Montag, 10. Februar 2014

Beim Kleinen Chinamann (3) - Ran an die Buletten (oder so ähnlich)

Der Ökoklaus und ich waren wie üblich gut vorbereitet. Im Gegensatz zu den Amateuren, die wir in unserem Gefolge haben würden, aßen wir keinesfalls den ganzen Tag bis zur Buffeteröffnung nichts, sondern nahmen ein übliches bis reichhaltiges spätes Frühstück zur Vordehnung des Magens ein. Erst danach lebten wir bis abstinent. So erreichten wir, daß sich zur passenden Zeit ein Hungergefühl einschlich, ohne daß der Körper auf den Gedanken gekommen war, aufgrund der scheinbar plötzlich aufgetretenen Hungersnot auf Sparmodus zu schalten.

Nachdem wir unsere Plätze eingenommen hatten, war die nächste, maßgebliche Weichen stellende Entscheidung zu treffen: die Wahl des Getränks. Der ungeübte Buffet-Esser wird sich ein Bier, einen Fruchtsaft, ein Erfrischungsgetränk oder etwas in der Art bestellen. Und damit  einen weiteren Fehler auf dem Weg zum Sieg begehen. Denn solche Getränke haben die Eigenart, schnell genossen zu sein, den Magen unnötig zu füllen und dennoch nach mehr von ihnen zu verlangen. Was wiederum zu weiteren unnötigen Ballast führt. Doch auch ein Magen hat natürlich Grenzen, die es nicht durch Getränke auszureizen gilt. Denn um Limo, Bier & Co zu mir zu nehmen, muß ich nicht zu einem China-Buffet gehen; das kann ich auch zu Hause. Es geht um das Essen. Und nur um das Essen. Ausschließlich! Getränke zählen deshalb auch nicht zur Erlangung unseres Ziels. Also bestellte der Ökoklaus einen grünen Tee, während ich einem Jasmintee den Vorzug gab. An einem solchen Kännchen kann man sich lange und in wohlportionierten Mengen festhalten, denn die dazu gereichten Tassen sind ziemlich klein.

So glühten der Ökoklaus und ich unsere Mägen mit dem Inhalt je einer kleinen Schale (= 2 Kellen eher mittlerer Größe) Pekingsuppe vor. Die sanfte Schärfe war wohltuend; wir waren bereit. Nadja und Rebecca begannen indes mit einem Hauptgang, was wir als ausgesprochen leichtsinnig empfanden. Dies würde den Magen schnell zur Einleitung von Schwerstarbeit führen und für die Aufnahme weiterer Nahrung eher unempfänglich werden lassen. In Folge des weiteren Ablaufs des Abends vermag ich weitgehend nur noch meine Speiseauswahl darzustellen, kann jedoch beteuern, daß die Auswahl des Ökoklaus in wesentlichen Teilen ähnlich war.

Der zweite Gang bestand aus gebratenen Chinanudeln, Ente und einer Gemüsebeilage, aromatisch angereichert mit einer delikaten Sojasauce. Direkt im Anschluss fanden sich Stücke von frittiertem Fisch und frittiertem Huhn, gebratenem Reis und einer Curryrolle, umrahmt von einer süß-sauren Sauce auf meinem Teller. Es sei der Hinweis gestattet, daß die Buffet-Teller keinesfalls die Größe normaler Teller erreichen, was den Eindruck der Portionsgrößen etwas verfälscht.

Es wurde Zeit für eine Auflockerung des Mageninhaltes. Zu diesem Zweck bot sich eine Hühnersuppe mit Einlage an. Sehr lecker, aber doch eher mild. An dieser Stelle bezichtigte mich der Ökoklaus des Betruges, denn er war der Meinung, daß meine Schale durchaus besser hätte gefüllt sein können. Zwei Kellen sind aber zwei Kellen. Die müssen nicht gestrichen voll gewesen sein.

Im nächsten Schritt sollte es wieder festere Nahrung sein. Durch Zuführung der Suppe zeigte der bisherige Mageninhalt eine gleichmäßigere, aufgelockerte Verteilung. Also fand sich Platz für Nachschub; Rindfleisch mit Zwiebeln sowie Reisnudeln erschien durchaus angemessen.

Es folgte ein leichter Hauptgang in Form einer Frühlings- und mehrerer kleiner Herbstrollen sowie frittiertem Huhn, wieder geschmacklich unterstützt durch eine süß-saure Sauce.

Die Mädels begannen, erste Ermüdungserscheinungen an den Tag zu legen, ließen ihrer Sturheit jedoch freien Lauf und versuchten wenigstens, weiterhin mitzuhalten. Als wahre Gentlemen gaben wir den Tipp, sich der am Buffet aufzufindenden Ananas zu widmen, welcher aufgrund ihrer Enzyme dafür Sorge tragen würde, daß das Völlegefühl nachließe. Bei mir funktioniert das immer, aber so weit war es noch nicht. Nadja folgte dem Rat, und so wanderten auf ihren Teller Stücke im Backteig frittierter Ananas. Hinterher beklagte sie sich, daß ihr die sehr im Magen liegen würden und wir sie damit reingelegt haben. Dies war durchaus nicht der Fall. Ihrem Verlangen nach unserer sofortigen Disqualifikation konnten wir daher als aufsichtsführende Schiedsrichter einstimmig nicht entsprechen. Der Ökoklaus und ich sprachen nur von Ananas, und diese gab es auch in ihrer einfachen, verzehrfertig aufgearbeiteten Form auf dem Buffet. Was können wir dafür, wenn die junge Dame so ungeduldig ist und nicht erst mal die Lage sondiert?

Solidarisch wie wir waren, griffen der Ökoklaus und ich in unserem nächsten Gang ebenfalls zur in Backteig frittierten Ananas, die sich bei uns allerdings nicht dermaßen nachteilig auswirkte, wie uns Nadja glauben machen wollte. Im Gegenteil, es stellte sich das Gefühl wohliger Entspannung ein.

An diesem Punkt zogen der Ökoklaus und ich die siebte virtuelle Kerbe in die Tischkante. Unser erstes Ziel war schadlos erreicht. Die anwesenden Damen in der Runde, welche bereits im Vorfeld kapituliert hatten, zogen in Erwägung, mir etwas zukommen zu lassen, wenn ich zehn Gänge regelkonform bewältigen könne.


(wird fortgesetzt)



Kommentare:

  1. Hoho, das ist einfach nur herrlich! Ich warte gespannt auf die Fortsetzung.

    Und jetzt muss ich erstmal was zu Abend essen. So was zu lesen macht echt Appetit. :-)

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