Donnerstag, 10. April 2014

Frauenprobleme

Der Ökoklaus erschien, wie in letzter Zeit durchaus häufiger, leicht überdreht in unserem Büro, in welchem wir bis dahin wie immer selbstverständlich friedlich vor uns hin arbeiteten.

Über meine Brille hinweg sah ich ihn an. Aufgrund meiner leichten Sehschwäche von -12,5 Dioptrien vermochte ich ihn so dankenswerterweise nur noch schemenhaft wahrzunehmen. Ob er wieder zu viel von seinen holländischen Keksen geknabbert hatte, ohne uns welche abzugeben? Die müssen einfach aus einem Coffeeshopstammen. Alter Egoist.

Doch erwies sich die Lage sehr viel bedrohlicher als zunächst von mir angenommen. Geradezu besorgniserregend bedrohlich. Nadja hat nämlich seit neuestem ein Radio in ihrem Zimmer. Das ist insoweit nicht weiter bemerkenswert, da in den meisten unserer Büroräume – mindestens - ein Radio steht und die Senderauswahl weitgehend, wenn auch nicht konsequent, vereinheitlicht ist. Sehr zu meinem Leidwesen übrigens, kann ich doch so dem nervigen Gute-Laune-Moderator nicht entkommen.

Jedenfalls hat Nadja die Möglichkeit, über dieses Radio auch Musik per Memory-Stick abzuspielen. Und das tut sie heute. Anhaltend. So, daß der Öko-Klaus es mitbekommt.

Musik aus Dirty Dancing.

Das ist der Film, bei dem Millionen leidende Männer darauf warten, daß der Typ mit der seltsamen Frisur endlich im Wasser untergeht. Und auch unten bleibt. So für den Rest des Filmes ungefähr.

Ich kam nicht umhin, dem Ökoklaus mein aufrichtiges Bedauern über seine missliche Lage auszusprechen, während Mandy und Karla sich ausnehmend bedeckt hielten. Es konnte auch nichts anderes erwartet werden, waren der Ökoklaus und ich uns doch darin einig, daß es sich bei dem Nichtverstehen seiner aktuellen Notlage um ein typisch weibliches Problem handeln würde. Wir bekundeten uns dies auch eifrig gegenseitig. Einigkeit macht stark.

Mandy und Karla sahen uns verständnislos an.

Trudi lief gerade den Flur entlang. Wir wagten die Probe aufs Exempel und holten sie zu uns. Sofort bemerkte sie den irren Blick des Ökoklaus und fragte mitfühlend nach, was er denn habe.

„Dirty Dancing-Musik.“

Ihre Mimik hellte sich auf.

„Super! Und, wo ist das Problem?“

Sag ich doch. Typisch weiblich.



Kommentare:

  1. Also, ich bin dann da wohl die Ausnahme, die die Regel bestätigt.
    Ne ne, bei mir melden sich da nur meine zuviel vorhandenen und ärztlich bestätigten männlichen Hormone zu Wort. :o))
    Ich mag zwar den Film, aber die Musik ist wirklich nervig mit der Zeit. Bin somit auf eurer, männlichen, Seite.

    Haste wenigstens jetzt ein paar Kekse abbekommen?!

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    1. Er hat ein paar Haferkekse rausgerückt. Die hatten aber keinen Effekt. Da müssen noch andere sein.

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    2. Da geht es mir wie rotzlöffel: Ich mochte den Film (bevor er jede Woche im Fernsehen ausgestrahlt wurde), aber die Musik fand ich eher nervig. Armer Ökoklaus! Schenk ihm doch Ohrenstöpsel!

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    3. Er kommt morgens immer mit einer Wollmütze und Monster-Kopfhörern ins Haus. Da müsste sich doch was mit machen lassen.

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  2. Bis heute habe ich es geschaft, nicht mehr als 2 Minuten von diesem Frauenfilm sehen zu müssen - gleiches gilt im Übrigen für den Film indem der große Dampfer gegen den Eisberg fährt.
    Auch empfinde ich die Musik von beiden Filmen als nicht wirklich schön.

    Ich bin also auch auf eurer Seite

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  3. Also ich hätte zusätzlich sogar noch lauthals mitgesungen - Büroanwesenheit hin oder her. Von daher schätze dich glücklich, dass ich nicht anwesend war/ bin. :-)
    Schönen Abend noch :-D

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    1. Hin und wieder scheine ich wirklich auch mal ein Glückspilz zu sein.

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  4. Ich bin zwar vom Alter her mal Zielgruppe gewesen, glücklicherweise fand ich das aber damals schon nicht gerade doll. Ich würde also sehr leiden, beschallte man mich mit dieser Sorte Sound- zum Glück kann ich hier selbst bestimmen, was ich höre. Und das ist...nichts. Auch sehr schön.

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  5. Frauenproblem. Frauenproblem??
    Ich sehe da kein Problem… :-)

    Sei du mal froh nicht seinerzeit zu unserer Strickgruppe gehört zu haben. Wir hatten eine VHS (Vorläufer der DVD) von diesem Film und der Rekord lag bei 3 1/4 Film am Stück dieses Klassikers.

    Ich kann heute noch die Dialoge mitreden :-)

    Der dazugehörige damalige Partner nahm an den "Stricktagen" eine Auszeit und ward nicht mehr gesehen bis die Mädels das Haus verlassen haben.

    Hach ja, damals .... waren die Melonen noch Melonen und Tanzbereiche eindeutig ausgewiesen!

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    1. Aha, du hast also auch das Problem. Aber keine Sorge, das wird schon.

      Und VHS? Pah, wir hatten BETA. Wenn auch nicht von diesem Film.

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