Mittwoch, 2. April 2014

Vergeltung

Rache und Vergeltung für erlittenes Ungemach zu üben gehört zu den niederen aber doch vorhandenen Urinstinkten des Menschen. Ich schließe mich da nicht aus. Schließlich bin ich kein Heiliger.

Wir saßen natürlich mal wieder in unserem Büro und arbeiteten friedlich fluchend vor uns hin. Na ja, was heißt wir. Eigentlich war ich es, der hin und wieder eine wohl dosierte Befindlichkeitsäußerung oder Absichtserklärung von sich gab, bei deren Kenntnisnahme die Queen alleine schon reihenweise in Ohnmacht fallen würde. Aber sie hörte es ja nicht. Wohl aber Mandy.

„Was ist denn los?“

SEPA!“

Mandy hatte mit dem ganzen banktechnischen Umstellungsverfahren nicht so viel zu tun. Zu Ihrem Job gehörte es, Geld auszugeben. Viel Geld. Natürlich musste sie dazu auch BIC und IBAN vorgeben, ansonsten aber gestaltete sich alles, was mit dem SEPA-Verfahren zusammenhing, für sie eher problemlos.

Nicht so bei mir.

Zu meinen Aufgaben gehört es nicht nur, Geld auszugeben, sondern das auszugebende Geld vorher auch reinzuholen. Dieser Teil meines durchaus breiter gestreuten Aufgabenspektrums bereitet mir wirklich Freude, zumal hier noch nicht jede Ausnahmesituation bis ins Kleinste geregelt ist und ich die Grauzonen im Sinne des LASA und der Kundschaft zu nutzen pflege. In unserer Außenstelle werde ich als Experte zu diesem Thema angesehen, was mir durchaus schmeichelt. Leider gibt es Bestrebungen, genau diesen Teil meiner Tätigkeit auszugliedern.

Auf jeden Fall hat uns im Zusammenhang mit dem Abgabeneinzug die Umstellung auf das SEPA-Verfahren ordentlich zugesetzt. Noch immer sind nicht sämtliche Kinderkrankheiten, welche uns das MIST beschert hat, abgestellt. Nach wie vor wurden auch noch nicht alle verfahrenstechnischen Abläufe harmonisiert.

So kommt es zum Beispiel regelmäßig vor, daß die abgabenpflichtige Kundschaft von uns Bescheinigungen erhält, in denen bestätigt ist, daß Zahlungen, welche wir tatsächlich erst in zwei Wochen abbuchen werden, schon bei uns eingegangen seien. Was natürlich zu gewissen – ähm – sagen wir mal Irritationen führt. Insbesondere wenn ich dann erklären muß, daß tatsächlich noch Rückstände bestehen, obwohl doch die Bescheinigung…

Natürlich schicke ich regelmäßig Meldungen über diesen und andere Missstände an unsere Hauptverwaltung in Bad Husten, aber man zeigt sich seltsam reaktionslos. Der dort zuständige übergeordnete Kollege befindet sich in vorübergehender, kindbedingter Abwesenheit. Er ist aufgrund Personalabbaus – oh ja, entgegen ewig anderslautender Gerüchte gibt es das auch im öffentlich Dienst, und zwar massiv  - auf der Ebene der dort Verantwortlichen inzwischen der einzige, der sich mit dem Komplex der Abgabenerhebung richtig auskennt. Sein Vertreter kann mir nur immer wieder bestätigen, daß unsere technischen Vorgaben so zutreffend sind, wie wir sie gemacht haben. Ansonsten aber sei er nicht so im Thema drin. Also können wir armen Frontschweine es wieder ausbaden. Wie immer.

Ich erklärte Mandy die Zusammenhänge.

„Von wem kommt das eigentlich?“ fragte sie mich.

„Was genau?“

„Na, daß wir jetzt mit dem SEPA-Verfahren arbeiten müssen. Das macht hier doch alles viel komplizierter.“

„Der Umstand, daß hier etwas verkompliziert wird, hat im Regelfall eine von zwei möglichen Ursachen. Entweder hat man es in der Hauptverwaltung verbockt, oder es war eine Initiative aus Brüssel. In diesem Fall kam die Grundidee ausnahmsweise mal nicht aus Bad Husten.“

„Wie wäre es mit einem Dankesgeschenk? Wir könnten ja eine Bombe nach Brüssel schicken.“

Ein dämonisches Leuchten, welches aus meinen Augen drang, färbte den Raum rötlich ein.

„Ja aber keine Briefbombe. Die ist zu lange unterwegs.“

„Was dann?“

„Schicken wir einfach eine Faxbombe, das geht schneller.“




Kommentare:

  1. Faxbombe? So was wie "fünf gut bedruckte und fett schwarz umrandete A-4-Seiten mit Klebestreifen aneinanderkleben, ins Fax einfädeln, die Enden auch zusammenkleben und Brüssel anwählen"?
    Hat was. Wirkt aber nur dann wirklich, wenn am anderen Ende auch ein echtes Faxgerät steht.

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    1. Irgendwo wird da eines sein. Ganz bestimmt. Wir müssen nur noch die passende Nummer rausfinden. Und dann... >:-) Muahahahaaaa!

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  2. Seit es SEPA gibt bin ich grauhaarig! Mehr ist dazu nicht zu sagen!

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  3. Ach, die guten alten Faxbomben. Wie schön waren früher die Montage, wenn am WE wieder ein Unvermögenbesitzender versucht hat, das hängende Fax durch aussitzen der Situation zu erledigen.

    Irgendwann war dann die Überlegung, von 100 m-Rollen auf 30 m-Rollen umzusteigen nicht die Schlechteste.

    Gibts denn noch Faxe mit Endlosrollen? Bin ja schon seit Anfang der 2000er per Bildschirmfax unterwegs. Ach, die guten alten Zeiten. So viele Möglichkeiten mehr, seinen Schabernack zu treiben ;-)

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    1. Im Büro haben wir nur Einzelblatteinzug sowie Fax auf Bildschirm.

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