Freitag, 28. Februar 2014

Die Decke

Nachdem wir wieder einmal ein Wintergrillen (ja, alle mal lachen, aber auf dem Kalender stand auch im Jahr 2014 tatsächlich Winter) auf unserer Terrasse veranstaltet haben, war es an der Zeit, den Grill wieder in Sicherheit zu bringen. Das Teil ist nicht nur so ein Fünf-Euro-Holzkohlengrill aus einem Tankstellenshop, sondern hat schon ein paar Euro Fuffzich mehr gekostet. So etwas lasse ich nicht schutzlos auf der eher frei zugänglichen Terrasse herumstehen.

Also breitete ich eine alte Wolldecke auf dem Boden unseres Wohnzimmers aus und parkte den Grill zwecks späterer Reinigung entsprechend um.

Und was passiert in einem Katzenhaushalt, wenn irgendwo irgendetwas Neues herumliegt? Oder auch etwas Altes? Hauptsache, es liegt woanders als sonst?

Genau!




Ich werde die Decke nie wieder wegräumen dürfen.



Mittwoch, 26. Februar 2014

Mit ohne alles

Ein erfolgloser Arbeitstag näherte sich dem Ende. In meiner ursprünglichen Planung hatte ich vor, die an meiner Seite stehende, aus Akten gebaute Nachbildung der chinesischen Mauer im Maßstab 1 : 2 nicht zu einer eben solchen Nachbildung eines Hochgebirges mutieren zu lassen. Von den anderen Ortes befindlichen Aktenstapeln ganz zu schweigen. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Schon ein gewisser Herr Rommel äußerte sich mal dahingehend, daß kein Plan den ersten Feindkontakt überstehe. Der heutige Feindkontakt bestand in Telefonterror und unerwartet hohem neuen Posteingang. Aber ich mache mir da keine weiteren Sorgen, es wird mir schon niemand die Akten klauen.

So wartete ich dann auch vor dem Aufzug, welcher mir zumindest ein kleines Stück weit den Weg in die Freiheit bahnen sollte, als Nadja vorbeikam.

„Ich wünsche einen schönen Feierabend.“

Also entgegnete ich das übliche „Danke, auch so.“ Was will man schon großartig sagen?!

Nadja blieb stehen.

„Wie, ohne alles?“

„Ähm, was denn? Willst du noch ein Bussi?“

Ihre nahezu reflexartig in Richtung Mundhöhle eingezogenen Lippen ließen in mir den leisen Verdacht aufkeimen, daß meine Frage wohl eher ablehnend zu beantworten sein würde.

„Nö.“ wurde der zarte Keimling auch direkt zu einer prächtigen Pflanze. „Ist ja noch kein Karneval.“

Ach so. Ja. Eben.



(Ihre Frage zielte auch eher dahin, daß ich offensichtlich den Heimweg antreten wollte, ohne eine Tasche oder einen Beutel dabei zu haben. Was aber durchaus nicht ungewöhnlich ist, denn alles, was im Rahmen normaler Alltagsbetätigungen nicht in Männerjackentaschen passt, ist einfach lästig oder überflüssig. Und nur wegen einer Brotdose eine Tasche mitzunehmen, nervt.)



Dienstag, 25. Februar 2014

Kleine Randbemerkung (14)

Ist es eigentlich verboten, den Typen kaputtzuschlagen, welcher vor mir als Erster den Bus betritt und dann so lange im Weg stehend verstört dreinblickend überlegt, auf welchem der zahlreichen freien Plätze er gerne sitzen möchte, bis die durch den zweiten Zugang strömenden Menschenmassen wirkliche jede Sitz- und fast jede Stehmöglichkeit belegt haben? Wenn ja, warum?

Ach ja, wer es jetzt immer noch nicht bemerkt hat: Ich habe schlechte Laune. Und zwar aus verschiedensten Gründen.





Montag, 24. Februar 2014

Naturverbunden

Wir hörten Sven im Postzimmer kurz auflachen. Auf dem Rückweg zu seinem Büro fing Karla ihn ab und bestellte ihn zu uns ein. Es galt wieder einmal, unseren allgemeinen Informationsbedarf zu befriedigen.

„Du, was war da denn gerade so witzig?“

„Ich habe hier den Antrag aus meinem Fach geholt. Die Kundin heißt Baum.“

Ok, bis hierhin habe ich den Gag an der Sache noch nicht erkannt.

„Und sie ist eine geborene Ast.“

„Drollig.“ gluckste Karla.

„Na, wartet mal ab, es kommt noch besser. Sie ist auch eine geschiedene Stamm.“

„Dann fehlt jetzt ja nur noch, daß sie eine verwitwete Blatt ist.“ ließ sich Mandy vernehmen.

„Moment, da steht noch ein Name. Nö, sie hieß auch mal Huber.“

„Na toll, jetzt hast du es kaputt gemacht.“



Sonntag, 23. Februar 2014

Mädchengedöns

Die mir zuteil gewordenen Vorankündigungen der zweitbesten Ehefrau von allen versprachen mir vor allen Dingen eines: ein ruhiges Wochenende. Weite Teile des Samstages würde sie bei der Trainerschule verbringen. Und der sonntägliche Nachmittag sollte auch im Zeichen ihrer Aushäusigkeit stehen.

Alexandra, die Tanztrainerin meiner Angetrauten, hatte Hallenzeit in der Turnhalle der Clothilde-Bollermann-Gesamtschule in Gutterdorf zur Verfügung gestellt bekommen. Diese Zeit gedachte sie, gemeinsam mit Katja zu einem Training zu verwenden. Da die Turnhalle über mehrere zu sportlichen Zwecken nutzbare Räume verfügt, bot sich so für meine Angetraute die Gelegenheit, an ihrem eigenen künftigen Kursprogramm herumzufeilen.

Wenn nicht – ja, wenn nicht am Samstagabend folgender kleiner Dialog meine Pläne über den Haufen geworfen hätte:

„Duhu, Schahatz?“

Achtung, Gefahr im Verzug!

„Hmm.“

Frei übersetzt: Noli turbare circulos meos!

„Hast du Lust, mich morgen zu begleiten?“

Oh oh…

Im Leben nicht. Könnte ich mir überlegen. Aber lange werde ich das nicht durchhalten.“

Ich bin ja doch ein netter Ehemann.

„Das ist egal, musst du auch  nicht.“

Puh! Die eine oder andere Übung werde ich schon überstehen.

„Du bist dir schon darüber im Klaren, daß es um Aerobic geht?!“

Aerobic? Shit! Tussiturnen! Ich sehe Jane-Fonda-Achtzigerjahre-Mädels in seltsamen bunten Klamotten bei ebenso seltsamen Verrenkungen vor meinem geistigen Auge auftauchen. Irgendwie komme ich mir vor, als ob Judge Dredd mir gerade erklärt hätte, daß ich gewarnt sei.

„Ja.“ Glatt gelogen, aber es war zu spät. „Du suchst also einen Vollpfosten, der von der Materie keinen Plan hat und bei dem du ausprobieren kannst, ob du in der Lage bist, die Anweisungen so zu geben, daß er umsetzt, was du erwartest.“

Zusammengefasst: Musik + Bewegung  + Vollpfosten = ich

„Quasi.“

Aha. Hatte ich erwähnt, daß ich ein netter Ehemann bin?

„Und da dachtest du gleich an mich.“

Na? Nananananaaaa?

„Ja, aber immerhin traue ich es dir überhaupt zu, es umsetzen zu können.“

Hrmpf! Übrigens bin ich der Meinung, daß ich ein sehr netter Ehemann bin.

Soviel dazu.

Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, am Sonntag in der Clothilde-Bollermann-Gesamtschule in Gutterdorf mittels des eigens zu diesem Zweck eingepackten Fotoapparates einige Impressionen im Bild festzuhalten.

Blogger neigen nicht nur dazu, ihr Essen zu fotografieren, sondern auch ihre Füße und die daran befindlichen Schuhe. Also richtete ich den Apparat senkrecht nach unten in Richtung meiner Gehwerkzeuge.

 
Irgendwo unter dem blauen Vorsprung müssen sie sein.


 Nun noch ein paar Eindrücke von der Halle:

 

Die Bodenstätte unseres Wirkens

 

Für Belüftung ist gesorgt.

 
Oh, ein Ball - vielseitig verwendbar

Die Bilder von den Toilettenräumen habe ich Alex für ihre kleine Sammlung und den hoffentlich bald erscheinenden Bildband zukommen lassen.

Was mich dann noch sonntags in der Turnhalle der Clothilde-Bollermann-Gesamtschule in Gutterdorf erwartete, war nicht nur die Ausführung einzelner Übungen, sondern das Durchziehen des kompletten Kursprogramms. Mit Musik. Nachdem ich morgens schon mein übliches Kraft- und Ausdauersportprogramm absolviert hatte. Das aber ohne Musik. Wobei ich anmerken muß, daß das Aerobic der guten alten Zeitkaum noch was mit dem zu tun hat, was mir da nahegebracht wurde.

Während ich mich also noch verdrehte, verbog und in sonstigen unnatürlichen Positionen wiederfand – und ich im Übrigen immer noch der Meinung bin, daß die Existenz von Bauchmuskeln eine reine Erfindung der weltweiten Fitnesstrainermafia ist – endete die musikalische Untermalung.

„Oh, blöd, da habe ich wohl die Zeit überzogen.“

Gerettet!

„Egal, das machen wir jetzt noch zu Ende.“

Argh!

Bevor es untergeht: Ich bin ein netter Ehemann. Und als solcher habe ich es unterlassen, die zweitbeste Ehefrau von allen deswegen anzubrüllen. Außerdem gehört ja irgendwie doch auch etwas Sauerstoff dazu…

Rajiv sagt immer, daß ein Training nur etwas gebracht hat, wenn man davon Muskelkater bekommt. Ich weiß ja nicht, ob er dies wirklich so meint, aber falls dies ernst gemeint ist, dann muß dieses Training wirklich etwas gebracht haben.

Aua.



Samstag, 22. Februar 2014

Gelbe Zettel

Wie könnte eine Geschichte aus dem Büro großartig anders beginnen als mit den hier im Blog so oft geschriebenen Worten „Wir saßen in unserem Büro und arbeiteten friedlich vor uns hin…“? So beginnt auch diese Geschichte.

Wir saßen also in unserem Büro und arbeiteten friedlich vor uns hin. Während wir unseren verschiedenen Beschäftigungen nachgingen betrat Sven mal wieder den Raum und störte die geschäftige Arbeitsatmosphäre. Umständehalber verdiente er es nicht anders und kassierte einen Spruch von Mandy, den er nicht unerwidert ließ.

Och, das hörte sich jetzt aber interessant an. So ein verbaler kurzer Schlagabtausch ist zumeist einen Blogeintrag wert. Hin und wieder kommt es ja vor, daß sich so eine Aktion schriftlich später nicht so schön darstellen lässt, wie sie gerade tatsächlich geschehen ist, aber dennoch – erst mal notieren und wirken lassen.

Mandys Blick fiel in meine Richtung.

„Guck mal, jetzt schreibt er wieder was auf seine kleinen Zettel.“

Sven folgte dem Blick.

„Das hat bestimmt was zu bedeuten.“

Ups! Nö, lässig bleiben.

„Ich hatte nur gerade einen Gedanken, den ich nicht verlieren wollte, während ihr hier herumkaspert.“

„Kommt aber häufiger bei dir vor.“ meinte Sven. Und weiter zu Mandy gewandt: „Pass auf, der schreibt alles auf was wir sagen, um es später gegen uns zu verwenden.“

Tja, wer weiß das schon?

Nachstehend findet ihr ein Foto von der Ausbeute einer gut gelaufenen Woche.
 


 

Auch wenn wieder einmal nicht alles verwendbar ist, bin ich doch ganz zufrieden damit.




Freitag, 21. Februar 2014

Donnerstag, 20. Februar 2014

Drecksdinge

Wir saßen in unserem Büro und werkelten vor uns hin. Wie so oft eben. Ich hatte meine ganze Aufmerksamkeit auf den PC gerichtet und versuchte das MIST davon zu überzeugen, daß es besser sei, das zu tun, was ich von ihm erwarte, doch wurde mir hartnäckiger Widerstand entgegengebracht.

Während ich also auf immer wieder neuen Wegen versuchte, meine Eingaben etwas dauerhafter zu gestalten und eine Fehlermeldung nach der anderen abblockte, zeigte sich Dr. Strebsinger im Rahmen seiner morgendlichen Begrüßungsrunde kurz bei uns, um die Tageszeit anzusagen. Ich bekam es kaum mit. Er hatte gerade den Raum verlassen, als eine kurze Fehlermeldung auf meinem Monitor auftauchte und auch baldigst wieder verschwand.

Lauter als beabsichtigt ließ ich ein kurzes „Was war das denn jetzt für ein Dreck?“ vernehmen.

Mandy jedenfalls bekam es mit und wusste mich umgehend aufzuklären.

„Das war doch Dr. Strebsinger.“

Böse Mandy, ganz böse Mandy.

Und wer wischt jetzt bitte den Kaffee von Karlas Monitor?



Dienstag, 18. Februar 2014

Sangesfreude

Es ist ja so, daß ich mit Kindern nicht so übertrieben viel anfangen kann. Eigentlich eher gar nichts. Man könnte durchaus anmerken, daß ich die Erfindung der internatsmäßigen Unterbringung von Schülerhorden für eine ausgesprochen erstrebenswerte Sache halte. Insbesondere dann, wenn diese ganzjährig auf Grönland oder ähnlich abgelegenen Inseln stattfindet.

Dennoch kam ich nicht umhin, tief in meinem Inneren eine gewisse Anerkennung zu verspüren, als ein kleines, wohl erst noch ganz am Anfang ihrer Schulkarriere stehendes Mädchen, dessen ethnische Wurzeln mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht in unseren Breitengraden liegen, im Bus dieses  > Klick mich <  kleine Werk leise intonierte.

Gut, der Perfektionsgrad war übersichtlich, aber dennoch hatte die Darbietung zweifellos einen eindeutigen, eher der klassischen Version angenäherten Wiedererkennungswert.


Montag, 17. Februar 2014

Schuhe, hochhackig

Von Maria, unserer guten Fee des Hauses – schlichte Gemüter würden sie als so etwas ähnliches wie eine Vorzimmerdame oder Dezernatssekretärin bezeichnen, doch das würde ihrer Arbeit nicht so ganz entsprechen – bekam ich einige Schreibblöcke an den Tisch gebracht. Daß ich mir die nicht selbst abgeholt hatte lag ausnahmsweise nicht an einem Ausbruch von Faulheit meinerseits. Maria kann es vielmehr besser in ihre Arbeitsabläufe integrieren, wenn man ihr kurz eine E-Mail schickt und darin anmeldet, welchen Bedarf an Arbeitsmaterialien man gerade so hat. Sie würde es dann auf ihrer Runde durchs Haus vorbeibringen. Das sei für sie einfacher, als wenn alle paar Minuten jemand bei ihr aufschlägt und sie um Material anschnorrt. Gut, das ist nachvollziehbar.

Ich hatte kleine Schreibblöcke bestellt. Maria fragte mich, ob die von ihr beschafften Blöcke denn klein genug seien. Aus meiner Sicht handelte es sich eher um eine mittlere Größe, was mir aber auch egal war. Rebecca bekam das mit und meinte nur, daß Größe ohnehin relativ sei.

Ich fragte sie, wie sie das meinte. Nicht, daß mir wieder irgendeine Sauerei entgangen wäre, bei der ich rote Ohren bekäme, wenn ich sie hören würde. Man kennt ja seine Pappenheimer.

Aber es ging um eher profrane Dinge des Lebens. Sie empfindet sich von der Körpergröße nicht unbedingt als klein, aber ihr Verlobter sei so groß, daß sie beim Tanzen mit dem Kopf nur bis an seine Schulter reichen würde. Inzwischen habe ich den Burschen tatsächlich mal gesehen und kann diese Aussage bestätigen. Auf jeden Fall würde Rebecca zur Hochzeit – ja, wird sind wieder beim Thema – wirklich hochhackige Schuhe benötigen. Und sie habe ja so gar keine Erfahrung mit derartigen Schuhen und müsse erst lernen, richtig damit zu laufen.

Wie der geneigte Leser, der sich durch wirklich alle Facetten dieses Blogs durchgekämpft hat, sich vielleicht zu erinnern vermag, ist die zweitbeste Ehefrau von allen mit Leib und Seele Tänzerin. Bevor sie sich dem orientalischen Tanz widmete, galt ihr Interesse dem Formationstanz auf durchaus gehobenem Turnierniveau. Auch wenn das vor unserer gemeinsamen Zeit war, schnappt man als Ehemann doch die eine oder andere Information zu allen möglichen Dingen auf, welche damit in Zusammenhang stehen könnten. Natürlich zählt dazu auch das Schuhwerk, so daß ich ohne weitere Rückfrage empfehlen konnte, eine ordentliche Tanzschule aufzusuchen, in der man das Bewegen mit hochhackigen Schuhen auch lernen könne. Da wollte ich also einmal mit Basiswissen glänzen, und schon musste ich mir anhören, daß man diese Idee auch schon hatte. Ich werde es wohl überstehen.

Selbstverständlich war ich in meinen wilden Jahren *räusper* auch mal in der Tanzschule und habe da gewisse tänzerische Basiselemente mitbekommen, die ich bis heute allerdings wieder restlos verdrängen konnte. Tänzerische Bewegungen sind nichts für mich. Man kann mir heute durchaus auch eine gewisse Taktlosigkeit vorwerfen, ohne daß ich mich deswegen angegriffen fühle. Nach Aussage meiner Angetrauten bekomme ich ja noch nicht mal einen Vierplatten-Klammerblues hin. Selbst das unbewusste Mitwippen eines Fußes zu einer Melodie führt bei mir zu einer taktvollen Katastrophe. Behauptet meine Angetraute jedenfalls.

Zu meinen Tanzschulzeiten muß ich aber ein wirklich begnadeter Tänzer gewesen sein. Zum Ende der Zeit des Tanzschulbesuches hin bekamen wir die Aufgabe gestellt, zu einer Melodie den richtigen Tanz ohne Ansage zu erkennen und dann auch direkt damit loszulegen. Zu meiner großen Freude kann ich verkünden, daß ich bis heute die einzige mir bekannte Person bin, der es vollkommen problemlos gelingt, zu einem Foxtrott-Takt einen Walzer zu tanzen. Ich konnte seinerzeit übrigens zu jedem Takt einen Walzer tanzen.

Zur Not auch einen nach Wiener Art.

Das vermag doch wirklich nicht jeder von sich zu behaupten.




Sonntag, 16. Februar 2014

Winterfelgen

Die Zeiten, zu denen ich noch Wert darauf gelegt habe, daß (m)ein Auto nach was aussieht, sind lange vorbei. Unser Balduin ist ein eher praktisches Familienauto, welches mich optisch nicht besonders anspricht. Es ist mir egal, ob der Wagen sauber oder dreckig ist und ob sich irgendwo Kratzer oder Dellen befinden, so lange sie nicht derart gestaltet sind, daß sie die Rostbildung unterstützen könnten.

In meiner wilden Jugend war das noch etwas anders. Mein zweites Auto war ein alter Escort, der dringend einer Verschönerung bedurfte. Und so ließ ich ihn in einer Werkstatt etwas aufmöbeln. Nicht dergestalt, wie ich es gerne gehabt hätte, das war einfach eine Geldfrage. Abstriche waren schon vonnöten. Und zum Selbermachen fehlt mir einfach das nötige Händchen. Selbst der einfachste gesicherte linksdrehende und titanverstärkte Kreuzvorwarndreher in Nenngröße 4b wird in meinen Händen ja schon entweder zur tödlichen Waffe, soweit es mein Umfeld betrifft. Oder er sorgt zumindest schon alleine dadurch, daß ich ihn halte, für eine blutende Verletzung bei mir selbst. Da werde ich mit Sicherheit erst recht keinen Schraubenzieherdreher, keine Klemme oder ähnliches gefährliches Werkzeug anfassen und es gegen mein Auto richten. Nix, das könnt ihr aber mal ganz schnell wieder vergessen. Der Werkstattbesuch ist da billiger als der Erwerb eines neuen alten Autos.

Die Aufwertung meines Escorts zu einem angemessenen Fortbewegungsmittel bestand darin, ihm allerlei zusätzliche und überwiegend höchst unnötige Teile angedeihen zu lassen:

  • Nebelscheinwerfer vorne, montiert unter der Stoßstange
  • zusätzliche Fernlichter, montiert auf der Stoßstange
  • in Wagenfarbe lackierte Frontschürze
  • Heckspoiler
  • breitere Seitenaufprallschutzleisten
  • Rallyelenkrad mit Schafsfellbezug
  • Mittelkonsole (jaaaa, ist heute Standard, damals aber nicht)
  • Andruckverstärker für Scheibenwischer
  • Schmutzfänger mit Rückstrahlern
  • tiefergelegtes Kennzeichen am Heck
  • besondere Verblendung an der Stelle, an der das Kennzeichen eigentlich hingehörte
  • Auspuffblende
  • eine per Saugnapf an eines der hinteren Seitenfenster befestigte Garfield-Figur
  • Radkappen (damals ebenfalls noch kostenpflichtiges Extra)
  • Golfball als Knopf auf dem Schaltknüppel
  • und als optischer Höhepunkt: ein fettes Adlermotiv auf der Motorhaube (geklebt, nicht gesprüht)

Für seine satten knapp über 50 PS war der Wagen viel zu lahm, sah aber wenigstens nach was aus. Dafür war es im Innenraum bei Erreichen der Spitzengeschwindigkeit im vierten Gang (Fünfgangetriebe gab es vielleicht bei einem Sportwagen, aber nicht bei Alltagsautos) dermaßen laut, daß Fahrer und Beifahrer sich nicht mal schreiend verständigen konnten. Gut, heute würde ich den Wagen auch eher als Asi-Mobil ansehen, aber hey, ich war auch mal jung. Blöderweise gibt es keine Beweisfotos mehr. Weder von dem Auto noch von mir. Also kann meine Angetraute weiterhin standhaft behaupten, daß ich schon alt auf die Welt gekommen sei, weil ich den ganzen jugendlichen Unfug nie mitgemacht hätte. Habe ich auch nicht – bis auf die Sache mit diesem Auto.

Doch darum geht es mir hier eigentlich nicht. Ich wollte es bei der Gelegenheit nur mal wieder so erwähnt haben.

In jedem Sommer fallen mir die ganzen Autos auf, die mit diesen wunderbaren, auf Leichtmetallfelgen aufgezogenen Breitreifen durch die Gegend fahren. Leichtmetallfelgen konnte und wollte ich mir nie leisten, aber ich verhehle nicht, daß die oft wirklich ansprechend aussehen. Doch dann kommt der Winter. Meistens. Zumindest auf dem Kalender. Früher oder später. Je nach Wohngegend. Aber er kommt. Und mit dem Winter beginnt man, Winterreifen aufzuziehen, welche sich zumeist auf einfachen, hässlichen Stahlfelgen befinden. Wenn ich schon dermaßen Wert auf die Optik meines Autos legen würde, dann sollte ich doch in der Zeit, in der ich die Stahlfelgen aufgezogen habe, Radkappen verwenden, damit es nicht so total daneben aussieht, oder?! Aber nein. Dafür hat es wohl nicht gereicht. Denn wie kommt es sonst, daß die meisten aufgemotzten oder aus sonstigen Gründen höherwertigen Autos zur kalten Jahreszeit die hässlichen Stahlfelgen zeigen? Darf ein Auto im Winter nicht aufgehübscht aussehen?

Und wieder haben wir eines der großen Rätsel der Menschheit gefunden, dessen Antwort sich mir bis heute verschlossen hat.



Samstag, 15. Februar 2014

Ein Fremder ist in der Stadt

Es mag Menschen geben, die der Meinung sind, daß sich in meinem Leben nichts verändert. Alles ist mehr oder weniger eingefahren. Doch dem muß ich energisch widersprechen.

Ein paar Tage lang war ich nicht mit dem Bus zur Arbeit gefahren, sondern hatte die Gelegenheit, das Familienauto namens Balduin zu diesem Zweck in Anspruch zu nehmen. Hin und wieder kommt das mal vor.

Nachdem diese Zeit vorbei war, musste ich wieder das Angebot der NÖP, des örtlichen Nahverkehrsdienstleisters, in Anspruch nehmen. Auf meinem Weg zur Haltestelle hörte ich hinter mir sich nähernde Schritte. Dem Klang nach handelte es sich bei dem Verursacher nicht um die ewig zu spät zur Haltestelle kommende Dame; außerdem wäre sie schon nahezu unbotmäßig früh dran gewesen. Nein, das war jemand anderes. Ein Fremder. In unserer Stadt. Hinter mir. Im Dunklen.

Kurz vor Erreichen der Haltestelle wurde ich von ihm überholt. Ein Herr, aufgrund seiner Hose eindeutig als Handwerker zu erkennen, schritt an mir vorbei und stellte sich in den vorderen Bereich der Haltestelle, an der aller Wahrscheinlichkeit nach die Vordertür des zu erwartenden Busses Einlass gewähren würde. Ich kannte den Herrn nicht, auch wenn er scheinbar in unserer Gegend wohnte. Meine Unkenntnis hat nicht viel zu sagen, denn ich bin ja schon froh, die Gesichter der in unserem Haus lebenden Personen wiederzuerkennen, was immerhin vier an der Zahl sind. Dazu würde ich noch eine Hand voll anderer Nachbarn erkennen, wenn sie mir mal irgendwo anders begegnen, aber das war es dann auch schon. Ansonsten gehe ich meinen Mitmenschen bekanntlich aus dem Weg, wo und wann es nur geht.

Es kommt immer mal wieder vor, daß jemand unseren Bus nimmt, der nicht regelmäßiger Pendler ist. Der kauft dann seinen Einzelfahrschein und fertig. Diese Leute haben es immer sehr eilig, den Bus zu besteigen, also ließ ich ihn gewähren, als es an der Zeit wurde.

Und dann begann das Unheil. Er kaufte keine Fahrkarte. Und entwertete auch keine. Also war er vermutlich Besitzer einer Dauerkarte. Und nahm dementsprechend auch nicht den Weg zum Fahrer (bei uns gibt es keine Einlasskontrolle im Bus). Nein, er ging direkt durch – und setzte sich auf meinen Stammplatz. Erste Reihe rechts. Und das war ja nur deswegen mein Stammplatz, weil mein ursprünglich bevorzugter Platz seit längerer Zeit regelmäßig von einer Dame besetzt ist, die eine Haltestelle früher einsteigt.

Also mußte ich mir ein anderes kuscheliges Plätzchen suchen. Von meiner favorisierten Auswahl stand nur noch einer zur Verfügung. Ich habe es mit der mir eigenen Würde getragen. Schließlich kommt es mal vor, daß Handwerker aufgrund eines vorübergehend geänderten Einsatzplanes gezwungen sind, auf anderen als ihren üblichen Wegen und zu unüblichen Zeiten zur Arbeit fahren. Der Sack auf meinem Platz würde sicherlich bald nicht mehr mit dem Bus fahren.

Von wegen. Der ist jetzt seit Wochen mit dabei und blockiert meinen Platz. Meinen Platz!

Ja, liebe Leser, dassind Veränderungen. Drama pur. Ich hoffe doch sehr, ihr seid genau so angemessen schockiert und entrüstet wie ich.

Die Welt hat sich gegen mich verschworen.



Freitag, 14. Februar 2014

Kleine Randbemerkung (13)

Gestern veröffentlichte ich einen Eintrag mit dem Titel Das Brautkleid.

Heute Morgen durfte ich einen - für die Verhältnisse dieses Blogs - nahezu dramatischen Anstieg der Seitenaufrufe feststellen.

Ob da ein Zusammenhang besteht? Insbesondere zum heutigen Valentinstag?

Ihr Männer da draußen, passt bloß auf und macht jetzt nichts verkehrt.



Donnerstag, 13. Februar 2014

Das Brautkleid

Der geneigte Blogleser wird alleine aus der Überschrift dieses Eintrages schon vermuten, daß es hier wieder einmal um Rebeccas Hochzeit gehen dürfte. Und er vermutet richtig. Es ist etwas still zu diesem Thema geworden, weil Rebecca ihren Platz gegenüber meinem Schreibtisch zwischenzeitlich zu Gunsten von Ludwig, unserem Auszubildenden, räumen musste. Da bekomme ich natürlich nicht mehr so viel von den ganzen Vorbereitungen mit.

Allerdings bin ich nicht umhingekommen, über die Suche nach einem angemessenen Brautkleid informiert zu werden. Rebecca sah die Sache schon eher pragmatisch. Sie wolle nicht mehr als 1.000 Euro für ein Brautkleid ausgeben und hätte auch nichts dagegen, sich eines zu leihen. Nun gut, 1.000 Euro für ein Kleid auszugeben, welches man planmäßiger Weise nur einmal im Leben tragen würde, erscheint mir immer noch sehr viel zu sein. Aber was verstehe ich schon davon? Ich bin ein Mann. Und ich bin sehr froh darüber, daß die zweitbeste Ehefrau von allen zu unserer Hochzeit kein Brautkleid tragen wollte, sondern lieber etwas, was sich häufiger verwenden ließe.

„Ja, aber dann kam der Hammer.“ plapperte Rebecca weiter. „Mein Vater hat gesagt, daß er das Brautkleid für mich bezahlt. Jetzt kann ich mir doch ein richtig Schönes kaufen.“

Alle gleich. Na ja, fast alle. Aber natürlich hat die Sache einen deutlichen Haken, auf den ich in meiner gewohnten, menschlich mitfühlenden Seite aufmerksam machen musste.

„Das bedeutet also, daß du dein Kleid selbst bezahlst.“

„Nein, mein Vater macht das. Habe ich doch gesagt.“

„Hast du Geschwister?“

Rebecca stutzte kurz. „Nein, ich bin alle Kinder die wir haben. Alles Mädchen.“

Aha. Gut zu wissen.

„Rebecca, du musst an die Zukunft denken. Irgendwann erbst du alles. Und dann? Dann ist das Geld für das Brautkleid weg. Aus der Erbmasse rausgefallen, weil es jetzt schon ausgegeben wurde. Folgerichtig hast du ein Brautkleid selbst bezahlt.“

„Pöh.“

„Dann hättest du auch lieber was Sinnvolles damit machen sollen.“

„Zum Beispiel?“

„Du könntest uns als deine Lieblingskollegen häufiger zum Chinesen einladen. Das würde deine Beliebtheitswerte dramatisch nach oben katapultieren. Glaube es mir.“

„PATERFELIS!“

Wieso muß Mandy eigentlich immer zuhören? Ich fand den Plan, auch tiefenpsychologisch gesehen, in seiner Subtilität gut ausgearbeitet.




Mittwoch, 12. Februar 2014

Alleine gelassen

Nun, da Sally tot ist, können die zweitbeste Ehefrau von allen und ich auch mal wieder gemeinsam für ein oder zwei Übernachtungen aushäusig verweilen. Das haben kürzlich auch direkt mal ausprobiert. Lilly kannte das ja noch von früher, aber Marty und Smilla waren noch nie länger als ein paar Stunden ohne uns zu Hause.

Wieder angekommen fanden wir keine Spuren von irgendwelchen Gemetzeln oder sonstige Zeichen unerlaubten Handelns seitens der Katzenbande. Die Geschwister schienen die Sache gut überstanden zu haben, waren aber auch etwas anhänglicher als sonst. Gerade um Marty habe ich mir da schon meine Gedanken gemacht, weil er ja Sallys Verlust zu dem Zeitpunkt noch nicht so ganz weggesteckt hat und ich befüchtete, daß er wähnen könnte, nun auch seine beiden Dosenöffner verloren zu haben.

Als ich am nächsten Morgen wach wurde, bemerkte ich, daß Marty es sich in meinem Bett entlang meines gestreckten Beines gemütlich gemacht hatte. Ebenfalls voll ausgestreckt kommt da bei ihm auch einiges an Zentimetern zusammen. Ich nahm es positiv zur Kenntnis und stellte einen Zusammenhang mit unserer vorherigen Abwesenheit her.

Mir war ja schon vor Wochen aufgefallen, daß Marty nicht mehr bei mir im Bett schläft. Das hat so in etwa zu dem Zeitpunkt aufgehört, als Sally sich das auch abgewöhnt hat. Also war der Drecksack bislang nur bei mir im Bett, um mit Sally zu kuscheln. Vielleicht war unsere Kurzreise ja ein Auslöser gewesen, nun aufgrund eventueller Verlustängste doch wieder im Bett zu nächtigen. Oder um es anders auszudrücken: um sich bei mir wieder vollkommen unnötigerweise einzuschleimen.

In der folgenden Nacht war er wieder vor Ort, was Lilly dazu veranlasste, das Bett meiner Angetrauten zu erobern. Nach dem Aufstehen fiel mein Blick auf unseren Wohnzimmersessel. Dort standen noch Taschen auf der Sitzfläche. Genau auf der Sitzfläche, auf welcher der Herr Kater sonst genächtigt hat. Natürlich kam da ein gewisser Verdacht auf. Also stellte ich die Taschen zur Seite und harrte der nächsten Nacht.

Und selbstverständlich zeigte Marty keinerlei Anstalten, bei mir zu bleiben. Morgens fand ich ihn wieder auf dem Sessel vor.





Ich fühle mich so benutzt.



Dienstag, 11. Februar 2014

Beim Kleinen Chinamann (4) - Der Weg ist das Ziel

Mit Erreichen dieses ersten wichtigen Zielpunktes erwies sich der Ökoklaus als ziemlich verweichlicht und ging zur Toilette, um Ballast in Form überschüssiger Biomasse abzuwerfen. Ich bin aber der Überzeugung, daß dieser Ballast an der richtigen Stelle und damit auf zulässigem Weg den Körper verlassen hat, denn trotz allem bleibt der Ökoklaus doch ein Buffet-Profi. Als solcher lässt man sich das gute Essen nicht nochmal durch den Kopf gehen.

Nachdem er wieder vor Ort war, wurde es Zeit, den mongolischen Teil des Buffets näher in Augenschein zu nehmen. Hier bietet sich regelmäßig die Gelegenheit, auch mal exotischere Fleischsorten zu kosten. Auf diese Weise habe ich in der Vergangenheit schon Strauß, Krokodil, Känguruh und Widder gegessen und alles als sehr schmackhaft empfunden. Es ist schon erstaunlich, daß die alten Mongolen bereits derart früh in ihrer Vergangenheit den australischen Kontinent erreicht haben, daß zumindest das Fleisch der ersten drei aufgeführten Tiere den Weg in ein übliches mongolisches Buffet gefunden hat.

Meinen nächsten Teller füllte ich mit dünnen Rindersteaks, Kanguruh (als einzige der an diesem Tag vorhandenen exotischen Fleischsorten), einer Gemüsemischung und Nudeln, welche mit einer mongolischen Sauce zubereiten werden sollten. Der Ökoklaus und ich gingen davon aus, daß wir nach Genuß insbesondere des Känguruhs verstärkt zu hüpfender Fortbewegung animiert würden, welche wiederum für eine gleichmäßigere Verteilung des Mageninhaltes Sorge tragen sollte und dessen Grenzen der Belastbarkeit hinausschiebt.

Da die mongolischen Gerichte frisch zubereitet werden, nutzen wir die Wartezeit für einen leichten Zwischengang. Etwas knuspriges Huhn in einer warmen, dunklen Knoblauchsauce und einer Sättigungsbeilage aus Glasnudeln schienen mir ausreichend zu sein.

Nach Verzehr des anschließend servierten Mongolentellers legte ich eine kleine Pause ein, die der Ökoklaus schamlos ausnutze, um einen Vorsprung auszuarbeiten. Ich möchte den Ereignissen nicht vorgreifen, weise aber dennoch bereits an dieser Stelle darauf hin, daß er später nochmals das stille Örtchen aufsuchen würde, was ich dazu nutze sollte, seinen Vorsprung wieder einzuholen.

Einige Ananasbrocken, selbstverständlich die reichhaltigen in Backteig, zierten meinen nächsten Teller und sorgten für Entlastung in der Magengegend. Ihr wisst ja, die Enzyme.

Auf der anderen Seite des Tisches kämpfte indes Rebecca mit ihrem Teller bzw. vielmehr den Dingen, welche sich auf diesem befanden. Ein jammerndes „Essen kann so schön sein.“ war von ihr zu vernehmen. Immerhin sollte dies ihr siebter Gang sein. Wir waren alle sehr stolz auf sie. Unsere Kleine ist nun dabei.

Der Verzehr der Ananas bereitete mich darauf vor, wieder einen gemischten Mongolenteller, bestehend aus Känguruh, Schwein, Rind und Gemüse sowie einer scharfen Sauce zu mir nehmen zu können. Auf die Sättigungsbeilagen verzichtete ich; die werden ohnehin überbewertet.

Als letzten Hauptgang des Tages gönnte ich mir wiederum Ente, geschmacklich mit einer Knoblauchsauce abgerundet.

Es wurde Zeit, sich dem Dessert zu widmen. Also suchte ich mir sechs Stücke in Backteig frittierter Banane, lies etwas Honig darüber laufen und leerte den Teller auf die dafür vorgesehene Weise. Bananen wirken sehr stopfend und magenfüllend, weswegen sie keinesfalls und absolut niemals vor dem absehbaren Ende einer Völlerei genossen werden dürfen.

Als Abschluß sollten es fünf Eiskugeln sein, die mir fast den Rest gaben. Aber wirklich nur fast, denn der finale Höhepunkt des Essens bei diesem Chinesen ist ein ausgesprochen leckerer Pflaumenwein, welcher auf Kosten des Hauses serviert wird. Und da einige Damen aus unserem Kreis nicht mehr in der Lage waren, Nahrung gleich welcher Form zu sich zu nehmen, mussten der Ökoklaus und ich die Vernichtung des wohlschmeckenden Getränks herbeiführen. Wir opferten uns also vollkommen selbstlos für unsere Kolleginnen auf.

Nachdem wir fertig waren, zählten wir die virtuellen Kerben an der Tischkante. Es waren 14 an der Zahl. Wir hatten den Rekord gemeinsam unter Beachtung sämtlicher Regeln geknackt. Never change a winning team.

Trotzdem ist es sehr bedauerlich, daß es unter anderem die bereitliegende Seezunge nicht mehr geschafft hat, auf meinen Teller zu hüpfen. Ich gelobe Besserung. Doch die versprochene Zuwendung der Damen habe ich bis heute nicht erhalten. Der Pflaumenwein kann es ja nicht gewesen sein.

ÖRKS

Diese Ereignisse fanden im November statt. Doch widrige Umstände in unserem Arbeitsleben zwingen uns dazu, bald wieder aufzubrechen und eine neue Herausforderung zu bestehen.

15!

Wir sind bereit.


(Ende)


An dieser Stelle sollte eine Nachbetrachtung aus meiner Sicht als Soziophiker folgen, aber mir fehlen die Worte es wurden zu viele Worte, denn das Thema entbehrt nicht einer gewissen Komplexität. Wenn ich meine Gedanken sortiert habe, lasse ich die passenden Zeilen folgen.



Montag, 10. Februar 2014

Beim Kleinen Chinamann (3) - Ran an die Buletten (oder so ähnlich)

Der Ökoklaus und ich waren wie üblich gut vorbereitet. Im Gegensatz zu den Amateuren, die wir in unserem Gefolge haben würden, aßen wir keinesfalls den ganzen Tag bis zur Buffeteröffnung nichts, sondern nahmen ein übliches bis reichhaltiges spätes Frühstück zur Vordehnung des Magens ein. Erst danach lebten wir bis abstinent. So erreichten wir, daß sich zur passenden Zeit ein Hungergefühl einschlich, ohne daß der Körper auf den Gedanken gekommen war, aufgrund der scheinbar plötzlich aufgetretenen Hungersnot auf Sparmodus zu schalten.

Nachdem wir unsere Plätze eingenommen hatten, war die nächste, maßgebliche Weichen stellende Entscheidung zu treffen: die Wahl des Getränks. Der ungeübte Buffet-Esser wird sich ein Bier, einen Fruchtsaft, ein Erfrischungsgetränk oder etwas in der Art bestellen. Und damit  einen weiteren Fehler auf dem Weg zum Sieg begehen. Denn solche Getränke haben die Eigenart, schnell genossen zu sein, den Magen unnötig zu füllen und dennoch nach mehr von ihnen zu verlangen. Was wiederum zu weiteren unnötigen Ballast führt. Doch auch ein Magen hat natürlich Grenzen, die es nicht durch Getränke auszureizen gilt. Denn um Limo, Bier & Co zu mir zu nehmen, muß ich nicht zu einem China-Buffet gehen; das kann ich auch zu Hause. Es geht um das Essen. Und nur um das Essen. Ausschließlich! Getränke zählen deshalb auch nicht zur Erlangung unseres Ziels. Also bestellte der Ökoklaus einen grünen Tee, während ich einem Jasmintee den Vorzug gab. An einem solchen Kännchen kann man sich lange und in wohlportionierten Mengen festhalten, denn die dazu gereichten Tassen sind ziemlich klein.

So glühten der Ökoklaus und ich unsere Mägen mit dem Inhalt je einer kleinen Schale (= 2 Kellen eher mittlerer Größe) Pekingsuppe vor. Die sanfte Schärfe war wohltuend; wir waren bereit. Nadja und Rebecca begannen indes mit einem Hauptgang, was wir als ausgesprochen leichtsinnig empfanden. Dies würde den Magen schnell zur Einleitung von Schwerstarbeit führen und für die Aufnahme weiterer Nahrung eher unempfänglich werden lassen. In Folge des weiteren Ablaufs des Abends vermag ich weitgehend nur noch meine Speiseauswahl darzustellen, kann jedoch beteuern, daß die Auswahl des Ökoklaus in wesentlichen Teilen ähnlich war.

Der zweite Gang bestand aus gebratenen Chinanudeln, Ente und einer Gemüsebeilage, aromatisch angereichert mit einer delikaten Sojasauce. Direkt im Anschluss fanden sich Stücke von frittiertem Fisch und frittiertem Huhn, gebratenem Reis und einer Curryrolle, umrahmt von einer süß-sauren Sauce auf meinem Teller. Es sei der Hinweis gestattet, daß die Buffet-Teller keinesfalls die Größe normaler Teller erreichen, was den Eindruck der Portionsgrößen etwas verfälscht.

Es wurde Zeit für eine Auflockerung des Mageninhaltes. Zu diesem Zweck bot sich eine Hühnersuppe mit Einlage an. Sehr lecker, aber doch eher mild. An dieser Stelle bezichtigte mich der Ökoklaus des Betruges, denn er war der Meinung, daß meine Schale durchaus besser hätte gefüllt sein können. Zwei Kellen sind aber zwei Kellen. Die müssen nicht gestrichen voll gewesen sein.

Im nächsten Schritt sollte es wieder festere Nahrung sein. Durch Zuführung der Suppe zeigte der bisherige Mageninhalt eine gleichmäßigere, aufgelockerte Verteilung. Also fand sich Platz für Nachschub; Rindfleisch mit Zwiebeln sowie Reisnudeln erschien durchaus angemessen.

Es folgte ein leichter Hauptgang in Form einer Frühlings- und mehrerer kleiner Herbstrollen sowie frittiertem Huhn, wieder geschmacklich unterstützt durch eine süß-saure Sauce.

Die Mädels begannen, erste Ermüdungserscheinungen an den Tag zu legen, ließen ihrer Sturheit jedoch freien Lauf und versuchten wenigstens, weiterhin mitzuhalten. Als wahre Gentlemen gaben wir den Tipp, sich der am Buffet aufzufindenden Ananas zu widmen, welcher aufgrund ihrer Enzyme dafür Sorge tragen würde, daß das Völlegefühl nachließe. Bei mir funktioniert das immer, aber so weit war es noch nicht. Nadja folgte dem Rat, und so wanderten auf ihren Teller Stücke im Backteig frittierter Ananas. Hinterher beklagte sie sich, daß ihr die sehr im Magen liegen würden und wir sie damit reingelegt haben. Dies war durchaus nicht der Fall. Ihrem Verlangen nach unserer sofortigen Disqualifikation konnten wir daher als aufsichtsführende Schiedsrichter einstimmig nicht entsprechen. Der Ökoklaus und ich sprachen nur von Ananas, und diese gab es auch in ihrer einfachen, verzehrfertig aufgearbeiteten Form auf dem Buffet. Was können wir dafür, wenn die junge Dame so ungeduldig ist und nicht erst mal die Lage sondiert?

Solidarisch wie wir waren, griffen der Ökoklaus und ich in unserem nächsten Gang ebenfalls zur in Backteig frittierten Ananas, die sich bei uns allerdings nicht dermaßen nachteilig auswirkte, wie uns Nadja glauben machen wollte. Im Gegenteil, es stellte sich das Gefühl wohliger Entspannung ein.

An diesem Punkt zogen der Ökoklaus und ich die siebte virtuelle Kerbe in die Tischkante. Unser erstes Ziel war schadlos erreicht. Die anwesenden Damen in der Runde, welche bereits im Vorfeld kapituliert hatten, zogen in Erwägung, mir etwas zukommen zu lassen, wenn ich zehn Gänge regelkonform bewältigen könne.


(wird fortgesetzt)



Sonntag, 9. Februar 2014

Interludium

Seit Wochen schon stammen meine Blogeinträge – mit Ausnahme der Erzählungen rund um Sally - aus dem Archiv. Ich verspüre den Drang zu schreiben, formuliere in Gedanken Texte, horte eine Unzahl an Notizen von Ereignissen, die mir bloggenswert erscheinen, doch nichts davon setze ich um. Dateien füllen sich mit Stichwörtern, damit die Gedanken nicht verloren gehen, aber sobald ich zu Hause bin und mich den Schreiben widmen könnte, ist jeglicher Elan verschwunden. Die Ereignisse im Büro hatten einen neuerlichen Höhepunkt erreicht; die Stimmung dort ist gereizt. Tage ziehen sinnlos an mir vorbei.

An diesem Samstag findet der Unterricht der zweitbesten Ehefrau von allen ganztägig im Sporttempel statt. Sie meint, das sei doch eine gute Gelegenheit für mich mitzukommen, meinen sonntäglichen Sportplan vorzuziehen und anschließend den weiteren Tag im Saunabereich zu verbringen, bis sie fertig ist. Ich lehne ab. Der Tag würde mir dort zu lang werden. Außerdem schaffe ich es im Moment auch nicht mehr, im Saunabereich zur Ruhe zu kommen. Drei Saunagänge, dann muß ich raus. Die weiteren Stunden totschlagen, bis meine Angetraute fertig ist und wir gemeinsam mit dem Wagen nach Hause fahren können, liegt mir im Moment nicht. Die Busverbindungen zum und vom Sporttempel sind am Wochenende noch schlechter als sonst; die Wartezeiten beim Umsteigen sind unmöglich. Ich habe keine Lust, bei dem Wetter bis zu einer halben Stunde unter freiem Himmel im Stehen zu warten, bis es mit dem Anschluss weitergeht.

Also bleibe ich zu Hause, stehe noch vor fünf Uhr auf und beginne zu schreiben. Das ist meine Uhrzeit. Es fließt förmlich. Innerhalb weniger Stunden, noch deutlich bevor die Mittagszeit erreicht ist, habe ich 14 Blogeinträge fertig. Sie bedürfen natürlich noch der Korrektur, aber im Wesentlichen passt es. Danach ist die Luft raus, ich lasse den Nachmittag vergehen, erledige ein paar Hausarbeiten. Meine Angetraute kommt nach Hause, Abendessen, fertig. Gegen 22 Uhr verziehe ich mich ins Bett.

Gegen zwei Uhr wache ich sonntags auf, verspüre ein leichtes Ziehen im Rücken. Sport wäre nicht schlecht, aber der Sporttempel macht erst um 9 Uhr auf.  Also bleibe ich liegen und warte. Ich hasse es, sinnlos warten zu müssen, bis andere mit ihrer Sache soweit sind. Vielleicht schlafe ich ja nochmal ein. Natürlich nicht. Zumindest nicht so, daß ich es merken würde. Um drei Uhr stehe ich kurz auf, lege mich aber wieder hin. Gegen vier Uhr schließlich mache ich das Radio an. Die Gedanken kreisen wieder. Die Wohnung sieht aus wie Sau, ich ärgere mich, doch ist es mir im Moment – rein organisatorisch – nicht möglich, etwas dagegen zu unternehmen. Trotzdem…

Ich könnte aufstehen und irgend etwas anderes machen. Schreiben, lesen, endlich mal wieder einen Film ansehen. Mache ich nicht. Wenn ich weiß, daß ich zu einer bestimmten Uhrzeit zwingend abbrechen muß, verliere ich die Lust, mich mit den Dingen zu beschäftigen. Ich will nicht aus meinem Schwung oder der Stimmung rausgerissen werden. Andererseits will ich auch nicht das weitere geplante Tagesgeschäft aufschieben. So wie den Besuch des Sporttempels. Es kommt mir irrational vor, was aber nichts an der Sache ändert.

Um 7.30 Uhr stehe ich auf und bin bereits ziemlich angefressen. Ich kümmere mich um eine Ladung Wäsche, stutze den Bart, dusche, begebe mich auf das Sofa. Eine Runde am Morgen durch das Neuland der Kanzlerin. Mir fällt ein, daß ich draußen den kaputten Metallzaun unseres Gartens entfernen wollte. Keine große Sache, es handelt sich um einen kleinen Steckzaun. Potthässlich, aber er ist notwendig. Ohne den Zaun erlaubt sich jeder Idiot, Wege durch unseren Garten abzukürzen. 20 cm hohes Metall auf dem Boden ändern das schlagartig, obwohl das doch kein ernstzunehmendes Hindernis darstellt. Der Zaun wurde im letzten Jahr durch ein Auto beschädigt und soll weg. Eine Sache von fünf Minuten. Ich erledige es nicht. Es ist Arbeit, die draußen erledigt werden müsste. Unter möglicher Beobachtung der Nachbarn. Ich kann mich nicht dazu überwinden.

Lilly kommt und will schmusen. Hat sie auch schon länger nicht mehr so intensiv gemacht. Zumindest, soweit es mich betrifft. Ich streichle ihren Bauch, das Köpfchen, wandere mit dem Finger über ihren Nasenrücken; sie präsentiert mir ihre Kehle. Vorsichtig bewege ich dort zwei Finger über das weiche Fell. Lilly schnurrt. Ich spüre das Vibrieren des ihres Kehlkopfes unter der dünnen Haut. Lilly verändert ihre Lage, berührt mit der nasskalten Nase meine Hand. Ich erhalte einen Liebesbiss.

Die Zeit vergeht, ich muß mich fertig machen. Der Sporttempel öffnet bald seine Pforten. Es tut mir ja in der Seele weh, aber da muß Lilly einfach durch. Sie spürt die sich anbahnende Veränderung meiner Position, die beginnende Muskelanspannung und steht auf. Nein, sie ist kein doofes Tier.

Minuten später erreiche ich die Straße, in der sich der Sporttempel befindet. Gemeinsam mit mir fahren drei weitere Wagen den gleichen Weg. Den örtlichen Gegebenheiten nach können sie kein anderes Ziel haben. Ich bemerke meine steigende Unruhe. Die Wagen parken ein. Vor der Tür des Sporttempels stehen einige Menschen und warten auf Einlass. In mir setzt es aus. Ich kann nicht. Die Attacke ist da. Mit tränenfeuchten Augen fahre ich weiter. An sich müsste ich wenden, um nach Hause zu kommen, doch das will ich unter Beobachtung der wartenden Menschen nicht. Es ist albern, aber ich kann es nicht. Ich folge der Straße und fahre einen Umweg.

An einer Kreuzung erwartet mich eine rote Ampel. Hier sind die Wartezeiten immer ausgesprochen lang. Ich bin alleine vor Ort, doch der blöde Deutsche in mir gebietet es, alleine in der Pampa vor der Ampel zu warten, bis sie auf grün schaltet. In mir wächst die Aggression. Die Ampel zeigt grün, ich fahre los. Die Motordrehzahlen nähern sich dem roten Bereich. Nach ein paar Sekunden habe ich mich wieder im Griff. Ich erreiche die heimische Wohnung, meine Stimmung ist am Boden.

In der Küche finde ich einen Leib Ciabatta und eine Flasche Cola light. Ich nehme mir beides als Frühstück. Der Geschmack ähnelt – wen würde es wundern – an Weizenbrötchen und  Coca Cola. Eine positive Kindheitserinnerung. Die Stichworte zum dazugehörigen geplanten Blogeintrag sind schon vor Monaten geschrieben worden.

Der Kreis hat sich geschlossen.


Die Geschichte vom Kleinen Chinamann wird morgen früh fortgesetzt. Ich musste das jetzt loswerden.



Samstag, 8. Februar 2014

Beim Kleinen Chinamann (2) - Vorgeschichte

Was war geschehen? Wie bereits früher schon hatten der Ökoklaus und ich das ausgeprägte Bedürfnis, unserem anhaltenden dienstlich bedingten Frust durch Plünderung eines Chinabuffets entgegenzuwirken. Unsere jeweiligen äußeren Erscheinungsbilder stellen sicherlich beeindruckende Zeugnisse darüber aus, daß wir zur Bewältigung einer solchen Herausforderung geradezu prädestiniert sind. Schnell fanden sich auch Kollegen in ausreichender Zahl, welche durchaus bereit waren, sich ebenfalls der Sache zu stellen, so daß die Reservierung eines großen Tisches lohnenswert erschien.

Im China-Restaurant Zum Kleinen Chinamann sind die zweitbestehe Ehefrau von allen und ich schon seit Jahren Stammkunden. Man kennt uns, was die mich begrüßende Inhaberin sogleich unter Beweis stellte, als sie die Anwesenheit meiner Angetrauten vermisste und mich darauf ansprach. So klärte ich sie über die Umstände des diesmaligen Besuches auf. Es ist schon häufiger vorgekommen, daß meine Angetraute und ich in trauter Zweisankeit oder mit einer größeren Horde Mensch dort aufgekreuzt sind. Letzteres war noch zu der Zeit, als wir mit meiner damals noch bestehenden Tabletop-Runde unsere regelmäßige Weihnachten-ist-vorbei-Feier dort begangen hatten. Zu den besten Zeiten fand unser großes, so tituliertes Megamampfenganz im Zeichen der Oger (Warhammer-Spieler wissen Bescheid, der Rest möge dem Link folgen) mit bis zu 23 Personen statt.

Aus diesen seligen Zeiten stammen auch noch die Regeln für die Heimsuchung des Chinesen. Bei einem Buffet geht es selbstverständlich darum, Speisen in mehr als zum puren Überleben ausreichender Menge zu sich zu nehmen. Deutlich mehr. In Vorankündigung der später noch folgenden Darstellung dessen, was sich dort abspielte, möchte bereits jetzt darauf hinweisen, daß die Veranstaltung (für Jüngere und Möchtegerne: das Event) stets sehr gepflegt vonstatten ging. Es gab keine maßlos überfüllten Teller. Die Speisen werden genossen und nicht sinnlos reingeschaufelt. Es wird insgesamt lediglich etwas mehr gegessen, als das natürliche Hungergefühl veranlasst.

Doch nun zu den Regeln, welche im Laufe der Jahre ausgearbeitet wurden.

Jeder Teller und jede Schüssel, welche man gefüllt vom Buffet geholt und dem Zweck entsprechend geleert hat, zählt für die Wertung. Natürlich ist auf eine angemessene Befüllung zu achten. Ein Teller, welcher nur mit einer Mini-Herbstrolle beladen ist, stellt selbstverständlich keine angemessene Portion dar und ist somit neutral. Berge von Schalentieren, die sich noch in selbiger befinden, sind ebenfalls als kritisch anzusehen und können nicht immer den Hauptspeisen zugeordnet werden. Im Gegensatz dazu ist ein mehrschichtig beladener Teller keine Mehrfachportion und gilt als verabscheuungswürdig. Wir sind ja keine Proleten. Außerdem hat die Küche des Hauses das Wiederauffüllen des Buffets bestens im Griff, egal ob es sich um die billigen Sättigungsbeilagen oder die doch eher kostenintensiveren Bestandteile handelt. Es besteht also keinen Grund, Vorräte zu bunkern.

Die Mindestvoraussetzung, um in den Kreis der Anhänger der Großmächtigen Sieben aufgenommen zu werden, ist der Verzehr von logischerweise sieben Gängen aus dem wunderbaren Buffet. Der Verzehr nur eines Ganges ist absolut indiskutabel und unvorstellbar. Wer zwei (wie niedlich) bis vier (na ja) Gänge schafft, wird als Anwesend toleriert, bei fünf Gängen gilt man noch als Mädchen, der sechste Gang verschafft die Würde eines Anwärters. Ab dem siebten Gang wird man respektiert und gehört dazu.

Natürlich gibt es auch Spitzenleistungen. Der Rekord lag bislang bei 13 Gängen. Dabei möchte ich anmerken, daß weder der Ökoklaus noch ich Rekordhalter waren.

Nadja und Rebecca wollten sich unserer Herausforderung stellen und wenigstens die Stufe Mädchenüberspringen. Sie prahlten damit herum, bereits im Rahmen eines brasilianischen Buffets, welches sie sich regelmäßig gönnten, trainiert zu sein. Die anderen Kollegen kapitulierten bereits im Vorfeld und blieben damit außerhalb der Wertung. Wir haben ihre Anwesenheit, gutmütig wie wir nunmal sind, dennoch toleriert.

Aus gegebenem Anlass bedurften die Regeln einer Feinjustierung. Es galt zu vermeiden, daß die Damen sich durch Miniportionen, etwa in Gestalt zahlreicher Vorsuppen oder insbesondere natürlich Desserttellern, einen unfairen Vorteil  verschafften. Bedingung für ein zu wertendes Ergebnis wurde nunmehr, daß wenigstens so viele Hauptgerichte gegessen werden mussten, wie Vor- und Nachspeisen zusammen.

Mögen die Spiele das Fressen Schlemmen beginnen.


(wird fortgesetzt)




Freitag, 7. Februar 2014

Beim Kleinen Chinamann (1) - Nachwehen

Warnung! 

Empfindsamen Gemütern und denjenigen mit einem ebensolchen Magen wird dringlich geraten, diesen und die folgenden drei Blogeinträge nicht intensiv weiterzuverfolgen.

Für die anderen gilt: Ihr wurdet gewarnt!

Es wurden keine an den Ereignissen beteiligten Menschen dauerhaft geschädigt.

Glaube ich jedenfalls...



Ich war müde. Mein Körper fühlte sich vollkommen zerschlagen an. Die Zuführung von Nahrung erschien mir mehr als unpassend zu sein. Was nicht weiter dramatisch war, denn mir fehlte auch wirklich jeglicher Appetit.

Mit einem Strahlen im Gesicht erschien der Ökoklaus kurz nach Dienstbeginn in meinem Büro. Wie hat der das denn geschafft, schon wieder so topfit zu sein? Was erzählt der da? Er habe schon gefrühstückt? Der Typ ist ein Tier. Was? Vla? Na gut, das fällt bei mir zumindest nicht in die Rubrik feste Nahrung.

Am Vortag waren wir schon echt gut drauf.

Ich sah den Gang hinunter. Aus Nadjas Büro drang ein Lichtschein auf den Flur des LASA. Also erhob ich mich und schleppte den Ökoklaus mit zu ihr. Wir wollten wissen, wie sie den Vorabend überstanden hatte.

Da saß sie nun an ihrem Schreibtisch. Eine gewisse Blässe überzog ihr Gesicht. Natürlich konnte sie nicht mit uns beiden gestandenen Kerlen mithalten. Sie hat sich tapfer bemüht, das muß man ihr lassen. Doch sie blieb chancenlos.

Nun murrte sie uns an, wir hätten sie reingelegt. Und nur deswegen sei ihr jetzt so übel. War gar nicht unsere Schuld. Sie hätte eben besser überblicken müssen, was da so angeboten wurde und wo sie zugreift. Man muß ja nicht das erste nehmen, was einem in die Augen fällt. Nicht unser Problem.

Wir verzogen uns wieder in unsere Büros. Oh, Mist, eilige Akte, Weitergabe nur von Hand zu Hand. Die musste ich eben noch einem Kollegen vorbeibringen.

Auf dem viel zu langen Weg kam mir Dr. Strebsinger entgegen.

„Schönen guten Morgen, Herr Paterfelis. Sie sehen aber sehr gequält aus.“

Ekelhaft, was der zu dieser Uhrzeit für eine gute Laune an den Tag legen kann.

„Moin. Ja, der Fachbereich war gestern Abend noch gemeinsam auswärts unterwegs. Beim Kleinen Chinamann.“

„Ach, und da haben sie nicht nur gegessen.“ Er zwinkerte mich an. Was der gleich wieder dachte. Saufen ist was für Weicheier. Ich habe da andere Qualitäten. Ganz andere.

„Nein, ich trinke so gut wie keinen Alkohol. Aber es war trotzdem hart.“

„Na dann wünsche ich gute Besserung.“


(wird fortgesetzt)



Donnerstag, 6. Februar 2014

VATeR fällt aus

In einer Verwaltung wie der unseren ist es zwingend erforderlich zu dokumentieren, wo sich unsere Akten gerade befinden. Im Zusammenhang mit unseren ewig anhalten Vertretungsphasen kommen wir nicht daran vorbei, denn feste Zuständigkeiten, welche Rückschlüsse auf den Verbleib der Vorgänge ermöglichen, können nicht mehr eingehalten werden. Im LASA geschieht diese Dokumentation mit Hilfe von VATeR, der Vereinfachten Akten- und TerminRegistratur, einer Art elektronischer Karteikarte mit integriertem Terminkalender.

VATeR ist dem MIST, unserem Maschinellen InformationsSystem, als Unterprogramm angeschlossen.  Wie ich bereits mal erwähnte, bedarf die aktuelle Version des MIST noch einiger zahlreicher Änderungen. Von Seiten der Anwender wurden unmittelbar nach Einführung etwa 400 Änderungswünsche an die zuständigen Kollegen im LASA herangetragen, welche immerhin 120 dieser Änderungswünsche als akzeptabel anerkannten. Die weiteren Änderungswünsche seien entweder überflüssig (sagt der Theoretiker), technisch nicht umsetzbar oder würden nicht mit der MIST-Philosophie im Einklang stehen. So bleibt es eben unübersichtlich.

Es ist immer wieder eine wahre Freude, nach einer Programmübernahme im hauseigenen Intranet lesen zu können, was denn nun alles nachgebessert worden sei und welche Fehler als erledigt zu betrachten sind. Und es entbehrt nicht einer gewissen Häme, am nächsten Tag im immer noch hauseigenen Intranet lesen zu dürfen, welche neuen Fehler uns von jetzt an durch die gerade erfolgte Programmübernahme das Leben schwieriger machen werden…

An einem solchen Tag geschah etwas, was der ordentliche Bürokrat nur noch als GAU bezeichnen kann. VATeR war nach einer Programmübernahme ausgefallen. Total. Es gab keine Möglichkeit, den Verbleib der Akten zu dokumentieren. Nach einem Tag stellte sich heraus, daß die Angelegenheit längere Zeit in Anspruch nehmen würde. Doch so lange konnten Akten nicht zurück gehalten werden. Man begann, die Dringlichkeit des Problems gegenüber der Geschäftsführung in Bad Husten zu kommunizieren, welche dies bislang anders gesehen hatte.

Nun, als altgediente Bürokraten, deren Wurzeln noch in die prähistorische Ära des beginnenden Bürocomputerzeitalters zurückreichen, wussten der Ökoklaus und ich uns sofort zu helfen. Wir machten einfach einen Ausdruck aus dem Stammsatz des Kunden, notierten darauf den Verbleib der Akte und bildeten zusammen mit anderen derartigen Ausdrucken einen schönen, unter Zuhilfenahme des Familiennamens des Kunden alphabetisch lexikalisch sortierten Stapel. Simpel aber effektiv.

Am frühen Vormittag des zweiten Ausfalltages versammelte Dr. Strebsinger die gesamte Mannschaft, um die hilfsweise Bewältigung des Problems zu erörtern. Er wollte Lösungsvorschläge von uns hören. Mit der ganzen Kraft meiner jahrzehntelangen Berufserfahrung warf ich in die Runde, daß wir damals in der Nach-Steinzeit sehr erfolgreich Karteikarten verwendet hatten. Dr. Strebsinger sah mich irritiert an und stellte fest, daß die Situation es wohl nicht rechtfertigen würde, Karteikarten zu beschaffen. Ich wies darauf hin, daß man ja Stammsatzausdrucke verwenden könne.

Nein, diese Lösung war dem akademisch geschulten Verstand zu einfach. Außerdem stelle sich ja ein Problem, wenn wir Akten nach Bad Husten schickten und die dortigen Empfänger keine Karteikarten nutzen würden. Dann wäre die Akte ja quasi unrettbar verloren.

Dies war wieder einmal einer der Momente, der mich rein innerlich zu der Frage veranlasste, wie wir damals ohne Bits und Bytes überlebt haben. Offensichtlich hat es aber funktioniert.

Nach weiterer Diskussion fand man eine technische Lösung,  basierend auf EXCEL-Tabellen, in denen alle möglichen und unmöglichen Hinweise einzutragen seien. Den Einwand des Ökoklaus, daß bei einem Tippfehler im Rahmen der Übertragung der persönlichen Daten des Kunden, insbesondere aber des Aktenzeichens, eine lückenlose Nachverfolgung des Vorgangs unmöglich werden würde, die von ihm und mir favorisierten Ausdrucke der Stammsatzauskünfte hier aber 100 %ige Sicherheit bieten würden, da die zur Identifikation erforderlichen Daten ja bereits aus dem MIST ausgedruckt waren, ignorierte man.

Es wurde weiter diskutiert, Fehleranfälligkeiten besprochen und sogar festgelegt, wer wann und in welcher Reihenfolge Eintragungen nachzuholen habe, wenn VATeR wieder seinen Dienst verrichten würde.

So kann man auch seine Zeit verschwenden, denn auch diese Diskussionen waren absolut überflüssig, wie jedermann sofort erkennen sollte, der sich mit VATeR halbwegs auskennt. Die meisten diskutierten Probleme stellten sich noch nicht mal, soweit es die Realität betraf. Aber gut, was wiegt die Meinung eines Dinosauriers gegenüber der eines technisch abhängigen versierten Mitarbeiters der Neuzeit?

Nach einer Woche war VATeR wieder willens, mit uns zu arbeiten.

Der Ökoklaus und ich sind bis dahin mit unserem simplen System sehr gut zurechtgekommen. Auch ohne Arbeitskreis.



Mittwoch, 5. Februar 2014

Sie ist wieder hier - in ihrem Revier

Montag konnten wir die Urne mit Sallys Asche abholen.

Nun ist unsere ehemalige Seniorkatze wieder zu Hause.


Sally links, Daisy rechts

Es tut in stillen Momenten immer noch etwas weh, aber es wird.



Dienstag, 4. Februar 2014

Kleine Randbemerkung (12)

Wieso bin es eigentlich immer ich, der das, was andere durch persönliche Unfähigkeit, Ignoranz, beschissenem Zeitmanagement oder Interessenlosigkeit versaut haben, durch Einsatz meiner Zeit, meiner Kräfte und meinem Namen wieder hinbiegen darf?

Meine Ressourcen sind auch begrenzt. Und ich werde mir dessen immer stärker bewusst.



Sonntag, 2. Februar 2014

Super Bowl

Heute ist wieder Super Bowl. Eigentlich eher morgen, der startet ja nach Mitternacht. An sich bin ich nicht so der Football-Fan. Das Spiel hat mir zu viele Unterbrechungen. Und dank der Werbepausen – insbesondere bei der Fernsehübertragung des Super Bowl – dauern die ja noch länger. Dennoch habe ich mir das Ganze ein paar Mal angesehen.

Seinerzeit, als ich noch mehr oder weniger regelmäßig mit meiner Tabletop-Runde Blood Bowl gespielt habe, entwickelte sich die Tradition, mit ein paar von den Jungs die Nacht des Super Bowl entsprechend angemessen zu begehen. Angemessen bedeutet, noch vor dem ersten Wegdämmern Püppies bemalend, versorgt mit selbstgemachten Burgern oder Chili, Unmengen von salzhaltigem Knabberzeug und Getränken die Zeit vor dem aufgehängten Flachbildfernseher und dem Dolby-Surround-System inklusive Subwoofer zu verbringen. Also nicht bei uns zu Hause, was an der Verwendung der beschriebenen Unterhaltungselektronik eindeutig erkennbar ist.

Zwischen den ewig gleichen Werbeunterbrechungen wurde stets ein kurzes Sportprogramm geboten. War immer ganz nett. Auch wenn ich einmal auf einer Heimfahrt mit unserem Balduin einem Feldkaninchen den Weg ins Jenseits geebnet hatte.

Alles vorbei. Aus. Schluß. Nicht nur mit dem Feldkaninchen.



Samstag, 1. Februar 2014

Gruß aus der Küche - Gefüllter Kürbis nach Art der Baronin von und zu Weinsteins

Die Baronin von und zu Weinstein hat mal wieder in ihren Fundus gegriffen und uns ein Rezept beschert. Die Kürbissaison ist mittlerweile zwar vorbei, aber egal. Es kommt eine neue. Ganz bestimmt.

Das Foto zum Gericht ist zwar etwas unscharf, was man bei entsprechender Würzung von dem Gericht selbst nicht behaupten kann.
 



Man entnehme einem Hokaido-Kürbis das ungenießbare Innere und fülle in die entstandene Höhe ein Gemisch aus Brühe, Schmelzkäse und vielerlei Gewürzen nach Wahl. Alles in den Ofen und bei 150 bis 180 Grad 25 bis 35 Minuten garen lassen.

Wenn der Kürbis die Nadelprobe bestanden hat und entsprechend weich geworden ist, alles rausholen und mit dem Löffel – ähm – auslöffeln. Der Kürbis ist natürlich komplett verzehrbar.