Sonntag, 23. Februar 2014

Mädchengedöns

Die mir zuteil gewordenen Vorankündigungen der zweitbesten Ehefrau von allen versprachen mir vor allen Dingen eines: ein ruhiges Wochenende. Weite Teile des Samstages würde sie bei der Trainerschule verbringen. Und der sonntägliche Nachmittag sollte auch im Zeichen ihrer Aushäusigkeit stehen.

Alexandra, die Tanztrainerin meiner Angetrauten, hatte Hallenzeit in der Turnhalle der Clothilde-Bollermann-Gesamtschule in Gutterdorf zur Verfügung gestellt bekommen. Diese Zeit gedachte sie, gemeinsam mit Katja zu einem Training zu verwenden. Da die Turnhalle über mehrere zu sportlichen Zwecken nutzbare Räume verfügt, bot sich so für meine Angetraute die Gelegenheit, an ihrem eigenen künftigen Kursprogramm herumzufeilen.

Wenn nicht – ja, wenn nicht am Samstagabend folgender kleiner Dialog meine Pläne über den Haufen geworfen hätte:

„Duhu, Schahatz?“

Achtung, Gefahr im Verzug!

„Hmm.“

Frei übersetzt: Noli turbare circulos meos!

„Hast du Lust, mich morgen zu begleiten?“

Oh oh…

Im Leben nicht. Könnte ich mir überlegen. Aber lange werde ich das nicht durchhalten.“

Ich bin ja doch ein netter Ehemann.

„Das ist egal, musst du auch  nicht.“

Puh! Die eine oder andere Übung werde ich schon überstehen.

„Du bist dir schon darüber im Klaren, daß es um Aerobic geht?!“

Aerobic? Shit! Tussiturnen! Ich sehe Jane-Fonda-Achtzigerjahre-Mädels in seltsamen bunten Klamotten bei ebenso seltsamen Verrenkungen vor meinem geistigen Auge auftauchen. Irgendwie komme ich mir vor, als ob Judge Dredd mir gerade erklärt hätte, daß ich gewarnt sei.

„Ja.“ Glatt gelogen, aber es war zu spät. „Du suchst also einen Vollpfosten, der von der Materie keinen Plan hat und bei dem du ausprobieren kannst, ob du in der Lage bist, die Anweisungen so zu geben, daß er umsetzt, was du erwartest.“

Zusammengefasst: Musik + Bewegung  + Vollpfosten = ich

„Quasi.“

Aha. Hatte ich erwähnt, daß ich ein netter Ehemann bin?

„Und da dachtest du gleich an mich.“

Na? Nananananaaaa?

„Ja, aber immerhin traue ich es dir überhaupt zu, es umsetzen zu können.“

Hrmpf! Übrigens bin ich der Meinung, daß ich ein sehr netter Ehemann bin.

Soviel dazu.

Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, am Sonntag in der Clothilde-Bollermann-Gesamtschule in Gutterdorf mittels des eigens zu diesem Zweck eingepackten Fotoapparates einige Impressionen im Bild festzuhalten.

Blogger neigen nicht nur dazu, ihr Essen zu fotografieren, sondern auch ihre Füße und die daran befindlichen Schuhe. Also richtete ich den Apparat senkrecht nach unten in Richtung meiner Gehwerkzeuge.

 
Irgendwo unter dem blauen Vorsprung müssen sie sein.


 Nun noch ein paar Eindrücke von der Halle:

 

Die Bodenstätte unseres Wirkens

 

Für Belüftung ist gesorgt.

 
Oh, ein Ball - vielseitig verwendbar

Die Bilder von den Toilettenräumen habe ich Alex für ihre kleine Sammlung und den hoffentlich bald erscheinenden Bildband zukommen lassen.

Was mich dann noch sonntags in der Turnhalle der Clothilde-Bollermann-Gesamtschule in Gutterdorf erwartete, war nicht nur die Ausführung einzelner Übungen, sondern das Durchziehen des kompletten Kursprogramms. Mit Musik. Nachdem ich morgens schon mein übliches Kraft- und Ausdauersportprogramm absolviert hatte. Das aber ohne Musik. Wobei ich anmerken muß, daß das Aerobic der guten alten Zeitkaum noch was mit dem zu tun hat, was mir da nahegebracht wurde.

Während ich mich also noch verdrehte, verbog und in sonstigen unnatürlichen Positionen wiederfand – und ich im Übrigen immer noch der Meinung bin, daß die Existenz von Bauchmuskeln eine reine Erfindung der weltweiten Fitnesstrainermafia ist – endete die musikalische Untermalung.

„Oh, blöd, da habe ich wohl die Zeit überzogen.“

Gerettet!

„Egal, das machen wir jetzt noch zu Ende.“

Argh!

Bevor es untergeht: Ich bin ein netter Ehemann. Und als solcher habe ich es unterlassen, die zweitbeste Ehefrau von allen deswegen anzubrüllen. Außerdem gehört ja irgendwie doch auch etwas Sauerstoff dazu…

Rajiv sagt immer, daß ein Training nur etwas gebracht hat, wenn man davon Muskelkater bekommt. Ich weiß ja nicht, ob er dies wirklich so meint, aber falls dies ernst gemeint ist, dann muß dieses Training wirklich etwas gebracht haben.

Aua.



Kommentare:

  1. Du bist ein wirklich netter Ehemann!
    Und deine Sportschuhe sehen super cool aus. :D
    ....
    Sagte ich schon das Du ein sehr netter Ehemann bist? *duckundweg*


    Und Muskelkater geht am besten weg, wenn man die dazu geführten Übungen nochmals macht.
    Liebe Grüße

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    1. So nette Ehemänner wie ich einer bin - die sind schon toll.

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  2. DU hast DAVON Muskelkater bekommen?!?!?!
    Oh-oh...
    Ich geh' dann mal mein Kurskonzept neu überdenken....... :-/

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    1. Muß an den verknoteten Beinen gelegen haben. :-D

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  3. @rotzloeffel

    --Und Muskelkater geht am besten weg, wenn man die dazu geführten Übungen nochmals macht.-

    Da Muskelkater nicht von einer Übersäuerung der Muskeln sondern von Microfaserrissen im Muskelgewebe kommt, sollte man diesen überholten Tip nicht befolgen.

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    1. @Anonym
      Sollte augenzwinkernd gemeint sein, aber komischerweise hilft´s bei mir meist trotzdem.

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  4. Tja, so kann man seine Wochenenden auch verbringen - Ich kann ein Lied davon singen, la la la...
    Nein, im Ernst: Respekt, Herr Pater, für´s Durchhalten! Schuhe werden im allgemeinen überbewertet und: Gegen den Muskelkater hilft auch auf der Couch liegen, da spürt man ihn wenigsten nicht so arg ;-).

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  5. Der Farbe nach gehörte der Sportdress wohl mal Jane Fonda. Chick!

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    1. Ist das eventuell die feminine Seite in mir? Ich werde in mich gehen.

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    2. Ich hoffe nicht. Sonst wärst Du nämlich schwanger.

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