Montag, 28. April 2014

Spaßverderber

In den Unterbrechungspausen des deutschen Privatwerbefernsehens gibt es jetzt eine neue Serie zu sehen: Vikings. Wie der Name schon nahelegt, handelt die Serie von Wikingern. Der Umstand, daß die Serie vom Historychannel stammt, welcher ansonsten für halbeseideneDokumentationen bekannt sein soll, hat mich nicht davon abgehalten, mir das mal zu Gemüte zu führen. Natürlich geht es bei Vikingsnicht um eine Lektion in mittelalterlicher Geschichte, sondern um pure Unterhaltung. Mehr habe ich nicht erwartet, und mehr habe ich nicht bekommen. Was mich auch nicht weiter gestört hat, denn die Serie bietet für meinen Geschmack gutes PopcornkinoChipsfernsehen.

Ich ziehe mich in solch einem Fall auch nicht krampfhaft an einigen historischen Ungenauigkeiten hoch, werde mich nicht über inhaltliche oder optische Anachronismen aufregen (das kommt dann mal wieder zu einer anderen Gelegenheit dran) und vermerke sogar positiv, daß die Wikingerdarsteller der Realität entsprechend keine Hörnerhelme tragen.

Es gibt aber doch einen Aspekt, der wirklich vollkommen ohne jegliche Notwendigkeit ein kleiner Spaßverderber geworden ist: die Sprache. Vermutlich liegt es nur an der Synchronisation. Ich schaue mir ja keine Filme im englischen Original an, so gut spreche ich kein Auswärts. Also kann ich keinen Vergleich ziehen. Es ist nicht zwingend so, daß ich in Filmen mit mittelalterlichem Hintergrund übertriebenen Wert auf eine pseudomittelalterliche Sprachfärbung Wert lege, auch wenn diese die Atmosphäre durchaus unterstützen kann. Nein, die Nutzung einer modernen Sprache ist für mich durchaus in Ordnung. So lange gewisse Grenzen nicht überschritten werden.

Wenn nun aber der Chefoberboss der Wikingergemeinschaft nicht als Jarl, sondern als Earl tituliert wird und man diesen mit Sir anspricht, finde ich das schon ziemlich blöd. Immerhin befinden wir uns in Skandinavien. Ein Elfjähriger, der zu seinem Onkel sagt, daß seine Eltern gerade Sex haben, halte ich auch für unpassend. Nicht wegen der Aussage als solche, die Kinder wussten damals sicherlich schon besser über solche Dinge Bescheid als so manche aus der Neuzeit, sondern wegen der Wortwahl. Gleiches gilt für den Anführer, der die Crewfür sein Schiff zusammenstellt oder den Krieger, der bestimmt, wer während seiner Abwesenheit für seine Farmverantwortlich sein soll. Das passt nicht so richtig in meine sprachliche Erwartungshaltung. Hier wurden die Anglizismen in der deutschen Synchronisation wirklich absolut unpassend eingesetzt. Vor einem anderen Hintergrund hätte ich wohl kaum ein Problem damit. Aber hier?

Ehrlich, das versaut mir schon ein wenig den Spaß beim Zusehen.

Und es ist einfach so überflüssig.




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