Dienstag, 11. März 2014

Voll Banane

Ein wohl unstrittiger elementarer Nachteil der aktuell doch wieder wärmeren Wetterlage ist der Umstand, daß Lebensmittel außerhalb des Kühlschranks nun wieder dazu neigen, in einen anderen, durchaus immer noch natürlichen Zustand zu wechseln, welcher ihren Verzehr allerdings nicht mehr angeraten sein lässt. Ein solcher Zustand ist zum Beispiel erreicht, wenn das Brot, welches ich morgens zwecks weiterer geschmacklicher Veredelung aus dem Brotschrank hole, sich ein kleines, blau-weiß strahlendes Pelzmäntelchen zugelegt hat. Dann bleibt mir nur der Gedanke „Tschüß, Brot“, gefolgt von einem „Wie war Plan B?“

Plan B bestand heute darin, die in der Küche noch herumliegenden Bananen vor einem weiteren Dasein in der Biotonne zu bewahren. Bananen schmecken der zweitbesten Ehefrau von allen und mir nur, so lange sie noch nicht braun sind. Der mit der Farbe Hellgrün verbundene Geschmack und die damit einhergehende Konsistenz des exotischen Gewächses geht schon, Zartgrün mit einem Hauch von Gelb wäre ideal, Reingelb ist gerade noch so akzeptabel, Braun hingegen bleibt indiskutabel.

Nun zeigten diese gelb leuchtenden Bananen bereits erste braune Flecken, so daß ich mich erbarmte und sie mit ins Büro nahm. Sechs an der Zahl. Nach der vierten Banane des Tages wollte ich nicht mehr. Durch die warme Büroluft und den Sonnenschein hatte sich die Anzahl der braunen Flecke noch deutlich vermehrt, so daß meine Geschmacksrezeptoren schon bei dem Gedanken an einen Biss in diese nun ekelhaft süße Masse rein vorsorglich den Aufstand probten. Ich war mehr als geneigt, den Aufständischen in jeder Beziehung entgegenzukommen und alle ihre Forderungen zu erfüllen.

Da ich ein Problem damit habe, noch genießbare Lebensmittel wegzuwerfen, auch wenn ich diese selbst nicht mag, suchte ich ein willfähriges Opfer, dem ich die verbleibenden beiden Bananen zukommen lassen könnte. Mandy, die ja stets von der glückverheißenden Wirkung einer Banane schwärmt, zeigte sich urlaubsbedingt abwesend, und auch Karla war aufgrund eines externen Termins nicht zugegen.

Also schnappte ich mir den Ökoklaus, als er den Anteil der auf mich temporär umzuverteilenden Vorgänge Frl. Hasenclevers erhöhen wollte und sich zu eben diesem Zweck meinem Schreibtisch näherte.

„Willst du eine Banane?“

„Nein danke.“

„DOCH! Du willst eine Banane!“

Ich setzte meinen strengen Ich-bin-stellvertretender-Fachbereichsleiter-Blick auf und nahm den Ökoklaus in die visuelle Zange.

„Gut, eine nehme ich. Du bist dann aber mein Zeuge, daß ich meine jährliche Banane gegessen habe.“

Na also, geht doch.

„Die stinkende Schale lasse ich hier.“

„Mach ruhig, im Mülleimer gammeln schon ein paar von der Sorte rum.“

Nur noch eine.

„Lehrling! Du willst doch bestimmt auch eine Banane? Ganz bestimmt. Ist gut fürs Gehirn.“

Ludwig sah nicht mal richtig hoch.

„Nö, Chef. Das lassen wir besser. Wenn ich davon einen Vitaminschock bekomme, könnte es gefährlich werden. Sagen Sie selbst auch immer, wenn Trudi Ihnen mit Obst zu nahe kommt. Und Sie sind mir gegenüber doch zur Fürsorge verpflichtet.“

Klugscheißer. Aber dennoch ein sympathischer Bursche. Und so lernfähig. Er hört eben doch zu, wenn ich ihm zu anderen Gelegenheiten die wesentlichen Dinge dieser Welt erkläre.

Was aber nicht mein aktuelles Problem löst.

Nadja kam rein. Sie hatte Mandys Vertretung zu organisieren und machte sich gerade im Rahmen der temporären Umverteilung aller anfallenden Akten auf alle Anwesenden an Mandys Aktenschrank zu schaffen.

„Willst du eine Banane?“

Sie sah mich entsetzt an.

„Uäääh, bloß nicht. Ich mag kein Obst.“

„Warum das denn nicht? Alle Frauen mögen Obst.“

„Ich nicht. Ich mag lieber Fleisch.“

„Obst ist eine Frühform von Fleisch, welches sich nach streng biologischer Umwandlung quasi von alleine daraus bildet.“

„Ist mir egal.“

Ignorantin. Angeblich sollen Bananen ja das Lieblingsobst der Deutschen sein. In mir wächst gerade ein gewisser Zweifel an dieser Behauptung.

„Aber du könntest die Banane doch einfach Trudi auf den Tisch legen. Und die beiden Äpfel, die ich hier…“

„NEIN!“

Dann eben nicht.

Ein Fenster ploppte auf dem Monitor auf. E-Mail-Eingang. Rebecca teilte der Allgemeinheit mit, daß sie vergessen habe, aus der dortigen temporären Umverteilung aller anfallenden Arbeiten auf alle Anwesenden (ja, hatten wir hier im Text schon häufiger, aber so ist das bei uns) einige Vorgänge auf die Kollegen aufzuteilen, was sie aber morgen nachholen würde.

Strike! Ich beschloß, die mir temporär verliehenen Vollmachten zwecks Erteilung einer angemessenen Maßregelung umzusetzen. Zu irgendetwas müssen die Befugnisse ja gut sein. Also schrieb auch ich eine E-Mail:

„Rebecca, so geht das nicht! Komme sofort vorbei und hole dir eine Rüge ab. Und eine Banane. ICH WILL DIE ENDLICH LOSWERDEN!!!“

Natürlich kam sie nicht. Aus dem Augenwinkel konnte ich noch beobachten, wie Rebecca im Aufzug verschwand. Oder nennt man das auf dem Weg nach unten Abzug? Egal. Ich fühle mich so übergangen. Und morgen will sie mir bestimmt weismachen, meine E-Mail heute nicht mehr gelesen zu haben. Durchtriebenes Pack.

Helga kam vorbei, um eine Akte loszuwerden. Zum Glück nicht bei mir.

„Willst du eine Banane?“

„Nein, ich mache jetzt Feierabend.“

„Aber da kannst du doch noch eine Banane…“

„Auf keinen Fall.“

„Doch, die flutscht auch ganz schnell runter.“

„Vergiss es. Ich hatte heute schon eine Banane. Wir Ossis vertragen nicht mehr als eine davon.“

Das halte ich jetzt zwar nur für eine reine Schutzbehauptung, kann aber aktuell nicht das Gegenteil beweisen. Mist.

Ich nahm Sven am äußersten Rand meines Sichtbereiches wahr.

„SVEN!“

„Keine Zeit.“

Ist ja wohl das Letzte. Bei Frl. Hasenclever hätte er sich das nicht getraut. Während ich noch überlegte, mit welchen finsteren Strafen ich den Kerl Kraft meiner vorübergehenden Befugnisse belegen könnte, erschien er in dem Loch, welches der Zimmermann gelassen hatte.

„Du willst doch wohl nicht quatschen?“ fragte er mich.

„Nein, das währen ja ganz neue Gewohnheiten.“

„Gut. Ab Ü-40 ist das mit den neuen Gewohnheiten nämlich eine schwierige Sache.“

Ich beschloss, später über diese Frechheit nachzudenken und kam direkt zum Kern meines Anliegens.

„Willst du eine Banane?“

„Ja, gerne.“

Engelsmusik traf meinen Gehörgang.

„Willst du auch zwei Äpfel?“

„Und dann sagst du deiner Frau, wie fleißig du das Obst gegessen hast, oder?“

„Quatsch. Ich hatte einen ganzen Beutel davon, aus dem ich mich in den letzten Tagen verköstigt habe. Ich kann die nicht mehr sehen.“

„Ok, nehme ich auch.“

Halleluja!

„Herrlich. Ich werde dich an geeigneter Stelle lobend erwähnen.“

Was ich hiermit getan habe.



Kommentare:

  1. Gut der Sven!
    Frauen die Fleisch dem Obst vorziehen sind mir sympatisch. Trinkt sie auch Bier, ich würde sie direkt auf eines einladen.
    Aber dein Azubi hat mir den stärksten Eindruck hinterlassen.

    AntwortenLöschen
  2. Und wenn du mir einfach zwei der Bananes dagelassen hättest, hätte MEIN Frühstücksplan A nicht durch Plan B ersetzt werden müssen... :-P
    Ich mag die zwar in dem Zustand nicht mehr pur essen, aber in einem Shake verarbeitet nehme ich die gerne noch - dann muß auch kein Honig mehr rein.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hätte, hätte...

      beinahe wie bei mir Zuhause... :D

      Löschen
    2. seht ihr, Mann kann den Mund nicht nur zum (Bananen-) essen öffnen :-p

      Löschen
    3. Nein, es gibt auch Leckerchen vom China-Buffet, welche ihren vorbestimmten Weg durch diese Öffnung nehmen müssen.

      Und wer jetzt nicht weiß, worauf unser Blockvogel gerade anspielt: Klick mich

      Löschen
  3. Das mit den Bananen verstehe ich sehr gut, bei mir geht es auch nur grün bis leicht gelb, sonst kann ich sie höchstens in Form von Bananenmilch zu mir nehmen.
    Aber deine Versuche, sie an den Mann zu bringen, finde ich sehr subtil, man könnte direkt von dir lernen. ;-)
    LG und einen für heute bananenlosen Tag.
    Sadie

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Der Lehrauftrag dieses Blogs ist eben sehr weitreichend.

      Löschen