Donnerstag, 13. Februar 2014

Das Brautkleid

Der geneigte Blogleser wird alleine aus der Überschrift dieses Eintrages schon vermuten, daß es hier wieder einmal um Rebeccas Hochzeit gehen dürfte. Und er vermutet richtig. Es ist etwas still zu diesem Thema geworden, weil Rebecca ihren Platz gegenüber meinem Schreibtisch zwischenzeitlich zu Gunsten von Ludwig, unserem Auszubildenden, räumen musste. Da bekomme ich natürlich nicht mehr so viel von den ganzen Vorbereitungen mit.

Allerdings bin ich nicht umhingekommen, über die Suche nach einem angemessenen Brautkleid informiert zu werden. Rebecca sah die Sache schon eher pragmatisch. Sie wolle nicht mehr als 1.000 Euro für ein Brautkleid ausgeben und hätte auch nichts dagegen, sich eines zu leihen. Nun gut, 1.000 Euro für ein Kleid auszugeben, welches man planmäßiger Weise nur einmal im Leben tragen würde, erscheint mir immer noch sehr viel zu sein. Aber was verstehe ich schon davon? Ich bin ein Mann. Und ich bin sehr froh darüber, daß die zweitbeste Ehefrau von allen zu unserer Hochzeit kein Brautkleid tragen wollte, sondern lieber etwas, was sich häufiger verwenden ließe.

„Ja, aber dann kam der Hammer.“ plapperte Rebecca weiter. „Mein Vater hat gesagt, daß er das Brautkleid für mich bezahlt. Jetzt kann ich mir doch ein richtig Schönes kaufen.“

Alle gleich. Na ja, fast alle. Aber natürlich hat die Sache einen deutlichen Haken, auf den ich in meiner gewohnten, menschlich mitfühlenden Seite aufmerksam machen musste.

„Das bedeutet also, daß du dein Kleid selbst bezahlst.“

„Nein, mein Vater macht das. Habe ich doch gesagt.“

„Hast du Geschwister?“

Rebecca stutzte kurz. „Nein, ich bin alle Kinder die wir haben. Alles Mädchen.“

Aha. Gut zu wissen.

„Rebecca, du musst an die Zukunft denken. Irgendwann erbst du alles. Und dann? Dann ist das Geld für das Brautkleid weg. Aus der Erbmasse rausgefallen, weil es jetzt schon ausgegeben wurde. Folgerichtig hast du ein Brautkleid selbst bezahlt.“

„Pöh.“

„Dann hättest du auch lieber was Sinnvolles damit machen sollen.“

„Zum Beispiel?“

„Du könntest uns als deine Lieblingskollegen häufiger zum Chinesen einladen. Das würde deine Beliebtheitswerte dramatisch nach oben katapultieren. Glaube es mir.“

„PATERFELIS!“

Wieso muß Mandy eigentlich immer zuhören? Ich fand den Plan, auch tiefenpsychologisch gesehen, in seiner Subtilität gut ausgearbeitet.




Kommentare:

  1. Beliebtheit wird oft unterschätzt. Da kann man nochmals nachfassen. ;-)

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    1. Bald ergibt sich eine Gelegenheit, an der sie emotional empfänglicher sein dürfte. Dann werde ich nochmal zuschlagen.

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  2. Fast ein wenig durchtrieben, mein Guter:-D

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    1. Aber wirklich nur ein wenig. Und auch nur fast.

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  3. :-) Paterfelis wie wir ihn kennen und lieben gelernt haben.

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  4. Du hast ein sehr vernüftiges Argument geliefert, Paterfelis.

    Chinamann würde ich ihr aber nicht empfehlen. Nachher muss sie das Brautkleid durch einen Tannebaumtrichter anziehen

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  5. Mit einem Wisch hast du jede Romantik zerstört. "Ein liebender Dad will seiner Tochter für den schönsten Tag ihres Lebens ein Brautkleid kaufen" Bitte wer denkt da an das Erbe?
    (Zugegebnermaßen hast du nicht unrecht, doch bei so einem Ereignis?)
    LG Sadie

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    1. Ich habe die Vermutung, daß ich mit meinen Ausführungen nicht ganz bei ihr durchgedrungen bin. Von daher sehe ich kein Bedrohungspotential für Romantiker.

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  6. Antworten
    1. Das wäre eine für mich akzeptable Alternative.

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  7. Mein Brautkleid hat meine Mutter damals selbst genäht aus Stoff aus der Restekiste eines Restestoffladens. Da ging nicht viel vom Erbe ab. Das Essen im Lokal für 25 Leute haben sie mit meiner Aussteuerversicherung finanziert, der restliche Tag wurde im heimischen Partykeller verbracht mit selbstgebackenen Kuchen und später mit kaltem Bufett aus eigener Herstellung. Da war der Erlös aus der Versicherung endgültig verbraucht. Ich sollte das vielleicht mal bloggen. Chinesen gab es da in unserer Stadt noch nicht. Man hielt sich für revoluzzionär, wenn man zum Italiener ging.

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    1. Ja, das hört sich wieder nach einer interessanten Erinnerung von dir an. Die lese ich immer gerne.

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