Samstag, 8. Februar 2014

Beim Kleinen Chinamann (2) - Vorgeschichte

Was war geschehen? Wie bereits früher schon hatten der Ökoklaus und ich das ausgeprägte Bedürfnis, unserem anhaltenden dienstlich bedingten Frust durch Plünderung eines Chinabuffets entgegenzuwirken. Unsere jeweiligen äußeren Erscheinungsbilder stellen sicherlich beeindruckende Zeugnisse darüber aus, daß wir zur Bewältigung einer solchen Herausforderung geradezu prädestiniert sind. Schnell fanden sich auch Kollegen in ausreichender Zahl, welche durchaus bereit waren, sich ebenfalls der Sache zu stellen, so daß die Reservierung eines großen Tisches lohnenswert erschien.

Im China-Restaurant Zum Kleinen Chinamann sind die zweitbestehe Ehefrau von allen und ich schon seit Jahren Stammkunden. Man kennt uns, was die mich begrüßende Inhaberin sogleich unter Beweis stellte, als sie die Anwesenheit meiner Angetrauten vermisste und mich darauf ansprach. So klärte ich sie über die Umstände des diesmaligen Besuches auf. Es ist schon häufiger vorgekommen, daß meine Angetraute und ich in trauter Zweisankeit oder mit einer größeren Horde Mensch dort aufgekreuzt sind. Letzteres war noch zu der Zeit, als wir mit meiner damals noch bestehenden Tabletop-Runde unsere regelmäßige Weihnachten-ist-vorbei-Feier dort begangen hatten. Zu den besten Zeiten fand unser großes, so tituliertes Megamampfenganz im Zeichen der Oger (Warhammer-Spieler wissen Bescheid, der Rest möge dem Link folgen) mit bis zu 23 Personen statt.

Aus diesen seligen Zeiten stammen auch noch die Regeln für die Heimsuchung des Chinesen. Bei einem Buffet geht es selbstverständlich darum, Speisen in mehr als zum puren Überleben ausreichender Menge zu sich zu nehmen. Deutlich mehr. In Vorankündigung der später noch folgenden Darstellung dessen, was sich dort abspielte, möchte bereits jetzt darauf hinweisen, daß die Veranstaltung (für Jüngere und Möchtegerne: das Event) stets sehr gepflegt vonstatten ging. Es gab keine maßlos überfüllten Teller. Die Speisen werden genossen und nicht sinnlos reingeschaufelt. Es wird insgesamt lediglich etwas mehr gegessen, als das natürliche Hungergefühl veranlasst.

Doch nun zu den Regeln, welche im Laufe der Jahre ausgearbeitet wurden.

Jeder Teller und jede Schüssel, welche man gefüllt vom Buffet geholt und dem Zweck entsprechend geleert hat, zählt für die Wertung. Natürlich ist auf eine angemessene Befüllung zu achten. Ein Teller, welcher nur mit einer Mini-Herbstrolle beladen ist, stellt selbstverständlich keine angemessene Portion dar und ist somit neutral. Berge von Schalentieren, die sich noch in selbiger befinden, sind ebenfalls als kritisch anzusehen und können nicht immer den Hauptspeisen zugeordnet werden. Im Gegensatz dazu ist ein mehrschichtig beladener Teller keine Mehrfachportion und gilt als verabscheuungswürdig. Wir sind ja keine Proleten. Außerdem hat die Küche des Hauses das Wiederauffüllen des Buffets bestens im Griff, egal ob es sich um die billigen Sättigungsbeilagen oder die doch eher kostenintensiveren Bestandteile handelt. Es besteht also keinen Grund, Vorräte zu bunkern.

Die Mindestvoraussetzung, um in den Kreis der Anhänger der Großmächtigen Sieben aufgenommen zu werden, ist der Verzehr von logischerweise sieben Gängen aus dem wunderbaren Buffet. Der Verzehr nur eines Ganges ist absolut indiskutabel und unvorstellbar. Wer zwei (wie niedlich) bis vier (na ja) Gänge schafft, wird als Anwesend toleriert, bei fünf Gängen gilt man noch als Mädchen, der sechste Gang verschafft die Würde eines Anwärters. Ab dem siebten Gang wird man respektiert und gehört dazu.

Natürlich gibt es auch Spitzenleistungen. Der Rekord lag bislang bei 13 Gängen. Dabei möchte ich anmerken, daß weder der Ökoklaus noch ich Rekordhalter waren.

Nadja und Rebecca wollten sich unserer Herausforderung stellen und wenigstens die Stufe Mädchenüberspringen. Sie prahlten damit herum, bereits im Rahmen eines brasilianischen Buffets, welches sie sich regelmäßig gönnten, trainiert zu sein. Die anderen Kollegen kapitulierten bereits im Vorfeld und blieben damit außerhalb der Wertung. Wir haben ihre Anwesenheit, gutmütig wie wir nunmal sind, dennoch toleriert.

Aus gegebenem Anlass bedurften die Regeln einer Feinjustierung. Es galt zu vermeiden, daß die Damen sich durch Miniportionen, etwa in Gestalt zahlreicher Vorsuppen oder insbesondere natürlich Desserttellern, einen unfairen Vorteil  verschafften. Bedingung für ein zu wertendes Ergebnis wurde nunmehr, daß wenigstens so viele Hauptgerichte gegessen werden mussten, wie Vor- und Nachspeisen zusammen.

Mögen die Spiele das Fressen Schlemmen beginnen.


(wird fortgesetzt)




Kommentare:

  1. gut dass ihr klare Regeln habt - das zumindest beruhigt mich ungemein... ähem

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    1. Natürlich haben wir klare Regeln. Wir sind ja nicht bei dieser Veranstaltung:

      Klick mich

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  2. Klebereisbällchen sind fies und werden somit Neulingen als Magenöffner empfohlen. Das klappt recht gut, wenn auch nur einmal. :-)

    So, nun an die Tasten, ich bin neugierig!
    Gruß, Holger

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