Samstag, 15. Februar 2014

Ein Fremder ist in der Stadt

Es mag Menschen geben, die der Meinung sind, daß sich in meinem Leben nichts verändert. Alles ist mehr oder weniger eingefahren. Doch dem muß ich energisch widersprechen.

Ein paar Tage lang war ich nicht mit dem Bus zur Arbeit gefahren, sondern hatte die Gelegenheit, das Familienauto namens Balduin zu diesem Zweck in Anspruch zu nehmen. Hin und wieder kommt das mal vor.

Nachdem diese Zeit vorbei war, musste ich wieder das Angebot der NÖP, des örtlichen Nahverkehrsdienstleisters, in Anspruch nehmen. Auf meinem Weg zur Haltestelle hörte ich hinter mir sich nähernde Schritte. Dem Klang nach handelte es sich bei dem Verursacher nicht um die ewig zu spät zur Haltestelle kommende Dame; außerdem wäre sie schon nahezu unbotmäßig früh dran gewesen. Nein, das war jemand anderes. Ein Fremder. In unserer Stadt. Hinter mir. Im Dunklen.

Kurz vor Erreichen der Haltestelle wurde ich von ihm überholt. Ein Herr, aufgrund seiner Hose eindeutig als Handwerker zu erkennen, schritt an mir vorbei und stellte sich in den vorderen Bereich der Haltestelle, an der aller Wahrscheinlichkeit nach die Vordertür des zu erwartenden Busses Einlass gewähren würde. Ich kannte den Herrn nicht, auch wenn er scheinbar in unserer Gegend wohnte. Meine Unkenntnis hat nicht viel zu sagen, denn ich bin ja schon froh, die Gesichter der in unserem Haus lebenden Personen wiederzuerkennen, was immerhin vier an der Zahl sind. Dazu würde ich noch eine Hand voll anderer Nachbarn erkennen, wenn sie mir mal irgendwo anders begegnen, aber das war es dann auch schon. Ansonsten gehe ich meinen Mitmenschen bekanntlich aus dem Weg, wo und wann es nur geht.

Es kommt immer mal wieder vor, daß jemand unseren Bus nimmt, der nicht regelmäßiger Pendler ist. Der kauft dann seinen Einzelfahrschein und fertig. Diese Leute haben es immer sehr eilig, den Bus zu besteigen, also ließ ich ihn gewähren, als es an der Zeit wurde.

Und dann begann das Unheil. Er kaufte keine Fahrkarte. Und entwertete auch keine. Also war er vermutlich Besitzer einer Dauerkarte. Und nahm dementsprechend auch nicht den Weg zum Fahrer (bei uns gibt es keine Einlasskontrolle im Bus). Nein, er ging direkt durch – und setzte sich auf meinen Stammplatz. Erste Reihe rechts. Und das war ja nur deswegen mein Stammplatz, weil mein ursprünglich bevorzugter Platz seit längerer Zeit regelmäßig von einer Dame besetzt ist, die eine Haltestelle früher einsteigt.

Also mußte ich mir ein anderes kuscheliges Plätzchen suchen. Von meiner favorisierten Auswahl stand nur noch einer zur Verfügung. Ich habe es mit der mir eigenen Würde getragen. Schließlich kommt es mal vor, daß Handwerker aufgrund eines vorübergehend geänderten Einsatzplanes gezwungen sind, auf anderen als ihren üblichen Wegen und zu unüblichen Zeiten zur Arbeit fahren. Der Sack auf meinem Platz würde sicherlich bald nicht mehr mit dem Bus fahren.

Von wegen. Der ist jetzt seit Wochen mit dabei und blockiert meinen Platz. Meinen Platz!

Ja, liebe Leser, dassind Veränderungen. Drama pur. Ich hoffe doch sehr, ihr seid genau so angemessen schockiert und entrüstet wie ich.

Die Welt hat sich gegen mich verschworen.



Kommentare:

  1. Ich bin schockiert, dass dieser Herr sich deinen Platz in deinem Bus einfach so - ohne dich um Erlaubnis zu fragen - ergaunert hat.

    Bei uns gibt es hin und wieder auch mal wüste Wortgefechte um "diesen Platz" der anscheinend einem Fahrgast gehört.

    Hatte ich schon geschrieben, dass ich schockiert bin lieber Paterfelis

    Es grüßt dich der, der auch immer den gleichen Platz im Bus hat/haben muss.

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    1. Deinen Schock kann ich wirklich nachvollziehen. Es ist ja auch wirklich schockierend. Das kann man nicht oft genug betonen. Und dann kommen noch diese unflexiblen Typen wie du einer bist dazu. Es wird immer schlimmer...

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  2. ich bin so dermaßen geschockt, dass mir quasi die Worte fehlen!!

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