Mittwoch, 12. Februar 2014

Alleine gelassen

Nun, da Sally tot ist, können die zweitbeste Ehefrau von allen und ich auch mal wieder gemeinsam für ein oder zwei Übernachtungen aushäusig verweilen. Das haben kürzlich auch direkt mal ausprobiert. Lilly kannte das ja noch von früher, aber Marty und Smilla waren noch nie länger als ein paar Stunden ohne uns zu Hause.

Wieder angekommen fanden wir keine Spuren von irgendwelchen Gemetzeln oder sonstige Zeichen unerlaubten Handelns seitens der Katzenbande. Die Geschwister schienen die Sache gut überstanden zu haben, waren aber auch etwas anhänglicher als sonst. Gerade um Marty habe ich mir da schon meine Gedanken gemacht, weil er ja Sallys Verlust zu dem Zeitpunkt noch nicht so ganz weggesteckt hat und ich befüchtete, daß er wähnen könnte, nun auch seine beiden Dosenöffner verloren zu haben.

Als ich am nächsten Morgen wach wurde, bemerkte ich, daß Marty es sich in meinem Bett entlang meines gestreckten Beines gemütlich gemacht hatte. Ebenfalls voll ausgestreckt kommt da bei ihm auch einiges an Zentimetern zusammen. Ich nahm es positiv zur Kenntnis und stellte einen Zusammenhang mit unserer vorherigen Abwesenheit her.

Mir war ja schon vor Wochen aufgefallen, daß Marty nicht mehr bei mir im Bett schläft. Das hat so in etwa zu dem Zeitpunkt aufgehört, als Sally sich das auch abgewöhnt hat. Also war der Drecksack bislang nur bei mir im Bett, um mit Sally zu kuscheln. Vielleicht war unsere Kurzreise ja ein Auslöser gewesen, nun aufgrund eventueller Verlustängste doch wieder im Bett zu nächtigen. Oder um es anders auszudrücken: um sich bei mir wieder vollkommen unnötigerweise einzuschleimen.

In der folgenden Nacht war er wieder vor Ort, was Lilly dazu veranlasste, das Bett meiner Angetrauten zu erobern. Nach dem Aufstehen fiel mein Blick auf unseren Wohnzimmersessel. Dort standen noch Taschen auf der Sitzfläche. Genau auf der Sitzfläche, auf welcher der Herr Kater sonst genächtigt hat. Natürlich kam da ein gewisser Verdacht auf. Also stellte ich die Taschen zur Seite und harrte der nächsten Nacht.

Und selbstverständlich zeigte Marty keinerlei Anstalten, bei mir zu bleiben. Morgens fand ich ihn wieder auf dem Sessel vor.





Ich fühle mich so benutzt.



Kommentare:

  1. Ja, sie haben einen voll im Griff. DAS können sie.

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  2. Moritz hatte in der letzten Woche einen Termin beim Tierarzt, weil ich vermutete, dass er Zahnschmerzen hatte. Ich musste mich entscheiden, ob er eine Narkose bekommt, aus der er aufgrund seines hohen Alters (17) nicht mehr erwacht, oder ob er weiter mit Schmerzen leben soll. Nun, er hat die Narkose bekommen, hat zwei Zähne weniger, ist viel munterer und frißt wie ein Scheunendrescher. Was ich damit sagen will? Er sitzt ständig demonstrativ neben seinem leeren Freßnapf und funkelt mich an. Kein Laut ist zu hören, nichts. Nur das Starren reicht aus, um mich an den Futterschrank zu treiben und den Napf aufzufüllen. Danach legt er sich unter meinen Sekretär. Er schläft etwa zwei Stunden, dann starrt er wieder. Und ich renne. Katzen eben.

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  3. Aber hin und wieder sind sie schon ganz herzig.

    @ chat noir: Schön, daß es gut ausgegangen ist.

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  4. Abends übe ich derzeit die Funktion eines Portiers aus. 3 Katzen sprengen mich abwechselnd in regelmäßigen Abständen von circa 20 Minuten auf, um ihnen die Terrassentüre entweder für einen Spaziergang zu öffnen, oder sie wieder herein zu lassen. Ab und zu erbarmst sich mein Liebster und nimmt mir den Dienst ab. Was tut man nicht alles aus Liebe?

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    1. Oh ja, wir sind schon ein wenig bescheuert. Und SIE wissen es. Irgendwie.

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  5. Diese pelzigen, niedlichen Egoisten :-)

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