Mittwoch, 30. April 2014

Als der Krieg der Sterne in die Kinos kam

Wie vermeldete wurde, werden die Dreharbeiten zu neuen Filmen der Star-Wars-Reihe aufgenommen. Die alten Kämpfer Luke, Leia, Han und Chewbacca sollen mit dabei sein. Anlass genug, eine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen.

Schon immer hatte ich ein Interesse an großen Fahrzeugen wie LKWs und Lokomotiven, insbesondere aber an Schiffen. Und wenn diese Schiffe dann noch durch den Weltraum flogen, war dieses für mich das Nonplusultra. Science Fiction. Mit den Raumschiffen Orion und Enterprise sowie den Adlern und Falken der Mondbasis Alpha 1 bin ich aufgewachsen. Doch dann kam etwas, das war größer als alles anderes. Ein zuvor nie dagewesener Werberummel schlug vollkommen unvorbereitet auf uns ein.

Krieg der Sterne.

Immer, wenn damals Berichte von den Dreharbeiten im Fernsehen lief, ließ ich es mir nicht entgehen. Jeden Fetzen bedruckten Papiers, möglichst mit Bildern, verschlang ich sofort. Hat ein Orchester im Rahmen einer der damals noch üblichen Musikshows die Titelmelodie des Films gespielt, klebte ich am Fernseher. Ich wollte unbedingt in diesen Film und konnte es kaum erwarten.

Kino, das war damals noch was Besonderes. Es gab zumindest in unserer Stadt noch nicht diese Schachtelkinos. Der Eingangsbereich war groß, überall hingen riesige Bilder der damaligen Schauspieler aus deutschen Filmen. Im Filmsaal fanden sich verschiedene Abschnitte mit unterschiedlichen Preiskategorien für die Sitzgelegenheiten, ja sogar Balkone. Das war schon sehr beeindruckend. Vor dem Hauptfilm lief immer ein Vorfilm. Die Geschichte von Hänschen Apfelkern habe ich bei diesen Gelegenheiten durchaus häufiger gesehen. Ich erinnere mich auch noch an die Zeit, als Disneys Schneewittchen nochmals in die Kinos kam. Mein Vater ist mit mir natürlich in die Vorstellung gegangen. Die Schlange an der Kasse war richtig lang; sie endete erst ein paar Häuser weiter. Heute außerhalb einer Filmpremiere unvorstellbar. Und wenn wir dann wieder zu Hause waren, habe ich meiner Mutter immer den ganzen Film erzählt.

Dann begann der Filmstart des Krieg der Sterne in Deutschland. Am Kino drückte ich mir an den Schaukästen mit Bildern einzelner Filmszenen fast die Nase platt. Das Blöde war, daß niemand mit mir ins Kino gehen wollte. Alleine bin ich noch nicht gegangen, außerdem war ich für die damalige FSK-Einstufung noch zu jung. Und mein Vater, der mich sonst zu allen möglichen Disney-Filmen mitgeschleppt hat, zeigte keine entsprechenden Anstalten. Ich litt wie ein junger Hund, was aber niemanden weiter zu interessieren schien.

Die Merchandising-Welle begann, erstaunlicherweise ohne daß ich davon viel mitbekommen hätte. Im gleichen Jahr bekam ich zu meinem Geburtstag von einem Klassenkameraden zwei Miniaturen aus dem Krieg der Sterne geschenkt: Darth Vader und einen Sturmtruppler. Etwas gewagt, wie ich heute finde. Natürlich passen die beiden zusammen, aber was wäre gewesen, wenn ich Darth Vader schon besessen hätte? Schreckliche Vorstellung, denn was sollte ich mit einem doppelten Vader anfangen? Bei einem Sturmtruppler wäre es ja egal gewesen, von denen kann man nicht genug bekommen.

Diese Gedanken hatte ich damals aber noch nicht. Und zwar einfach deswegen, weil ich die Bedeutung der beiden Miniaturen im Film trotz allen Lesens nicht so genau zuordnen konnte. Ich wusste lediglich, daß Darth Vader der Böse ist.

Die Miniaturen hatten unter den Füßen Löcher. Mir war nicht klar, daß diese produktionstechnisch bedingt waren. Ich dachte eher, daß die beiden Roboter seien – wie Menschen sehen die ja nun wirklich nicht aus – und daß es sich bei den Löchern um Austrittsdüsen ihrer Flugtriebwerke handeln würde. Also konnten die in meiner Welt eben fliegen. Wie Superman. Und Batman. Daß Letzterer gar nicht fliegen konnte, habe ich auch erst später erfasst. Niemand vermochte, mir anderes zu den vermeintlichen Flugkünsten meiner beiden neuen Spielzeuge zu erklären. Denn ich kannte niemanden, welcher den Film gesehen hatte.

Den ersten Film aus der frühen Trilogie, den ich dann tatsächlich gesehen hatte, war Das Imperium schlägt zurück. Den Krieg der Sterne, der damals auch offiziell noch so hieß, konnte ich mir erst später im Rahmen einer Sommer-Sondervorstellung im Kino ansehen. Jabba the Hut war damals noch ein Mensch und nicht diese schleimige Kröte, zu der man ihn später gemacht hat.

Und heute? Die Rechte am Krieg der Sterne liegen inzwischen bei Disney. Ein furchtbarer Gedanke, ich mag gar nicht daran denken, was man nun aus den neuen geplanten Filmen machen wird. Es ist schließlich zu bedenken, daß heute auch die Rechte an den Figuren aus der Muppet-Show bei Disney liegen. Nicht, daß da noch mehr von diesen schrecklichen, kindgerechten Ewoks aus Die Rückkehr der Jedi-Ritter auftauchen.

Vielleicht hätte ich den Film damals schon sehen können, wenn er von Disney produziert worden wäre.

Es gibt Dinge, die wir nie mit Sicherheit klären werden.



Dienstag, 29. April 2014

Fies

Wir hatten unsere Bürotür ausnahmsweise geschlossen. Es ist ja nicht immer nötig, daß man auf dem Flur mitbekommt, was wir uns gerade zu sagen haben. Es gibt da zuweilen solche seltsamen Stimmungslagen bei uns im Haus…

Plötzlich wurde es an der Tür laut. Die Klinke knallte zweimal nach unten, als sich auch schon die Tür mit einem ordentlichen Schwung öffnete. Sven erschien mit einem durchaus nennenswerten Stapel Akten, den er mit beiden Händen festhielt.

Karla erfasste sofort die Situation: „Uäääh, da kommt ja fieses Zeug rein.“

„Ja, und Akten hat es auch noch dabei.“

„PATERFELIS!“




Montag, 28. April 2014

Spaßverderber

In den Unterbrechungspausen des deutschen Privatwerbefernsehens gibt es jetzt eine neue Serie zu sehen: Vikings. Wie der Name schon nahelegt, handelt die Serie von Wikingern. Der Umstand, daß die Serie vom Historychannel stammt, welcher ansonsten für halbeseideneDokumentationen bekannt sein soll, hat mich nicht davon abgehalten, mir das mal zu Gemüte zu führen. Natürlich geht es bei Vikingsnicht um eine Lektion in mittelalterlicher Geschichte, sondern um pure Unterhaltung. Mehr habe ich nicht erwartet, und mehr habe ich nicht bekommen. Was mich auch nicht weiter gestört hat, denn die Serie bietet für meinen Geschmack gutes PopcornkinoChipsfernsehen.

Ich ziehe mich in solch einem Fall auch nicht krampfhaft an einigen historischen Ungenauigkeiten hoch, werde mich nicht über inhaltliche oder optische Anachronismen aufregen (das kommt dann mal wieder zu einer anderen Gelegenheit dran) und vermerke sogar positiv, daß die Wikingerdarsteller der Realität entsprechend keine Hörnerhelme tragen.

Es gibt aber doch einen Aspekt, der wirklich vollkommen ohne jegliche Notwendigkeit ein kleiner Spaßverderber geworden ist: die Sprache. Vermutlich liegt es nur an der Synchronisation. Ich schaue mir ja keine Filme im englischen Original an, so gut spreche ich kein Auswärts. Also kann ich keinen Vergleich ziehen. Es ist nicht zwingend so, daß ich in Filmen mit mittelalterlichem Hintergrund übertriebenen Wert auf eine pseudomittelalterliche Sprachfärbung Wert lege, auch wenn diese die Atmosphäre durchaus unterstützen kann. Nein, die Nutzung einer modernen Sprache ist für mich durchaus in Ordnung. So lange gewisse Grenzen nicht überschritten werden.

Wenn nun aber der Chefoberboss der Wikingergemeinschaft nicht als Jarl, sondern als Earl tituliert wird und man diesen mit Sir anspricht, finde ich das schon ziemlich blöd. Immerhin befinden wir uns in Skandinavien. Ein Elfjähriger, der zu seinem Onkel sagt, daß seine Eltern gerade Sex haben, halte ich auch für unpassend. Nicht wegen der Aussage als solche, die Kinder wussten damals sicherlich schon besser über solche Dinge Bescheid als so manche aus der Neuzeit, sondern wegen der Wortwahl. Gleiches gilt für den Anführer, der die Crewfür sein Schiff zusammenstellt oder den Krieger, der bestimmt, wer während seiner Abwesenheit für seine Farmverantwortlich sein soll. Das passt nicht so richtig in meine sprachliche Erwartungshaltung. Hier wurden die Anglizismen in der deutschen Synchronisation wirklich absolut unpassend eingesetzt. Vor einem anderen Hintergrund hätte ich wohl kaum ein Problem damit. Aber hier?

Ehrlich, das versaut mir schon ein wenig den Spaß beim Zusehen.

Und es ist einfach so überflüssig.




Sonntag, 27. April 2014

Gruß aus der Küche - Pilz-Rinderrouladen

Kurz nach diesen Ereignissen erinnerte sich die zweitbesten Ehefrau von allen an die schon zuvor gewonnene Erkenntnis, daß wir noch beginnen müssten, das Essen für den nächsten Tag vorzubereiten. Die Sachen waren schon vor ein paar Tagen eingekauft worden und warteten nun dringlich darauf, vor dem Verderben bewahrt zu werden.

Es sollte Pilz-Rinderouladen geben. Das Rezept hat meine Angetraute selbst zusammengestellt.

Mit einer gewissen Unlust ausgerüstet trottete ich mit in die Küche. Außerdem erhielt ich die strenge Weisung, neben einigen Assistenzarbeiten auch Fotos für das Blog zu schießen. Gut, das sollte ich wohl noch mit der letzten verbliebenen Kraft sowohl der in der Fotomaschine befindlichen Batterien als auch meinerseits hinbekommen.

Die Arbeitsflächen in der Küche verstellten:

6 Rinderrouladen
500 g rote Zwiebeln
160 g getrocknete Pfifferlinge
40 g getrocknete Waldpilze
200 g geräucherten Schinken (ohne Fettrand)
1 Bund Karotten
3 Petersilienwurzeln
½ Sellerie
1 Glas (400 ml) Waldpilzfond
1 Glas (400 ml) Rinderfond
½ Flasche Weißwein
2 EL Tomatenmark
1 – 2 Becher Creme fraiche
Butterschmalz zum Braten

Dazu frische Kräuter:

glatte Petersilie
Rosmarin
Oregano
Salbei
Thymian
Estragon
Bärlauch oder Knoblauch


Und los ging es nach folgender Rezeptur.

Die Pilze mit kochendem Wasser übergießen und für mindestens 60 Minuten einweichen, dann ausdrücken und hacken. Das Wasser aufheben.

Ein bisschen Butterschmalz in einer Pfanne zerlassen, Schinken darin anbraten, die Zwiebelwürfel glasig dünsten. Pilze dazugeben und kurz mitbraten, salzen und pfeffern.

Mit der Einweichflüssigkeit der Pilze aufgießen (den Bodensatz nicht mitverwenden!) und einkochen lassen, bis die Flüssigkeit wieder verdampft ist. 1/3 der Kräuter hacken und zugeben.




Die Rouladen beidseitig pfeffern und die Pilzmischung darauf verteilen, aufrollen und mit einer Nadel feststecken.




Meine Assistenzarbeiten an diesem Punkt lagen darin, die Rouladen so zu stabilisieren, daß die Nadel ihren Weg durch das Fleisch finden würde, ohne daß sich alles wieder voneinander löste. Ja, ich hatte schon gewisse Bedenken, eine dieser Nadeln irgendwie in meiner Hand steckend wiederzufinden. Und dann wäre es auch noch die linke gewesen. Ich hätte also weiter zur Arbeit gehen müssen. damit hätte ich noch nicht mal einen Zugewinn gehabt. Doch alles ging ohne größere oder kleinere Verletzungen aus – falls es hier jemanden interessieren sollte. Woran ich keinen Zweifel habe, weiß ich doch, wie mitfühlend ihr seid.





Was an Füllung übrig bleibt beiseite stellen.

An dieser Stelle war der Punkt erreicht, zu dem meine Assistenz beendet wurde, da sich wachkomatöse Tendenzen bei mir einstellten. Ich bin mir ziemlich sicher, daß ich nicht mehr bewusst mitbekommen habe, wie mein edles Haupt das Kopfkissen berührt hat.

Butterschmalz erhitzen und die Rouladen von allen Seiten kräftig anbraten, herausnehmen und gehacktes Wurzelgemüse anbraten.

Tomatenmark zum Gemüse geben, kurz anschwitzen und mit Waldpilz-, Rinderfond sowie Weißwein aufgießen. 1/3 der Kräuter ungehackt mit in die Saucenflüssigkeit legen und über die gesamte Garzeit mitziehen lassen. Die Rouladen auf dem Gemüse verteilen und mit Wasser auffüllen, bis alle Rouladen bedeckt sind.

Im geschlossenen Topf für 90 Minuten schmoren lassen, bei Bedarf hin und wieder Flüssigkeit ergänzen.

Falls die Rouladen geschichtet wurden, jetzt die unteren nach oben basteln. Den Topf in den Kühlschrank stellen und über Nacht ruhen lassen.

Nun hatte auch die zweitbeste Ehefrau von allen die Gelegenheit, ihrerseits das Nachtlager heimzusuchen. Es sei ihr gegönnt.

Am nächsten Tag den Großteil des auf der Sauce abgesetzten Fettes abnehmen und die Rouladen für weitere 90 Minuten schmoren.

Die Rouladen herausnehmen.

Die Soße um mindestens die Hälfte reduzieren lassen, durch die flotte Lotte drehen (alternativ durch ein Sieb streichen), mit der Creme fraiche verfeinern und die übriggebliebene Füllung sowie das restliche Drittel Kräuter – jetzt wieder gehackt – zugeben. Nochmals aufkochen, ggf. etwas andicken und mit den Rouladen servieren.

Wir haben Rotkohl ohne Apfel und Nudeln dazu gegessen. 




Meine Angetraute war übrigens hartnäckig und wiederholend der Meinung, daß Kartoffelklöße an Stelle der Nudeln nicht dazu passen würden. Im Rahmen der späteren Resteverwertung konnte ich mich davon überzeugen, daß das sehr wohl eine gelungene Kombination dargestellt hätte, während meine Angetraute den Nudeln treu geblieben ist.



Samstag, 26. April 2014

1 : 3

Was ist das: Vier um 6.45 Uhr in der Frühe, von denen einer arbeitet?

Paterfelis am Samstagmorgen im Garten beim Unkraut ziehen sowie drei wohlbekannte Katzen, welche ihn dabei von der anderen Seite der verschiedenen Fenster aus beobachten. Lilly gähnt mich an. Demonstrativ. Ganz bestimmt. Toll. Marty schaut mir mit großen Augen zu und scheint zu überlegen, was der Papa da treibt. Ich sehe die Zahnräder in seinem Kopf förmlich arbeiten. Immerhin bilden sich keine Rauchwolken. Und Smilla? Nun, sie guckt einfach nur. Faules Pack alle miteinander.

Ja, die Saison ist wieder eröffnet. Das Unkraut will vernichtet werden. Obwohl ich verschiedene Unkräuter eigentlich ganz hübsch finde. Aber was tut man nicht alles für die Nachbarn? Eben! Und obwohl ich schon eine Stunde früher als sonst draußen herumwusele, alles in der Hoffnung, daß mir niemand dabei begegnet, sind doch schon Leute unterwegs.

Da ist zunächst der mir vollkommen unbekannte Herr. Hat ja bekanntlich nichts zu sagen, daß ich ihn nicht kenne; er könnte nebenan wohnen. Der Herr geht mit seinem Hund spazieren. Schönes Tier. Keine Ahnung, warum der Mensch des Hundes eine dicke Jacke mit Fellkragen trägt. Es ist warm genug, ich bin nur mit einem zerlöcherten Arbeits-T-Shirt draußen. Wir grüßen uns artig. Ich bin noch in den Vorbereitungen, suche mein Arbeitsmaterial zusammen und entferne das eingesponne Beutetier einer Spinne von meinen Arbeitshandschuhen. Zum Glück befindet sich nichts im Inneren der Handschuhe.

Später, während ich in voller Aktion das nach allgemeingültiger gesellschaftlicher Übereinkunft - mich hat dazu übrigens noch nie jemand befragt - unedle Grün dezimiere, tönt mir ein fröhliches Guten Morgen von hinten entgegen. Entgegen? Passt das in dem Zusammenhang? Muß es nicht hinterher heißen? Aber ich entferne mich doch gar nicht. Hach, die Tücken der deutschen Sprache. Wie dem auch sei, ich drehe mich um und sehe eine Nachbarin von Gegenüber im Jogging-Anzug auf dem Weg zum Auto. Sie will garantiert Brötchen holen. Natürlich grüße ich zurück. Nach zehn Minuten höre ich den Wagen wieder vorfahren. Richtig getippt, es gibt frische Brötchen. Aber nicht für mich. Auf mich warten noch ein paar übrig gebliebene gebackene Mettbrötchen von gestern Abend. Mit Zwiebeln, Tomaten und Champignons. Oben drauf etwas geriebenen mittelalten Gouda. Auch nicht schlecht.

Zum Finale hin schleppe ich meinen Unkrautsack in Richtung Vorgarten. Herr Kleinhüppgenreuther ist gerade aus dem Auto ausgestiegen, das Gewehr vom Jagdeinsatz noch auf dem Rücken. Sein Hund ist ausnahmsweise mal leise. Und gehorcht sogar. Sehr ungewöhnlich. Unser Jägersmann sieht genau in Gegenrichtung, als ich ihn grüße. Na, ein wenig irritiert ist er doch, bis er mich dann endlich gesichtet hat. Dan kann er ja seiner Frau erzählen, wie fleißig ich schon so früh am Morgen war.

An sich ein schöner Morgen. Es ist ein gutes Gefühl, schon was geleistet zu haben.

Trotzdem waren mir das schon zu viele Begegnungen. Aber immerhin musste ich mich mit niemandem unterhalten.

Ist ja auch schon was.



Fast 80 Liter Grünzeug! Reicht das für eine Gemüsesuppe?




Freitag, 25. April 2014

Böse Jacke

Hauskarter Marty lief mit mir gemeinsam die Treppe vom Souterrain nach oben und marschierte direkt weiter in Richtung Fressnapf. Frustfressen. Hey, der Bursche passt zu mir! Um auf seine doch insgesamt eher missliche Lage aufgrund eines vorherigen Erlebnisses hinzuweisen, meinte ich zur zweitbesten Ehefrau von allen:

„Armer Marty.“

„Warum?“

„Ich komme gerade mit Marty aus dem Keller.“

„Ja?“

„Ich bin doch dabei, die Jacken zu waschen.“

„Jaa?“

„Die erste Ladung war eben fertig.“

„Jaaa?“

„Die verlieren ja nicht so viel Feuchtigkeit beim Schleudern.“

„Jaaaaa?“

„Natürlich habe ich die Jacken auf die Leine gehängt.“

„Jaaaaaa?“

„Marty kam hinterher.“

„Jaaaaaaa?“

„Es ist schon doof, wenn so eine Jacke Pipi macht, wenn man gerade darunter steht.“

„Armer Marty.“

Sag ich doch.


Ja, guck ruhig weg.





Donnerstag, 24. April 2014

Alles im Griff

Auf meinem nachmittäglichen Gang zum Zug Richtung Neustädter Ländchen nehme ich meinen Weg meistens durch den dem Neustädter Hauptbahnhof zugeordneten U-Bahn-Haltepunkt. So auch dieses Mal.

Allerlei Menschen warteten hier auf die Dinge, die da bald kommen würden. Ich hingegen hegte die Hoffnung, daß eben diese Dinge nicht kommen, bevor ich den Bahnsteig über die nächste Rolltreppe wieder verlassen habe, denn das Gedränge der aussteigenden Fahrgäste eines soeben eingefahrenen Zuges steht nicht zwingend in Zusammenhang mit einem mir Glückseligkeit versprechenden Zustand. Aber immer noch besser, als oben an der Hauptstraße lang zu laufen. Und wesentlich weniger Menschen stehen da dank einer Kombination aus Hauptbahnhof, Busbahnhof, Einkaufsstraße und einiger zusätzlicher Straßenbahnhaltestellen auch nicht herum.

Routinemäßig warf ich also einen Blick auf die Beschilderung, welche mir signalisierte, daß der nächste Zug in drei Minuten erwartet werden würde. Gut, das war bequem zu schaffen. Da hörte ich plötzlich über die allgemeine, an einem solchen Ort übliche Geräuschkulisse hinaus das Gebrüll einer Frau.

„Kommst du wohl sofort von den Gleisen! Das ist gefährlich.“

Ein Mädchen, vermutlich im Grundschulalter, befand sich mittig an dem Zaun, welcher zwei Richtungsgleise voneinander trennte, und war dabei, sich unter diesem durchzuquetschen, um den anderen Bahnsteig zu erreichen. Seine kleine – so meine Vermutung – Schwester, vielleicht drei oder vier Jahre alt, war drauf und dran, ihr zu folgen und wollte gerade auf das Gleis runterkrabbeln.

Nicht weit entfernt saß die Mutter der beiden auf einer Bank und war bis dahin scheinbar tief in den Funktionen ihres Smartphones versunken. Während die Kinder den Rückmarsch antraten, stand die Mutter auf und ging in Richtung der Frau, die zuvor die Kinder gerufen hatte.

„Was fällt dir eigentlich ein, meine Kinder so anzubrüllen? Die sind alt genug und wissen, was sie tun. Die nächste Bahn kommt erst in ein paar Minuten.“

Ich lasse das jetzt einfach so für sich stehen.




Mittwoch, 23. April 2014

Machen Sie keine Witze

Pling!

Sie haben Post.

E-Mail von Frl. Hasenclever. Sie wünscht, daß wir ab sofort bestimmte Neuanträge unserer Kundschaft mit einigen Zusatzangaben versehen in einer Tabelle erfassen und ihr diese täglich zum Feierabend rüberschicken. Eine nähere Begründung zum Sinn und Zweck Ihres Begehrs fehlte mir. Wäre ja mal nett gewesen.

Also begab ich mich mittags, wenn auch aus anderen Gründen, in ihr Büro und versuchte bei dieser Gelegenheit, ein paar Hintergrundinformationen einzuholen.

„Ich hätte da mal noch eine Frage.“

„Ja bitte?“

„Wegen der Mail und der Tabelle.“

„Hmmh.“

„Watt soll datt?“

„Dann setzen Sie sich mal hin, Herr Paterfelis. Oder sorgen Sie für einen festen Stand.“

„Jau.“

„Wie Sie wissen, sind für unsere Außenstelle aufgrund unserer hohen Arbeitsbestände die regelmäßigen Anfragen zur Statusklärung der Kundschaft seit ein paar Monaten ausgesetzt.“

„Klar.“

„Dennoch haben wir gerade aus diesem Bereich immer noch starke Antragszahlen.“

„Ich bemerke es nahezu täglich.“

„Was uns viel Arbeit macht.“

„Wie gesagt…“

„Der Abteilungsleiter glaubt uns nicht, daß die echt sind.“

„Wie?“

„Man ist in Bad Husten der Meinung, daß es so viele Anträge ohne vorherige Veranlassung durch uns nicht geben könne.“

„Machen Sie keine Witze, der erste April ist schon vorbei.“

„Das ist kein Witz. Man hat mir nahegelegt, eine solche Übersicht anzufertigen, damit man individuell nachvollziehen kann, woher die Anträge kommen.“

Ich brech‘ ins Essen zusammen. Sie versuchen schon seit Jahren zu ergründen, warum wir so viele Rückstände haben. Daran, daß bei uns einfach mehr Arbeit reinkommt als in anderen Außenstellen, darf es einfach nicht liegen. Weil das statistisch nicht haltbar sei. Überall müssen die gleichen Bedingungen herrschen, wie zuvor berechnet. Überall die gleiche Quote an Bewilligungen und Ablehnungen. Trotz anderer Bevölkerungs- und Wirtschaftsstruktur vor Ort.

Es ist nun mal ein Unterschied, ob sich eine LASA-Außenstelle in einer ländlichen Region, einer Stadt mit überwiegender Arbeiterstruktur oder in einer verwaltungsdominierten Großstadt befindet. Aber nein, das sieht man nicht so. Alles würde sich wieder ausgleichen.

Wie schon häufiger gesagt: Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Wir bekommen es täglich vorgeführt.




Dienstag, 22. April 2014

Keine Eier für Mandy

Nach einer selbst für meine Verhältnisse viel zu kurzen Nacht hatte mich das Büro wieder in seinen wohligen Schoß aufgenommen. Während ich noch krampfhaft bemüht war, einen klaren Gedanken hinzubekommen und mich mit dem mir eigenen Schwung auf die temporäre Umverteilung aller anfallenden Arbeiten auf alle Anwesenden, welche gerade aufgrund österlicher Nachwehen – sprich Osterferien und der damit verbundenen Abwesenheit unserer Muttis – ausnehmend umfangreich ausfällt, erschien auch schon Mandy auf der Bildfläche. Sie zauberte zwei kleine, als Lunchbox jedoch deutlich überdimensionierte Plastikbehälter (nein, keine Wupperware) aus den Untiefen ihrer Tasche und beglückte uns mit den Worten: „Hier, ich habe Muffins mitgebracht.“

Muffins. So so.

„Sag mal, hast du die an Stelle von Ostereiern gesucht.“

„Ich habe gar nichts gesucht, noch nicht mal Eier. Ich mag die vorgefärbten nicht, und wenn ich bunte Eier haben wollte, dann hätte ich mir die selbst gefärbt.“

„Aha.“

„Aber ich bin trotzdem nicht daran vorbeigekommen.“

„An das Suchen?“

„Nein, an den vorgefärbten Eiern.“

„Wie das?“

„Ich habe doch schon von meiner Nachbarin erzählt. Der Omi. Die hat mit ein Osternest geschenkt. Da waren dann schon mal drei dieser Eier drin. Und dann kam von anderen immer noch mal eines hinzu. Jetzt habe ich sieben gekochte und vorgefärbte Eier zu Hause.“

„Und was machst du damit?“

„Früher oder später wegwerfen. Oder willst du die haben?“

„Nö, danke, lass mal.“

Sieben Eier?

Wie niedlich.

Warum?

Deswegen: Klick mich!




Montag, 21. April 2014

Was macht die da?

Meine Angetraute und ich dämmerten am Wohnzimmertisch vor uns hin. Das Internet gab sein Bestes, um uns am Einschlafen zu hindern. Da hörte ich ein wenig elegantes aber umso eindeutigeres Geräusch aus dem Schlafzimmer: Smilla war aus ihrem Topf geklettert und hatte Newtons Erfindung der Schwerkraft dahingehend nutzbringend verwendet, um sich auf den Boden plumpsen zu lassen. Schon erschien sie am Rande meines Sichtbereiches, um dann in Richtung Esszimmer wieder meiner visuellen Wahrnehmung zu entgleiten.




Kurze Zeit später war wieder ein Geräusch zu vernehmen. Weniger eindeutig. Ich dreht mich kurz um, konnte aber nicht bis zur Quelle des Geräusches vordringen, da die Lehne des FernsehKatersessels meinen Blick behinderte und ich zu faul war, mich aufzurichten. Also fragte ich die zweitbeste Ehefrau von allen, welche von ihrer Sitzposition aus einen ungehinderten Weitblick haben sollte:

„Was macht die da?“

Es war mir schon klar, daß das geheimnisvolle Geräusch nur von Smilla stammen konnte.

„Sie niest und frisst dabei gleichzeitig weiter.“

Katzen!

Irgendwie sind sie doch alle ein klein wenig bescheuert.




Samstag, 19. April 2014

Prickelnde Erinnerungen

An sich dachte ich ja immer, daß es verboten sei, Kinder zu quälen. Außer natürlich in der Schule. Aber sonst? Nun denn, falsch gedacht.

Die zweitbeste Ehefrau und ich haben beim Aufräumen ein paar Brausetütchen gefunden. Die müssen mal Bestandteil einer Sammelpackung mit verschiedenen Brause-Naschdingens-Kombinationen gewesen sein. Ich kann mich nicht mal ansatzweise daran erinnern oder mir auch nur vorstellen, so etwas wie dieses Brausepulver jemals als Einzelprodukt gekauft zu haben. Das ist einfach nicht meine typische Droge.

Sowohl meine Angetraute als auch ich wissen allerdings, das Zeug in unseren jeweiligen Kinderzeiten konsumiert zu haben. Sie hat es damals auf der Fingerkuppe aus der Tüte geholt und dann so in Richtung Mundwerk befördert, während ich zur gesicherten Vermutung neige, sowohl gelegentlich desgleichen getan zu haben als auch überwiegend dem vorschriftsmäßigen Gebrauch in Verbindung mit Wasser nachgegangen zu sein.

Heldenhaft entschlossen wir uns, den Inhalt der Tütchen, schön sortenrein getrennt, aufzugießen und nach zahlreichen Jahren der Abstinenz nochmal zu verkosten. Blaßrot zeigte sich der Inhalt des Glases meiner Angetrauten, während meines eher einen Hauch von Grün durchschimmern ließ. Ich zweifelte an, daß die Dosierung richtig vorgenommen worden sei, wurde aber dahingehend belehrt, daß diese exakt entsprechend der Rezeptur erfolgt wäre.

So nahmen wir jeweils einen Schluck aus unseren Gläsern. Die Mundwinkel verzogen sich, Augen erstarrten.

UÄÄÄÄHH!

Das kann man doch nicht trinken. Das Zeug ist ja süßer als Cola & Co.

E-kel-haft!

Was tut man den armen, wehrlosen Kindern denn damit an?

Nein, vielen Dank. Wir waren uns darin einig, daß sowohl die Glasinhalte als auch die verbleibenden Tütchen den Weg allen Irdischen zu gehen hatten. Und zwar sofort.

Manche Erinnerungen sollten wirklich Erinnerungen bleiben.

Hmmm, aber es gab da doch mal diese Karamell-Täfelchen, die ich immer ganz gerne…




Freitag, 18. April 2014

Karls Freitag

Weihnachten ist gerade erst vorbei, schon steht wieder Ostern auf dem Plan. Fast, zunächst wäre ja Karfreitag zu überstehen. Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich planten, heute zunächst den Sporttempel mit unserer Anwesenheit zu beehren.

Ich lungerte noch ungewaschen auf dem Sofa herum, als meine Angetraute auf der Bildfläche erschien und mir erklärte, daß ich mich wohl alleine auf die weite Reise begeben müsste, da sie sich in der Nacht verlegen habe. Gut Schade, aber das sollte kein Problem für mich sein, konnte ich so doch früher zur sportlichen Ertüchtigung aufbrechen. Also ab unter die Dusche, alles Notwendige erledigen und schon brachte mich Balduin zur verlangten Örtlichkeit.

So wartete ich im dem Gefährt, bis man die Türe hoch und die Tore weit – ach nö, das ist ja das andere Fest – also bis man Einlass gewährte. Vor der Tür versammelte sich eine Menschenauflauf. Deutlich mehr Menschen als an einem gewöhnlichen Sonntag. Sagt mal, habt ihr nichts Besseres vor? Karfreitag! In einer überwiegend katholischen Gegend! Müsst ihr nicht in irgendeine Kirche gehen? Ich kenne mich da als leidenschaftlicher Atheist ja nicht so aus.

Ein wohl vertrautes Unwohlsein überkam mich. Schnell überschlug ich die Anzahl der in der Masse wartenden Herren der Schöpfung, verglich die ermittelte Summe mit der mir bekannten Menge vorhandener Bänke in den Herrenumkleiden und kam zu dem Ergebnis, daß es eng zugehen würde. Und noch immer kamen Menschen zum offensichtlichen Zwecke der Ausführung von Leibesübungen. Nein, bei mir gingen die Rollos wieder runter. Bevor die sich ankündigende Panikattacke verfestigen würde fuhr ich ausnehmend frustriert wieder nach Hause.

Hier empfing mich am heimischen Rechner der Newsletter eines traditionsreichen deutschen Modellbahnherstellers mitsamt dem Link zur neuesten Folge des hauseigenen TV-Programms. Ich weiß auch nicht, warum ich mir das immer wieder antue, es zieht mich nur noch weiter runter. Ein weiteres Hobby, zu dem die Leidenschaft noch glüht, welches ich aber nicht mehr ausüben kann. Also betätigte ich mich in meinem Elend als Katzenmatratze mit dem weiteren Ziel, diesen Tag nur noch vergehen zu lassen.

Zur nachmittäglichen Kaffeezeit hin begannen die zweitbeste Ehefrau von allen und der inzwischen wieder auferstandene Paterfelis damit, daß Frühstück vorzubereiten. Es ist Karfreitag, also bauten wir den Tischgrill auf und füllten diesen mit ordentlichen Fleischbergen, begleitet von verschiedenen Gemüsen und Brot. Um den unterhaltenden Aspekt des Nachmittages zu unterstreichen spielten wir eine Aufnahme von der alljährlich in Aachen stattfindenden Verleihung des Orden wider den tierischen Ernst ab, welche noch auf der Festplatte schlummerte.

Die Veranstaltung fing verheißungsvoll an, verfing sich auch nicht all zu sehr in die karnevalistischen Plattheiten, während wiederholt an den 1.200 Todestag Kaiser Karls erinnert wurde, schwächelte dann jedoch zunehmend und sparte nicht mit Schleichwerbung dieses überregional bekannten Nuss-Nugat-Creme-Herstellers. Nein, nicht die Italiener. Die anderen, für die Ernst H. Hilbich auch mal Pflaumenmus gegessen hat.

Die Rede des diesjährigen Preisträgers, Patrick Lindner von dieser liberalen Randgruppe, welche es nicht in den Bundestag geschafft hat, vermochte die Stimmung und vorhandene Restniveau allerdings wieder anzuheben. Dennoch verbleibt die Erkenntnis, daß Politiker im Karneval eher die passive Rolle einnehmen sollten und so mancher hauptberufliche Spaßmacher Comedian seinen Zenit auch schon überschritten hat. Von der bei der Veranstaltung gespielten Musik fange ich jetzt gar nicht erst an. Schrecklich. Wie gut, daß man die Aufnahme vorspulen konnte.

Nun versuche ich, den Rest des Tages in Würde zu verbringen und warte darauf, daß die zweitbeste Ehefrau die vorbereiteten Erdbeeren kredenzt, während Lilly mich anhaltend als Wärmeflasche missbraucht.



Donnerstag, 17. April 2014

Der Empfang

Während ich in meiner Arbeit am PC vertieft war und einige Eingaben machte, ploppte plötzlich ein Hinweisfenster auf, welches mich darüber unterrichtete, daß eine E-Mail von mir gelesen zu werden wünschte. Dummerweise ist bei Erscheinen dieses Fensters jegliches Arbeiten am Rechner so lange nicht möglich, bis der Empfang bestätigt oder es weggeklickt wurde. Auf jeden Fall ist der Arbeitsfluss unterbrochen, was bei gewisser Häufung durchaus zu leichter Gereiztheit bei mir führt.  

Dr. Strebsinger plante einen Empfang. Zu dessen Organisation würde es unvermeidlich sein, daß ihm der eine oder andere Kollege dazu hilfreich zur Seite steht.  Unsere dafür fest eingeplante Trudi war plötzlich jedoch erkrankt. Nun suchte er via E-Mail weitere Freiwillige. Mandy war in einer Akte vertieft, ohne dabei mit dem PC beschäftigt zu sein. Also hatte sie noch nichts mitbekommen.

„Mandy, der Strebsinger sucht Freiwillige.“

„Für was?“

„Es geht um den Empfang. Trudi muß ersetzt werden.“

„Lass mich mit dem Quatsch in Ruhe.“

„Etwas mehr Einsatz bitte. So geht das hier nicht.“

Ein unverständliches Gebrabbel war zu vernehmen. Mehr nicht.

„Ich verstehe das so, daß ich dich als Freiwillige melden soll. Mache ich sofort.“

Eine Stimme, bei der die Worte an tiefgefrorenes Wasser erinnerten, drang in meinen Gehörgang. „Mach das und ich hau dich.“

„Na ja, wenn du mindestens einen halben Meter größer wärst, könnte ich darüber nachdenken, das als Drohung zu empfinden. Ich strecke doch einfach meinen Arm aus. Das reicht, damit du nicht mehr an mich rankommst, um mich zu hauen.“

„Dann trete ich dich eben.“

Mädchen - treten, kratzen, beißen. Immer das Gleiche. Schon seit dem Kindergarten.



Mittwoch, 16. April 2014

Amtsgeschäfte (aktualisiert)

Na, wer weiß es? Richtig! Wir saßen in unserem Büro und arbeiteten friedlich vor uns hin, als mich ein menschliches Rühren erfasste. Also sperrte ich, bevor ich meinen Arbeitsplatz verließ, den Zugang zu meinem PC, um unerlaubten Zugriffen entgegenzuwirken. Ein Unterlassen desselben kann schon höchst unangenehm werden. Sofern nämlich ein nicht gesperrter PC von einem zufällig in der Gegend befindlichen Rechnungsprüfer oder Datenschutzbeauftragten entdeckt wird, ist bei uns durchaus als Folge dessen mit einer offiziellen Abmahnung zu rechnen. Man hat da aus für mich nachvollziehbaren (ich habe die zugehörige Geschichte seinerzeit fast hautnah miterlebt) millionenschweren Gründen eine gewisse Sensibilität aufgebaut.

Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit, von einem echten Kollegen erwischt zu werden – ja, genau, Rechnungsprüfer und Datenschützer sind im engeren Sinne keine Kollegen, das waren sie höchstens mal, bevor sie die Seiten gewechselt haben – ungleich höher und hätte ebenfalls drakonische Strafen zur Folge. Klassischerweise kostet dies eine Runde dieser total überteuerten, mit Spielzeug gefüllten Plastikeier, welche wiederum in nicht übertrieben wohlschmeckende Schokolade gehüllt sind. Ich mag die nicht. Nicht die Eier und nicht ihre Inhalte. Also will ich sie auch nicht für andere bezahlen müssen.

Während ich - um mal wieder zum Kern der Sache zu kommen - gerade den Flur betrat, um den örtlichen Porzellanpalast aufzusuchen, traf ich auf Frl. Hasenclever.

„Herr Paterfelis, kommen Sie doch gleich mal mit. Dr. Strebsinger erwartet uns.“

„Ein paar Minuten wird er sich gedulden müssen, ich habe vorher noch ein anderes geschäftliches Anliegen.“

„Dann erledigen sie das Geschäft mal schnell, er ist gerade wieder etwas ungeduldig.“

Boaaah, nicht mal in Ruhe kacken nachdenken kann man hier.

Egal. Scheiß drauf.


PS: aktualisiert wegen anstehender Feiertage



Tunnel? Licht? Da war doch mal was...

Sie lernen. Sie lernen wirklich.

Na ja, vielleicht haben sie auch nur kapituliert. Aber das wäre mir egal.

Und das nach all den Jahren. Ich fasse es nicht. Wunder geschehen. Vielleicht. Ich bin ja nicht so spirituell.

Noch trau ich dem Braten nicht richtig. Das ist so bei einem gestörten Vertrauensverhältnis. Viele Vorwürfe und Unterstellungen wollen erst verdaut sein. Das dauert noch.

Aber falls es doch klappt?

Die Planung hat einen fetten Haken, an dem einiges scheitern könnte. Soviel habe ich schon festgestellt.

Man kann ja mal hoffen.

Oder?!

Aber damit bin ich schon so oft auf die Schnauze gefallen.



(Im Moment darf ich leider noch nicht deutlicher werden.)




Dienstag, 15. April 2014

Des Zugfahrers Bloggeburtstag

Der Zugfahrer feiert den Geburtstag seines Blogs und schmeisst was in die Runde. Natürlich müsst ihr auch was dafür tun.

Los, hier klicken, dann erfahrt ihr mehr.




Montag, 14. April 2014

Und wenn du denkst...

…es geht nichts mehr, dann kommt von irgendwo der Hammer her.

Bereits in der Vorwoche hat Dr. Strebsinger geheimnisvoll angedeutet, daß eine geniale Idee dafür Sorge tragen würde, daß bei uns nun hinsichtlich der Abarbeitung von Aktenbeständen alles viel besser und toller und schöner werden würde. Ich konnte mich vor Aufregung kaum zurückhalten. *gähn* Solche höchst dramatischen Vorankündigen haben in den letzten paar Jahren die Neigung entwickelt, inflationär zu werden, ohne eine wirkliche Änderung herbeizuführen.

Die Dienstbesprechung unserer verschiedenen Fachbereiche finden für gewöhnlich nacheinander statt. Erst kommen die Kollegen von Mandys Fachbereich an die Reihe, danach sind wir dran und dürfen uns in den kleinen Besprechungsraum mit der dann verbrauchten Luft setzen. Kurz vor Beginn der Besprechung sah ich Dr. Strebsinger über den Flur in Richtung des Besprechungsraumes laufen, während er ein Flipchart vor sich herbalacierte. Das ließ böse Ahnungen in mir erwachen.

So verschwand Mandy dann auch mit den Kollegen ihres Fachbereiches, um zwei Stunden später wieder zurückzukommen. Leichte bis mittelschwere Zornesröte ging von ihrem Gesicht aus. Die Kollegen wünschten uns angenehme Unterhaltung. Sehr verdächtig. Aber meine Ahnungen schienen somit durchaus begründet zu sein.

Nach dem üblichen Eröffnungsgeplänkel ohne besonderen inhaltlichen Wert begann Dr. Strebsinger, uns wieder von der Wichtigkeit zu überzeugen, bestimmte Vorgänge schnellstens zum Abschluss zu bringen. Würden genau diese Akten zügiger erledigt, hätten wir schließlich alle weniger zu tun. Einwände, nach denen diese Vorgänge auch nach Bescheiderteilung noch nicht abschließend erledigt sein würden und durchaus andere, ebenfalls eilige Vorgänge liegenbleiben müssten, kamen irgendwie nicht bei ihm an.

Viel schlimmer noch, begann er mit der Analyse weiterer Statistiken und fing mit dem Benchmarking an. Lerne vom Besten, wie man eine Statistik so bescheißt, daß das zuständige Ministerium zufrieden mit dir ist. Ich will das Benchmarking ja nicht per se als Unfug abtun, es hat sicherlich seinen Sinn. Allerdings finden sich Aspekte, die sich mir nicht erschließen wollen. Das mag damit zu tun haben, daß ich keinen Studierten bin. Dafür habe ich – so meine Hoffnung – einen gewissen Rest an gesundem Menschenverstand bewahrt.

Die erste Erkenntnis meiner unter Anwendung eben dieses  Menschenverstandes ausgeführte Überlegung besagt, daß acht Stunden immer acht Stunden bleiben. So lange Einstein nicht ins Spiel kommt. Aber wir sind eine Behörde und haben mit den Aspekten der Zeitdilatation nichts zu tun. So schnell bewegen wir uns nicht. Auch nicht diejenigen von uns, die nicht verbeamtet wurden. Ich kann innerhalb von acht Stunden nur ein bestimmtes  Arbeitsvolumen erbringen. Daran ändert auch nicht, in welcher Reihenfolge ich Akten bearbeite. Das sieht Dr. Strebsinger anders. Gut, jeder hat ein Recht auf seine eigene Meinung.

Der nächste Aspekt ist die Kostenfrage. Im öffentlichen Dienst sind wir - dies ist durchaus unstrittig -  unproduktiv. So rein wirtschaftlich gesehen. Wir produzieren nichts, was sich in einem ordentlichen Warenkreislauf zu Geld machen ließe. Aber wir verursachen Kosten. Nun hat ein damit beauftragter und sicherlich gut bezahlter Mensch berechnet, wie hoch unsere Stückkosten sind. Mit anderen Worten: wie teuer es ist, einen bestimmten Bescheid zu erlassen. Losgelöst natürlich von den Geldausgaben, die aufgrund des erteilten Bescheides zu erfolgen haben. Und diese Stückkosten sind zu hoch. Alles andere hätte zwar verwundert, aber bis hierhin konnte ich immerhin noch folgen.

Nun erklärte Dr. Strebsinger weiterführend, daß sich die Kosten weiter erhöhen würden, wenn wir Vorgänge liegen ließen. Und da ist der Moment gekommen, zu dem ich innerlich ausgesetzt habe. Wie gesagt, bin ich keinen Studierten. Mir fehlt wahrscheinlich der akademisch geschulte Verstand, um die Sache nachvollziehen zu können.

Machen wir es mal ganz einfach, frei nach Lieschen Müller:

Ein Antrag kommt rein. Ziel des Kunden ist es, ab einem bestimmten Zeitpunkt eine Geldleistung von uns zu bekommen. Ich schaue auf den Kalender und stelle fest, daß wir zum Beispiel den 1. März haben. Der Anspruch auf die beantragte Geldleistung wird keinesfalls vor dem 1. Juni entstehen. Also bekommt er sie auch nicht früher. Das liegt nicht an mir, sondern an der entsprechenden Rechtsgrundlage und steht eindeutig fest. Ich könnte nun, sofern ich alle Unterlagen vorliegen habe, die ich benötige, sofort über den Antrag entscheiden. Oder ich könnte ihn noch zwei Monate liegenlassen und am 1. Mai 2. Mai darüber entscheiden. Dies macht für den Kunden keinen Unterschied, denn auch dann würde er sein Geld noch rechtzeitig bekommen. Natürlich hätte er früher Gewissheit über das Ergebnis seines Antrages, aber das können wir an dieser Stelle ausblenden, denn es hat nichts mit der Sache zu tun. Laut Dr. Strebsinger und den Regelungen der Berechnungen im Benchmarking aber werden die Stückkosten der Bescheiderteilung mit jedem Tag, um den sich diese hinauszögert, höher. Weswegen dies zu vermeiden sei.

Es mag ja sein, daß sich aufgrund einiger lebensferner Berechnungen so etwas ergibt. Aber die Realität sieht doch wohl anders aus. Die Akte liegt oder hängt in der Zeit bis zur Bescheiderteilung nur herum. Sie nimmt keinen besonderen Platz weg. Es laufen keine Zinsen auf, die zu bezahlen wären. Auch keine, die das LASA bekommen könnte. Das Ding liegt einfach nur in der Gegend herum. Nein, das will und muß ich nicht verstehen, auch wenn ich schon von Amts wegen gerne mit abstrakten Sachverhalten hantiere. Und auch rein persönlich Mathematik für ein wundervolles Thema halte. Wenn diese nicht so lebensfern angewendet wird.

Auf jeden Fall aber werden unsere in Frage kommenden Akten von nun an mit roten Zipfeln gekennzeichnet. Damit wir sofort erkennen, daß in unseren Stapeln noch eine vorziehenswerte Akte liegt. Und diese ist sofort zu erledigen. Alles andere kann muß von nun an liegenbleiben, wie eilig es auch sein mag. Es geht nur um diese Sorte von Akten, weil zur Zeit nur diese vom Benchmarking betroffen sind. Die Führungskräfte würden Stichproben von der Bearbeitung dieser Akten nehmen.  Kostet ja keine Extra-Zeit, nicht wahr?! Aber damit habe ich endlich eine offizielle Entscheidung, daß ich alles andere liegen lassen kann. Und Beschwerden nicht zu meinen Lasten gehen, da ich ja per Order Mufti andere Akten zwingend vorzuziehen hatte, egal ob sie im wirklichen Leben eilig sind oder nicht.

Die roten Zipfel haben übrigens die erstbearbeitenden Assistenten in den Akten anzubringen. Damit war für mich auf dem Weg von der Dienstbesprechung zurück in mein Büro eines auf jeden Fall klar:

„Sven, wenn du mir jemals mit deinem roten Zipfel zu nahe kommst, dann ist was los.“



Sonntag, 13. April 2014

Dein süffisantes Lächeln...

…ist dir jetzt wohl im Hals steckengeblieben.

Du hattest dieses Lächeln, als du den Raum betreten und gesehen hast, daß hier uncoole Typen herumlaufen. Älter als du. Mit angegrauten Haaren. Mit einer beschissenen Figur. Dafür aber ohne angesagte Marken-Klamotten. Ja, wir haben dich alle registriert. Deine rollende Disco im voll krassen 3er BMW, mit dem du hier vorgefahren bist und zwei Parkplätze in Anspruch genommen hast, ließ sich nicht ignorieren.

Bursche, wie bist du überhaupt hier reingekommen? Das Ding hier ist nicht deine Preislage. Hier gibt es über den Ausdauergeräten keine permanent laufenden Hipp-Hopp-Videos. Die Musik, die du hörst, stammt aus dem so genannten öffentlich-rechtlichen Radio. Sie spricht eine Generation an, die im Mittel doppelt so alt ist wie du.

Die Plakate, die du in den Gängen und in den Umkleideräumen siehst, werben für kulturelle Ereignisse, von denen du noch nie gehört hast. Man nennt so etwas Theater, Orchesteraufführungen oder Kabarett. Habe ich alles schon live miterlebt. Nicht nur im Farbfernsehen. Veranstaltungshinweise für Mario Barth findest du hier nicht.

Das alles hat auch einen Grund. Poser wie du sollen sich hier nicht wohlfühlen. Du wirst es noch merken.

Ja, ich schiebe einen Bauch vor mir her, den deine Mutter wahrscheinlich hatte, als sie mit dir im siebten Monat schwanger war. Eventuell auch im achten, aber dafür mit ohne Geschwisterchen.

Wir haben uns auf benachbarte Räder gesetzt, um uns aufzuwärmen. Na, du hast aber eine niedliche Einstellung. Macht nichts, wir haben alle mal klein angefangen. Was, nach fünf Minuten bist zu schon am hyperventilieren und kapitulierst? Dann erhol dich mal schön, ich mache hier noch eine halbe Stunde weiter. Mit einer deutlich höheren Wattzahl als du. Und in einem Drehzahlbereich, der Sinn macht.

Bei den Kraftgeräten sehen wir uns wieder. Du bist in der zweiten Runde. Schon wieder dieses Lächeln, wenn auch etwas verkrampft. Ich stelle meine Gewichte ein und ziehe durch. Ja, zum Ende eines jeden Durchganges hin atme ich auch schwer, aber das soll so sein. Denn dann hat man es richtig gemacht. Man hat sich angestrengt.

Oh, die Beinpresse. Bursche, du guckst etwas ungläubig auf meine Einstellung? Ja, da liegen 195 kg auf. Nein, ich amüsiere mich hier nicht über dich, denn ich habe einen unfairen Vorteil. Ich wiege vermutlich doppelt so viel wie du. Und das Mehrgewicht schleppe ich täglich mit mir herum. Ich steige damit auch Treppen. Rauf und wieder runter. Du siehst, daß ich da zwangsläufig etwas mehr Übung habe.

Und beim Rest? Butterfly? 10 kg bewegst du? Niedlich. Aber mach mal, damit aus dir auch noch was wird. Meinen Figurentyp nennt man übrigens Sixpack im Speckmantel. Denke mal drüber nach. He, nicht weglaufen, wir fangen doch gerade erst an.

Poser mit nichts dahinter. Sag ich doch.

Ich kann ja nicht verhehlen eine gewisse Freude darüber zu empfinden, als ein in der zweiten Lebenshälfte stehender und zudem stark übergewichtiger Mann einen dieser jungen, hippen und betont dynamischen Burschen im Sporttempel sowohl was Ausdauer als auch Kraft angeht nassmachen zu können.

Vielleicht lernt er was daraus.



Samstag, 12. April 2014

50.000!

Still und leise hat der Besucherzähler dieses Blogs die 50.000er-Marke überschritten. Natürlich ist dies nicht übertrieben viel, wenn ich mir ansehe, mit welchen Zahlen meine Blognachbarn da so teilweise aufwarten können. Doch für mich ist das eine immenser Wert, mit dessen Erreichen ich so schnell nicht gerechnet hätte.

Der Zähler begann sein Werk am 2. Februar 2013, obwohl zahlreiche Einträge ein früheres Veröffentlichungsdatum aufweisen. Das liegt daran, daß ich diese Einträge von Facebook, wo ich sie früher publiziert hatte, entsprechend der ursprünglichen Veröffentlichungsdaten hierhin übertragen habe. Das Blog selbst ging tatsächlich erst zum besagten 2. Februar für die Öffentlichkeit auf Sendung.

Gerade noch habe ich mich darüber gefreut, täglich regelmäßig mehr als 150 Seitenaufrufe feststellen zu können, schon wird die 200er-Marke anvisiert. An einzelnen Tagen lag die Zahl der Seitenaufrufe locker über 300 und ein Mal deutlich über 400. Mich beeindruckt dies sehr, insbesondere wenn ich mitbekomme, daß es regelmäßig Menschen gibt, welche auch in den alten Einträgen dieses Blogs herumwühlen und es sogar teilweise von Anfang bis Ende durchlesen. Dies lässt sich an der täglichen Übersicht der aufgerufenen Eintragungen schön nachvollziehen.

Die virtuelle Auswertungsmaschinerie gibt mir darüber hinaus folgende Informationen:

Inklusive des Beitrages, den ihr gerade lest, wurden 576 Einträge veröffentlicht.

Gemeinsam haben wir 1.195 Kommentare zustande gebracht.

Alleine in diesem Jahr wurden 978 verschiedene Leser ausgemacht. Manche lesen täglich, manche schauen nur alle paar Tage mal rein und wieder andere sehen sich um und wurden nie wieder gesehen. So ist das eben.

29 Follower haben sich für das Blog angemeldet.

Bei dem meistaufgerufenen Beitrag (176 mal) handelt es sich um diesen hier.

Die meisten Aufrufe über verweisende Websites stammen von Facebook (817), gefolgt von chat noirs Blog (805).

Wirklich interessante Suchbegriffe, mit denen das Blog über Google gefunden wurde, gibt es nicht, weswegen ich auch keine veröffentlichen kann.

42 % der Seitenaufrufe werden über den Browser Firefox vorgenommen, welcher damit einen unangefochtenen Spitzenplatz einnimmt; 78 % benutzen ein Windows-Betriebssystem. Es folgen noch einige bekannte Browser und Betriebssysteme, danach kommen ganz viele, von denen ich noch nie gehört habe.

Nicht wenige Einträge schreibe ich früh morgens an freien Tagen. Dann habe ich meine Ruhe und kann alles fließen lassen. Viele Einträge mit zeitneutralen Inhalten wandern zunächst ins Archiv und werden erst Wochen oder Monate später veröffentlicht. Dies macht Sinn, denn wenn ich anfange zu schreiben, dann komme ich immer wieder in einen guten Lauf und ich schaffe die Grundlagen für etwa zehn Einträge an einem Tag, mal mehr, mal weniger. Aber auf jeden Fall zu viele für eine zeitnahe Veröffentlichung, auch wenn ich dann stets gegen meine Ungeduld ankämpfen muß. Man nannte mich schon früher ein Schreibmonster, gleich ob es um Sachtexte oder pure Unterhaltung ging. Es kommt natürlich auch vor, daß ich aktuelle Erlebnisse direkt am Abend oder in einer schlaflosen Nacht verarbeite und veröffentliche.

Wenn ich die Stichworte meiner kleinen gelben Zettel übertrage, stelle ich immer wieder vollkommen überrascht fest, für wie viele Einträge ich noch Ideen habe oder hatte: Es sind aktuell über 300! Natürlich wird da mal eine Idee doppelt vorhanden sein, sich mit einer anderen verbinden müssen oder sich nicht umsetzen lassen, aber es gibt mir Gewissheit, daß das Leben doch genug Erzählenswertes bietet. Man muß nur hingucken. Aber der Blogger als Solches sieht das Leben ja ohnehin mit anderen Augen und findet selbst in zahlreichen Kleinigkeiten Dinge, die sich zu verbreiten lohnen.

Es liegt schon eine gewisse Herausforderung darin, das von mir geschaffene Paterfelis-Universum stimmig zu halten. Es war nicht meine Absicht, so viele Figuren in das Blog einzuführen; es sollte für den Leser übersichtlich bleiben. Bei manchen Figuren hatte ich mit mehr sich bietenden Eintragungen gerechnet, andere hingegen haben mich in ihrer Entwicklung selbst überrascht. Je mehr ich mich damit beschäftige, Geschehnisse zu verarbeiten und als Geschichte umzusetzen, desto stärker reift in mir die Erkenntnis, daß alle meine Figuren ihren eigenen Charakter und einen sich entwickelnden Hintergrund haben, denen ich dadurch nicht mehr sämtliche Erlebnisse wahllos zuordnen kann. Also muß gelegentlich eine neue Figur ins Leben rufen, um es wieder schlüssig hinzubekommen. So habe ich in der Realität alleine im Laufe der letzten 13 Jahre für mich nachvollziehbar mehr als 50 Kollegen zu deren Einarbeitung betreut, dazu ungezählte Praktikanten, Auszubildende, Inspektorenanwärter und Bachelor. Viel zu viele unterschiedliche Typen, um sie alle aufzuführen. Aber es sind gleichfalls zu viele Geschichten, um sie unerzählt zu lassen. Eine Herausforderung.

Kaum eine meiner Figuren entspricht exakt dem realen Vorbild, welches ich immer vor meinem inneren Auge habe, wenn ich eine Geschichte schreibe. In jeder bislang wiederkehrenden Figur insbesondere aus meinem Arbeitsumfeld finden sich Elemente und Ereignisse mehrerer meiner heutigen und früheren Kollegen wieder. So habe ich zum Beispiel die Figur des Sven aus bislang vier realen Vorbildern geschaffen, die ich in den letzten fast 30 Jahren meiner Tätigkeit im LASA kennenlernen durfte. Den Schwerpunkt meiner Geschichten setze ich weiterhin überwiegend aus aktuellen Ereignissen und füge nur gelegentlich Elemente aus älteren Geschehnissen ein.

Ich bin froh, dieses Blog ins Leben gerufen zu haben. Das Schreiben macht mir Spaß, sorgt für eine gewisse Kanalisierung meiner Emotionen und hilft, Gedanken zu sortieren sowie daraus auch Erkenntnisse zu gewinnen. Dies ist ein Gewinn für mich, der nicht zu unterschätzen ist.

Viele Geschichten, welche im Zusammenhang mit der werten Kundschaft stehen, sind bislang nicht erzählt worden und werden wohl auch unter Verschluss bleiben müssen. Für ein paar Erlebnisse habe ich jedoch eine Lösung gefunden, wie ich diese genug verfremden kann, um den Sinngehalt der Sache dennoch rüberbringen zu können. Da wird sich also noch was tun.

Mit der Rubrik Gruß aus der Küche hadere ich im Moment ein wenig. Einfach so Rezepte zu veröffentlich halte ich für eher langweilig. Doch es gibt kaum noch Geschichten im Zusammenhang mit der Zubereitung eines Gerichtes zu erzählen. Das empfinde ich als sehr schade, zumal die zweitbeste Ehefrau von allen und ich wöchentlich im Schnitt etwa zwei bis drei für uns neue Rezepte ausprobieren. Nicht immer gelingen sie oder sagen uns im Ergebnis zu, aber dennoch hält es mich nicht davon ab, weiterhin amateurhaft unser Essen zu fotografieren. Ein guter Blogger tut so etwas. Man hat ja ein Image zu pflegen. Die Fotos werden für die familieninterne Mampfkartei verwendet und finden vielleicht doch noch mal samt Rezept den Weg in die Öffentlichkeit. Harren wir hier der Dinge.

Auch bereue ich nicht den Schritt, meine Soziophobie bekannt gemacht zu haben. Hier habe ich ebenfalls Rückmeldungen erhalten, welche bestätigen, daß die Einblicke in die Abgründe meines Seelenlebens durchaus so manchem Erkenntnisgewinn gebracht haben. Selbst die zweitbeste Ehefrau von allen, welche die damit verbundenen kleinen und großen Eigenheiten in meinem Handeln Tag für Tag erleben darf, vermag auf diesem Weg ebenfalls noch Neues über den Herrn Gemahl zu erfahren.

Von daher hoffe ich, daß ihr, meine geschätzten Leser, mir weiterhin gewogen bleibt.

Auf die nächsten 50.000!

Euer  
Paterfelis




Freitag, 11. April 2014

Gelüste

Bestandteil der Beschäftigung als Püppchenschubser ist es, besagte Püppchen auch mehr oder weniger ordentlich zu bemalen. Dieser von einigen Spielern hochgeschätzte Teil des Hobbys rangiert bei mir eher ganz unten auf der Liste meiner Lieblingsbeschäftigungen. Obwohl ich sagen muß: Wenn es einmal läuft, dann läuft es. Aber die Überwindung, damit mal wieder anzufangen, ist schon hoch.

Nun geschieht es aber immer wieder, daß ich im Büro am Schreibtisch sitze (ach was) und plötzlich von wilden Gelüsten übermannt werde (ach nein). Nämlich den Gelüsten, meine Püppies bemalen zu wollen (ach so). Kann ich da natürlich nicht. Und sobald ich die Heimatbasis wieder erreicht habe, sind diese Gelüste auch schon längst wieder verschwunden.

Zu Hause passiert mir das nie.

Ich überlege tatsächlich, ob das an meinem Schreibtisch liegt, der die ideale Höhe und Ausgestaltung für solche Tätigkeiten hat. Ist ja doch was anderes als ein üblicher Wohnzimmertisch.

Ich muß mir unbedingt einen Schlüssel besorgen, mit dem ich am Wochenende ins Büro komme und dort malen kann. Damit auch an diesem Ort der Erbauung endlich mal was Sinnvolles geschieht.

Aber das ist natürlich, wie so vieles andere auch, unter Androhung schlimmster Bestrafung verboten.



Donnerstag, 10. April 2014

Frauenprobleme

Der Ökoklaus erschien, wie in letzter Zeit durchaus häufiger, leicht überdreht in unserem Büro, in welchem wir bis dahin wie immer selbstverständlich friedlich vor uns hin arbeiteten.

Über meine Brille hinweg sah ich ihn an. Aufgrund meiner leichten Sehschwäche von -12,5 Dioptrien vermochte ich ihn so dankenswerterweise nur noch schemenhaft wahrzunehmen. Ob er wieder zu viel von seinen holländischen Keksen geknabbert hatte, ohne uns welche abzugeben? Die müssen einfach aus einem Coffeeshopstammen. Alter Egoist.

Doch erwies sich die Lage sehr viel bedrohlicher als zunächst von mir angenommen. Geradezu besorgniserregend bedrohlich. Nadja hat nämlich seit neuestem ein Radio in ihrem Zimmer. Das ist insoweit nicht weiter bemerkenswert, da in den meisten unserer Büroräume – mindestens - ein Radio steht und die Senderauswahl weitgehend, wenn auch nicht konsequent, vereinheitlicht ist. Sehr zu meinem Leidwesen übrigens, kann ich doch so dem nervigen Gute-Laune-Moderator nicht entkommen.

Jedenfalls hat Nadja die Möglichkeit, über dieses Radio auch Musik per Memory-Stick abzuspielen. Und das tut sie heute. Anhaltend. So, daß der Öko-Klaus es mitbekommt.

Musik aus Dirty Dancing.

Das ist der Film, bei dem Millionen leidende Männer darauf warten, daß der Typ mit der seltsamen Frisur endlich im Wasser untergeht. Und auch unten bleibt. So für den Rest des Filmes ungefähr.

Ich kam nicht umhin, dem Ökoklaus mein aufrichtiges Bedauern über seine missliche Lage auszusprechen, während Mandy und Karla sich ausnehmend bedeckt hielten. Es konnte auch nichts anderes erwartet werden, waren der Ökoklaus und ich uns doch darin einig, daß es sich bei dem Nichtverstehen seiner aktuellen Notlage um ein typisch weibliches Problem handeln würde. Wir bekundeten uns dies auch eifrig gegenseitig. Einigkeit macht stark.

Mandy und Karla sahen uns verständnislos an.

Trudi lief gerade den Flur entlang. Wir wagten die Probe aufs Exempel und holten sie zu uns. Sofort bemerkte sie den irren Blick des Ökoklaus und fragte mitfühlend nach, was er denn habe.

„Dirty Dancing-Musik.“

Ihre Mimik hellte sich auf.

„Super! Und, wo ist das Problem?“

Sag ich doch. Typisch weiblich.



Mittwoch, 9. April 2014

Marathon

Rajiv war gerade dabei, den Raum für einen Vortrag vorzubereiten, als die zweitbeste Ehefrau von allen und ich dort eintrafen. Er hatte irgendein Gerät vergessen und war gerade dabei, dieses durch allerlei umständliche Maßnahmen zu ersetzen. Dabei fragte er uns, ob wir nicht eine Idee hätten, wie dies etwas weniger komplex gelingen würde.

Nein, hatten wir nicht.

Meine Angetraute machte sich erbötig, mich den insgesamt eher übersichtlichen Weg nach Hause fahren zu lassen, da wir dort über ein eben solches Gerät verfügten, welches wir Rajiv leihweise zukommen lassen könnten. Doch der lehnte ab.

„Lass mal. Ich habe es nur um Auto vergessen.“

„Na und? Bist du heute mit dem Bus gekommen?“

„Nö, aber der Wagen steht da hinten auf dem Parkplatz von Feinkost Albrecht.“

„Äh, und wo ist das Problem?“

„Mehr als 200 Meter Fußweg sind ein Marathonlauf.“

So sprach der langjährige, durchtrainierte Fitnesstrainer. Nun denn, jeder hat seine eigenen Interpretationen und Vorlieben.

Auch im Sport.

Nach fünf Minuten war ich übrigens wieder da. So ein Marathonlauf ist schon echt hart.




Dienstag, 8. April 2014

18 Minuten sind fast ein Tag

Es ist kurz vor 6.30 Uhr. Mein Weg führt mich in Richtung der großen Treppe hinauf zum Erdgeschoss des LASA, eine Etage über Straßenhöhe. Ja, ist schon richtig, unser Erdgeschoss befindet sich nicht da, wo man es in einer normalen Welt vielleicht suchen würde. Wir sind anders. Von weitem kann ich schon erkennen, daß jemand vor der noch verschlossenen Tür steht. Kundschaft, eine gute Stunde vor Beginn der Öffnungszeit.

Ich könnte einen Umweg durch die Tiefgarage nehmen und so dem Unvermeidlichen entgehen, aber irgendwie – ach, was weiß ich, was mich da geritten hat. Jedenfalls setze ich meinen Weg fort, halte  meinen Dienstausweis an den Scanner des Nebeneinganges und rette mich vor der automatisch aufschwingenden Tür. Wie so oft  versucht der bereits wartende Kunde, mit mir zusammen das Haus zu betreten. Nun kommt der schwierige Teil. Ich kann nämlich nicht einfach durch den Nebeneingang huschen und die Tür hinter mir zügig schließen, bevor die Kundschaft ebenfalls eindringt. Unsere Nebeneingangstür öffnet auf virtuellen Knopfdruck, lässt sich beim Schließen aber Zeit. Viel Zeit. Zeit, die man verschwenden muß, um der Kundschaft zu erklären, daß sie eben nicht eine Stunde vor der offiziellen Öffnungszeit das Haus betreten darf. Manche Kunden sind einsichtig, andere wiederum nicht. Dieser hier ist es nicht. Ich muß tatsächlich den Weg ins Innere mit meiner beeindruckenden Körpermasse blockieren und herumdiskutieren, weil diese scheiß Tür nicht schließt. Also bin ich schon für meinen Arbeitgeber im Einsatz, noch bevor ich mich als Anwesend eingeloggt habe.

Nach einiger Zeit ist das Problem überstanden. Ich bin im Haus, die Tür ist geschlossen und der Kunde noch draußen. Die Tagesroutine beginnt: ausgehende Post von gestern zum Versand bringen, eingegangene Post abholen, Akten auf andere verteilen, Akten holen, Akten in den Schrank hängen, Post sichten und grob sortieren. Es gibt drei Prioritäten: eilig, vorziehen und sofort erledigen. Die Prioritäten können je nach Tagesform und Lage der Statistik wechseln. Das Morgenritual eben. Der PC läuft auch irgendwann. Ich habe mir nach Jahrzehnten abgewöhnt, in unsere Tagesstatistik reinzusehen. Seit einigen Wochen dürfen wir noch weniger von dem, was wir tatsächlich tun, entsprechend statistisch erfassen. Somit ist auch diese Statistik für mich endgültig wertlos geworden.

Ganz wichtig und beinahe vergessen: Die Teemaschine anwerfen.  Natürlich werden solche Geräte bei uns nur geduldet. Und das auch erst nach eingehender technischer Kontrolle durch den Hausmeister. Gut, aufgrund der potentiellen Brandgefahr bringe ich ein gewisses Verständnis dafür auf. Darüber, daß Dr. Strebsinger in seinem Büro einen eigenen, fetten Kühlschrank stehen hat, lasse ich mich jetzt nicht aus. Sonst würde ich noch erwähnen, daß dieser Kühlschrank viel größer ist als der Kühlschrank aus der Teeküche, welcher den restlichen Kollegen von unserer Etage gemeinsam zur Verfügung steht. Der Fairness halber würde ich dann aber auch erwähnen, daß der Landesdirektoren-Kühlschrank unseres Dr. Strebsingers ein Erbstück eines früheren Dr. Strebsingers ist.

Ich bin mit den organisatorischen Dingen fertig und schnappe mir den ersten Vorgang. Der Kunde macht Druck. Er ist mit seinen Abgaben im Rückstand und hat mit uns eine Ratenvereinbarung getroffen. Nun gefällt ihm nicht, wie wir seine Zahlungen in den letzten zwei Jahren auf den Rückstand verteilt haben. Er besteht auf Änderung. Leider ist das nichts, was sich auf Knopfdruck erledigen lässt. Handarbeit ist gefragt, eine langwierige Sache. Die mache ich an sich ganz gerne, aber mir fehlt die Zeit. Nun droht die Sache zu eskalieren, also begebe ich mich daran. Das Blöde ist nur: Es bringt einfach nichts. Ich weiß nicht, warum der Kunde das alles geändert haben will. Er hat keinen Vorteil davon. Es kann ihm egal sein, ob ich seine ältesten Schulden zuerst mit seinen Zahlungen bediene, zuerst die laufenden Verpflichtungen begleiche oder es aufteile. Das habe ich ihm auch schon mal erklärt und schriftlich bestätigt in der Hoffnung, daß er Ruhe gibt. 5.000 Euro Rückstand bleiben 5.000 Euro Rückstand. Auch wenn er nachhaltig der Meinung ist, daß sein Rückstand 7.000 Euro beträgt und er darauf besteht, daß es entsprechend aufgeführt wird. Nein, es sind definitiv nur noch 5.000 Euro. Auch das habe ich ihm schon zweimal vorgerechnet. Ich denke nicht mehr darüber nach. Es war einen Versuch wert. Also fange ich an, wieder meine Zeit zu verschwenden.

Anrufer 1 reißt mich aus meiner Konzentration. Ich gehe ans Telefon. Es ist ja nicht so, daß ich das Scheißteil immer ignoriere. Der Anrufer macht umfangreiche Angaben zu seinem Vorgang. Hätte er mir eigentlich schreiben sollen, aber man ist ja kundenfreundlich. Ich notiere seine Angaben während des Telefonates auf einem Schmierzettel. Nach dem Telefonat beginne ich, diese ins TOLL zu übertragen. TOLL steht für Textverarbeitung OnLine Leicht und ist ein Unterprogramm des MIST. Das kann ich nicht schon während des Telefonates erledigen, da mir – während ich das TOLL aufgerufen habe – der schnelle Zugriff auf andere Programme, wie zum Beispiel über die verschiedenen Einblickmöglichkeiten in die Kundendaten oder zum VATeR, nur eingeschränkt zur Verfügung steht und mich der Programmwechsel ablenkt. Zu schnell hat man einen Haken oder einen Klick vergessen  und somit Daten verloren. Oder alles unter dem Aktenzeichen des zuletzt aufgerufenen Vorgangs erledigt. Dumme Sache.

Während ich noch schreibe, folgt Anruf 2. Ein Kunde hat von uns einen Bescheid erhalten. Hierzu wünscht er noch umfangreichere schriftliche Darlegungen. Kann er bekommen. Auch das sind Dinge, die ich gerne erledige. Ich notiere seine Wünsche auf meinem Schmierzettel, um sie später ins TOLL zu übertragen. Noch während ich mit meinem Zettel hantiere und bevor ich die Notizen für Anrufer 1 fertig stellen kann, klingelt das Telefon.

Anrufer 3 wünscht eine Übersicht, wie seine Abgaben in der Vergangenheit verrechnet wurden. Klasse, auch wieder Handarbeit. Der Kunde befindet sich mit seinen Abgaben ebenfalls im Rückstand. Wir unterhalten uns über eine Ratenzahlung. Das LASA ist da sehr kulant, wir verzichten auf weitere Säumniszuschläge sowie Mahngebühren und nehmen auch keine Zinsen. Trotzdem wird gemeckert. Was sonst?!

Ich notiere weiter die Angaben vom Anrufer 1, greife dann die Sache von Anrufer 2 wieder auf, um die Notizen anzufertigen. Bevor ich die Ergebnisse aus dem Anruf Nr. 3 dokumentieren kann, klingelt das Telefon.

Anrufer 4 hat zuviel Geld überwiesen und soll das Guthaben erstattet bekommen. Ich habe in seinem Bescheid angegeben, daß ich zu diesem Zweck seine Bankverbindung benötige. Und zwar schriftlich im Format BIC und IBAN. Er hat keine Lust, mir zu schreiben. Briefmarken sind teuer, Fax hat er nicht, E-Mail ist bei uns aufgrund mangelnder Datensicherheit für so etwas nicht zulässig. Er sieht es nicht ein. Ich bestehe auf die Schriftform. BIC und IBAN kennt er nicht, hat er nie von gehört. Angeblich. Willkommen in der Gegenwart. Natürlich kommt der Spruch von der Servicewüste Deutschland. Egal. Ich darf keine Bankverbindung am Telefon entgegennehmen. Ich weiß ja nicht, ob er wirklich derjenige ist, für den er sich ausgibt. Außerdem besteht das Risiko eines Übermittlungsfehlers. Er sieht es immer noch nicht ein. Wenn jemand schreibt, wüsste ich ja auch nicht, ob es sich um ihn handeln würde. Irgendwann merkt er, daß er so nicht weiterkommt. Immerhin. Es gibt auch Kunden, die sich nicht wieder melden. Dann bleibt deren Guthaben eben bei uns. Zinslos. Bis die Kundschaft es irgendwann doch mal erstattet haben will. Oder der Anspruch verjährt ist. Da geht es mitunter auch um drei- bis vierstellige Beträge, einmal sogar um einen fünfstelligen. Auf das wiederholte Rückzahlungsangebot habe ich nie eine Reaktion bekommen. Nicht jeder scheint es nötig zu haben. Aber sie haben ihre Briefmarke gespart.

Ich beginne, das mit dem dritten Anrufer Besprochene zu notieren.

Das Telefon klingelt. Anrufer 5 wurde falsch verbunden. Ich suche die richtige Telefonnummer raus und will weiterverbinden. Das möchte der Anrufer nicht, fragt, ob ich ihm nicht selber weiterhelfen könne. Nein, kann ich nicht. Selbst wenn ich wollte, ich kannes wirklich nicht. Ich kenne seine Akte nicht und habe auch von den Dingen, um die es da geht, keine Ahnung. Muß ich auch nicht haben. Ich könnte allerdings dafür sorgen, daß der zuständige Kollege zurückruft. Das will der Anrufer aber auch nicht. Sein Pech, ich verbinde weiter.

Das Gespräch mit Anrufer 3 wird von mir zu Ende dokumentiert. Ich wende mich der Akte zu, die ich irgendwann heute Morgen begonnen habe.

Frl. Hasenclever erscheint mit einem Zettel in der Hand. Der Kunde habe den ganzen Morgen versucht, mich zu erreichen, ich solle dringend zurückrufen. Mache ich. Der Kunde – nennen wir ihn ganz systematisch Anrufer Nr. 6 – fragt nach dem Sachstand, er will jetzt zügig seinen Bescheid haben. Wieder eine Sache, in der es eigentlich um nichts geht, was im Normalfall eilig sein sollte. Hier brennen ganz andere Dinge. Aber das darf man ja nicht so sagen, immer schön die Form wahren. Ich frage nach, warum es für ihn so eilig ist. Das macht durchaus Sinn, denn es gibt ja immer Einzelfälle, in denen mal was anders läuft und was dann auch speziell zu berücksichtigen ist, sich aber gar nicht aus der Akte ergibt. Ich werde angeranzt, daß es deswegen eilig ist, damit er seine Sachen endlich in seine Mappe heften kann. Gut, ein wichtiger Grund, das ist einzusehen. Ich habe ja schließlich auch gerne Ordnung zu Hause. Also werde ich die Sache später am Tag vorziehen und Auszahlungen liegenlassen, nur um eine Beschwerde zu vermeiden. Sollen andere auf ihr Geld warten. Ich kann es nicht ändern, ich bin auch nur Opfer. Wenn ich den Vorgang zu Gunsten anderer Dinge liegenlasse und die Beschwerde kommt, bin ich der Blöd.

Drohende Beschwerden fallen immer unter die Rubrik sofort. Steigerungsfähig ist dies nur noch durch die Kategorie am besten gestern. Das sind die Fälle, in denen die Beschwerde schon da ist. Bei uns kommen erstaunlich wenige davon an. Und die Fälle, in denen tatsächlich eine Beschwerde kommt, sind diejenigen, in denen es wirklich keine Veranlassung dazu gibt und die Begründung der Kundschaft absolut albern ist.

Also notiere ich den Inhalt des Telefonates mit Anrufer 6 und beginne, nachdem ich meine erste Akte des Tages endlich erledigt habe, die Übersicht für Anrufer 2 fertig zu stellen. Dem Grunde nach war das jetzt auch nicht eilig. Aber wer anruft, der darf erwarten, daß seine Sachen bevorzugt bearbeitet werden. Egal, ob es der Sache wegen wichtig ist oder nicht. So ist die Ansage von oben. Das hat was mit Kommunikationskanälen zu tun. Wieder weniger Zeit, andere Leute mit ihrem Geld zu versorgen.

Natürlich werde ich vom Telefon unterbrochen. Anrufer 7 ist ein Ausländer. Nein, ich korrigiere, er ist Deutscher mit Migrationshintergrund. Und lebt seit 35 Jahren in Deutschland. Seine Deutschkenntnisse sind unterirdisch. Der Anrufer möchte am Telefon seinen Bescheid, der umfangreiche Berechnungen enthält, erläutert bekommen. Es wäre durchaus sinnvoll, zu diesem Zweck mit einer Vertrauensperson, welcher der Landessprache mächtig ist, zu uns ins Haus zu kommen. Nein, dazu hat er keine Zeit. Er möchte mit jemandem verbunden werden, der seine Sprache spricht. Ich kenne aber niemanden, der seine Sprache spricht. Natürlich bin ich eine Scheiß-Nazisau. Nachdem er mir das zum zweiten Mal erklärt hat, lege ich nach Vorankündigung auf.

Ich gehe aufs Klo.

Auf dem Rückweg höre ich schon auf dem Flur, daß das Telefon Sturm klingelt. Anrufer 8 gibt mir zu verstehen, daß er mich ja nun endlich mal erreicht habe. Es ist schön, daß er nicht fragt, ob er mich geweckt hat. Er ruft offenkundig von einem fahrenden Auto aus an, die Verbindung ist schlecht. Sein Aktenzeichen hat er nicht zu Hand; ich versuche, es anhand anderer Informationen herauszufinden. Der Anrufer begreift nicht, warum in seinem Bescheid andere Ergebnisse stehen als bei seinem Nachbarn, bei dem doch alles gleich ist und der einen viel besseren Bescheid bekommen habe. Um das beurteilen zu können, müsste ich den Bescheid des Nachbarn einsehen. Nein, den habe er natürlich nicht, aber der Nachbar habe doch gesagt… ja, höre ich häufiger. Und wenn man dann doch mal den seltenen Fall hat, daß man wirklich beide Bescheide zum Vergleich in die Hand bekommt, stellt man fest, daß eben nicht alles gleich ist.

Ich beginne auf seinen Wunsch hin, den Bescheid zu erläutern und versuche abzugrenzen, was bei seinem Nachbarn möglicherweise – man hat ja Erfahrungswerte - anders sein könnte. Er versteht es nicht, die Verbindung ist zu schlecht, außerdem muß er sich auf den Verkehr konzentrieren. Wir beenden das Gespräch.

Ich erledige das Gewünschte aus Anruf 3 und darf diese Arbeit statistisch dokumentieren. Hätten die anderen Anrufer ihre Wünsche alle schriftlich vorgetragen, hätte ich dies in deren Fällen ebenfalls machen dürfen. Kann ich die Dinge aber telefonisch klären, gleich wie lange das Telefonat gedauert hat, ist es so, also ob ich nichts getan hätte. Die Arbeit wird für mich nicht gezählt.

Ich fange zum was weiß ich wie vielten Mal an, mich in meine Akte einzulesen, als das Telefon klingelt. Es ist Anrufer 8, er hat einen Parkplatz gefunden. Wir klären was zu klären ist. Es dauert länger, weil jeder meiner Sätze hinterfragt wird. Aber alles geht mal zu Ende, auch die Energie im  Akku eines Smartphones.

Bevor ich mich wieder meinen Akten zuwenden kann, teilt man uns mit, daß wir zu einem Meeting einem jour fix einer Dienstbesprechung gerufen werden. Dr. Strebsinger hat eigentlich nichts, was er uns berichten könnte, also erläutert er wieder ein paar Statistiken. Unser Fachbereich hat im letzten Jahr trotz aller personellen und sonstigen Misslichkeiten Platz zwei in der internen LASA-Hitliste erreicht, was Eingangs- und Erledigungszahlen angeht. Trotzdem haben wir zu viele Reste, die müssen endlich weg. Und es dauert sowieso alles viel zu lange. Seht zu, wie ihr es anstellt. Aber schön auf die Keine-Minute-länger-sonst-gibt-es-Ärger-Grenze achten.

Helga gibt mir bei dieser Gelegenheit eine Akte mit. Sie kommt in der Sache nicht weiter, das MIST nimmt die erforderlichen Eingaben nicht an, ich möchte die Sache bitte nach Bad Husten geben, damit man sich dort in unserer Abteilungsleitung darum kümmert. Gut, auch das gehört zu meinem Aufgabenbereich. Natürlich ist alles eilig. Bevor ich einen Vorgang weitergebe, muß ich mich davon überzeugen, daß unsererseits nichts übersehen wurde. Wäre ja peinlich und würde zu einem Anranzer führen. Also teste ich die Sache pflichtgemäß durch, schimpfe über die katastrophale Suchfunktion des Intranets, wälze verschiedene wild verteilte elektronische Arbeitsanweisungen und sonstige Beschreibungen, fluche wegen der schlechten Reaktionszeiten der Technik, bis mein gesuchtes Dokument endlich angezeigt wird, teste wieder. Nein, so wie es funktionieren soll, funktioniert es in diesem Fall eben nicht. Ich finde dieses Mal auch keinen Trick. Also beschreibe ich den Fehler und gebe das Problem weiter.

Anrufer 9 wünscht das Äquivalent des legendären Passierscheins A38 von uns zugeschickt zu bekommen. Kein Thema, das geht bei unsschnell und bei mir auch auf Zuruf. Selbst wenn ich nicht zuständig sein sollte. Normalerweise dauert es vielleicht eine Minute zur Erledigung. Das ist weniger Zeit, als mit dem Anrufer herumzudiskutieren und ihn dann weiterzuverbinden. Ich sage die Erledigung zu, gebe die Daten ins MIST ein und – erhalte eine Fehlermeldung. Von einer externen Stelle wurde uns ein fehlerhafter Datensatz ins Konto überspielt. Dieser behindert die Verarbeitung meiner Daten. Also mache ich mich an die Fehlerbereinigung. Frickelsarbeit. Das Ergebnis muß von Frl. Hasenclever geprüft und freigegeben werden. Ich latsche in ihr Büro; sie ist nicht da. Mittagspause. Wie schön. Also lege ich ihr den Kram hin, schreibe eine kurze Notiz und hoffe, das alles in einer Stunde wieder bei mir zu sehen.

Nun erledige ich die Neuverrechnung, welche ich heute Morgen mal begonnen hatte. Ich darf es statistisch dokumentieren und mache Mittagspause.

Mittagspause bedeutet: Ich esse mein olles Butterbrot, lese in der Zeit die Neueinträge in unserem Intranet und lösche ein paar absolut entbehrliche Datensatz-Meldungen aus digitalen Akten. Natürlich ist die Mittagszeit auch ein wahrer Hort für Telefonterroristen. Es klingelt durch, bis der Anruf durch die Telekom maschinell getrennt wird. Dank Wahlwiederholungstaste hält die Ruhe nicht lange an. Und wieder und wieder klingelt es. Ich ignoriere das Telefon, es muß auch mal gut sein. Ich mache Pause. Oder so ähnlich.

Nun lehne ich mich zurück und lassen die Zeit von Dienstbeginn bis jetzt Revue passieren. Sollte jemand meine Arbeit des bisherigen Tages durch die maschinelle Statistik auswerten lassen, käme er auf das Ergebnis, daß ich bislang schon 18 Minuten gearbeitet habe. Alle anderen Arbeiten werden mir nicht persönlich zugeordnet oder gar nicht erst registriert.

18 Minuten!

Mal sehen, ob ich es am Nachmittag schaffe, in die neu eingegangen Anträge intensiver reinzusehen. Wahrscheinlich aber nicht. Es wartet noch Geld darauf, ausgezahlt zu werden.

Vielleicht hätte ich einfach nicht so lange auf dem Klo bleiben sollen.