Dienstag, 11. Februar 2014

Beim Kleinen Chinamann (4) - Der Weg ist das Ziel

Mit Erreichen dieses ersten wichtigen Zielpunktes erwies sich der Ökoklaus als ziemlich verweichlicht und ging zur Toilette, um Ballast in Form überschüssiger Biomasse abzuwerfen. Ich bin aber der Überzeugung, daß dieser Ballast an der richtigen Stelle und damit auf zulässigem Weg den Körper verlassen hat, denn trotz allem bleibt der Ökoklaus doch ein Buffet-Profi. Als solcher lässt man sich das gute Essen nicht nochmal durch den Kopf gehen.

Nachdem er wieder vor Ort war, wurde es Zeit, den mongolischen Teil des Buffets näher in Augenschein zu nehmen. Hier bietet sich regelmäßig die Gelegenheit, auch mal exotischere Fleischsorten zu kosten. Auf diese Weise habe ich in der Vergangenheit schon Strauß, Krokodil, Känguruh und Widder gegessen und alles als sehr schmackhaft empfunden. Es ist schon erstaunlich, daß die alten Mongolen bereits derart früh in ihrer Vergangenheit den australischen Kontinent erreicht haben, daß zumindest das Fleisch der ersten drei aufgeführten Tiere den Weg in ein übliches mongolisches Buffet gefunden hat.

Meinen nächsten Teller füllte ich mit dünnen Rindersteaks, Kanguruh (als einzige der an diesem Tag vorhandenen exotischen Fleischsorten), einer Gemüsemischung und Nudeln, welche mit einer mongolischen Sauce zubereiten werden sollten. Der Ökoklaus und ich gingen davon aus, daß wir nach Genuß insbesondere des Känguruhs verstärkt zu hüpfender Fortbewegung animiert würden, welche wiederum für eine gleichmäßigere Verteilung des Mageninhaltes Sorge tragen sollte und dessen Grenzen der Belastbarkeit hinausschiebt.

Da die mongolischen Gerichte frisch zubereitet werden, nutzen wir die Wartezeit für einen leichten Zwischengang. Etwas knuspriges Huhn in einer warmen, dunklen Knoblauchsauce und einer Sättigungsbeilage aus Glasnudeln schienen mir ausreichend zu sein.

Nach Verzehr des anschließend servierten Mongolentellers legte ich eine kleine Pause ein, die der Ökoklaus schamlos ausnutze, um einen Vorsprung auszuarbeiten. Ich möchte den Ereignissen nicht vorgreifen, weise aber dennoch bereits an dieser Stelle darauf hin, daß er später nochmals das stille Örtchen aufsuchen würde, was ich dazu nutze sollte, seinen Vorsprung wieder einzuholen.

Einige Ananasbrocken, selbstverständlich die reichhaltigen in Backteig, zierten meinen nächsten Teller und sorgten für Entlastung in der Magengegend. Ihr wisst ja, die Enzyme.

Auf der anderen Seite des Tisches kämpfte indes Rebecca mit ihrem Teller bzw. vielmehr den Dingen, welche sich auf diesem befanden. Ein jammerndes „Essen kann so schön sein.“ war von ihr zu vernehmen. Immerhin sollte dies ihr siebter Gang sein. Wir waren alle sehr stolz auf sie. Unsere Kleine ist nun dabei.

Der Verzehr der Ananas bereitete mich darauf vor, wieder einen gemischten Mongolenteller, bestehend aus Känguruh, Schwein, Rind und Gemüse sowie einer scharfen Sauce zu mir nehmen zu können. Auf die Sättigungsbeilagen verzichtete ich; die werden ohnehin überbewertet.

Als letzten Hauptgang des Tages gönnte ich mir wiederum Ente, geschmacklich mit einer Knoblauchsauce abgerundet.

Es wurde Zeit, sich dem Dessert zu widmen. Also suchte ich mir sechs Stücke in Backteig frittierter Banane, lies etwas Honig darüber laufen und leerte den Teller auf die dafür vorgesehene Weise. Bananen wirken sehr stopfend und magenfüllend, weswegen sie keinesfalls und absolut niemals vor dem absehbaren Ende einer Völlerei genossen werden dürfen.

Als Abschluß sollten es fünf Eiskugeln sein, die mir fast den Rest gaben. Aber wirklich nur fast, denn der finale Höhepunkt des Essens bei diesem Chinesen ist ein ausgesprochen leckerer Pflaumenwein, welcher auf Kosten des Hauses serviert wird. Und da einige Damen aus unserem Kreis nicht mehr in der Lage waren, Nahrung gleich welcher Form zu sich zu nehmen, mussten der Ökoklaus und ich die Vernichtung des wohlschmeckenden Getränks herbeiführen. Wir opferten uns also vollkommen selbstlos für unsere Kolleginnen auf.

Nachdem wir fertig waren, zählten wir die virtuellen Kerben an der Tischkante. Es waren 14 an der Zahl. Wir hatten den Rekord gemeinsam unter Beachtung sämtlicher Regeln geknackt. Never change a winning team.

Trotzdem ist es sehr bedauerlich, daß es unter anderem die bereitliegende Seezunge nicht mehr geschafft hat, auf meinen Teller zu hüpfen. Ich gelobe Besserung. Doch die versprochene Zuwendung der Damen habe ich bis heute nicht erhalten. Der Pflaumenwein kann es ja nicht gewesen sein.

ÖRKS

Diese Ereignisse fanden im November statt. Doch widrige Umstände in unserem Arbeitsleben zwingen uns dazu, bald wieder aufzubrechen und eine neue Herausforderung zu bestehen.

15!

Wir sind bereit.


(Ende)


An dieser Stelle sollte eine Nachbetrachtung aus meiner Sicht als Soziophiker folgen, aber mir fehlen die Worte es wurden zu viele Worte, denn das Thema entbehrt nicht einer gewissen Komplexität. Wenn ich meine Gedanken sortiert habe, lasse ich die passenden Zeilen folgen.



Kommentare:

  1. Das ist nicht dein Ernst! So viel kann kein Lebewesen zu sich nehmen, ohne zwischendrin...na, du weißt schon was! Bist du zwei Meter Fünfzig groß, oder wohin (ver)steckst du das alles? Wahnsinnnnn!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich könnte jetzt flappsig antworten, daß das alles eine Frage des jahrzehntelangen Trainings ist. Und das wäre wohl noch nicht mal verkehrt. Aber damit ist nur die rein mechanische Frage geklärt. Mental hängt da sehr viel mehr dran, und auch wenn ich versucht habe, das Geschehen mit einem Schuß Humor zu verkaufen, so spielt da ein sehr hohes Maß an Frustration mit rein. Ich vergleich das ganz gerne mit einem Alkoholiker, der es schafft, lebensgefährliche Promillewerte zu überstehen. Ich bin keinen Alkohol gewohnt und merke trotz meiner Körpermasse schon, wenn ich nur ein Glas z. B. Baileys getrunken habe.

      Wie bereits angekündigt, wird irgendwann eine Nachbetrachtung erfolgen. Der Text ist geschrieben, aber er gefällt mir in der Form noch nicht.

      Löschen