappt, indem sie ihn durch die gegenüberliegende Öffnung über die komplette Länge des Tunnels anspringt, während Smilla lieber mit den Pfoten auf dem Boden bleibt, um ihr Ziel zu erreichen.



Marty zeigte sich an Lillys Vorgehensweise sehr interessiert. Nach längeren Zeiträumen des einfachen Herumhantierens mit dem neuen Spielzeug wagte auch er den Sprungangriff. Dumm nur, daß er als Kater naturgemäß deutlich größer als Lilly ist. Irgendwie hat er es geschafft, sich so zu bewegen, daß Kopf, Schulter und Vorderpfoten aus dem Tunnel ragten, während der Rest seines Körpers im Tunnel festsaß. Nicht derart, daß er unbeweglich wurde, so groß ist er auch wieder nicht, aber es hat gereicht, daß er den Tunnel mit sich herumschleppte.

Aus unseren jeweiligen Augenwinkeln bemerkten die zweitbestehe Ehefrau von allen und ich ein schnelles Huschen den Flur hinunter, gefolgt von einem ordentlichen, aus einem Mix von sich unplanmäßig bewegenden Flaschen und Dosen erzeugten Scheppern. Ein zunächst verwirrter Kater stürmte die Treppe zum Metzelsaal Gartenzimmer hinab.

Folgendes Bild war vorzufinden:





Die Rekonstruktion des Ereignisses drängt nachstehende Vermutung auf:

Marty bemerkte, daß er aus welchen Gründen auch immer mit seinem Heck im Tunnel feststeckte. Das löste in ihm Panik ein gewisses Unbehagen. Also bewegte er sich im Wesentlichen unter Nutzung seiner Vorderbeine mit der ihm gerade schnellstmöglichen Geschwindigkeit aus dem Wohnzimmer in Richtung Flur, um den Tunnel abzuschütteln.

Dies wiederum hat natürlich einige katzenuntypische bewegungstechnische Ungenauigkeiten zur Folge hatte, die ihn dann ohne den zwischenzeitlich losgewordenen Tunnel mit voller Kraft auf einen im Flur zur Mitnahme bereitgestellten Stoffbeutel mit Pfandflaschen und -dosen aufschlagen ließ.



Kein Wunder, daß Marty anschließend eine gewisse Verstörung an den Tag legte.

Alle Neune, würde ich sagen.

Ich gehe dann mal den Kater betutteln.



Mittwoch, 28. Mai 2014

Gespannte Erwartung

Es kommt durchaus vor, daß sich bei uns nach Abschluss einer Mahlzeit Essensreste bilden. Meistens werden diese am nächsten Tag ihrer zweckentsprechenden Bestimmung zugeführt, aber eben nicht immer. Die moderne Technik hat schließlich dafür gesorgt, daß der nette Ehemann nicht jeden Tag zum Polarkreis laufen muß, um zwecks Haltbarmachung entsprechender Essensreste eine gewisse Menge Eis zu besorgen. Nein, wir haben einen Eisschrank. Einen von der Sorte, die man nicht mehr abtauen muß. Angeblich. 


Nein, die kleinen dunklen Flecken sind kein Schimmel, sondern Stellen ohne Reifschicht.


Der Eisschrank sieht das anders, aber er kann ja nicht lesen und weiß somit nicht, was in seiner Bedienungsanleitung steht

Wenn ich nun die Schublade des Eisschranks, in welcher fein säuberlich eingewuppert die Essensreste stehen, öffne, sieht das so aus:


Runde Behälter sind im Rahmen der Flächennutzung eindeutig suboptimal


Dem aufmerksamen Beobachter wird vermutlich entgangen sein, zumindest aber könnte er es erahnt haben, daß keiner der Behälter beschriftet ist.

Doof.

Ich kann mich noch nicht mal daran erinnern, was ich da so alles eingelagert habe. Außer einigen Resten von Hühner- bzw. Rindfleischsuppe. Und die erkenne ich auch in gefrorenem Zustand und kann sie entsprechend auseinanderhalten. Aber auch nur die.

Die zweitbeste Ehefrau von allen hat ja keine so überragende Lust auf ein Überraschungsessen. Ich hingegen bin das Risiko mal wieder eingegangen und habe mich für diesen Topf entschieden:


Irgendetwas zwischen pseudo-asiatisch, italienisch und mexikanisch


Wobei ich später immer noch nicht sicher gewesen bin, um was es sich jetzt genau gehandelt hat. Der Trend ging in Richtung Pseudo-China. War lecker.





Regentropfen

Die stete spätvormittägliche Heimsuchung durch Nadja blieb uns auch an jedem Mai-Tag, kurz vor Beginn meines Urlaubes, nicht erspart.

„Mandy, was machen wir heute Mittag?“

„Ich wollte mir hier drinnen etwas die Zeit vertreiben.“

„Ich will aber raus.“

„Dann geh doch.“

„Alleine?“

„Ja, du bist doch schon groß.“

„Du bist gemein.“

„Mach nur so weiter.“

„Gemein! Gemein! Gemein!“

„Regnen soll es! Damit du nass wirst. Jawohl!“

Mädchen…

So richtig Gemein wäre es doch erst gewesen, wenn ich auch gesagt hätte, daß sie ruhig auch alleine rausgehen soll.

Mai-Regen macht nämlich schön.




Dienstag, 27. Mai 2014

Hoch von droben

Knutsens, die über uns wohnenden Nachbarn, befinden sich jetzt seit zwei Wochen in ihrem alljährlichen Campingurlaub. Fünf Wochen sind dieses Mal angesagt. Ruheständler eben, da geht so etwas. Erfahrungsgemäß wird später im Jahr nochmal eine längere Abwesenheitszeit zustande kommen.

Man hatte uns angekündigt, daß die Wohnung  eine Woche lang von Freunden bewohnt werden wird. Diese sind vor einigen Tagen angekommen.

Es ist schon bemerkenswert, wie sich die gewohnte Klangfarbe im Haus in diesen Tagen verändert hat. Das Gepoltere und Gerummse ist nicht mehr schön.

Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich fragen uns regelmäßig, ob die da oben wohl die komplette Wohnung umräumen. Wie wir wissen, soll Knutsens Badezimmer in diesem Jahr umgebaut werden. Man denkt an das spätere Alter und will sich vorbereiten. Löbliche Sache.

Das werden doch wohl nicht die Freunde da oben gerade machen?  Kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen.

Wenn aber plötzlich eine ausrangierte Badewanne auf der Straße herumstehen sollte, dann weiß ich wenigstens, wo die herkommt.




Montag, 26. Mai 2014

Gut abgehangen

Gestern habe ich mir einen Faulen gemacht. Einfach abgehangen. Ein ganzer Tag, ohne etwas wirklich Sinnvolles zu tun. Da hatte ich schlichtweg keine Motivation zu. Selbst in der Küche lief es auf Sparflamme; Pellkartoffeln hat es gegeben. Zu mehr hat es nicht gereicht.

Das Problem an der Sache: Mich machen solche Tage einfach nur rattig. Den ganzen Tag herumsitzen und nichts tun (vor dem Fernseher abhängen ist gleichbedeutend mit nichts tun) ist einfach nichts für mich. Kann ich zwar, wenn auch mehr schlecht als recht, empfinde ich aber als unbefriedigend.

Es nervt.

Also ging es heute wieder zum Sport. Standardprogramm. Es lief ganz gut, bis ich beim Zirkeltraining an das Ende der ersten Runde kam. Und in einer Schweißwolke versank. Alter Schweiß. Nicht von mir; meine Klamotten waren frisch und ich hatte vorher geduscht. Mache ich hinterher auch nochmal.

Aber die Schweißwolke – ekelhaft.

In unserer Runde konnte ich niemanden entdecken, der um diese Uhrzeit nicht regelmäßig dabei wäre. Und ich konnte die Wolke auch niemandem eindeutig zuordnen. Wollte ich auch gar nicht. Egal, mir hat es gereicht. Der Mief hing einfach nur im Raum. Einen zweiten Durchgang habe ich mir nicht mehr angetan.

Schade eigentlich, denn körperlich wäre noch was drin gewesen, aber was zu viel ist, ist zu viel.

Als ich den Sporttempel verlassen hatte, hörte es gerade auf zu regnen. Der Geruch frischer, feuchter Erde und Gras hing jetzt in der wieder abgekühlten Luft.

Herrlich.




Sonntag, 25. Mai 2014

Handtuchtag 2014

Na wie gut, daß es mir gestern doch noch eingefallen ist:

Ich wünsche euch allen einen schönen Handtuchtag.




Stets begegne ich Menschen bzw. Typen, die so aussehen, als seien sie welche, die nicht wissen, warum es so immens wichtig sein kann, stets sein Handtuch griffbereit zu haben. Und die noch daran glauben, daß der Mensch als solches das intelligenteste Wesen auf diesem Planeten sei.

Irrwitzigerweise haben die auch keine Ahnung von der tieferen Bedeutung der Zahl 42 und absolut keine gescheite Idee darüber, wie man den Weltuntergang wirklich stilvoll begehen könnte.

Werte Nachfahren von Friseuren und Telefondesinfizierern: Keine Panik!

Dem kann abgeholfen werden!

Dem stillschweigenden Bildungsauftrag dieses Blogs folgend habe ich die Weiten des Internets bemüht und bin fündig geworden, so daß auch Personengruppen, welche Bücher nur zu rein dekorativen Zwecken ins Regal stellen, nicht unwissend zu Grunde gehen müssen.

Achtung, jetzt wird es festlich-förmlich:


Meine Damen und Herren,  

bitte setzen Sie sich mit ihrem Bademantel bekleidet entspannt auf ihr Lieblingssofa, vergessen Sie nicht Ihr Handtuch und genießen Sie die charmante BBC-Verfilmung der legendären ersten beiden der insgesamt fünf Bände der vierteiligen Trilogie Per Anhalter durch die Galaxis. Und vergessen sie diesen unlängst neuverfilmten Blödsinn, falls sie ihn in ihrem Glotzophon schon ansichtig geworden sein sollten. Sie konnten nichts dafür. Wirklich nicht. Sie wussten es einfach nicht besser. Ganz bestimmt.

Film ab.








 Und nun sehen Sie die Welt mit anderen Augen, oder?!



42





Samstag, 24. Mai 2014

Die Seuche

Ich hasse es. Ich hasse es. Ich hasse es.

Freitag habe ich bei Amazon bestellt. Premiumversand. Die Zustellung sollte heute sein. Über das nach dem Götterboten benannte Unternehmen. Ich bevorzuge ja die Zustellung mit DHL, konnte es mir aber nicht aussuchen.

Da ich den halben Tag alleine war, unterließ ich alles, was mich davon abhalten könnte, die Türklingel zu hören. Also kein Staubsaugen, kein Wäsche waschen, kein Bügeln in den hinteren Räumen des Souterrains, kein Hantieren in der Küche mit laufender Dunstabzugshaube. Nahezu durchgehend war ich zu Hause im Wohnzimmer. Noch nicht mal der Fernseher lief.

Gerade lese ich den Status auf Amazon, daß der Zusteller einen vergeblichen Zustellversuch unternommen haben will.

Jau, ist klar.

Drecksbande.

Ja, ich weiß, daß ich nicht der erste bin, dem das passiert. Und daß es ziemlich vom Boten abhängig ist, ob das läuft oder nicht. Und daß die Zusteller ganz arme Hunde sind, weiß ich auch. Die Verträge sowohl von diesem Unternehmen als auch den Mitbewerbern kenne ich schon von Amts wegen aus eigener Ansicht. Ich rege mich aber trotzdem auf. Nicht, weil die Zustellung nicht pünktlich da war. Sondern schlichtweg, weil gelogen wurde.




Grübel

Beim Auspacken der Sporttasche ergab sich dieses Bild:




Das erinnerte mich an was. Aber an was? Ich wollte doch noch...

Hmmm... Bald.




Freitag, 23. Mai 2014

Kleine Randbemerkung - Das dritte Geschlecht

Aus dem Protokoll eines Treffens unserer Führungsebene:

„Aus dem Assessmentcenter vom 7. April konnten drei neue Mitarbeiter für den Höheren Dienst gewonnen werden: ein Mann, eine Frau und ein interner Bewerber.“

Wie schön. Aber macht euch mal keine Gedanken, wir sind nicht alle so bei uns im Büro. Heute Morgen habe ich noch nachgesehen und konnte zu meiner großen Freude feststellen, daß ich geschlechtlich eindeutig zuzuordnen bin.




Donnerstag, 22. Mai 2014

Weiterhin Männerprobleme

Hach, es ist ja richtig lieb, wie sehr ihr euch in den Kommentaren zum vorherigen Post um eine Problemlösung bemüht. Da geht ja richtig die Post ab.

Leider war noch nichts dabei, was sich für mich umsetzen ließe. Weitere kreative Ideen sind also willkommen.




Männerprobleme

Jajaja, das Wetter wird wieder sommerlich. Man beachte den genervten Unterton. Die verschiedenen Wetteronkel und –tanten in den diversen Medien überschlagen sich vor Ekstase, die Moderatoren aller möglichen Sendungen können sich vor Glückseligkeit  kaum noch zusammenreißen, während meine Leidenszeit wieder beginnt. Doch ich will nicht über das Wetter meckern.

Das ist doch ein echtes Problemwetter. Abgesehen davon, daß mich eine Temperatur jenseits der 23 Grad fast aus den Socken haut und ich wieder einen nebeligen Herbst haben will. Oder einen trockenen, knackigen Winter. Aber das ist euch ja schon bekannt.

Dieses Mal geht es in meiner Mitteilung an die Welt um Probleme, die auch mit dem Wetter zusammenhängen, deren Lösung mir aber bislang noch kein Wetteronkel präsentieren konnte. Elementare Probleme. Da nützen auch kein Ventilator und keine wassergefüllte Fußwanne unter dem Tisch was. Noch nicht mal eine Klimaanlage. Die Lage ist ernst!

Es geht um Jacken. Na ja, zumindest indirekt. Also sekundär. Nachrangig. Quasi. Aber doch irgendwie.

Nun ist es ja schon früh morgens zu anständigen Uhrzeiten, konkret um 5.30 Uhr, so warm, daß es sich nicht lohnt, eine Jacke anzuziehen, wenn man das Haus verlässt, um zum Dienst für Volk, Vater- und Mutterland und für was auch immer – im Regelfall wegen schnöder Geldgier - anzutreten. Liebe Damenwelt, nicht aufschreien. Hier geht es um Männerprobleme. Frauen frieren immer. Immer. Immer. Dazu noch ausnahmslos und stetig.  Männer tendentiell seltener. Und deswegen benötigen sie aktuell keine Jacken mehr. Im Gegensatz zu Frauen. So meine Beobachtung.

Nun ist es ja so, daß der Mann als solches dazu neigt, in seiner Jacke zu wohnen. Und wie man das mit seiner Wohnung macht, wird darin alles gelagert, was man so besitzt benötigt. Männer aber besitzenbenötigen grundsätzlich weit weniger Dinge als Frauen. Weswegen Frauen auch keinesfalls auf ihre Handtasche verzichten können. Ich bin aber keine Frau und will keine Tasche mit mir herumschleppen. Keine große und auch keine kleine.  Also muß ich meine gesammelten BesitztümerPflichtutensilien irgendwie anders verstauen.

Was benötigt man(n) denn so? In meinem Fall wäre das meine Brieftasche, Hausschlüssel, eventuell Taschentücher und aus Alibigründen das Uralthandy. Passt theoretisch alles in die verschiedenen Hosentaschen, auch wenn es dann ziemlich scheiße weil ausgebeult aussieht. Stört nicht, ist praktisch. Und praktisch ist gut. Also sieht es doch wieder gut aus. Einfache männliche Logik.

Damit bleibt aber der Risikofaktor Brieftasche. Wohin mit dem guten Stück? In der Hosentasche ist sie einfach diebstahlgefährdet. Egal in welcher Hosentasche. Insbesondere als Nutzer von Bus und Bahn. Oder beim Einkaufen. Würde ich eine Jacke tragen, wäre sie sehr viel sicherer aufgehoben. Denn da habe ich meine gefürchtete Innentasche oben links mit Reißverschluss und Selbstschussanlage gegen unbefugtes Zugreifen. Ist aber bei dem Wetter keine Option.

Aus Sicherheitsgründen ein zweites Auto kaufen und damit wieder zur Arbeit zu fahren scheidet als Alternative auch aus. Denn das ändert nicht mein dargestelltes Problem, wenn ich mal einkaufe. Ich denke, das ist schlüssig.

Mit unserem im Carport vor sich hingammelnden Roller zu fahren ist es wie mit dem Alkohol, nämlich auch keine Lösung. Hat hier mal jemand bei diesem Wetter eine schwere Motorradjacke, Helm und Handschuhe getragen, während er an einer roten Ampel warten musste? Na? Da stehst du kurz vom Kollaps. Womit wir wieder beim Jackenproblem wären.

So, mein lieber freudestrahlender Schönwetteronkel, nun nenne mir da mal einen praktikablen Ausweg. Damit ich wenigstens einen kleinen Grund bekomme, vielleicht ein wenig zu frohlocken. Trotz der Temperaturen.

Es wäre wirklich sehr freundlich.





Mittwoch, 21. Mai 2014

Einschläge

Zumindest auf der Personalversammlung im LASA ist es üblich, zu Beginn der seit der letzten Personalversammlung verstorbenen Kolleginnen und Kollegen zu gedenken. Die Namen werden zwar auch im Intranet und in der Hauspostille veröffentlicht, aber diese Listen sind nicht immer aktuell oder es werden auch mal Namen vergessen. Außerdem sind sie da nicht so konzentriert aufgeführt.

Ich habe die Anzahl der vorgelesenen Namen mitgezählt. Es waren 14.

Und ich habe gezählt, wie viele von den Verstorbenen ich persönlich kannte.

Dies waren neun. Drei davon befanden sich noch im aktiven Dienst.

Die Einschläge kommen näher.



Dienstag, 20. Mai 2014

Ei Ei Ei...

Mandy und ich waren auf der diesjährigen Personalversammlung des LASA. Es handelte sich um eine unauffällige Veranstaltung ohne besondere Höhepunkte. Die Reden unserer Personalräte waren – im Gegensatz zu früheren Jahren, als ich noch selbst, wenn auch ohne eigenen Wortbeitrag, als Personalrat auf der Bühne saß – doch recht kurzweilig.

(Ja, klar. Der Soziophobiker war tatsächlich einst Personalrat. Das erzähle ich aber ein anderes Mal.)

Es näherte sich der Zeitpunkt, zu dem traditionell unser Geschäftsführer das Wort ergreifen sollte, um uns wieder zu erklären, daß wir eigentlich überbezahlt im Paradies arbeiten würden.

Mandy stieß mich von der Seite an und raunte mir etwas zu.

„Du, Paterfelis, hast du heute eigentlich deine Eier dabei?“

Ich sah kurz an mir runter.

„Ähm, Mandy, findest du nicht, daß wir das besser zu einer anderen Gelegenheit erörtern sollten?! – Autsch!“

Wie erkläre ich der zweitbesten Ehefrau von allen denn jetzt den blauen Fleck, den ich abends zweifellos am Oberarm haben werde?






Sonntag, 18. Mai 2014

Zu sicher gefühlt

Die Erfahrung, daß man sich einer Sache zu sicher sein kann und sie dann erst recht vermasselt, habe ich auch schon zu schülers Zeiten gewonnen. Anlässlich einer in der Tagesschau gezeigten Szene zu einem Bundesligaspiel wurde ich daran erinnert, daß mir vor zig Jahren Ähnliches widerfahren ist.

Im Sportunterricht war ich, wenn es darum ging, zwei Mannschaften zusammenzustellen, immer derjenige, der zuletzt ausgewählt wurde. Fast immer, denn gelegentlich war ich auch mal der Vorletzte. Außer wir haben Rugby gespielt. Da war ich aus mir vollkommen unverständlichen Gründen stets die erste Wahl. Ging es aber um Fußball, dann – siehe oben. Und natürlich wurde ich immer abkommandiert, um das Tor zu hüten. Mein Interesse daran war eher minimalistisch ausgeprägt. Dies umso mehr, als daß der Torwart stets derjenige war, der bei realistischer Betrachtungsweise für eine Niederlage verantwortlich sein würde, keinesfalls aber für einen eventuellen Sieg. Mit anderen Worten: Als Torwart konnte man nur verlieren.

Eine damalige Jungenfußballmannschaft bestand, sofern man nicht in einem Fußballverein spielte, üblicherweise lediglich aus zwei Spielerpositionen. Dies war zunächst die des Torwarts. Den Torwart gab es aber nur, weil die Regeln es vorgeschrieben haben. Freiwillig übernahm den Job keiner. Also wurde ich dazu bestimmt. Irgendwie waren dann alle anderen immer Stürmer. Und wer den Ball hatte, gab ihn natürlich freiwillig nicht mehr ab. Es sei denn, um auf das Tor zu schießen. Eine sehr – sagen wir mal - geradlinige Taktik.

Im Rahmen eines dieser verhassten Spiele kullerte der Ball auf mich zu. Anders kann man das nicht nennen. Natürlich war ich mir ausgesprochen sicher, diesen kullernden Ball aufhalten zu können, bevor er die Torlinie überqueren würde. Ich ging etwas in die Knie, hielt eine Hand in Bodenhöhe, damit der Ball da hineinrollen könnte und wartete ab. Ein eindrucksvoller Sturz Sprung in Richtung des Balls, um ihn dramatisch mit beiden Händen weitab vor der Linie abzufangen, erschien mir maßlos übertrieben und ziemlich uncool zu sein. Der Ball kam näher und näher, und schließlich war er über der Torlinie. Einfach so an mir vorbeigekullert.

Peinlich!

Nie ist ein Loch da, wenn man eines benötigt. Wirklich nie. Natürlich zeigte der Rest des Schultages mir gegenüber seine weniger freundliche Seite. Die in meiner Mannschaft befindlichen Mitschüler machten mir ihre Meinung über die so erbrachte Glanzleistung durchaus eindeutig klar. Dies aber nur rein verbal, denn eine Prügelei wagte niemand mit mir anzuzetteln. Auch meine Argumentation, man könne sich demnächst gerne selber im Tor positionieren, brachte nicht mal Ansatzweise eine Änderung der vorherrschenden Meinung. Meine Qualität als Torhüter schien jedoch trotzdem irgendwie unverändert anerkannt zu sein, denn wie sonst ließe es sich erklären, daß meine Spielposition beim nächsten Mal – na ja, ihr wisst schon wo war?!

Jedenfalls wurde ich weiterhin keiner der zehn Stürmer, die eine Fußballmannschaft eben so hatte.





Samstag, 17. Mai 2014

Szenen

Im Zusammenhang mit so einem gesellschaftlichen Großereignis wie den Besuch beim Kleinen Chinamann gibt es natürlich immer wieder Szenen, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen.


***


Durch verschiedene kurzfristige Absagen war die Zahl der Teilnehmer auf sechs Personen reduziert, so daß wir an einem Tisch entsprechender Größe Platz nahmen. Etwas eng, aber noch akzeptabel. Die Breite vom Ökoklaus und mir wurde durch die Schmalheit einiger Teilnehmerinnen wieder ausgeglichen.

Nach jedem vom Ökoklaus und mir eingenommenen Gang imitierte ich die Bewegung, die man ausführen würde, um mit einem Taschenmesser, wie man es zu so einer Gelegenheit natürlich immer zur Hand hat, eine Kerbe in die Tischplatte zu schneiden.

„Was machst du da?“

„Ich schneide für jeden Gang eine Kerbe in den Tisch.“

„Wie viele waren das beim letzten Mal?“

„14.“

„Ich fühle da aber nichts.“

„Wir waren ja auch noch nie an diesem Tisch und sind erst am Anfang.“

„Und wo ist der andere? Der vom letzten Mal?“

„Da hinten, in der Ecke. Nachdem wir fertig waren, konnte der nur noch als je ein Vierer- und ein Zweiertisch verwendet werden.“


***


„Ähm, Frl. Hasenclever, Sie wissen schon, daß das eine Gesundheitsveranstaltung wird, oder?!“

„Wie das?“

„Der Ökoklaus hat doch wieder Rücken.“

„Ja?“

„Bei mir zwickt es auch gerade.“

„Und?“

Der Ökoklaus schaltete sich in das Gespräch ein.

„Dann muß man sich viel bewegen.“

„Aha.“

„Ja. Immer wieder zum Buffet hingehen und mit vollem Teller zurückkommen. Als zusätzliche Belastung. So oft wie möglich.“

„Ihr macht mich fertig…“

Ja. Und zwar mit Begeisterung.


***


„Du, Paterfelis, wie wäre es jetzt mit ein paar Vitaminen?“

„Das würde zu unserer Gesundheitsveranstaltung passen.“

„Eben.“

„Es gibt Vitamine, die lassen sich vom menschlichen Körper nur mit Hilfe von Fett aufnehmen.“

„Gut, dann ignorieren wir den Obstteller und wenden uns direkt der Ananas im Backteig zu.“


***


„Ludwig?“

„Ja, Chef.“

„Ich finde es ja sehr löblich, daß du dem Ökoklaus und mir nacheiferst, indem du die Zeit, die der Koch für die Zubereitung der Mongolenteller benötigt, mit einer Zwischenmahlzeit überbrückst.“

„Nicht wahr?!“

„Aber so richtig scheinst du das noch nicht im Griff zu haben.“

„Echt?“

„Ja. Oder wie willst du mir sonst erklären, daß da hinten schon die Kellnerin mit deinem Teller voller Känguruhfleisch in Sicht ist, während du hier noch mit einer Lage Frühlingsrollen und jeweils einem Schüsselchen Peking- und Hühnersuppe kämpfst?“

„Ich bin noch jung und muß viel üben.“

Zweifellos. Und wie gut, daß auf der Fensterbank noch Platz war.


***


„Sag mal, Ludwig, wirst du in deinem Dorf jetzt eigentlich noch gesellschaftlich akzeptiert oder stehen die da schon mit den Mistgabeln und Pechfackeln bereit, wenn du nach Hause kommst?“

„Warum?“

„Du bist doch jetzt schon zum zweiten Mal in der großen Stadt beim Chinesen essen.“

„Ist nicht so schlimm, Chef. Einige bei uns haben schon einen Fernseher und wissen, um was es geht.“


***


Der Ökoklaus erschien am nächsten Morgen in meinem Büro.

„Du, Paterfelis, ich fühle mich wie Mittagspause.“

„???“

„Die edelste Pflicht eines Beamten ist es doch, zu verdauen.“

„Aha.“

„Ich bin immer noch dabei.“

„Ähm, ja, dann geh mal schön weiter deinen Verpflichtungen nach.“


***


Und nicht vergessen wollen wir die Erkenntnis, die eine lebenserfahrene weise Frau der zweitbesten Ehefrau von allen hat zukommen lassen:

„Das musst du mal beobachten: Der Ökoklaus und Paterfelis beim Buffet ist so wie zwei Jungs unter dem Weihnachtsbaum.“

Recht hat sie.





Freitag, 16. Mai 2014

Ach übrigens...

...dann wäre da noch dieses Überbleibsel von gestern:

 



Glückskekse mit der Weisheit ganzer Jahrtausende finde ich übrigens richtig toll. Ihr auch? Jedenfalls probiere ich das jetzt mal drei Wochen lang aus.





Donnerstag, 15. Mai 2014

Strahlemänner

Diesen Blogeintrag habe ich vorprogrammiert. Wenn sein Erscheinen nicht von mir unterbunden worden ist, befinden sich der Ökoklaus und meine Wenigkeit genau jetzt in Begleitung der üblichen Verdächtigen in dem wohlbekannten Restaurant Zum Kleinen Chinamann. Man hat befunden, daß es an der Zeit sei, das Restaurant mal wieder einem Stresstest zu unterziehen. Ist ja wichtig für alle Beteiligten. Der Ernstfall kann schließlich jederzeit eintreten, nicht wahr?!

Und nein, ich war nicht der Initiator. Sondern der Ökoklaus. Er hatte das Bedürfnis, mal wieder strahlen zu können. Lang und mit festen Inhalten. Dazu muß er gewisse Körperbestandteile zunächst aufmunitionieren. Wir wollten ihn dabei nicht alleine lassen.

Der kundige Leser wird bemerkt haben, daß wir das unappetitliche Wort mit k am Anfang und otzen am Ende nicht mehr verwenden. Natürlich nicht. Es soll ja niemand sagen, daß wir immer so negativ sind. Also sind wir jetzt positiv. Und strahlen, was das Zeug hält. Lang und fest. Und das neue Codewort für den Restaurantbesuch lautet somit strahlen gehen.

Mein Bedürfnis dazu war ausnahmsweise mal nicht übertrieben ausgeprägt. Eine Rekordjagd wird es darum wohl auch kaum geben. Muß schließlich nicht jedes Mal so sein. Aber ein wenig geht immer.

Allerdings besteht die Möglichkeit, daß sich meine entsprechende Grundhaltung bis zur Veröffentlichung dieses Eintrages noch ändern wird. Nach dem Stand zum Zeitpunkt, an dem ich diese Worte geschrieben habe, sieht es so aus, daß ich heute (also Donnerstag) an einem unangenehmen Gespräch beteiligt gewesen sein werde. Unangenehm für mich, folgenschwer für den Gesprächspartner. Und das kaum zu seinem Vorteil. Es gehört zu meinem Job. Danach dürfte mir wahrscheinlich auch nach strahlen zumute sein.

In diesem Sinne: Mahlzeit.




Mittwoch, 14. Mai 2014

Gruß aus der Hölle: Kokos-Schokoladenriegel

Irgendwann kurz nachdem ich einkaufen war, vermutlich am 2. Mai, abends:

Die zweitbeste Ehefrau von allen ließ mir einen wirklich absolut dezenten Wink zukommen. Kaum wahrzunehmen. Aber ich bin ja ein aufmerksamer Bursche. Während wir im Wohnzimmer so herumsaßen, wie wir nun mal im Wohnzimmer herumsitzen, wenn wir nichts Besseres zu tun haben, riss mich folgender Satz aus meinen Gedanken:

„Ich weiß, was du mir zum Geburtstag schenken kannst.“

Wehe, wehe, wenn ich auf – ach, besser nicht.

Wir schenken uns bekanntlich nichts. Nicht zum Geburtstag, nicht zu Weihnachten und auch nicht zu allen anderen Tagen, welche die Geschenke- und Werbeindustrie zu Jetzmüsstihreuchaberunbedingtwasschenkentagen bestimmt hat. Das klappt seit Jahren weitgehend gut. Und jetzt das?

Meine Angetraute schickte mir eine Datei auf den Desktop. Ein Rezept. Bounty-Riegel. Zum Selbermachen. Ich schaute es mir kurz an, brummte ein gelangweiltes „Na ja, das kriege ich vielleicht hin.“ und hakte das Thema damit demonstrativ ab.

Die Herausforderung: Zutaten besorgen. Und zwar heimlich. Ich wollte nicht offenkundig dafür einkaufen, sondern zumindest eine winzig kleine Restunsicherheit bei meiner Angetrauten offen lassen, ob ich denn auch an diese Schokoladenriegel denken würde.

Es wäre ja nun überhaupt kein Problem gewesen, mal im Rahmen meiner Einkaufsrunde das benötigte Material zu besorgen. Dummerweise ergab es sich ausgerechnet jetzt umständehalber, daß ich keine planmäßige Gelegenheit mehr haben sollte, unbegleitet einkaufen gehen zu können. Dabei war alles, was ich brauchte, eine Packung Kokosflocken. Eine einzelne 200 g-Packung. Na ja, vielleicht auch zwei. Für den Notfall. Mehr aber nicht. Alles andere war vorrätig. Die Zubereitung musste ja auch an einem Tag möglichst kurz vor ihrem Geburtstag erledigt werden, an dem ich zweckmäßigerweise alleine zu Hause war. Im gesamten organisatorisch geplanten Wochenablauf bot sich nur die Option, am Samstag, nachdem meine Angetraute zu ihren Terminen wieder aushäusig weilte, eben zum Händler zu laufen.


Donnerstag:

Gut, das konnte ich mir dann doch ersparen. Man erinnert sich vielleicht, daß ich dann doch außer der Reihe Balduin zur Verfügung hatte und mit diesem eine kleine Extratour unternahm. Bei der Gelegenheit war es mir auch möglich, das Begehrte käuflich zu erwerben und ins Haus zu schmuggeln.


Samstag:

Am späten Vormittag, nachdem ich für etwas Ordnung gesorgt, die gut versteckte Katzenkotze entfernt und meine Angetraute das Haus planmäßig verlassen hatte, begann ich mit den Arbeiten. Das Rezept sah vor, zwei Esslöffel Zucker, 200 ml Sahne und 60 g Butter in einem Topf zu erhitzen. Man könne aber auch 100 ml Sahne und 100 ml Kokosmilch verwenden. Oder 200 ml Kokosmilch, dafür aber keine Sahne. Kokosmilch hatte ich aber nur in einer 400 ml-Dose, Sahne in der 200 ml-Packung. Außerdem wollte ich keine größere Menge herstellen, da ich sehr schlecht abschätzen konnte, was sich so für ein Volumen aus der fertigen Masse ergibt. Zumal meine Angetraute das Endprodukt wohl alleine verzehren müssen wird, da ich mich für Bountys – mit einer Ausnahme  - noch nie so erwärmen konnte. Und ich nicht weiß, wie lange sich das alles so halten wird.

Da ich mit den eventuellen Resten an Kokosmilch und Sahne aktuell nichts anfangen konnte, entschied ich mich für die Variante mit 200 ml Sahne. Gegen meine innere Überzeugung; ich hätte gerne die Kokosmilch verwendet. Aber für den ersten Versuch muß das reichen. Später kann man ja nochmal variieren.

Gerade als ich den Topf aufsetzen wollte sah ich, daß der Postbote in der Gegend war. Verdammte Hacke, wenn ich jetzt in der Küche die Dunstabzugshaube anmache, höre ich sein Klingeln nicht. Denn es wurde ein Paket erwartet. Also Geduld bewaren, bis er unsere Gegend versorgt hat. Die Zeit verging. Nach einer gefühlten Ewigkeit hörte ich das Klappern an den Briefkästen unseres Hauses. Kein Klingeln. Weg war er. Und die Zeit auch. Mist.

So erhitzte ich die ersten Bestandteile des späteren Riegelkerns und ließ, nachdem sich der Zucker aufgelöst und ich den Topf vom imaginären Herdfeuer genommen hatte, die Kokosflocken in den Topf rieseln. Alles schön verrühren. Zack, kein Problem. Fertig. Anschließend gab ich die Masse auf ein größeres Schneidebrett und formte ein Rechteck mit einer Teigdicke von 15 bis 20 mm. Auch sehr einfach. Ab damit in den Kühlschrank, damit die Masse sich abkühlt und fester wird.

Nach zwei Stunden holte ich das Brett wieder vor und schnitt den Teig in einzelne Stücke, die zumindest annähernd in ihrer Form und Größe an einen kleineren Schokoriegel erinnern sollten. Hat nicht immer geklappt, es entstanden auch Quadrate, Rauten und sonstige unregelmäßige Formen, für die auch die moderne Geometrie des dritten Jahrtausends noch keinen mir bekannten Namen gefunden hat. Aber egal, passt schon.


Das geplante Innere der Kokosriegel - hier nur die hübschen Stücke

Nun galt es, 300 g Schokolade zu schmelzen. Das Rezept hat empfohlen, 300 g Vollmilchschokolade zu verwenden, leckererweise aber als Option angegeben, Vollmich- und Zartbitterschokolade in einem nicht genannten Verhältnis zu mischen. Zartbitterschokolade ist hier ein Risikoprodukt, da meine Angetraute auf Bitterstoffe etwas empfindlich reagiert. Also blieb nur Vollmilchschokolade. Wir hatten noch Kuvertüre sowie Schokoladentafeln auf Halde liegen. Die Kuvertüre würde eine zu große Menge ergeben, also empfahl es sich, die Schokoladentafeln zu verwenden. Ich stellte alles für den Schmelzvorgang im Wasserbad bereit. Und das Elend begann.


Problem 1: der Zeitfaktor

Ich kann samstags nicht genau in meine Planungen einbeziehen, wann meine Angetraute nach Hause kommt. Es gibt nur die groben Richtungen früh und spät. Im ersten Fall bedeutet dies eine zu erwartende Ankunftszeit am frühen Nachmittag. Im zweiten Fall irgendetwas zwischen 16 und 18 Uhr, mit der Option der Ausweitung in alle Richtungen, je nachdem was ansteht. Es war spät angesetzt, was mich unter Berücksichtigung einer unerwartet frühen Heimkehr doch etwas unter Druck setzte. Sollte aber passen, wenn nicht…


Problem 2: die Schokolade

…aufgetreten wäre. Kann mir bitte jemand verraten, wie gewöhnliche Schokolade heute behandelt wird? Ich zerbrach die erste Tafel in kleine Stücke und gab einige Teile davon in den im heißen Wasser badenden Topf. Ja meint ihr etwa, das Zeug wollte sich verflüssigen? Zum Verrecken nicht. Die Konsistenz wurde zwar weich - aber von Verflüssigung ergab sich keine Spur. Auch nicht nach über einer halben Stunde im Wasserbad. Und weiterhin nicht, nachdem ich einen Schluck Milch hinzugegeben hatte. Jedes einzelne dieser drecksverdammten Schokoladenstücke blieb annähernd formstabil. Mir begann die Zeit davonzurennen.

Also entfernte ich die Schokolade aus dem Topf und begann von vorne. Dieses Mal mit der Kuvertüre, die auch recht zügig erste Verflüssigungstendenzen erkennen ließ. Nachdem ein Teil geschmolzen war erkannte ich messerscharf, daß ich den zweiten Block doch auf jeden Fall benötigen würde. Unter Berücksichtigung des Umstandes, daß ich die Kokosmasse überziehen, abkühlen lassen und danach für meine Angetraute unsichtbar lagern müsste, brach ich mein Vorhaben ab, sicherte alle Zutaten so gut es ging und versteckte diese an einem aus meiner Sicht sicheren Ort. Sonntag würde ich voraussichtlich nochmal die Gelegenheit bekommen, still und ungestört weiterzumachen. Hoffentlich vermisst meine Angetraute den Halbkugeltopf heute nicht.

Ich sollte Recht bekommen, denn kaum hatte ich alle Spuren meines Wirkens beseitigt und damit begonnen die Wäsche aufzuhängen, holte mich das Klingeln des Telefons nach oben. Meine Angetraute kündigte ihre baldige Ankunft an. Gut. Ich begab mich wieder nach unten, nur um von einem neuerlichen Klingeln wieder nach oben gerufen zu werden. Meine Angetraute – allerdings kam die Verbindung nicht zustande. Auch ein Rückruf meinerseits verblieb ohne Erfolg. Also begab ich mich erneut an das Wäscheaufhängen, stolperte dabei über den wie üblich schmusebedürftigen Kater, brüllte ihn und die ebenfalls wie üblich daneben stehende Lilly  - es trifft eben auch immer die Unschuldigen - gereizt wie ich war eben an und schloss das Kapitel „einen schönen Samstag gehabt zu haben“ endgültig ab.


Sonntag:

An dem Tag war ich ohnehin schon schlecht zurecht. Andauernde Kopfschmerzen sowie ein gewisser Grad der Übermüdung ließen mich erahnen, daß der Tag nicht zu einer reinen Freude für mich werden würde.

Unmittelbar nachdem die zweitbeste Ehefrau von allen zum Training aufgebrochen war, holte ich die versteckten Utensilien und begann einen erneuten Versuch, die Schokolade zum Schmelzen zu bringen. Ich kürze die Sache einfach ab, indem ich sage, daß das mit den Resten von Samstag zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis führte. Die Kuvertüre wurde grisselig. Mit anderen Worten: Sie war verbrannt.

Einen Versuch hatte ich noch. Ich suchte den letzten Block Kuvertüre raus, reinigte den Halbkugeltopf für das Wasserbad und begann erneut. Getreu dem Motto „Lirum, larum, Löffelstiel, wer nicht rührt, der kriegt nicht viel.“ schmolz ich die Zutat meiner letzten Chance ein, was soweit auch ganz gut funktionierte. Sie war jedoch nicht flüssig genug, um die geplante Weiterverarbeitung zu ermöglichen. Mit einem Schuss Milch versuchte ich, Abhilfe zu schaffen.

Den Angaben des Rezepts folgend nahm ich einen Riegel der Kokosmasse auf und legte diesen dann in die geschmolzene Kuvertüre. Theoretisch sollte diese unter dem Riegel kleben bleiben. Tat sie aber nicht. Ich hob den Riegel etwas und ließ mittels eines warmen Holzlöffels Kuvertüre darüber laufen. Wie das Rezept, so der Plan. Und? Die Konsistenz der Kuvertüre war immer noch nicht flüssig genug. Ich begann, die Creme vorsichtig auf dem Riegel zu verstreichen, doch durch die Wärme wurde dieser instabil und zerbrach. Einen weiteren Riegel versuchte ich noch, ohne Streichversuch mit der Kuvertüre zu überziehen, doch auch dieser zerbröselte in seine Bestandteile.


Opfer in Kuvertüre-Creme

Einen dritten Versuch würde es nicht geben, denn schon zeigte die geschmolzene Masse wieder Verbrennungserscheinungen.

Aus und vorbei, das war es. Ich mag nicht mehr.


Dienstag:

Ich werde von der zweitbesten Ehefrau von allen gefrag, ob ich denn schon alles für ihr Geburtstagsgeschenk fertig habe.Ob das reicht, was auf dem Foto zu sehen ist? *schluck*


Das Bild spricht für sich


Mittwoch:

Nachdem meine Angetraute und ich nach einer waghalsigen Verfolgungsjagd durch mehrere Städte, welche unter Zuhilfenahme von Bahn und Bus erfolgte, das auf mich gehetzte Killerprächen am Bad Hustener Hauptbahnhof zur Strecke gebracht haben, konnten wir deren Überreste und unsere Spuren mit Hilfe eines Einwegfeuerzeuges beseitigen. Da wir Nichtraucher sind, haben wir selten Feuerzeuge dabei. Dieses fanden wir in dem Schrank, der zufällig in den Katakomben des Hauptbahnhofes herumstand und welcher verdächtig unserem Esszimmerschrank ähnelte.

Ich wachte auf. 1.34 Uhr. Der Geburtstag meiner Angetrauten. Im Wohnzimmer brannte Licht; sie war noch wach. Gut, eine Gelegenheit, sie heute zu sehen, denn die nächste Gelegenheit dazu wäre erst wieder Donnerstagabend. Geplant hatte ich eigentlich, ihr das Präsent auf dem Tisch zu hinterlassen und zur näheren Erläuterung auf diesen vorprogrammierten Eintrag zu verweisen.

Vorsichtig zog ich meine Beine unter Lilly und Marty hervor, die oberhalb der Bettdecke auf meinen Füßen lagen. Aneinandergekuschelt. Ein seltener Anblick, Lilly mußte im Tiefschlaf sein und das nicht mitbekommen haben. Ich holte meine Behälter mit den besch...eidenen Produktionsergebnissen und tappte vollkommen gerädert - eine längere Flucht ist anstrengend - ins Wohnzimmer. So überreichte ich meine Geburtstagsgabe.

Meine Angetraute zeigte sich trotz allem hocherfreut über das dennoch leckere Ergebnis und erinnerte mich daran, daß sie doch am liebsten die Inhalte der Bounty-Riegel essen würde. Auch ohne Schokolade.

Und die waren mir schießlich gelungen.

Alle Gute zum Geburtstag.



PS: Sollte einer meiner Leser heute einem stattlich gewachsenem Zombie mit Vollbart begegnen, so könnte ich das sein. Zu spät ins Bett, nächtliche Verfolgungsjagden und ein unterbrochener Schlaf ließen mich derart mutieren, daß ich nunmehr auf dem Zahnfleisch unterwegs bin.

Tretet mir nicht auf die Zunge. 

Danke.






Dienstag, 13. Mai 2014

Alles doppelt

Unser Ökoklaus brillierte mit einer nahezu genialen Erkenntnis.

„Du, ich habe doch zwei Hände.“

Ist es denn die Möglichkeit?

„Und auch zwei Augen.“

Ich fasse es nicht.

„Dazu auch noch zwei Gehirnhälften.“

Ich beginne, mir Sorgen zu machen.

„Da könnte ich doch doppelt so schnell arbeiten, wenn ich auch zwei PCs hätte. Jeden bediene ich mit einer Hand, schaue pro Auge in eine Akte und verarbeite alles mit jeweils einer der beiden Gehirnhälften.“

Jetzt mach ich mir nicht nur Sorgen. Ich mache mir große Sorgen.

Irgendwie hat er wieder zu viele von seinen holländischen Keksen gegessen. Wer weiß, was die in dem Coffeeshop wieder mit verarbeitet haben.

„Und wenn ich dann doppelt so schnell bin, bekomme ich auch doppeltes Gehalt.“

Zeit zum Eingreifen.

„Nein, bekommst du nicht.“

„Warum nicht?“

„Du bist Beamter.“

„Ja. Eine aussterbende Art, welcher man besondere Pflege angedeihen lassen sollte.“

„Na ja. Jedenfalls bist du als Beamter doch immer im Dienst.“

„Ja, natürlich.“

„Und bekommst dein monatliches Gehalt für ebenfalls einen Monat treuer Diensterfüllung.“

„Ja.“

„Siehst du. Da man in einem Monat nur maximal einen Monat lang arbeiten kann, ist kein Platz mehr vorhanden. Also gibt es auch kein doppeltes Gehalt.“

„Oh. Stimmt. Dann eben nicht.“

Kann ihm bitte mal jemand seine Kekse wegnehmen?!




Montag, 12. Mai 2014

Wo Licht ist, da ist auch Schatten

Nun ist es also doch endlich mal geschehen: Wir bekommen zusätzliches Personal. Und sogar relativ viel. Wie vorab von mir befürchtet hat die Sache auch ein paar ganz massive Haken. Doch dazu will ich mich hier jetzt nicht auslassen, es sind zu viele Interna damit verbunden. Eines aber steht fest: Der Rest des Jahres wird für mich wohl von Amts wegen wieder eine sehr durchwachsene Sache werden. Was wäre es schön, einfach mal nur normal arbeiten zu können. Ohne zwingend erforderliche Extratouren und Mehrbelastung über ein normales Maß hinaus. Doch sei es drum.

Um aber mal zu verdeutlichen, was entsprechende Ankündigungen und Zusagen aus Bad Husten bedeuten können, greife ich auf eine ältere Geschichte zurück.

Es war ein heißer Sommertag vor einigen Jahren. Unser Geschäftsführer war auf seiner jährlichen Besuchstour zu den verschiedenen LASA-Außenstellen unseres Bundeslandes. Man muß sich ja mal bei dem Volk blicken lassen.

Wir hatten seinerzeit bereits die gleichen Probleme mit den Arbeitsmengen wie heute und planten, dies mit unserem Geschäftsführer in einem persönlichen Gespräch zu erörtern, denn bei uns ging nichts mehr. Weder vor noch zurück. Unser Ausstoß an entschiedenen Anträgen war nicht zu beanstanden, doch es ging immer mehr Nachschub ein als wir loswerden konnten. Eine unhaltbare Situation.

Ich selbst kam erst später zu dieser kleinen Konferenz hinzu, da ich zuvor meinerseits wegen einer Routinebesprechung in Bad Husten zu tun hatte. So betrat ich zu vorgerückter Stunde den viel zu kleinen und nicht nur wegen der hohen Außentemperaturen überhitzten Raum. Unser Geschäftsführer hatte sich sogar seines Sakkos und der Krawatte entledigt. Die Stimmung aber war erstaunlich gut, wenn man berücksichtigt, wie sehr meine Kollegen im Vorfeld auf Krawall gebürstet waren. Sehr gut, mit dummen Pöbeleien kommt man nicht weiter.

Meine Ankunft war gerade noch rechtzeitig, um mitzubekommen, wie uns folgendes versprochen wurde:

„Sie erhalten drei erfahrene Mitarbeiter: zwei erfahrene Assistenten aus der Außenstelle in Groten (quasi in der Nachbarstadt) sowie einen Sachbearbeiter.“

Das war doch mal eine Ansage!

Natürlich dauert so eine Um- und Versetzung seine Zeit, wir befinden uns ja in öffentlichen Diensten. Da geht das alles nicht so schnell. Aber dann war es soweit, neues Personal stand auf der Matte.

Zwei Personen. Nicht drei.

Zwei erfahrene Personen. Aber nicht erfahren in unserem Fachbereich.

Die Assistentin war zuvor im Fachbereich Unmittelbare Kundenbetreuung beschäftigt und hatte die Sachbearbeitung schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Sie musst erst eingearbeitet werden. Immerhin aber waren Grundlagen vorhanden, auf denen man aufbauen konnte.

Die Sachbearbeiterin kam gar nicht aus der benachbarten Stadt. Sondern aus einer Stadt und der dortigen Außenstelle, welche mal eben 70 km entfernt war. Und sie war zwar Sachbearbeiterin, hatte aber gerade erst ihre Fortbildungsprüfung bestanden. Ihre vorherige Tätigkeit als Assistentin hatte sie in einem Bereich ausgeübt, der mit unserem so rein gar nichts zu tun hat. Mit anderen Worten: Ihre Berufserfahrung war – was uns betrifft – voll für den Arsch nicht mal ansatzweise zu gebrauchen. Also musste auch sie eingearbeitet werden. Von Null an. Die unbestrittene Erfahrung sagt, daß Kollegen, die frisch von ihrer Prüfung kommen, mindestens ein Jahr benötigen, bis sie selbständig arbeiten können. Und ein weiteres Jahr, bis sie in dem, was sie tun, auch halbwegs sicher sind. Die haben dann wenigstens noch zeitnahe Erinnerungen an ihre praktische Ausbildung. Ausreißer nach oben und unten gibt es immer wieder, das ist klar. Diese Kollegin war aber seit zehn Jahren aus ihrer Erstausbildung raus. Und in der Fortbildung lernt man nichts, was mit der praktischen Arbeit zu tun hat.

Nun ja, man muß es wohl als Investition in die Zukunft sehen. Diesen Standpunkt habe ich schon immer vertreten und daher stets versucht, trotz der darüber hinausgehenden Zusatzbelastungen alles in die Ausbildung und Einarbeitung meiner jungen Kollegen zu investieren, was möglich war. Ideal wäre noch mehr gewesen, aber wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, dann funktioniert das eben nicht. Es gibt sicherlich niemanden, der dies mehr bedauert als ich selbst, denn ich habe da einen hohen Anspruch an mich.

Im Gespräch mit der neuen Sachbearbeiterin stellte sich dann heraus, daß es nie vorgesehen war, daß sie bei uns bleiben würde. Sie solle uns nur für sechs bis neun Monate unterstützen, um anschließend in ihrer eigentlichen Außenstelle als Sachbearbeiterin eingesetzt zu werden. Und zwar in dem Fachbereich, in dem wir sie hier vor Ort einarbeiten würden. Mit anderen Worten: Wir sollten die zeit- und arbeitsaufwendige Einarbeitung für diese andere Außenstelle machen! Eine Hilfe würde die junge Kollegin uns in der fraglichen Zeit keineswegs sein, eher eine weitere Belastung.

Nach so einem Schlag ins Gesicht wandten wir uns schriftlich an unseren Geschäftsführer in Bad Husten, erinnerten an sein Versprechen und zeigten auf, was daraus geworden war. Die Antwort fiel erwartungsgemäß aus: Ihr wolltet Personal und ihr habt Personal bekommen. Und jetzt haltet endlich die Schnauze.

Natürlich waren die Worte etwas gefälliger gewählt. Die Kernaussage bleibt jedoch unverändert.

Der Umstand, daß sich die Zusammenarbeit mit unseren neuen Kolleginnen sehr angenehm gestaltete, tröstet jedoch nur wenig darüber hinweg, dermaßen verarscht worden zu sein. Nicht zum ersten Mal. Und auch nicht zum letzten Mal.

Diese Erfahrung macht unser heutiger Dr. Strebsinger gerade, wenn auch nicht in diesem Extrem. Wir hatten ihn nach seinem Dienstantritt bei uns vorgewarnt.

Er wollte es nicht hören. Die Vergangenheit interessierte ihn nicht.

Irgendwann wird er jedoch soweit sein.  Ganz bestimmt. Denn die Gegenwart erklärt sich nur aus der Vergangenheit. Und diese ist wiederum die Grundlage der Zukunft.

Und dann wird er endlich verstehen, warum sich nicht einfach alles per Anordnung auf Null setzen lässt, um mit voller Kraft einen neuen Start anzugehen.





Samstag, 10. Mai 2014

Och nö

Lilly ist immer noch in ihrer Nassfutterphase. Das bedeutet nicht, daß sie kein Trockenfutter frisst. Aber sie ist dann immer wirklich sehr wählerisch, was die Auswahl angeht. Das hat sie immer mal wieder. Und das geht auch vorüber. In ein paar Wochen. Oder Monaten. Oder so.

Heute Morgen hat sie mich wieder aus dem Bett gejagt. Obwohl – eigentlich doch nicht. Nicht direkt jedenfalls. Sie hat Smilla durch die Gegend gehetzt. Und mich dabei wiederholt als Sprungbrett benutzt, bis ich richtig wach war. Dann ist sie – nachdem monatelang Ruhe war – unsere an der Schlafzimmerwand hängende Installation, ein stoffbezogenes Brett (sieht besser aus, als es sich anhört) hinaufgeklettert. Das darf sie nicht. Und sie weiß es. Sie weiß es ganz genau.

Nachdem ich das sehr markante Geräusch vernommen und mich im Bett entsprechend herumgedreht habe, um die Wasserpistole in die Hand zu bekommen, war das Fellbündel schon wieder springenderweise auf dem Weg nach unten. Zwei Meter tief, mit einem gewaltigen Satz verbunden.

Ja, ich hatte verstanden. Madame zeigte sich quengelig, weil der Nassfutternapf leer war. Da will man einmal länger liegen bleiben…

Also aufstehen. Ich schloss die Tür zum Mädchenzimmer, damit ich meine Angetraute nicht durch mein Rumoren wecken würde. Wie jeden Morgen. Lilly und Smilla jagten sich nun abwechselnd. Smilla kam im Sturmlauf aus dem Wohnzimmer gerannt, bemerkte die nun geschlossene Tür und versuchte eine Notbremsung. Reifen Pfoten schlitterten über die für sie glatten Bodenfliesen. Sie wollte seitlich ausweichen, ihr Körper machte die entsprechende Drehung, aber der Schwung sorgte dafür, daß die allgemeine Bewegungsrichtung weitgehend unverändert blieb. Die Tür bremste sie. Das halten sie aus. Die Tür und die Katzen. Jahrelange Erfahrung. Das war bei Sally, Lucy und Miss Daisy schon in meiner alten Wohnung nicht anders. Irgendwann hatten sie den Trick raus und schafften den Powerslide. Oder nahmen die Wand als Steilkurve. Da gab es unglaubliche Szenen…

Weitermachen, Napf auffüllen, Napf hinstellen. Smilla und Lilly stürzten sich direkt auf die Vernichtungsarbeit. War ja egal, daß auch noch Trockenfutter bereitstand und man eigentlich nicht kurz vor dem Verhungern sein könne. Von unten hörte ich ein dumpfes Geräusch. Mit der ihm eigenen Eleganz hat sich der Kater aus seiner Kratzbaummulde in Richtung Boden gelöst und wird gleich demonstrativ wie zufällig und ganz entspannt hier auftauchen. Normal.

Mit der Ausnahme von Schmatzgeräuschen kehrte nun auch wieder Ruhe ein.

Minuten später hörte ich von irgendwo aus der Wohnung doch wieder andere Geräusche. Markante Geräusche.

Na, Lilly, wieder überfressen? Lass es ruhig raus, hat ja nichts gekostet. Wozu habe ich die Dose überhaupt aufgemacht? Klar, meine Schuld, hätte ich ja früher machen können. Katzen! Minuten später hing sie wieder an der Futterbar. Der frei gewordene Platz in ihrem Inneren musste gefüllt werden.

Ich gehe dann gleich mal die Kotze suchen.



Freitag, 9. Mai 2014

Ging nochmal gut

Anlässlich eines anstehenden Auftritts hatte die zweitbeste Ehefrau von allen seit einiger Zeit das Bedürfnis, an einem im Rahmen eben diesen Auftritts zu tragenden Kleides herumzuarbeiten. Es gibt da ja immer was zu tun.

Montag wurde ich auch direkt dienstverpflichtet, um besagtes Kleid in einer bestimmten Position zu halten. Gut, das schaffte ich gerade noch, auch wenn die Betätigung als Aushilfsschneiderpuppe mit Sicherheit keines meiner Hobbies werden wird.

Doch dann erwischte mich ein weiteres Ansinnen wie ein kalter Hauch des Todes: Ich erhielt die Ankündigung, im Laufe des fortgeschrittenen Abends, nach Rückkehr meiner Angetrauten von einem Vortrag bei Rajiv, selber Nadeln stecken zu müssen.

Ich? Handwerkliche Tätigkeit?

Das erfordert geschicktes Arbeiten. Eine quälende Vorstellung, zumal ich von den geforderten Arbeiten ja nun so gar keine Ahnung habe und die zweitbeste Ehefrau von allen dazu neigt, etwas unleidlich zu werden, wenn sie mal wieder sieht, wie blöd ich mich dabei anstellen kann. Ein gewisser Ansatz von Nervosität auf meiner Seite mag auch zu einer reizenden Stimmungslage beitragen.

Nach solchen, mitunter unvermeidlichen handwerklichen Aktionen sehe ich uns regelmäßig beim Scheidungsanwalt. Na ja, nicht ganz. Aber fast.

Zum Glück erhielt ich vor dem Aufbruch meiner Angetrauten noch Entwarnung. Meine Dienste sollten an diesem Abend wohl nicht mehr benötigt werden. Gut, ein Tag Verlängerung.

Dienstag wurde es aus organisatorischen Gründen unter Berücksichtigung eines Triebfahrzeugdefektes bei der Deutschen Bahn und anschließender ungeplanter nicht unmittelbar damit in Zusammenhang stehenden Folgemaßnahmen etwas später als geplant. Zu spät für das Kleid. Ein weiterer Tag gerettet.

Ich überschlug den Rest der Woche. Mittwoch der übliche längere Auswärtstermin. Keine Gelegenheit für das Kleid. Donnerstag ein weiterer später Auswärtstermin. Und ein geretteter Tag. Gnadenfrist bis Freitag. Ach nein, ein weiterer Vortragstermin. Da würde ich auch mal wieder mitgehen. Also Samstag. Uff.

Zurück zum Donnerstag. Vorsorglich hatte ich schon mal für gute Stimmung gesorgt und einige Wege erledigt, Pakete weggebracht, Balduin gefüttert und solche Dinge. Meine Angetraute verabschiedete sich mit den Worten, daß es wahrscheinlich später als üblich werden würde, weil sie gedachte, weibliche Hilfskräfte für die Steckarbeiten einzuspannen. Sollte es Hoffnung geben?

Wider Erwarten erschien die zweitbeste Ehefrau von allen doch pünktlich zu Hause. Oh oh!

„Na, was ist schiefgegangen?“

„Wieso?“

„Du wolltest später kommen?“

„Ach so, ja. Es ist erledigt. Alexandra hat das Kleid abgesteckt. Ich musste nicht viel sagen, sie wusste direkt, was ich wollte, noch bevor ich es selbst wusste. Nach fünf Minuten waren wir fertig.“

Alexandra, du hast uns quälende Stunden erspart.

Danke!





Donnerstag, 8. Mai 2014

Könntest du mal... - oder: Wie man bei einem Mann Stress auslöst

Feierabend. Sofa. Laptop. Mann sein.

Grunz.

Marty, komm sofort zum Papa!

Männer unter sich. Fast. Nicht mehr lange.

Die zweitbeste Ehefrau von allen machte sich bereit, zum Training zu entschwinden.

Da will man(n) bestimmte Wörter vorher einfach nicht hören. Exemplarisch stelle ich jetzt nur die den Satz einleitenden Worte dar:

„Könntest du mir mal…“

Schlimme Sache. Hat garantiert etwas mit nachfolgendem Zwang, die Burg das Monstersofa verlassen zu müssen zu tun. Aber mit etwas an den Tag gelegten demonstrativen Unwillen wäre das durchaus noch zu bewältigen. Wenn der Satz  nicht noch eine Fortsetzung gefunden hätte. Eine ganz bestimmte. Und die lautete ungefähr so:

„…von unten den pinken Rock raufholen?“

Während die unbeteiligte Leserin, so sie nicht eine grundsätzliche Abneigung gegen PinkPink hat – ja, alle mal herzhaft lachen - sich bei dieser einfachen aber im Kerngehalt klassischen Formulierung nichts weiter denken mag, wird schon der unbeteiligte männliche Leser alleine bei der Aufnahme dieser Worte in einen inneren Alarmzustand versetzt, noch bevor deren Sinn durch das Gehirn entschlüsselt und der männlichen Bewusstseinsebene zugeführt wurde.

Adrenalin fließt.

Pink. Eine Frauenfarbe, die es ansonsten nicht gibt. So wie Aprico Apricot. Bleue Bleu. Und andere, die nur Frauen kennen.

Nun handelt es sich bei dem Haushalt, den die zweitbeste Ehefrau von allen und ich nun schon seit Jahren gemeinsam führen, nicht um den typischen klischeebehafteten Haushalt, in dem sich der Anteil weiblicher Besitztümer auf Unmengen von Schuhen, Handtaschen, Hüten und SchalsPashminas beschränkt. Denn bei uns gibt es kaum Hüte. Dafür gibt es anderes.

Wie der treue Blogleser weiß, begann alles mit den legendären Worten, welche ich meiner Angetrauten bis zum Ende aller Tage bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit in Erinnerung rufen werde:

„Ich brauche nur ein oder zwei Münztücher…“

Daraus wurde dann eine durchaus nennenswerte Sammlung an Dingen, die ich jetzt in männlicher Plattheit als Bauchtanzkostüme und –utensilien bezeichne. Nur damit mich jeder versteht. Oder auch nicht, denn der in der Materie des orientalischen Tanzes auf Semiprofi-Niveau unbewanderte Leser vermag nicht mal zu erahnen, was sich da alles an Stoffzeug, Glitzerkram und sonstigem Zubehör ansammelt. Wobei auch richtig coole Dinge darunter sind. Zum Beispiel ein Schwert Krummsäbel. Da darf ich aber nicht mit spielen.

Jedenfalls wurde mir aufgetragen, in den frisch sortierten Untiefen des Kellers, welche für all diese Sachen separiert wurden, einen pinken Rock rauszusuchen.

Einen.

Pinken.

Rock.

Der mitfühlende Leser möchte sich bitte daran erinnern, daß der arme vom Leben gepeinigte Autor dieses Blogs eine Rotsehschwäche hat. Rot ist rot. Orange ist rot. Rosa ist rot. Pink ist rosa rot. Irgendwie so.

Manche dieser Farben verlaufen auch auf so einem Rock durchaus gewollt ineinander. Rot eben.

Und natürlich gibt es in den Aufbewahrungsbehältern, die entweder Plastikboxen oder Kleidersäcke sein können, zumeist mehrere gleichartige oder ungleichartige Textilien. Und nicht immer liegen oder hängen die Gewünschten vorne, wo der schlichte männliche Blick sie auf Anhieb erfassen würde.

Und unter diesen Bedingungen muß ich armes Menschenkind

Einen!

Pinken!

Rock!

raussuchen.

Einen ganz bestimmten.

Schon auf meine vorherige Ansage, daß das wieder eine längere Aktion werden würde, vor deren Beginn ich mir erst mal Erleichterung im Palast der Tränen verschaffen müsste, wurde mit einem gewissen Unverständnis reagiert.

Wir hätten wetten sollen.

Natürlich habe ich mehr als nur einmal einen die Kriterien erfüllenden Rock gefunden, ausgepackt, nebenbei den schmusebedürftig im Weg herumstehenden Kater ignoriert, den Rock die Treppe raufgeschleppt, präsentiert, mir ein mitleidiges Lächeln ansehen müssen, den Rock die Treppe runtergeschleppt, nebenbei den schmusebedürftig im Weg herumstehenden Kater ignoriert und das Textil wieder eingepackt.

Was auch sonst?



Nachtrag: 

Meine Angetraute besteht unter Äußerung schlimmster Drohungen darauf, daß ich erwähne, den Rock bereits im zweiten Versuch gefunden zu haben. Aber man weiß ja, was mit Drohungen erzwungene Aussagen wert sind. Außerdem widerspricht das nicht meiner Äußerung, mehr als nur einen in Frage kommenden Rock gefunden zu haben und mehrmals die Treppe rauf- und runtergelatscht zu sein.











Mittwoch, 7. Mai 2014

Irgendwie verstörend

Im Büro planten wir gerade die nächste Heimsuchung des wohlbekannten Chinarestaurants, um diesem einen neuerlichen Stresstest zu unterziehen. Kann ja nicht schaden. Wer weiß, was da so passiert, wenn der Ernstfall mal eintritt? Die Gedanken an das anstehende Ereignis begleiteten mich wohl…

Die zweitbeste Ehefrau und ich betraten in der ungewöhnlich großen Gesellschaft das China-Restaurant. Die Räume sahen anders aus als gewohnt; die Decken waren höher und der eigens für uns abgetrennte Raum erschien auch wesentlich größer als üblich. Die Kellner trugen jetzt eine schwarz-weiße Uniform, wie auch unsere Gesellschaft in schwarz oder schwarz-weiß gekleidet war.

Die Tische standen relativ eng. Zwei Tischreihen waren aufgebaut, die inneren Sitzplätze lagen Rücken an Rücken zueinander. Meine Angetraute und ich wurden getrennt, ich fand mich auf einmal neben Katja sitzend wieder. Sehr ungewöhnlich. Mich störte das alles nicht so sehr, aber dennoch wechselte ich zur rückwärtigen Sitzreihe und fand Platz neben Frau Wilhelms, einer weiteren Fachbereichsleiterin unserer Außenstelle, mit der ich im Normalfall kaum etwas zu tun habe.

Das Essen wurde auf Platten serviert. Es gab eine umfangreiche Auswahl griechischer Spezialitäten. Der grauhaarige Kellner stellte eine ordentlich gefüllte Silberplatte Gyros vor mir auf den Tisch. Daneben gab es noch etwas Platz, den er mit einer kleinen Schüssel Hackbällchen besetzte. Nein, darüber würde ich mich nicht beschweren; da stand alles so, wie es sein sollte.

Aber dann irritierte mich doch etwas. Die Hackbällchen waren etwa zwei Zentimeter durchmessende Fleischkugeln. Sie sahen genau so aus wie das auf der Silberplatte befindliche Gyros, lediglich die Farbe war etwas blasser.

Gyros als Fleischkugel?

Moment, hier fängt aber gerade etwas an, ganz gewaltig schief zu laufen. Ist ja auch nicht unbedingt einfacher, Kugeln mit Stäbchen zu essen, wir sind schließlich beim Chinesen. Obwohl ich an sich sehr gut im Umgang damit bin.

He, wer drückt mir da auf die Nase? Und schon wieder?

Och Lilly, du hättest mich wenigstens probieren lassen können, bevor du mich weckst.





Dienstag, 6. Mai 2014

Eine neue Praktikantin

Dr. Strebsinger betrat unser lauschiges Büro. Natürlich zu einer Zeit, in der wir wieder ruhig und friedlich vor uns hinarbeiteten. In seinem Gefolge befand sich eine junge Frau.

„Darf ich ihnen Frau Reiche vorstellen? Sie ist unsere neue Praktikantin. Hier ist Frau Mandy, das ist Frau Karla. An diesem Tisch findet sich sonst Herr Ludwig, unser Auszubildender, der aber gerade Unterricht hat, und der ältere Herr da hinten ist Herr Paterfelis, unser Seniorsachbearbeiter.“

Hat der mich wirklich gerade als älteren Herrn tituliert? Unglaublich. Er hat es endlich begriffen. Ja, ergrauende Haare lassen selbst mich seriöser wirken.

Ich nickte Frau Reiche freundlich grüßend zu.

„Frau Reiche wird in den nächsten Tagen in allen Bereichen des Hauses reinschnuppern.“ fuhr Dr. Strebsinger fort.

„Ähm, Herr Dr. Strebsinger, haben Sie ihr denn schon das Wichtigste hier erklärt?“

„Was wäre das denn?“

„Na, daß ich es außerordentlich positiv aufnehmen würde, morgens einen heißen Kakao an den Tisch gebracht zu bekommen.“

„Haben Sie denn schon jemanden gefunden, der das macht?“

„Nein, eben nicht. Das ist ja das Elend.“

„Tja, ich fürchte, dann wird es wohl dabei bleiben.“

GRMPF. Früher haben Praktikantinnen noch ganz andere Sachen gemacht…





Montag, 5. Mai 2014

Es geht aufwärts

Freitag Abend hat Herr Knutsen noch bei uns angeklingelt. Herr Knutsen ist der über uns wohnende Nachbar. Ein freundlicher Herr, ehemaliger Ingenieur-Offizier aus der christlichen Seefahrt. Oder auch unchristlichen, wer muß das schon so genau wissen? Er habe da ein Anliegen. Gut, immer raus damit.

Es ist nämlich so, daß man sich unlängst, vor einigen Wochen, ja quasi nur wenigen Tagen, einen Strandkorb geleistet hätte. Um ihn auf dem Balkon aufzustellen. Und nach dem aufwendigen Transport durch das nicht übertrieben großzügig bemessene Treppenhaus habe man sozusagen direkt bis unmittelbar nach Erreichen der Wohnungstür festgestellt, daß der untere Teil besagten Strandkorbes in seinen Ausmaßen tendentiell weniger geeignet sei, auch nach Öffnen eben dieser Tür durch die so gebildete Öffnung befördert zu werden. Kurz zusammengefasst: Passt nicht rein.

Blöde Sache.

Bei dieser Gelegenheit stelle ich mir – und nur mir, aber nicht ihm – gleich die Frage, wie er denn gedenke, den sicherlich ganz wunderbaren Strandkorb auf dem doch nicht übertrieben großen Balkon zu parken. Aber wie gesagt, ich verkneife es mir.

Zur Lösung des uns beiden bekannten Problems würde er nun die Bitte an uns richten, ob man nicht im Laufe des nächsten Morgens mal unsere Terrasse betreten dürfe, um diese zum Zwecke des weiteren Transportes des Strandkorbes in ungeahnte Höhen als Startrampe nutzen zu können.

Klar, dürfen darf er. Mir ist die Sache zwar etwas unangenehm, weil unsere Terrasse gerade nicht in einem Zustand ist, mit dem man dort Gäste zu empfangen gedenkt – wir erinnern uns an die Sache mit den Mülltüten aus unserer Entrümpelungsaktion, von denen immer noch einige herumstehen. Aber es gibt Schlimmeres. Und eine Müllhalde ist da ja nicht. Also nicht so richtig. Je nachdem, aus welchem Blickwinkel man das betrachtet. Aber alles ist ordentlich gelagert! Da lege ich jetzt Wert drauf. Noch zwei Abfuhrtermine, dann sollte sich die Sache erledigt haben. Also in zwei Monaten…  wenn die Müllabfuhr nicht herumzickt.

Am Tag X wurde unsere Terrasse schließlich geentert. Man stellte fest, daß der Strandkorb sich bestimmt auch hervorragend bei uns machen würde, sah aber davon ab, ihn uns zu überlassen. Schade eigentlich. Von oben hingen zwei Seile herunter, welche mit fachmännischen Seemannsknoten an dem Strandkorb befestigt wurden. Ein Helfer erkundigte sich nach dem Namen des Knotens, welcher auch prompt von Herrn Knutsen genannt wurde. Ist ja nicht so, daß ich mich damit auskennen würde. Der Helfer auch nicht. Wir einigten uns darauf, daß wir so tun würden, als ob wir wüssten, wovon Herrn Knutsen da redet, während wir uns auch weiterhin unsere Schuhe mit einem schnöden Altweiberknoten zubinden werden.

Wie nicht anders zu erwarten, gestaltete sich die Aktion zu einem Happening für die halbe Nachbarschaft, die natürlich just an diesem Tag und zu dieser Uhrzeit wie auf Absprache ihre Fenster putzen musste.

Langsam hob sich der Korb an, während Marty sich an der Terrassentür fast die Nase plattdrückte. Meine hochverantwortungsvolle Aufgabe war es, mittels eines Besens dafür Sorge zu tragen, daß ein gewisser Abstand zur nächsten Balkonbrüstung gewahrt wurde, während die Herren von oben tatkräftig zogen und sich die ihnen zugehörigen Damen ihrerseits ab einem bestimmten Zeitpunkt dafür verantwortlich zeigten, auf die Einhaltung des gebührenden Sicherheitsabstandes zu allen möglichen Ecken und Kanten zu achten.

Beim finalen Wuchten des Ladegutes über die Balkonwände wurde schließlich auch noch Herr Kleinhüppgenreuther zwangsrekrutiert. Es scheint alles funktioniert zu haben, denn bis jetzt ist nichts auf unserer Terrasse aufgeschlagen, was ich wieder hätte zusammenkehren müssen.

Ob wir jetzt alle mal der Reihe nach eine Stunde in dem Strandkorb probesitzen dürfen?