Freitag, 18. April 2014

Karls Freitag

Weihnachten ist gerade erst vorbei, schon steht wieder Ostern auf dem Plan. Fast, zunächst wäre ja Karfreitag zu überstehen. Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich planten, heute zunächst den Sporttempel mit unserer Anwesenheit zu beehren.

Ich lungerte noch ungewaschen auf dem Sofa herum, als meine Angetraute auf der Bildfläche erschien und mir erklärte, daß ich mich wohl alleine auf die weite Reise begeben müsste, da sie sich in der Nacht verlegen habe. Gut Schade, aber das sollte kein Problem für mich sein, konnte ich so doch früher zur sportlichen Ertüchtigung aufbrechen. Also ab unter die Dusche, alles Notwendige erledigen und schon brachte mich Balduin zur verlangten Örtlichkeit.

So wartete ich im dem Gefährt, bis man die Türe hoch und die Tore weit – ach nö, das ist ja das andere Fest – also bis man Einlass gewährte. Vor der Tür versammelte sich eine Menschenauflauf. Deutlich mehr Menschen als an einem gewöhnlichen Sonntag. Sagt mal, habt ihr nichts Besseres vor? Karfreitag! In einer überwiegend katholischen Gegend! Müsst ihr nicht in irgendeine Kirche gehen? Ich kenne mich da als leidenschaftlicher Atheist ja nicht so aus.

Ein wohl vertrautes Unwohlsein überkam mich. Schnell überschlug ich die Anzahl der in der Masse wartenden Herren der Schöpfung, verglich die ermittelte Summe mit der mir bekannten Menge vorhandener Bänke in den Herrenumkleiden und kam zu dem Ergebnis, daß es eng zugehen würde. Und noch immer kamen Menschen zum offensichtlichen Zwecke der Ausführung von Leibesübungen. Nein, bei mir gingen die Rollos wieder runter. Bevor die sich ankündigende Panikattacke verfestigen würde fuhr ich ausnehmend frustriert wieder nach Hause.

Hier empfing mich am heimischen Rechner der Newsletter eines traditionsreichen deutschen Modellbahnherstellers mitsamt dem Link zur neuesten Folge des hauseigenen TV-Programms. Ich weiß auch nicht, warum ich mir das immer wieder antue, es zieht mich nur noch weiter runter. Ein weiteres Hobby, zu dem die Leidenschaft noch glüht, welches ich aber nicht mehr ausüben kann. Also betätigte ich mich in meinem Elend als Katzenmatratze mit dem weiteren Ziel, diesen Tag nur noch vergehen zu lassen.

Zur nachmittäglichen Kaffeezeit hin begannen die zweitbeste Ehefrau von allen und der inzwischen wieder auferstandene Paterfelis damit, daß Frühstück vorzubereiten. Es ist Karfreitag, also bauten wir den Tischgrill auf und füllten diesen mit ordentlichen Fleischbergen, begleitet von verschiedenen Gemüsen und Brot. Um den unterhaltenden Aspekt des Nachmittages zu unterstreichen spielten wir eine Aufnahme von der alljährlich in Aachen stattfindenden Verleihung des Orden wider den tierischen Ernst ab, welche noch auf der Festplatte schlummerte.

Die Veranstaltung fing verheißungsvoll an, verfing sich auch nicht all zu sehr in die karnevalistischen Plattheiten, während wiederholt an den 1.200 Todestag Kaiser Karls erinnert wurde, schwächelte dann jedoch zunehmend und sparte nicht mit Schleichwerbung dieses überregional bekannten Nuss-Nugat-Creme-Herstellers. Nein, nicht die Italiener. Die anderen, für die Ernst H. Hilbich auch mal Pflaumenmus gegessen hat.

Die Rede des diesjährigen Preisträgers, Patrick Lindner von dieser liberalen Randgruppe, welche es nicht in den Bundestag geschafft hat, vermochte die Stimmung und vorhandene Restniveau allerdings wieder anzuheben. Dennoch verbleibt die Erkenntnis, daß Politiker im Karneval eher die passive Rolle einnehmen sollten und so mancher hauptberufliche Spaßmacher Comedian seinen Zenit auch schon überschritten hat. Von der bei der Veranstaltung gespielten Musik fange ich jetzt gar nicht erst an. Schrecklich. Wie gut, daß man die Aufnahme vorspulen konnte.

Nun versuche ich, den Rest des Tages in Würde zu verbringen und warte darauf, daß die zweitbeste Ehefrau die vorbereiteten Erdbeeren kredenzt, während Lilly mich anhaltend als Wärmeflasche missbraucht.



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