Montag, 31. März 2014

Was soll ich sagen,...

…ich kann immer noch nicht schlafen. Heute habe ich am späten Nachmittag etwa eine halbe Stunde vor mich hingedöst. Damit komme ich auf 90 Minuten dösen in 36 Stunden. Aber keinen Schlaf.

Tolle Sache.

In meiner Verzweiflung leichten Genervtheit habe ich mich wieder ins Wohnzimmer begeben. Jetzt sitze ich hier, meine Angetraute hat meinen Stammplatz auf dem Monster eingenommen. Marty ist kurz vorm Ausflippen und rennt wie ein Irrer durch die Wohnung, Treppe rauf und Treppe runter, weil ich auf unseren Fernsehsessel ausgewichen bin.


Marty, streck mir ruhig die Zunge raus; ich stehe trotzdem nicht auf.

Das ist sonst seinPlatz. Und damit ist es jetzt eben seinPech, daß ich nicht schlafen kann. Das Leben ist kein Ponyhof.

Doch es geschehen schlimmere Dinge.

Wir gucken eine Aufzeichnung von Let’s Dance.

Es ist so unbeschreiblich langweilig.

Aber ich werde nicht schläfriger.

Immerhin konnte ich meine Angetraute wieder damit beeindrucken, daß ich weiß, wer die ihr unbekannte Teilnehmerin namens Cindy Berger ist. Im deutschen Schlager bis zu den 80er Jahren kenne ich mich im Gegensatz zu ihr schon etwas aus. Mindestens drei Lieder von Cindy und Bert vermochte ich noch zu intonieren. Bis mich dann der böse Blick von der linken Seite verstummen ließ.

Nein, ich finde Schlager nicht toll. Das ist nicht meine Musik.

Aber ich bin mit der Hitparade aufgewachsen. Und der Schlagerparade. Im Radio lief in meinem Elternhaus ausschließlich Schlagermusik. ABBA war schon als grenzwertig definiert. Über Queen und die Rolling Stones brauchten wir uns gar nicht erst unterhalten.

Ja, ich hatte eine harte Kindheit und Jugend. Ich bin für alles entschuldigt, wenn ich irgendwann das lange geplante spontane Kettensägenmassaker starte. Es gibt mindestens mildernde Umstände, falls ich den finalen Rettungsschuß überleben sollte. Wenn nicht sogar einen Freispruch.

Weiß jemand, ob Amazon um diese Uhrzeit noch eine Schnelllieferung von Kettensägen hinbekommt? Benzinbetrieben mit extra langem Blatt. Obi hat nämlich schon geschlossen.

Nicht?

Schade.

Danke für eure geschätzte Anteilnahme.



Schlaflos im Neustädter Ländchen - machen wir weiter

Zweite Erkenntnis der Nacht:

Das Nachtprogramm im deutschen Farbfernsehen ist auch nicht wesentlich besser als das Abendprogramm. Obwohl zumindest Phönix und 3SAT Lichtblicke lieferten.




Immer noch schlaflos im Neustädter Ländchen

Immer noch bin ich wach.

Die erste Erkenntnis der Nacht lautet:

Schokolade macht genau so glücklich wie Bananen.

Dies aber, ohne sich dem Risiko eines Vitaminschocks aussetzen zu müssen.




Schlaflos im Neustädter Ländchen

Ich kann nicht schlafen. Genau wie in der Nacht davor. Wie so oft in letzter Zeit. Meine Gedanken kreisen nur noch um die Neustädter Hölle. Immer und immer wieder. Zwei Wochen Urlaub haben nichts gebracht.

Gerade ziehe ich mir eine ganze Tafel Schokolade rein. Bei mir ein Alarmsignal. Schokolade ist ja sonst nicht so mein Ding. Ganz offensichtlich. Das Mindesthaltbarkeitsdatum endete am 15.06.2013. So lange liegt die hier schon herum. Sie ist immer noch genießbar.

Andere saufen, ich fresse. Saufen ist gesellschaftsfähiger.

Um vier Uhr wird die Nacht vorbei sein. Ich bin hellwach.

Also kann ich gleich durchmachen. Ist ja ohnehin egal, ob ich im Wachkoma zur Arbeit gehe oder nicht. Hauptsache, beim morgendlichen Köpfezählen sind alle da, die da sein sollen.

Mehr interessiert da ohnehin keinen mehr. Alles andere sind die üblichen, in Seminaren eingetrichterten Plattheiten, die sie von sich geben müssen. Worthülsen, die ich schon lange nicht mehr ernst nehmen kann.

Betriebliches Gesundheitsmanagement haben wir auch. Eine Farce.

Alle Stellen sind besetzt. Egal wie man es hinbekommt; was nicht passt, wird passend gemacht. Mehr Personal gibt es nicht. Sieh zu, wie du klar kommst. Hier, geh zum Anti-Stress-Seminar.

Das löst mein Problem nicht. Und die Probleme der anderen auch nicht.

Es ist kaum zu glauben, daß ich wirklich mal mit wahrer Leidenschaft zur Arbeit gegangen bin.







Samstag, 29. März 2014

Wagenladungen

Es ist Freitagmorgen. Ich suche alles an bei uns in den letzten Tagen aussortierten Kram zusammen, welcher zumindest innerhalb der Wohnung noch im Weg herumsteht und verlagere diesen zunächst ins Treppenhaus. Unmengen an papiergefüllten Kartons, ausgemusterte Elektrokleingeräte, Metallschrott, Altglas und Altkleider haben sich angesammelt. Auf der Terrasse lagern noch ein paar Mülltüten für die gelbe Wertstofftonne und Restmüll. Die nächste Leerung findet erst wieder in ein paar Wochen statt. Ich bin begeistert.

Es könnte knapp werden, aber mit etwas Glück schaffe ich es, alles mit Ausnahme des Wertstoffmülls in einer Tour zur Entsorgungsstelle zu bringen. Der für die gelbe Tonne bestimmte Müll wird dort nicht angekommen. Und die Preise für den Restmüll sind unverschämt. Schade, aber nicht zu ändern.

Ich sorge dafür, daß sich Balduins Ladefläche vergrößert, klappe um, was umgeklappt werden kann, fahre vor die Haustür und lade alles ein. Ein kritischer Blick meinerseits lässt mich erahnen, daß sich da auch noch Platz für ein paar Pfandflaschen und einen einzuwerfenden Brief findet. Obwohl letzteres schon knapp wird… Jedenfalls kann ich so auf dem Rückweg ein paar Einkäufe erledigen, ohne nochmal die Heimatbasis ansteuern zu müssen, um die Flaschen abzuholen. Blödes Flaschenpfand. Die Pullen nehmen so viel Platz weg. Früher konnte man die wenigstens auf ein handliches Format pressen, aber heute? Na ja, auch das ist nicht zu ändern. Und komme mir keiner mit einem Soda-Streamer. Zwei Mal hatten wir so ein Ding. Hat uns nicht gefallen.

An der Einfahrt zur Entsorgungsstelle stehen schon einige Autos. Ich gehe zur Anmeldung; hier warten ein paar Herren am Schalter auf ihre Abfertigung. Der erste deklariert seine Lieferung:

"Papiermüll und Elektrokleinteile."

Er bekommt von der Dame am Schalter seinen Laufzettel und darf weiterfahren.

Der nächste Herr, dieselbe Dame. "Altglas und Papiermüll."

Der Laufzettel wird ausgestellt, er darf weiterfahren.

Ich bin dran, trete an den Schalter.

"Papiermüll, Elektrokleinteile, Altglas, Metall, Altkleider."

"Fahren Sie doch mal vor, damit ich mir das alles mal ansehen kann.“

Hrmpf. Gut, mache ich. Die Dame sichtet den Wageninhalt. Ich erkläre, was sich alles in den verschiedenen Kisten und Kartons befindet.

"Das ist Flaschenglas?"

"Ja. Ist doch sehr offensichtlich."

"Kein Fensterglas oder so was?"

"Nö, einfach nur Flaschen für den Glascontainer."

"Aha. Sind die Altkleider sauber?"

"Ja, frisch aus dem Kleiderschrank. Du kannst ja mal dran riechen. Lenorfrisch."

"Und das da?"

"Normale Einkaufstüten. Die nehme ich wieder mit. Die große Plastikbox auch, die ist nur Transportbehälter für Pappe."

Man sieht sich weiter um.

"Das hier sind aber Pfandflaschen."

"Ich weiß. Deswegen befinden die sich ja auch in den Einkaufstüten, getrennt vom Müll."

„Die nehmen Sie wieder mit?“

"Natürlich, du alte Schnepfe. Was denn wohl sonst?"

Man knöpft mir fünf Euro für die Ladung ab. Ich ärgere mich, denn ich sehe keinen Grund dazu. Da ist kein Hausmüll dabei, aber man besteht darauf. Drecksbande. Müllmafia. Ich fahre 20 Meter vor bis zum nächsten Müllmafioso Einweiser. Er wartet drei Meter neben Balduin. Normalerweise treten diese Herrschaften ja an den Wagen heran. Erwartet der jetzt etwa, daß ich aussteige, zu ihm rüberlatsche und ihm den Laufzettel gebe? Pustekuchen! Ich halte ihn aus dem Wagen raus den Laufzettel entgegen.

"Den bekommen Sie?" frage ich ihn, obwohl ich es weiß.
 
Er kommt, nimmt meinen Laufzettel, erklärt mir, wo alles hinmuß. Weiß ich zwar schon, aber ich lasse ihn gewähren. Der Mann braucht ja auch seine Daseinsberechtigung. Ich bin ein wirklich guter Mensch.

"Fangen sie dort mit dem Metallschrott an."

Ich lächle ihn an, bedanke mich artig und fahre zur Papiermüllstation. Der bildet sich doch wohl nicht ein, daß ich erst den Wagen komplett entlade, um an meinen Metallschott zu gelangen, nur um dann alles wieder für den Weg zu den nächsten Stationen einzuladen? Nein, ich frage besser nicht. Fakten schaffen ist angesagt.

Doch dann bekome ich die Gelegenheit, mich zu rächen. Ich fahre an die Glascontainer heran. Hier werfe ich je eine blaue und eine rote Flasche in den Container für Weißglas. Für Weißglas! Jawohl! Ich bin richtiggehend renitent. Zivil ungehorsam sozusagen! Das hat die Müllmafia jetzt davon! Und es tut mir auch nicht Leid, daß ich vergessen habe, das faule Ei, welches sich noch geruchssicher verpackt in einem der Gläser befand, vorher rauszunehmen und in den Bio-Müll zu schmeißen. Das hättet ihr alles anders haben können, aber ihr wolltet ja den Krieg.

Nachdem ich endlich alles weitgehend dort gelassen habe wo es hingehört, stelle ich Balduins Normalzustand wieder her und fahre meines Weges. Über die ganzen Irren, die sich freitags morgens auf der Straße befinden, lasse ich mich jetzt nicht aus. Nur soviel: Die Union deutscher Sonntagsfahrer hatte ihren Wandertag vorgezogen. Vielleicht aber haben auch nur ein paar Anwärter zur Aufnahme in diesen Verein ein paar Testfahrten gemacht. Man weiß es nicht.

Schließlich erledige ich meine Einkäufe. Hier stoße ich auf die erwartete und gefürchtete Klientel. Erinnert mich daran, daß ich um diese Uhrzeit - unter der Woche um 9 Uhr, falls ich mal nachfrage - nie wieder einkaufen gehe. Außer online. Aber wirklich nie im örtlichen Einzelhandel. Sämtliche Klischees werden hier wieder bedient. Wie lange kann man vor einem Kühlregal stehen und überlegen, welche der drei angebotenen Sorten Magerquark man zu erwerben wünscht? Und auf welch mannigfaltigen Wegen kann man es bewerkstelligen, die Räumung des Kassenbereiches so lange zu verzögern, daß die fünf Menschen an der Nachbarkasse mit ihren prall gefüllten Einkaufswagen noch schneller durch sind als der hier bei uns nachfolgende Kunde, welcher zufällig ich bin?! Irgendwo muß die versteckte Kamera sein. Ich finde sie nicht. Ich warte darauf, daß irgendwann jemand brüllt „Cut, Szene ist im Kasten“ und ich dann Loriot auf einem Regiestuhl sehe. Bis mir einfällt, daß der ja auch schon das Zeitliche gesegnet hat. Die Guten sterben halt viel zu früh.

So schiebe ich dann endlich meinen Einkaufswagen über den Parkplatz zum dort wartenden Balduin. Ich nähere mich einem Kombi mit geöffneter Heckklappe. Eine junge Mutter hat gerade ihre Einkäufe auf der Ladefläche verstaut. Ihre Tochter, vielleicht zwei Jahre alt, steht im Auto aufrecht neben den verladenen Klappboxen.

„Bleib schön hier, Melanie-Annegret. Die Mama bringt nur noch schnell den Einkaufswagen weg.“

So spricht man und verschwindet. Das Kind steht weiter auf der Ladefläche. Alleine. Die Heckklappe ist weiterhin geöffnet.

Ich möchte nicht der Fahrer sein, der die Vollbremsung machen muß, wenn die kleine Melanie-Annegret überraschend aus dem Wagen springt und ihren Marsch über den Parkplatz antritt.





Freitag, 28. März 2014

Überirdisches

Liebe gute Fee,

wie du weißt, ist mein Wunschzettel nicht allzu groß. Neben dem Weltfrieden sowie Glück und Gesundheit für alle Menschen auf Erden und wo auch immer sonst noch welche leben, bitte ich dich nur um eine Kleinigkeit:

Lasse einen freundlichen LKW-Fahrer hier vorbeikommen, der zufällig einen leeren Schutt-Container auf seinem Laster hat. Und dann wäre es noch nett, wenn der freundliche LKW-Fahrer anhält und zu mir sagt:

Hallo, Herr Paterfelis. Mein Schutt-Container, der sich zufällig auf meinem Laster befindet, mit dem ich jetzt zufällig vor Ihrer Haustür parke, ist zufällig noch nicht richtig gefüllt. Ich mache jetzt zufällig ein Päuschen. In dieser Zeit dürfen Sie alles, was sie zufällig wegschmeißen möchten, unsortiert in meinen Container werfen.

Ja, das wäre schön. Die Terrasse ist wieder gut gefüllt mit Dingen, die wir ausgemistet haben. Schrecklich, was sich so alles an überflüssigem Kram ansammelt.



PS: Es darf auch eine LKW-Fahrerin sein, ich bin da sehr offen. Hauptsache freundlich.

PPS: Mist, man hat ja immer nur drei Wünsche frei. Der Schutt-Container wäre der vierte. Also muß ich doch alles selbst zur Entsorgungsstelle bringen. Zumindest das, was die da annehen. Ich will meinen alten Kombi wiederhaben.

PPPS: Hat sich eigentlich schon mal jemand gewünscht, unendlich viele Wünsche erfüllt zu bekommen?




Donnerstag, 27. März 2014

Nächtliche Hausbesuche (2)

Ich weiß bis heute nicht, wie die Geschichte mit dem Krawattenopa weiter gegangen ist. Wir haben ihn seit dieser Nacht nicht mehr gesehen, was aber nichts bedeuten muß. Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich pflegen keine intensiven Kontakte zur Nachbarschaft. Frau Kleinhüppgenreuther könnte uns mit Sicherheit Auskunft geben, aber sie ist die letzte Person, die wir fragen würden. Irgendwann werden wir es erfahren, vermutlich bei einer sich bietenden Gelegenheit von Frau Knutsen, unserer eine Etage über uns wohnende Hausverwalterin, welche einen guten Draht zu Frau Kleinhüppgenreuther besitzt. Auch sie ist stets gut informiert, erlangt ihre Informationen aber auf wesentlich dezentere Weise und neigt nicht zum übertriebenen Tratschen.

Dieser Einsatz um Mitternacht erinnert mich jedoch an eine ähnliche Situation vor vielen Jahren. Meine Angetraute hat kurz zuvor ihren Status von Freundin zu Verlobte gewechselt. Jedenfalls so rein juristisch betrachtet, eine formelle Verlobung gab es bei uns nicht.Wir lebten mit Sally und Miss Daisy in der bereits erwähnten Wohnung weiter hinten in der Stichstraße. An die Ankunft von Lilly, Marty und Smilla wagte die Weltgeschichte noch nicht zu denken. Gut, ich räume ein, daß die Weltgeschichte von den Dreien bis heute auch noch keine Notiz genommen hat und dies wohl auch nicht mehr geschehen wird. Hoffe ich. Es wäre mir doch etwas zuviel der Aufmerksamkeit.

Seit zwei Tagen litt die zweitbeste Verlobte von allen an Rückenschmerzen. Kann vorkommen. Ich unterstützte sie bei einigen Übungen, welcher der Entlastung dienen sollten, mit mehr oder weniger durchschlagendem Erfolgt. Seinerzeit war meine Anverlobte noch in ihrem alten Beruf tätig und konnte sich nicht die Nächte um die Ohren schlagen, so wie sie es heute ihrem Naturell entsprechend tut. Wir gingen zu unserer üblichen Zeit gemeinsam ins Bett.

Bevor ich einschlafen konnte, wurde der Schmerz bei ihr so heftig, daß sie mich bat, den Notarzt zu rufen. Sie vermochte sich kaum noch zu bewegen. Ich vergewisserte mich, daß ich richtig verstanden hatte. Ja, hatte ich. Nun, in solchen Krisensituationen ist es auch mir möglich, trotz bestehender Phobie mit Fremden zu kommunizieren. Für so etwas bildet der Körper Stresshormone.

Mein Anruf galt dem nahegelegenen Krankenhaus, welches auch die örtliche Notdienstpraxis unterhält. Der diensthabende Arzt bedauert, mir nicht helfen zu können, er habe einen psychologischen Notfall. Nein, einen Wagen könne er auch nicht schicken und habe überdies keine Zeit.

Also neuer Versuch, dieses Mal bei der wohlbekannten 112. Auch hier Fehlanzeige. Man würde ja gerne einen Wagen schicken, aber dieser sei gerade auf der anderen Seite des regionalen Fließgewässers im Einsatz, das könne dauern. Ich möge mich doch bitte an die nächstgelegene Notdienstpraxis wenden.

Also wieder Anruf im Krankenhaus. Das Gespräch drehte sich im Kreis, von dort war keine Hilfe zu erwarten. Neuer Anruf bei der 112. Nein, weiter vertrösten ist nicht drin, der Wagen soll kommen, wenn er bereit sei. So weit, so schlecht.

Nach einer Stunde näherte sich ein Flackern. Der Rettungswagen fuhr vor; vom Balkon aus machte ich auf mich aufmerksam. Zwei Sanitäter kamen rein und besahen sich die Lage. Nein, sie würden meiner Anverlobten nicht helfen können, ein Notarzt müsste vor Ort erscheinen. Dieser kam nach telefonischer Anforderung dann auch geraume Zeit später. Er untersuchte meine Anverlobte und gab ein Schmerzmittel, welches sie nahezu schlagartig ausknockte. Sie müsse auf jeden Fall ins Krankenhaus. Natürlich ins nächstgelegene…

Es stellten sich zwei weitere Probleme. Das Treppenhaus war relativ eng, mit einer üblichen Trage würde man sie nicht sicher hinunter transportieren können. Also müsste sie in einer Decke getragen werden. Die Sanitäter benötigten handanlegende Unterstützung. Diese wurde vom Notarzt angefordert. Wir erledigten die dringlichsten Formalitäten, als zwei weitere Sanitäter erschienen. So wurde meine Anverlobte auf einer Decke liegend von den vier Sanitätern das Treppenhaus hinunter getragen. Ich sah ihr auf dem Treppenabsatz nach. Auf dem Weg nach unten kam ihr Rücken mit der Kante einer Treppenstufe in Kontakt. Sie hatte die Augen geöffnet und sah mich an.Wie ich später erfuhr, war der Schmerz durch diesen Kontakt dermaßen stark, daß sie kurz aus dem Dämmerzustand erwachte. Schließlich war alles geregelt, zwei Rettungs- und ein Notarztwagen verschwanden in den nun so langsam heranziehenden Morgen.

So tat ich, was man als treusorgender Verlobter eben macht. Ich packte eine Tasche mit den ersten, wichtigen krankenhauserforderlichen Dingen, brachte mich in einen ausgehfähigen Zustand, was bedeutet: duschen, Haare waschen, Straßenkleidung anziehen. Dann fuhr ich zum Krankenhaus. Meine Angetraute war bereits auf Station und ansprechbar. Sie habe vermutlich einen heftigen Bandscheibenvorfall. Einen doppelten sogar, wie sich später herausstellte. Wenn schon, dann richtig.

Sie sollte nun schlafen, also fuhr ich nach Hause. Von dort rief ich kurz, nun schon wieder begleitet von dem Erfordernis, die phobische Mauer überwinden zu müssen, ihre Eltern an, informierte diese und hetzte anschließend zur Arbeit. Denn im LASA standen wir kurz vor der Einführung der ersten Version des MIST. Unsere bis dahin genutzte, noch von hauseigenen, ehemals aus der Sachbearbeitung stammenden Programmierern erstellte und zur allgemeinen Zufriedenheit arbeitende Software sollte ersetzt werden. Ich war auserkoren, die neue Anwendung in unserer Außenstelle zu schulen. Es gab einen äußerst knappen Terminplan; man befand sich in Konkurrenz zum LASA eines anderen Bundeslandes und hatte den Ehrgeiz, ohne Not mit allem schneller und besser und schöner und toller, dafür aber ohne Rücksicht auf Verluste fertig zu werden. Ein Ausfall meinerseits war nicht vorgesehen, Ersatz für mich gab es nicht. So riss ich meine an diesem Tag eingeplanten Stunden im Schulungsraum runter, arbeitete den Rest des Tages bis zum pünktlichen Feierabend und fuhr direkt im Anschluss deutlich übernächtigt ins Krankenhaus.

Dieses war der Beginn einer Odyssee, welcher meine Anverlobte und mich in Kontakt zu zahlreichen Kliniken und Ärzten brachte, bis schließlich die Anwendung einer damals neuen, noch nicht von den Krankenkassen zu zahlende und damit selbst zu finanzierende Operationsmethode endlich Hilfe brachte. Diese Odyssee durch die Kliniken wurde durch ein verlängertes Wochenende unterbrochen, an dem meine Anverlobte meine Angetraute wurde.


(Ende)



Mittwoch, 26. März 2014

Nächtliche Hausbesuche (1)

Wir befinden uns wieder im Jahr 2013. Es ist Mitternacht. Mitten in der Woche. Die richtige Vorweihnachtszeit hat gerade begonnen, nicht die von der Werbewirtschaft und dem Einzelhandel vorgegebene. Ich werde wach, höre Sally im Wohnzimmer nörgeln. Sie hat Hunger und will ihren Spezial-Kakao. Wenn sie den jetzt nicht bekommt, wird sie morgens gegen vier Uhr vor Hunger kotzen, denn diese Form der Nahrung hält nicht lange genug vor. Und Sally geht nur noch zu seltenen Momenten an das bereitstehende Trockenfutter. Dumme Katze. Kranke Katze. Alte Katze.

Ich  muß nicht aufstehen und mich darum kümmern, denn die zweitbeste Ehefrau von allen ist um diese Uhrzeit normalerweise noch nicht im Bett und übernimmt die Versorgung. Ich sehe Licht im Wohnzimmer. Also ist auch heute alles wie immer und ich kann liegen bleiben. Aber dennoch ist etwas anders. Ich bemerke ein Flackern von draußen, höre ein ungewohntes Geräusch. Wenn ich schon mal wach bin, kann ich ja auch gleich mal den Porzellanpalast besuchen und anschließend meine Neugier meinen typisch männlichen Wissensdurst stillen.

Die Katzenbande – mit Ausnahme von Sally, welche sich für derlei Dinge nicht mehr interessiert – beobachtet von unseren verschiedenen Fensterbänken aus die Außenwelt. Das Flackern stammt von einem Notarzt- sowie von einem Rettungswagen, ebenso das Geräusch. Beide stehen ein paar Häuser weiter und blockieren die komplette, eher schmal gebaute Stichstraße. Kein Problem um diese Zeit. Nacheinander ziehen Katzen und Kater schließlich wieder von ihren Aussichtsposten ab. Das Flackern wurde wohl langweilig. Und sonst geschieht nichts von Katzeninteresse.

In der Wohnung Erdgeschoss links brennt Licht. Hier wohnt ein älteres Ehepaar.  Dem Vernehmen nach soll der männliche Teil des Ehepaares früher, bevor er in den Ruhestand ging, Psychologe gewesen sein. Alle Psychologen, die mir bis jetzt untergekommen sind – entweder aufgrund von Eigenbedarf oder aus beruflichen Gründen – hatten irgendwie selbst auch einen an der Klatsche einen an der Waffel einen Hau eine menschlich sonderbare Eigenart. Genau wie dieser Herr. Meine Angetraute und ich nennen ihn nur den Krawattenopa. Dies ist nicht unfreundlich gemeint. Ständig trägt er einen Anzug, dazu weißes Hemd und Krawatte. Und zwar bei allem, was er tut. Zumindest, soweit wir das beurteilen können.

Bevor wir in unsere jetzige Wohnung gezogen sind, wohnten wir nur ein paar Häuser weit entfernt in der gleichen Straße. Wir konnten von unserem Balkon aus in den Garten des Krawattenopas sehen. Selbst beim Sonnenbaden, Rasenmähen, Unkrautjäten und Laubfegen trägt er nichts anderes als Anzug, weißes Hemd und Krawatte. Während eines wirklich heißen Sommertages konnten wir ihn jedoch mal dabei ertappen, wie er seine Jacke beim Rasenmähen abgelegt hat. Nicht jedoch die Krawatte.

Die Sanitäter kommen mit einer Trage aus dem Haus, verstauen diese in ihrem Wagen. Es ist der Krawattenopa, der auf ihr liegt. Er ist nicht zugedeckt, wir können ihn erkennen. Die Wagen fahren noch nicht los. Der Notarzt telefoniert noch ein paar Minuten. Dann wenden die Fahrzeuge und verschwinden in der nur von dem Flackerlicht erhellten Nacht.

Es ist in dem Zusammenhang absurd, aber wir bemerken, daß der Krawattenopa dieses Mal keine Krawatte getragen hat.


(wird fortgesetzt)



Dienstag, 25. März 2014

Gestürzt

Ultimativ = Adjektiv mit der Bedeutung sich nicht mehr verbessern lassend, das höchste Stadium einer Entwicklung darstellend  (Duden)

Zu früh gefreut! = Zu früh gefreut! (Paterfelis)



Es werden sich wohl nicht nur die gedächtnisstärksten Leser dieses Blogs an die verschiedenen Dinge erinnern, welche man mit Klorollen so anstellen kann. Zum Beispiel könnte man sie ineinander packen.

Es hat sich ein Herausforderer in diesem edlen Wettstreit gefunden, dem es gelungen ist, die vermeintlich ultimative Grenze doch noch auszudehnen.

Ich verneige mein Haupt in stiller Demut vor Blogleser Shumway und fasse seine Leistung mit einer ehrfurchtsvollen


13


zusammen. Man beachte auch den nachstehenden Link:

(der Link steht nicht mehr zur Verfügung)

Der König ist tot, es lebe der König.




Montag, 24. März 2014

Da ist was faul

Das Gartenzimmer im Souterrain unserer Wohnung gleicht im Moment einem Schlachtfeld. So eine Auf- und Ausräumaktion, verbunden mit der gleichzeitigen Einrichtung eines Arbeitsbereiches (wie gut, daß es die Schweden gibt) für die zweitbeste Ehefrau von allen sorgt schon für einen etwas verstörenden Eindruck. Auch wenn ich – im Gegensatz zu meiner Angetrauten – in dem Haufen zwischengelagerter Dinge doch ein System erkenne und sehr zuversichtlich bin, daß die Sache bald erledigt ist.

Wir saßen im Wohnzimmer, als von unten ein Geräusch nach oben drang. Meine Angetraute wies mich an, den Ton des Fernsehers zurückzufahren, um der Quelle des Geräusches näher auf den Grund gehen zu können. Da es gerade keine wilde Schießerei zu sehen gab, konnte ich der Bitte entspannt nachkommen.

Wir lauschten.

„Auf jeden Fall ist der Wäscheständer daran beteiligt.“ vermochte ich einen Teil der Ursache zu definieren. „Darauf befindet sich gerade aber nur ein Handtuch, den Rest habe ich abgeräumt.“ Also keine herunterhängenden Kleidungsbestandteile mit Bömmelchen.

Das Geräusch wiederholte sich. Meine Angetraute ging zur Treppe und warf einen Blick in die bedrohliche Tiefe.

„Wie war das? Es ist was faul, wenn nirgendwo eine Katze zu sehen ist?“

„Japp, so ist die Erfahrung.“

Also begab sich die zweitbeste Ehefrau von allen in höchsteigener Person nach unten, um dem Geheimnis auf den Grund zu gehen.

„Ach, Marty, hast du die Walnuss gefunden?“

Schon vor Wochen hatten wir der Katzenbande eine alte Walnuss hinterlassen, mit der sie spielen durfte. Hat aber bislang niemand von denen gemacht. Nun schien der Hauskater doch darüber gestolpert zu sein und kickte die Nuss immer wieder gegen unseren Wäscheständer.

Da es im Fernsehen weiterhin keine wilde Schießerei zu sehen gab, nutzte ich die Gelegenheit, um diesen Eintrag zu verfassen.

„Kannst du bitte ein Foto von der Walnuss machen? Der Fotoapparat liegt unten auf dem Tisch.“

„Nein, kann ich nicht.“

„Warum nicht?“

„Weil sich hier gerade drei Katzen um die Nuss verteilt haben und diese angaffen.“

Aha. Na gut. Aber ich habe dann doch noch mein Foto bekommen. Nur mit der wilden Schießerei wurde es nichts mehr.


Das Instrumentarium...




...und Marty, der Spielmeister


Sonntag, 23. März 2014

Blog intern - Das Follower-Gadget

Wer es riskiert, sich in diesem Staat als Blogger zu betätigen, befindet sich bereits mit einem Bein in einer möglichen Schuldenfalle und zumindest mit dem halben anderen Bein im Knast. Ihr kennt die Problematik: die Abmahnmafia. Und die GEMA. Und noch vieles mehr. Nein, mich hat es nicht erwischt. Noch nicht. Und ich lege auch keinen gesteigerten Wert darauf, daß dieses geschieht.

Mit der Einbettung von YouTube-Videos (oder auch denen anderer Anbieter) macht man sich deren Inhalte zu Eigen. Wir sind beim Thema Urheberrechte. Und auch die GEMA möchte hier gerne zuschlagen dürfen. Wer weiß, vielleicht darf sie es bald.

Das Erfordernis eines auch durch Roboter auslesbaren Impressums mit Klarnamen kann den Wald-und-Wiesen-Blogger ebenso reinreißen wie ein nicht ordnungsgemäßer rechtlicher Hinweis, welchen außer einem Abmahnanwalt ohnehin kein Mensch liest, in dem auf die absurdesten Dinge hingewiesen werden muß.

Selbst die Verlinkung zu einer Seite, deren Betreiber diese Weiterleitung nicht wünscht, kann kostenpflichtigen Ärger verursachen. Ich gehe davon aus, daß die Betreiber der Wikipedia damit keine Probleme haben.

Und natürlich – um wieder die Wende zur Urheberrechtsproblematik vorzunehmen – ist auch eine Präsentation von Bildern, zu deren Darstellung man keine Rechte hat, höchst problematisch.

In meinem Blog lade ich nur Bilder hoch, die ich selbst erstellt habe. Die Blogroll habe ich inzwischen so eingestellt, daß dort nur noch Texte, nicht jedoch Vorschaubilder der dort enthaltenen Blogs gezeigt werden.

Die letzte mir bewusste Baustelle ist das Follower-Gadget, also die Übersicht über jene Personen, welche meinem Blog folgen. Jeder Follower wird durch ein Bild dargestellt. Ich kann aber leider nicht erkennen, ob der jeweilige Follower dieses Bild wirklich mit Erlaubnis verwendet. Würde ein solches Bild durch eine dritte Person erstellt worden sein, welche die Verbreitung nicht wünscht, könnte auch die Veröffentlichung des Bildes im Rahmen des Follower-Gadgets auf meinem Blog zu einer für mich kostenpflichtigen Abmahnung führen, wenn man es darauf anlegt.

Es ist heute ja modern geworden, direkt die Hand aufzuhalten und nicht erst freundlich um Änderung des unrechtmäßigen Zustandes zu bitten.

Von daher habe ich mich entschlossen, das Follower-Gadget in den nächsten Tagen ebenfalls aus dem Blog zu entfernen. 

Die Rechtslage in unserer weltfremden Republik macht es erforderlich.


Aktualisiert am 01.01.2015: Ich habe das Gadget wieder aufgenommen.


Samstag, 22. März 2014

Der Aufwand, den man betreibt

Die Fenster der Wohnung sind einen Spalt weit geöffnet. Ich sitze im Wohnzimmer, die Katzenbande ist außer Sicht. Manche Menschen definieren die Zeit noch als frühen Morgen; die zweitbeste Ehefrau von allen ist noch nicht richtig aktiv. Es ist für sie am Vortag wieder spät geworden. Die übliche Routine eben. Ich hingegen bin schon seit Stunden auf den Beinen. Trotz Urlaub. Wie immer war vor vier Uhr die Nacht für mich vorbei. Fünf Stunden Schlaf habe ich bekommen. Nicht am Stück, aber immerhin.

Von draußen dringt das Geräusch eines arbeitenden Kleinbaggers zu mir. In der Nachbarschaft wird ein Garten komplett ausgeräumt. Der Kleinbagger gehört zu dem beauftragten Gartenbauunternehmen. Ich war gerade draußen und wollte mit dem Wagen zum Knaller-Markt fahren, um einige größere Plastikboxen zu besorgen. Meine Angetraute und ich werkeln aktuell im Gartenzimmer und im Keller herum, sortieren - nachdem wir in unserem letzten Anlauf nicht fertig geworden sind - weiter aus und bringen Struktur in das Chaos. Im Moment komme ich gut alleine weiter, die Hilfe meiner Angetrauten wird erst später wieder benötigt. Dinge sauber einräumen und Ordnung schaffen mache ich ganz gerne. Zumindest, sobald ich die Übersicht habe, was ich mit den Sachen meiner Angetrauten anstellen soll. Und wenn es sich nicht um Textilien handelt. Kleidung wegräumen hasse ich wie die Pest. Das wimmel ich meistens auf die zweitbeste Ehefrau von allen ab. Jetzt aber benötige ich diese Boxen, unser Vorrat ist ausgeschöpft.

Zu dem Kleinbagger gehört ein Anhänger, mit dessen Unterstützung er sich in der freien Welt außerhalb des Gartens bewegen darf. Und der Anhänger ist mit einem großen Wagen verbunden. Dieser wiederum steht gerade sinnlos in der Gegend herum. Zusammen mit dem Anhänger. Vor unserem Carport. Scheiße! Es geht nicht anders, also kein Vorwurf. Aber ich habe keine Chance, mit unserem Wagen Balduin dem Paterfelis-Mobil rauszukommen. Natürlich könnte ich eben Bescheid geben und darum bitten, ein Stück zur Seite zu fahren. Ich habe keinen Zweifel daran, daß es für den Fahrer kein Problem darstellen würde. Aber ebenso natürlich frage ich nicht. Hätte hier jemand mit etwas anderem gerechnet? Also verschwinde ich wieder ins Haus und beschäftige mich, bis ich alleine nichts mehr tun kann.

Und nun sitze ich Wohnzimmer. Hatte ich eingangs schon erwähnt. Es hat sich ja seit dem auch nichts geändert. Und es wird sich nichts ändern. Zumindest bis ich mitbekomme, daß die Gartenbauer verschwunden sind.

Wieder frage ich mich, was so schwierig daran ist, die Sache draußen zu regeln.

Mir fallen noch bescheuertere Dinge ein, die ich mache. Oder nicht mache, je nach Betrachtungsweise. Auch das Überqueren einer Straße ist mitunter ein Problem. Heh, nicht lachen. Die Sache mit dem erst links, dann rechts, dann nochmal links und schließlich gehen habe ich schon vor über vierzig Jahren begriffen und verinnerlicht. Bereits als Kind durfte ich den Weg zum Kindergarten alleine laufen. Das waren schon ein paar Kilometer mit einigen ampellosen Wegquerungen.

Aber es gibt diese Situationen, in denen es geschehen könnte, daß Autofahrer extra anhalten, damit ich über die Straße komme. Zum Beispiel an der Bushaltestelle. Diese befindet sich direkt an einer Verkehrsinsel. Soweit nichts Ungewöhnliches. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich mich nicht so aufführen würde wie ich. Ich steige also aus und gehe hinter dem Bus vorbei zu dieser Verkehrsinsel. Dann kommt die Gegenfahrbahn an die Reihe. Bin ich mit anderen Personen unterwegs, geht es weiter, sofern es die Verkehrslage gestattet. Bemerke ich allerdings ein herannahendes Auto während ich alleine auf der Verkehrsinsel stehe, möchte ich unbedingt vermeiden, daß der Fahrer wegen mir anhält. Ähm, nur damit wir uns richtig verstehen: Ich befinde es durchaus für sinnvoll, wenn der Fahrer bremst und würde ein solches Handeln in jedem Fall begrüßen, falls ich schon auf der Straße sein sollte. Hier halte ich ein Weiterfahren eindeutig für irgendwie - ungut.

Aber zurück zur Ausgangslage. Ich befinde ich mich also noch nicht auf der Fahrbahn und möchte die Situation mit dem Autofahrer umgehen. Ich weiß nicht, warum dies so ist, aber es ist wie ein innerer Zwang. Meistens. Also wende ich mich von Fahrer ab, vermeide jeden Blickkontakt und tue so, als ob ich meine Schlüssel suche oder auf einem Zettel oder dem Handy irgendwas lese. Auf jeden Fall signalisiere ich durch mein Verhalten, daß ich gerade keineswegs beabsichtige, die Straße weiter zu überqueren. Sobald der Wagen vorbeigefahren ist, gehe ich indes weiter.

Gleiches auf dem Kundenparkplatz des örtlichen Nahrungsmittelgroßversorgers: Ich parke üblicherweise etwas abseits. Der Fußweg führt mich auf dem Parkplatzgelände über einen Zebrastreifen. Auch hier findet stets das gleiche Spiel statt: Ich sorge dafür, daß ich den Eindruck erwecke, gerade nicht über diesen Zebrastreifen gehen zu wollen und mit anderen Dingen beschäftigt zu sein, wenn sich ein Fahrzeug nähert. Sobald jemand bei mir ist, käme mir das nie in den Sinn.

Wie irre kann man sein?

Ich höre den Bagger nicht mehr. Macht man nur Pause oder ist man zur Abfahrt bereit?

Harren wir der Dinge...



Freitag, 21. März 2014

Worcester-Sauce

Essenszeit. Das Hackfleischgericht auf dem Teller bedarf ein wenig der Nachbearbeitung. Die zweitbeste Ehefrau von allen erkundigt sich, ob ich auch von den Resten der Sauce Hollandaise vom Vortag haben möchte.

„Danke, aber die passt nicht zur Woschester-Soße.“

Das Gesicht meiner Angetrauten bildet ein einziges Fragezeichen.

„Seit wann sagst du Woschester-Soße? Du hast das doch bisher immer richtig ausgesprochen?“

„Ist mir durchgerutscht. Ich weiß, daß das Wuuster-Soßausgesprochen wird. Es ist ein Relikt aus der Kindheit. Wir sagten früher immer Worschester-Soße. Ich muß mich bis heute wirklich konzentrieren, um den Namen korrekt auszusprechen.“

Der Alltag kann eben echt hart sein.



Donnerstag, 20. März 2014

Ideen

Ich stand gerade mit einer Akte in Rebeccas neuem Büro, um diese mit ihr zu besprechen, als Dr. Strebsinger gut gelaunt den Raum betrat. Sein Blick traf die Karaffe, die stets auf Nadjas Tisch zu finden war und eine verdächtig gelbliche Flüssigkeit enthielt.

„Na, was haben Sie denn da in Ihrer Karaffe. Das sieht ja aus wie eine Urinprobe.“

Rebecca schaltet sofort.

„Klar, Herr Dr. Strebsinger. Das ist Eigenurin. Soll ja ganz gesund sein, den zu trinken.“

Dr. Strebsinger verzog das Gesicht.

„Na ja…“

„Och, keine Sorge, so ein Öko bin ich dann doch nicht. War nur ein Scherz. Das ist stark verdünnter Saft. Der ist gut fürs Gemüt“

„Da bin ich ja beruhigt. Aber das bringt mich jetzt doch auf einen Gedanken.“

„Herr Dr., muß ich jetzt Angst bekommen?“

„Na, wer weiß…“

„Nun sagen Sie schon.“

„Was denn?“ Dr. Strebsinger grinste.

„Ihre Ideeheee.“

„Ach so, ja. Wie wäre es, wenn von nun an jede Mitarbeiterin regelmäßig eine Urinprobe hier abgibt, damit wir einen B-Test machen können? Das wäre gut für die Personalplanung.“

WUMMS!!!

Na, die Idee hätte ja glatt von mir sein können. Aber kann mir bitte einer erklären, warum Rebeccas Stirn gerade auf die Tischplatte geknallt ist?




Mittwoch, 19. März 2014

Paterfelis spielt - Mortheim (3)

Die Kampagne lief über einige Monate. Ich schrieb eine Kampagnenzeitung, in der ich stilgerecht die Gefechte nochmal zusammenfasste und auch sonstige Ereignisse von Bedeutung schilderte. Zur Stimmungsbildung polemisierte ich ein wenig. Dies hat damals auch sehr viel zur Atmosphäre und zum Fortbestehen der Kampagne beigetragen. Ich kann es angehenden Kampagnenspielern gleich welchen Spielsystems nur empfehlen, so etwas auch auf den Weg zu bringen.

In Neustadt hatte ich zwischenzeitlich einige Leute kennengelernt, welche sich ebenfalls für das Spiel interessierten. Die Kontaktaufnahme geschah damals via Internet, was mir die Sache deutlich erleichterte. Hierauf werde ich in einer späteren Folge meiner kleinen Serie noch zurückkommen. Nie wäre ich auf Fremde persönlich zugegangen, um sie für ein Spiel zu gewinnen. Auch nicht in Ladenlokalen oder Clubs, in denen Tabletop-Spiele veranstaltet wurden. So beendeten wir unsere erste Mortheim-Kampagne und starteten eine neue, an der auch meine Spieler aus Neustadt und Umgebung teilnehmen konnten.

Es fiel mir psychisch nicht leicht, immer wieder zu den Spielen anzutreten. Der Umgang  mit den Menschen stellte sich jedes Mal, auch wenn ich einige schon jahrelang kannte, eine enorme Herausforderung dar. Doch es funktionierte. Tatsächlich lief die zweite Mortheim-Kampagne über mehrere Jahre. Es beteiligten sich im Laufe der Zeit 32 Personen an den Spielen; manche nur ein oder zwei Mal, andere regelmäßig. Jeder durfte mehrere Banden spielen, die nur nicht gegeneinander antreten sollten. Hunderte Spiele fanden statt; eine von mir organisierte und am Leben gehaltene Sache und damit eine Leistung, auf die ich durchaus stolz bin.

Irgendwann war auch diese Zeit vorbei. Das Spiel hatte seinen Reiz verloren, was durchaus verständlich ist. Spätere Versuche einer Wiederbelebung im Rahmen einer neuen Kampagne sind nach wenigen Spielen gescheitert. Lediglich Herr Graumann hat noch einen Gegner, gegen den er alle paar Monate mal antritt. Er findet keine neuen Spieler in seinem Umkreis.

Ich hingegen konnte das Ende der Kampagne gut verschmerzen, denn es hatten sich neue Optionen ergeben. Doch dies ist eine andere Geschichte, die später erzählt werden wird.


(Ende)



Dienstag, 18. März 2014

Paterfelis spielt - Mortheim (2)

Um Mortheimspielen zu können, wird sehr viel mehr Gelände benötigt als dies zum Beispiel bei Warhammer Fantasy Battles, welches mittlerweile nur noch Warhammer heißt, der Fall ist. Schließlich gilt es, eine zerstörte Stadt nachzubilden. Die Spielfläche für zwei Spieler misst 120 x 120 cm, bei drei und mehr Spielern sind wir wieder beim Format 180 x 120 cm. Neben den Gebäuderuinen bedarf es ebenfalls der Anschaffung von Kleinteilen wie Barrikaden, Leitern, Fässern und viele Dinge mehr, welche sowohl gut für die Atmosphäre sind, aber auch als Deckung oder Hindernis im Spiel Auswirkungen zeigen können.

Da zeigt es sich als sehr hilfreich, wenn man jemanden kennt, der leidenschaftlicher Heimwerker ist und als Vorruheständler auch noch ausreichend Zeit hat, sich mit so was zu beschäftigen. Sollte dieser Jemand auch noch der eigene Vater sein, ergänzt sich das ganz gut. So war es denn an mir, meinen alten Herrn eine Freizeitbeschäftigung zu verpassen und in der Hauptsache mich, aber auch Herrn Graumann mit Geländestücken zu versorgen.

Es war die Entscheidung zu treffen, wie fein und detailliert diese Geländestücke auszusehen haben. Da abzusehen war, daß ein häufiger Transport mittels Klappboxen erfolgen würde, sollte bevorzugt eine einfachere aber robustere Bauweise umgesetzt gegeben werden. Das Baumaterial fand sich günstig in den Restekisten des örtlichen Baumarktes, dann konnte es losgehen. Schnell hatte mein Vater eine ausreichende Anzahl Gebäuderuinen fertig gestellt, ebenso Leitern und Barrikaden. Schwieriger würde es mit Fässern werden, aber auch da fand sich eine Lösung.

In der Zwischenzeit nämlich verfügten die zweitbeste Freundin von allen und ich über einen PC mit Internetanschluss. Fündig wurden wir auf der Recherche nach günstigen Faß-Modellen bei Playmobil. Die Größe der Playmobil-Fässer lag in einem Bereich, der akzeptabel war. Es gibt schließlich Fässer in allen möglichen Größen, da sind fast mannshohe auch keine Ausnahmeerscheinung. Die Optik konnte mit etwas Farbe verschönert werden und das Beste war: Die Fässer wurden als Ersatzteil im Onlineshop für wenig Geld angeboten. Ich orderte 50 Fässer für mich und meine Mitspieler, was die dort zur Verfügung stehenden Kapazitäten erst mal überschritt. Doch ich bekam einige Wochen später eine portofreie Nachlieferung. Herz, was willst du mehr?

Nach einigen Testspielen, bei denen sich schon abzeichnete, daß Peter – nennen wir es mal so – sehr siegorientiert war, beschlossen wir, die Kampagne zu starten. Da wir sehr weit voneinander entfernt wohnten, was sich später durch meine Versetzung nach Neustadt noch verschlimmerte, und jeder mal Gastgeber sein sollte oder fahren müsse, trafen wir uns einmal im Monat immer wieder woanders zu einem ausgedehnten Spieletag, der vormittags begann und erst am frühen Abend endete. Es musste sich ja lohnen. Der Gastgeber fuhr ein kleines, kaltes Buffet auf, an dem wir uns ganztägig bedienen konnten. Es sollte nicht aufwendig sein, nur ein paar Brötchen und etwas Belag. Es hat immer sehr gut funktioniert und sorgte auch für den einen oder anderen zusätzlichen Unterhaltungswert.

Eines Tages nämlich waren wir bei Peter. Er wohnte noch im Haus seiner Eltern, hatte in dem Haus aber eine eigene Wohnung. Gespielt wurde folgerichtig in seiner Wohnung, zu Essen gab es im elterlichen Teil. Natürlich kümmerte sich Muttern höchstselbst um die Verköstigung. Wie sich das bei einem ordentlichen Frühstück gehörte, gab es auch Eier. Weichgekochte Eier. Peter öffnete seins, als ein vernehmlicher Ton des Widerwillens aus seinem Mund zu vernehmen war. „Ihhhh, Mutter, da ist noch Glibber drauf. Du weißt doch, daß ich den nicht mag.“

Was macht eine wirklich selbstlose Mutter in einer derartigen Situation? Richtig, sie nimmt das Ei an den Mund, saugt den Glibber ab und stellt dem Sohnemann das Ei mit dem Hinweis wieder hin, daß er ja nun am weiteren Verzehr des Hühnerproduktes nicht mehr gehindert sei…

(wird fortgesetzt)




Montag, 17. März 2014

Paterfelis spielt - Mortheim (1)

Die Versuche meiner Kollegen und mir, vollbemalte 2.000 Punkte starke Warhammer-Armeen aufzustellen, stellte sich als schwieriger raus als erwartet. Unserer Einschätzung nach würde es noch gefühlte Ewigkeiten, unter Umständen sogar noch länger dauern, bis wir ein erstes Spiel wagen könnten. Warum wir nicht einfach mit den unbemalten Armeen gespielt haben, kann ich heute nicht mehr nachvollziehen.

Natürlich steht in den Regeln, daß man Warhammer Fantasy Battles gefälligst mit bemalten Miniaturen zu spielen hat, die ausschließlich mit den Farben, Klebstoffen und Werkzeugen desselben Miniaturenherstellers behandelt waren und die auch keinesfalls mit Miniaturen von Fremdherstellern kombiniert eingesetzt werden dürfen, weil die sonst verpuffen. So in etwa wie beim Zusammentreffen von Materie und Anti-Materie.

Ich habe es im Laufe der letzten Jahre wiederholt getestet und kann alle Anfänger in der Angelegenheit beruhigen: Die Dinger verpuffen nicht. Man kann übrigens auch Einkäufe von Aldi in Lidl-Tüten packen und umgekehrt. Da explodiert, detoniert, implodiert oder kollabiert auch nichts. Ganz bestimmt. Und falls doch mal, dann könnt ihr euch bei mir beschweren. Sofern ihr noch dazu in der Lage seid. Ich höre mir das dann gerne mal an. Als Trösterchen könnte ich auch einen Keks rausrücken, wenn ich zufällig einen habe.

Der Entschluss, unsere halbfertigen Armeen zunächst irgendwo zu parken fiel uns relativ leicht, denn ein neues Spiel hat sich angekündigt: Mortheim! Die Handlung fand in der gleichen Welt wie Warhammer statt. Und es hatte auch den gleichen Modellmaßstab, was bedeutet, daß man auch auf bereits vorhandenes Miniaturenmaterial zurückgreifen konnte. Das Beste aber war, daß es sich um ein so genanntes Skirmish-Tabletop handelte. Dies bedeutet, daß keine epischen Schlachten, sondern nur Scharmützel mit wenigen Modellen ausgetragen werden. Mit einer Auswahl von 20 Modellen hat der Spieler schon mehr als er regelmäßig benötigen würde, der Normalfall sollten 15 Modelle sein. Eine überschaubare Angelegenheit.

Der interessierte Leser kann sich hier mehr detaillierte Hintergrundinformationen holen. Für alle anderen gebe ich hier einen kurzen Abriss des Handlungsrahmens: Die Stadt Mortheim wurde durch einen Kometen zerstört. Dieser bestand aus magischem Material - logisch, wir befinden uns in einer mittelalterlich angehauchten Fantasywelt. Die Splitter des Kometen sind überall in der Stadt verteilt. Die Spieler stellen sich anhand verschiedener Auswahlen Banden zusammen, welche die Stadt durchstreifen, um die Splitter zu bergen. Treffen diese Banden aufeinander, kämpfen sie, bis eine Bande flieht oder die Siegbedingungen des gewählten Szenarios erfüllt sind. Auf ihrer Suche begegnen die Banden zusätzlichen Gefahren. Dämonen, böse Zauberer und verschiedene Monster lassen sich in den Ruinen finden und sorgen ihrerseits für zusätzlichen Ärger.

Mortheim wird als Kampagne gespielt. Das bedeutet, daß die Ergebnisse eines Spieles Auswirkungen auf das nächste Spiel haben werden. Die Charaktere der Angehörigen der Bande entwickeln sich weiter, die Kämpfer entwickeln neue Fähigkeiten, erleiden aber auch sie einschränkende Verletzungen. Ausrüstung kann gekauft und somit variiert werden, neue Bandenmitglieder und Söldner lassen sich anwerben und wieder entlassen.

Ja, wir wollten es versuchen.


(wird fortgesetzt)  



Sonntag, 16. März 2014

Hilfestellung

„Mann ey, so eine verfluchte Sch… äh, Kacke.“

Eine wohlbekannte Stimme tönte aus dem Postzimmer zu uns herüber. Sven! Und er war gerade noch so an dem verdienten Strafstrich vorbeigekommen.

„Was machst du denn da?“ Irgendwie muß man ja sein Interesse an den Kollegen bekunden.

„Ich könnte mir gerade selbst in den Hintern treten. Aber mit Anlauf.“

Eine kurze gedankliche Abwägung der Umstände ließ mich zu einem Schluß kommen: „Du, das wird aber tendentiell eher schwierig.“

„Ist mir klar!!!“

Oh, drei Ausrufungszeichen. Da scheint jemand etwas gereizt zu sein.

Mandy mischte sich ein. „Mach dir keine Sorgen, wir helfen dir dabei.“

Passt auf, gleich redet er nur noch in Großbuchstaben.

„DARAN HATTE ICH KEINEN ZWEIFEL!“

Wie gesagt - Großbuchstaben. Aber er weiß eben doch, daß wir stets hilfsbereite Kollegen sind.




Samstag, 15. März 2014

Stöckchen gefangen

Die Laborfee hat wieder mit Holz um sich geworfen. Ich habe es gefangen. Ein Stöckchen…


Vegetarisch oder vegan leben: Wie lange würdest du durchhalten?

Ich muß nicht zu jeder Mahlzeit Fleisch haben. Gegen leckere fleischlose Gerichte habe ich nichts einzuwenden, allerdings gibt es in meinem Rezeptefundus nicht genügend abwechslungsreiche Auswahl, um auf eine entsprechende Ernährung umstellen zu können. Rein vegetarisch käme ich vielleicht zwei Wochen zurecht. Vegan hingegen wäre wohl nicht mehr als ein Wochenende drin – wenn überhaupt. Milch und Käse sind mir zu wichtig.



Gibt es eine Zahl, die in deinem Leben eine ganz besondere Bedeutung hat?

Ich spiele immer gerne mal wieder mit bestimmten Zahlen. Die 42 ist ein Klassiker, die 7 gehört einfach zum Chinabuffet. Insgesamt gesehen aber gibt es da nichts von besonderer persönlicher Bedeutung. Von daher ist hier auch keine Geschichte zu erzählen.



Hast du Pflanzen in deiner Wohnung stehen? Wie lange (über-)lebt die „dienstälteste“ Pflanze schon bei dir?

Einige wenige Pflanzen gibt es. Wegen der Katzenbande müssen wir hier schon sehr darauf achten, was uns an Grünzeug ins Haus kommt. Leider gibt es immer wieder mal wohlmeinende Zeitgenossen, welche uns Pflanzen zukommen lassen, die aber für unsere Katzen giftig wären. Und wir haben nicht so viele Stellen zur Verfügung, die zum Parken der Pflanzen wirklich katzensicher sind. Meine dienstälteste Pflanze ist ein Drachenbaum und wurde mir nach einem Umzug in eine neue Wohnung geschenkt. Das ist jetzt 18 Jahre her.


Lilly links, Drachenbaum rechts (in Auszügen)



Welches Lied geht dir im Augenblick am meisten auf den Wecker?

Ganz klar: „Girl on fire“ von Alicia Keys. Die kräftigen Töne des Refrains tun mir tatsächlich in den Ohren weh. Es gibt zahlreiche Lieder, welche einen entsprechenden Effekt haben. Hier tut sich insbesondere der Gesang von Whitney Housten hervor. Alicia Keys wird vom regionalen Radiosender aber seit Monaten, wenn nicht noch länger, wirklich täglich ein- oder zweimal gespielt. Und da dieser Sender im Büro immer dudelt, wenn Mandy anwesend ist, muß ich das auch regelmäßig anhören.




Selber kochen: nur das nötigste, um nicht zu verhungern, oder zur Kunst erhoben?

Aktuell befinde ich mich in einer Phase, in der ich nicht gerne mit einem gewissen Aufwand koche. Ich habe dazu einfach keine Lust mehr, wenn ich aus dem Büro nach Hause komme. Und auch an freien Tagen kann ich mich gerade kaum zu einer sinnvollen Tätigkeit aufraffen. Grundsätzlich aber koche ich gerne. Ein richtiger Koch würde das, was ich da treibe, wohl eher bloß als Zubereitung von Nahrung ansehen, und ich könnte da nicht widersprechen. Für den Eigenbedarf reicht es, aber mir fehlt die Geduld und Raffinesse zu mehr, obwohl ich mich da gerne weiterentwickeln würde.



Wo wir gerade dabei sind: Was hast du zuletzt auf dem Herd (oder im Backofen) gezaubert?

Das müsste ein Hackstrudel gewesen sein, wenn ich mich richtig erinnere. Ist schon wieder ein paar Tage her.





Und gibt es zu: Irgendwas ist beim Kochen auch schon mal richtig schief gegangen. Wie schlimm war es?

Fassen wir den Begriff des Kochens mal etwas weiter. In der Schule habe ich an der Arbeitsgemeinschaft Hauswirtschaft teilgenommen. Die bestand bei uns im Wesentlichen aus Betätigungen in der Küche. Ich versuchte mich an einer Welfenspeise. Geschmacklich war sie sehr lecker, die Konsistenz aber war eher fest. So wirklich schiefgegangen ist danach nichts mehr, an das ich mich jetzt so spontan erinnern könnte. Abgesehen von einigen Dingen, in welcher die zweitbeste Ehefrau von allen und ich abweichende Meinungen davon hatten, wie viel Salz denn nun genug ist.



Hast du ein Kleidungsstück, was längst nicht mehr dazu taugt, daß du dich damit unter die Leute traust, das du aber nie-nie-nie-NIEMALS wegwerfen würdest?

Bis zur letzten Altkleidersammlung hätte ich von meinem Kermit-T-Shirt berichten können, welches  schon seit Jahren in meinem Kleiderschrank vergammelt. Ich hätte das Shirt auch noch angezogen, aber es scheint seit dem Kauf massivst eingelaufen zu sein. Mein Umfeld hätte wohl mit Befremden reagiert, wenn ich das Shirt getragen hätte. Jetzt bleibt nur noch meine 16 Jahre alte Levis 501. Als ich die zuletzt getragen habe, dürfte ich die Hälfte meines jetzigen Gewichtes gehabt haben. Geschätzt jedenfalls. Aber das ist eine andere Geschichte.



Was hilft dir abends im Bett gegen kalte Füße?

Gegen kalte Füße in meinem Bett war es immer als am effektivsten, wenn die zweitbeste Ehefrau von allen selbiges verlassen hat. Katzenfüße können auch kalt sein, aber die kommen nur selten unter meine Bettdecke.



Was hast du dir zuletzt auf DVD (oder Blue Ray) gekauft bzw. schenken lassen? Was war der Anlass dazu?

Die zuletzt wirklich gekaufte DVD – ich leihe ansonsten überwiegend – war die komplette Serie Firefly in einer Box. Anlass war, daß ich sie zu einem wirklichen Tiefstpreisangebot erstehen konnte. Ich beobachte die Preisentwicklungen bei solchen Boxen und schlage dann zum passenden Zeitpunkt zu.



Mit welcher Sorte würdest du versuchen, mir das Teetrinken schmackhaft zu machen?

Da bin ich etwas hin- und hergerissen. Auf jeden Fall wird es ein schwarzer Tee sein. Entweder Earl Grey oder ein Lady Grey. Wahrscheinlich aber ein Ostfriesentee, der 2 ½ Minuten gezogen hat. Diesen anschließend in eine Tasse gießen, in welcher sich ein großes Stück Kluntje-Kandis befindet. Das Ganze dann mit Milch, besser noch mit einem Schuß Sahne verfeinern. Diese darf dann aber nicht einfach so in die Tasse geschüttet und dann untergerührt werden. Man muß sie langsam und vorsichtig den inneren Rand runterlaufen lassen, damit sie sich unten sammelt. Auf keinen Fall umrühren! So trinkt man sich durch eine kräftige, dunkle Teeschicht, welche zum Ende hin immer süßer und sahniger wird. So mache ich mir den Tee aber nur zu besonderen Gelegenheiten.Bei meinem Teekonsum im Büro wäre die Menge des erforderlichen Kandis auf größere Zeiträume gerechnet etwas zuviel des Guten.



Wenn sich jemand dazu berufen fühlt, das Stöckchen aufnehmen zu wollen, so möge er dies tun. Aber nicht vergessen, uns hier darüber zu informieren.




Freitag, 14. März 2014

Nachbetrachtungen

Es ist an der Zeit, euch mal wieder einen Einblick in die innere Welt eines Soziophobikers zu geben. Dieses Mal im Zusammenhang mit den geschilderten Ereignissen rund um das Große Fressen in unserem China-Restaurant.

Dem unbefangenen Leser wird an dieser Geschichte nichts besonders Bemerkenswertes auffallen. Außer vielleicht, daß der Ökoklaus und ich so richtig in die Vollen gegangen sind, was die Anzahl der Portionen betrifft. Mehr, als es für einen Durchschnittsmenschen üblich ist. Ich bleibe übrigens dabei, daß die Anzahl der Portionen reichlichst war, aber die Schilderung die pure Masse des Vertilgten noch größer erscheinen lässt, als sie wirklich war. Aber was war sonst? Kollegen verbringen in einem China-Restaurant einen schönen Abend. Ein paar sind verfressen, andere sind Hungerkünstler oder eher versoffen, aber nicht besoffen. Na und?

Viel und!

Der Umgang mit der Thematik Restaurantbesuche ist für mich nicht ganz einfach. Grundsätzlich ist es so, daß ich nicht gerne draußen, also außerhalb der eigenen vier Wände, etwas esse. Ich fühle mich beobachtet und dementsprechend unwohl. Der einzige Ort, an dem ich dies wirklich unbefangen auch außerhalb der eigenen Wohnung entspannt tun kann, ist mein Elternhaus.

Jetzt lest den Absatz nochmal durch. Na, ist euch was aufgefallen? Nein? Dann mache ich es deutlich. Es geht um das Essen außerhalb der eigenen Wohnung. Innerhalb der Wohnung kann ich jederzeit entspannt essen, egal wer anwesend ist. Dabei liegt der Kern der Aussage auf dem Begriff essen, jedoch nicht auf dem – als vordergründigstes Kernproblem eines Soziophobikers -  Umgang mit Personen, welche mir nicht absolut nahe stehen. Also nicht der zweitbesten Ehefrau von allen oder meinen Eltern. Schon meine Schwiegereltern sind raus der Betrachtung; sie zähle ich rein emotional nicht zu den mir nahestehenden Personen. Zu meinen Verwandten habe ich mit Ausnahme meiner Eltern keinen Kontakt, und Freunde habe ich ebenfalls nicht.

Im Gegensatz zu anderen Aspekten, bei denen meine Handlungen mal mehr und mal weniger massiv durch die Soziophobie beeinflusst werden, bildet sich jedoch ein weiteres Element aus, nämlich die positive Wirkung des Essens als solches auf mein Gemüt. Mein Trost erfolgt durch das Essen. Ja, es besteht eine enge Verwandtschaft mit dem allseits bekannten Frustessen. Das kann ich offensichtlich gut. Der biochemische Hintergrund und die psychischen Auswirkungen sind identisch. Diese beiden Elemente, also der Frust durch die Angst und die Belohnung durch das Essen, führen ihren Kampf in mir. Je nachdem hat das eine oder das andere Element, welches ja in diesem Fall die gleiche Ursache hat, die Oberhand. Nun kommt aber noch das Problem der sozialen Interaktion hinzu.

Im klassischen Restaurant bestellt der Gast sein Gericht, bekommt dieses zumeist gleichzeitig mit den weiteren am selben Tisch sitzenden Gästen und ist irgendwann mit dem Essen fertig. So lange ich esse, spüre ich durchaus das Gefühl des Unwohlseins, kann es aber in Schach halten. Dabei ist es vollkommen unerheblich, mit wie vielen Personen ich am Tisch sitze. Die Zahl der Menschen, mit denen ich Kontakt haben könnte, ist zwangsläufig begrenzt. Wer am anderen Ende der großen Tafel sitzt, ist weit weg. Dennoch bevorzuge ich die Außenplätze. Der Fluchtweg ist damit geöffnet. Oder ich suche einen Platz, welcher an einer Wand angrenzt. Ein potentieller Kontakt weniger, eher aber zwei, denn einer von schräg gegenüber fehlt ja auch…

Doch irgendwann ist der Vorgang des Essens beendet; der so genannte gemütliche Teil beginnt. Dann ist es vorbei mit der relativen Ruhe. Es gibt nichts mehr, was mich wirklich ablenken könnte; die Gespräche plätschern weitgehend an mir vorbei. Ich beteilige mich so gut wie nie daran, soweit es nicht um Themen geht, in denen ich wirklich zu Hause bin. Die Hauptrichtung meiner Gedanken zielt, je nach Tagesform mehr oder weniger intensiv, dahin, das Restaurant baldmöglichst verlassen zu können. Jede neue Runde Getränke, die andere Gäste bestellen, wird mir zur Qual, denn ich weiß, daß diese den ersehnten Aufbruch hinauszögern. Ich werde unruhig, der Stresspegel steigt, ich suche oft etwas zum Abreagieren, spiele mit Bierdeckeln oder was es sonst noch gibt.

Der Besuch eines Restaurants mit Buffet gestaltet sich da durchaus anders. Durch das Buffet kann ich mich während eines Großteils der Zeit damit beschäftigen, mir Trost durch die dem Grunde nach nicht unangenehme Nahrungsaufnahme zu verschaffen. Je mehr Personen anwesend sind, die in irgendeiner Form zu mir gehören, mir nicht fremd sind und denen ich positiv gegenüberstehe, desto weniger unangenehm wird der Restaurantbesuch für mich. In kleinen Gruppen drohe ich durch meine Verfressenheit – die ich jetzt bewusst nicht kursiv schreibe – eher aufzufallen als in einer Meute.

So lange ich nicht der einzige in der Gruppe bin, der regelmäßig den Gang zum Buffet unternimmt, ist alles weitgehend in Ordnung. Unter diesen Umständen halte ich auch einen Restaurantbesuch nur zu zweit aus, wobei mir dieser doch schon unangenehm sein kann. Je kleiner die Gruppe ist, und eine Zweipersonen-Gruppe ist nun mal die kleinstmögliche Gruppe, desto dringender wird die vermeintliche Erwartungshaltung an mich, verbal zu kommunizieren. Ich habe aber nicht viel, was ich erzählen könnte. Und ich möchte mich auch nicht in der Öffentlichkeit, in der Unbekannte meine privaten Äußerungen mitbekommen können, unterhalten. Dies gilt natürlich auch für solche Situationen wie eine Fahrt mit dem Zug, in dem ich jemanden treffen könnte, den ich kenne und mit dem ich mich dann höflichkeitshalber auseinandersetzen muß. Ich versuche, derartige Situationen im Regelfall zu vermeiden. Nie werde ich Menschen verstehen, die sich im Bus so laut mit ihrem Sitznachbarn oder am Handy unterhalten, daß jeder andere Anwesende alles mithören kann. Es ist mir einfach unbegreiflich.

Zurück ins Restaurant. Das Buffet beschäftigt mich, lenkt mich ab und das durch die Nahrungsaufnahme  angesprochene Belohnungszentrum des Gehirns tut seine Arbeit, indem es meine negativen Befindlichkeiten durch entsprechende Hormonausschüttung zumindest etwas eindämmt. Wehe, die Gruppe gleich welcher Größe, befindet, genug gespeist zu haben um sich von nun an dem bereits aufgeführten gemütlichen Teil widmen zu wollen, und den restlichen Abend also erzählend mit ein paar Getränken verbringen möchte. In dem Moment ist der Ofen wieder aus. Ich will raus. Ist das Verlangen groß genug, schaffe ich durchaus noch alleine einen Gang zum Buffet, aber auch dann fühle ich mich erst in Sicherheit, sobald ich den Tisch wieder erreicht habe und der Teller noch nicht geleert wurde. Und die Zerreißprobe zwischen dem Problem des Essens in der Öffentlichkeit und der Belohnung durch eben dieses Essen geht wieder los.

Dennoch ist für mich und mein Empfinden einige der wenigen Möglichkeiten, Zeit relativ entspannt in einer Gruppe – in diesem Fall außerhalb oder innerhalb der eigenen Wohnung, das ist egal - zu verbringen, die Beschäftigung mit einem Buffet. Die Situation ist natürlich übertragbar; die Örtlichkeit eines Restaurants lässt sich jederzeit gegen andere Orte austauschen, an denen entsprechendes Zusammensein gepflegt wird. Und das Buffet kann auch ein arbeitender Grill sein. Ein Garant für eine gewisse Unbeschwertheit ist dieses jedoch nicht. Die Angst kann durchaus überhand nehmen. Dies gilt umso mehr, wenn ich selber schon im Vorfeld etwas angeschlagen bin oder die Stimmung vor Ort nicht optimal ist.

Dabei sei angemerkt, daß auch der Begriff des Essens gegen eine übersichtliche Anzahl mich ablenkender Beschäftigungen ersetzt werden kann. So zum Beispiel gegen ein Spiel. Tabletop-Spiele dauern meistens mehrere Stunden. So lange in der Runde gespielt wird, egal ob ich aktiv beteiligt bin oder umständehalber gerade auf die Zuschauerbank verbannt wurde und sich (Achtung! Wichtig!) niemand längere Zeit mit mir beschäftigt, ist die Sache im Regelfall in Ordnung. Sobald jemand meint, mich in ein Gespräch verwickeln zu müssen, welches nicht mal rudimentär mit dem Geschehen auf dem Tisch im Zusammenhang steht, bewegt sich mein Stresspegel wieder gewaltig in die Höhe und ist durchaus mit jenem in den Phasen von der Erwartung des Besuchs bis zum Beginn des Spiels bzw. bis zur Verabschiedung der Spieler nach Spielende vergleichbar. Dabei ist es wiederum weitgehend unerheblich, ob ich den Anwesenden mit Sympathie begegne oder nicht.

Und ihr werdet lachen, aber auch der Aufenthalt im Büro entspricht diesem Schema. Das Büro ist das Restaurant, die vorhandene Arbeit das Buffet. Auch wenn sich die hier entstehenden Glücksgefühle zumeist übersichtlich gestalten. Doch auch in dieser Situation sind Zusammenhänge erkennbar, denn ein erledigtes, interessantes Problem in den Akten kann sich ebenfalls positiv auf meinen Gemütszustand auswirken.

So lange ich grundsätzlich beschäftigt und damit abgelenkt bin, kann ich mich auch – so wie hier im Blog immer wieder dargestellt – für eine begrenzte Zeit mit meinen Mitmenschen auseinandersetzen. Ruht die Arbeit für längere Zeit, etwa durch einen totalen EDV-Ausfall, wird es schwierig. Und wenn man meint, die Zeit nutzen zu müssen, um in gemütlicher Runde… siehe oben.

Aber mache das mal einem Menschen begreiflich.