Mittwoch, 5. März 2014

Lebendspielzeug

Als ich nach dem morgendlichen Duschen die Tür des hier auch als Männerklo bezeichneten Badezimmers im Souterrain mit dem üblichen „Guten Morgen, Marty.“ von innen öffnete und mich vorbeugte, um meine noch nassen Hände an dem Fell des soeben vorauseilend begrüßten Katzgetiers zu trocknen, stand wider Erwarten nicht der Hauskater davor und begehrte Einlass. Und auch keine Lilly, die ansonsten immer ihre Biomasse-Produktion aus der Nacht unbedingt in dem hier befindlichen Katzenklo ablassen muss. Ist ja nicht so, daß sie nicht noch ein paar andere zur Auswahl hätte. Dafür konnte ich Smilla auf dem großen Ledersessel ausmachen. Ich folgte ihrem Blick und fand schließlich die beiden Vermissten. Auf dem Boden, unweit eines schon seit Wochen im Weg herumstehenden Kartons, schien ihrem Verhalten nach etwas Interessantes zu sein.

Ich verdrehte innerlich die Augen. Wenn die Bande sich so aufführt, kann nur wieder ein zuweilen auch als Snack dienendes Lebendspielzeug eingedrungen sein. Im Regelfall handelte es sich um eines mit acht Beinen. Ich sah mir die Sache an und fühlte mich weitgehend bestätigt. Bis auf die Sache mit den Beinen. Es waren nur sechs. Ganz offenkundig zog einer dieser berüchtigten Zentralkalifornischen Knallkäfer das Interesse der Katzenbande auf sich. Man kennt diese Viecher ja. Und dieser hier schien mir einer von der besonders gemeinen Sorte zu sein. Das Vieh war so groß wie mein Daumennagel und zeigte eine braun-rote Farbgebung. Ich bemerkte das mörderische Glitzern in seinen Augen.

Ausrüstung. Wo war meine Ausrüstung? Ich benötigte etwas Papier, denn die humane Methode, derartiges Viehzeug in einem Glas nach draußen zu befördern, damit es auf anderen Wegen wieder in unsere Wohnung eindringen kann, findet bei uns keinen Anklang. Und nein, auch der Trick, im Garten kleine Schilder aufzubauen, welche das Viehzeug auf dem Weg zurück in unsere Wohnung in die Irre führen sollen, erwies sich bislang als wenig praktikabel.

Da ich das Monstrum nicht aus den Augen verlieren wollte, verbot es sich, eben in Richtung Männerklo zu gehen und mich dort mit meiner Ausrüstung zu versorgen. Statt dessen nahm ich mir aus einem zufällig in der Nähe befindlichen alten Waschmittelkarton, der mir in den letzten Tagen als Papiermülleimer  gedient hatte, ein zusammengeknülltes Taschentuch, stürzte mich damit auf den Zentralkalifornischen Knallkäfer. Ein beherzter Druck sollte ihm weiteres Leid ersparen.

AUTSCH!

Ein stechender Schmerz drang über den Daumen in meinen Körper. Sollte das Vieh mich etwa in seinen letzten Momenten irdischen Daseins noch mit seinem bestimmt tödlichen Stachel erwischt haben? Ich besah mir die besorgniserregende Verletzung. Ein Foto kann ich leider nicht anbieten. Dann warf ich einen Blick in das Taschentuch, fand die sterblichen Überreste meines Gegners und – eine abgebrochene Stecknadel. Was macht die in dem Taschentuch?

Ich sollte hier mal investigativ tätig werden.



Kommentare:

  1. Du Schelm hast mich doch tatsächlich dazu gebracht, mich zum Affen zu machen und den zentralkalifornischen Knallkäfer zu guggeln! :-)

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    1. *flötunddabeiharmlosdurchdiegegendgucke*

      Das war aber auch ein ekeliges Vieh. Außerdem sah er aus, als ober er einen Knall hat. In dieser Bedrohungslage werde ich ihn doch nicht erst nach seinem Namen fragen.

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  2. Ich brech' zusammen.... 'ne Stecknadel? Wie auch immer: Tod allen Insekten* und Spinnen! Keine Gande! Ich bin voll und ganz bei dir.
    (*ausgenommen Schmetterlinge, Marienkäfer, Bienen, Hummeln, Grashüpfer und die westliche Dornschrecke)

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    1. Wenn die Katzenviecher hier weniger verspielt und dafür etwas verfressener wären, könnte die Quote erledigten Insektenzeugs bedeutend höher sein.

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  3. Autsch .. meine Friseurin hat mal aus irgendeinem Grund eine Rasierkline in ihre Handtasche gest4eckt und vergessen. als sie Tage später nach ihrem Schlüssel in derselbigen fahndete...naja, man kann es sich denken.
    Gruß vonner Grete

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    1. Ich schließe mich deinem "Autsch" vorbehaltlos an. Ich habe mir einst einen schönen Schnitt in die Fingerkuppe verpasst. Die Erinnerung ist sehr lebendig geblieben.

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  4. Und warum ist das Viehzeug bei Euch mit Stahlwaffen ausgestattet? Da brauchts demnächst ja wohl Chemie. Oder Schusswaffen. Darwin hatte wohl doch recht....

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    1. Der Atommüll hätte doch tiefer verbuddelt werden sollen. Mist!

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