Montag, 17. Februar 2014

Schuhe, hochhackig

Von Maria, unserer guten Fee des Hauses – schlichte Gemüter würden sie als so etwas ähnliches wie eine Vorzimmerdame oder Dezernatssekretärin bezeichnen, doch das würde ihrer Arbeit nicht so ganz entsprechen – bekam ich einige Schreibblöcke an den Tisch gebracht. Daß ich mir die nicht selbst abgeholt hatte lag ausnahmsweise nicht an einem Ausbruch von Faulheit meinerseits. Maria kann es vielmehr besser in ihre Arbeitsabläufe integrieren, wenn man ihr kurz eine E-Mail schickt und darin anmeldet, welchen Bedarf an Arbeitsmaterialien man gerade so hat. Sie würde es dann auf ihrer Runde durchs Haus vorbeibringen. Das sei für sie einfacher, als wenn alle paar Minuten jemand bei ihr aufschlägt und sie um Material anschnorrt. Gut, das ist nachvollziehbar.

Ich hatte kleine Schreibblöcke bestellt. Maria fragte mich, ob die von ihr beschafften Blöcke denn klein genug seien. Aus meiner Sicht handelte es sich eher um eine mittlere Größe, was mir aber auch egal war. Rebecca bekam das mit und meinte nur, daß Größe ohnehin relativ sei.

Ich fragte sie, wie sie das meinte. Nicht, daß mir wieder irgendeine Sauerei entgangen wäre, bei der ich rote Ohren bekäme, wenn ich sie hören würde. Man kennt ja seine Pappenheimer.

Aber es ging um eher profrane Dinge des Lebens. Sie empfindet sich von der Körpergröße nicht unbedingt als klein, aber ihr Verlobter sei so groß, daß sie beim Tanzen mit dem Kopf nur bis an seine Schulter reichen würde. Inzwischen habe ich den Burschen tatsächlich mal gesehen und kann diese Aussage bestätigen. Auf jeden Fall würde Rebecca zur Hochzeit – ja, wird sind wieder beim Thema – wirklich hochhackige Schuhe benötigen. Und sie habe ja so gar keine Erfahrung mit derartigen Schuhen und müsse erst lernen, richtig damit zu laufen.

Wie der geneigte Leser, der sich durch wirklich alle Facetten dieses Blogs durchgekämpft hat, sich vielleicht zu erinnern vermag, ist die zweitbeste Ehefrau von allen mit Leib und Seele Tänzerin. Bevor sie sich dem orientalischen Tanz widmete, galt ihr Interesse dem Formationstanz auf durchaus gehobenem Turnierniveau. Auch wenn das vor unserer gemeinsamen Zeit war, schnappt man als Ehemann doch die eine oder andere Information zu allen möglichen Dingen auf, welche damit in Zusammenhang stehen könnten. Natürlich zählt dazu auch das Schuhwerk, so daß ich ohne weitere Rückfrage empfehlen konnte, eine ordentliche Tanzschule aufzusuchen, in der man das Bewegen mit hochhackigen Schuhen auch lernen könne. Da wollte ich also einmal mit Basiswissen glänzen, und schon musste ich mir anhören, daß man diese Idee auch schon hatte. Ich werde es wohl überstehen.

Selbstverständlich war ich in meinen wilden Jahren *räusper* auch mal in der Tanzschule und habe da gewisse tänzerische Basiselemente mitbekommen, die ich bis heute allerdings wieder restlos verdrängen konnte. Tänzerische Bewegungen sind nichts für mich. Man kann mir heute durchaus auch eine gewisse Taktlosigkeit vorwerfen, ohne daß ich mich deswegen angegriffen fühle. Nach Aussage meiner Angetrauten bekomme ich ja noch nicht mal einen Vierplatten-Klammerblues hin. Selbst das unbewusste Mitwippen eines Fußes zu einer Melodie führt bei mir zu einer taktvollen Katastrophe. Behauptet meine Angetraute jedenfalls.

Zu meinen Tanzschulzeiten muß ich aber ein wirklich begnadeter Tänzer gewesen sein. Zum Ende der Zeit des Tanzschulbesuches hin bekamen wir die Aufgabe gestellt, zu einer Melodie den richtigen Tanz ohne Ansage zu erkennen und dann auch direkt damit loszulegen. Zu meiner großen Freude kann ich verkünden, daß ich bis heute die einzige mir bekannte Person bin, der es vollkommen problemlos gelingt, zu einem Foxtrott-Takt einen Walzer zu tanzen. Ich konnte seinerzeit übrigens zu jedem Takt einen Walzer tanzen.

Zur Not auch einen nach Wiener Art.

Das vermag doch wirklich nicht jeder von sich zu behaupten.




Kommentare:

  1. Da muss ich Dich enttäuschen. Trotz mehrjähriger Mitgliedschaft in einem Tanzkreis (Standard und Latein) bringt es der Chef heute noch fertig, Walzer auf Slow Fox zu tanzen. Wir haben das perfektioniert. Er tanzt Walzer, ich Slow Fox. Gleichzeitig. Nun tanzen wir etwas anders, wir machen Square Dance, da muss er nur zählen. Dafür vermisse ich die "richtige" Tanzerei. Aber irgendwas ist ja immer.

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  2. Sieben Jahre Tanzkurs bis Golden Star. Und ich sitze hier und versuche mir ernsthaft vorzustellen, wie Du zu einem Technotakt den Walzer gibst. Immer wieder komme ich nur zu einem Schluss: RESPEKT! :-)

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  3. An dieser Stelle möchte ich gerne aus einem Liedtext zitieren:

    "....doch wenn schon scheisse Tanzen, dann so, dass die ganze Welt es sieht. Mit Armen in der Luft, beiden Beinen leicht neben dem Beat. Und wenn du mit der Königin die Fläche verlässt, sag dir, diese Welt ist perfekt. Perfekt!"

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    1. Aha. So so. Na gut. Hat meine Tanzpartnerin damals anders gesehen.

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