Montag, 27. Januar 2014

Paterfelis spielt - beinah Warhammer Fantasy Battles (3)

Um eine Übersicht des noch zu Beschaffenden zu erhalten, musste eine solche Armee erst mal ausgerechnet werden. Ich liebe diesen Aspekt des Spiels bis heute. Aus Spaß habe ich immer wieder unterschiedliche Armeen mit immer neuen Maximalpunktzahlen und anderen inhaltlichen Schwerpunkten berechnet. Wenn die Zahlenkolonnen sich zu einem Ganzen zusammenfügen und auch der letzte zu verteilende Punkt stimmig zugeordnet ist, dann strahlt das für mich immer noch eine gewisse Harmonie aus, die mir richtig Zufriedenheit bereitet. Dabei sind stets selbst gesetzte Herausforderungen zu bewältigen. Wenn meine Armee zum Beispiel mehrere Regimenter gleicher Art enthält, dann haben diese immer identisch aufgebaut zu sein. Kein Modell mehr, kein Modell weniger. Das erschwert die Berechnungen natürlich. Aber ich mag es einfach. Stundenlang kann ich mich meinem Zahlenwerk widmen. Und zwar ohne Excel-Tabellen oder ausgefeilte Programme, wie sie heute Gang und Gäbe sind. Das war und ist bei mir Handarbeit, die nur mit freundlicher Assistenz von Notizblöcken, eines Kugelschreibers sowie eines Taschenrechners ausgeübt wird.

Michael blieb seinen Zwergen treu, Herrn Graumann zog es zu den Untoten, Peter widmete sich bretonischen Rittern und ich mich den Waldelfen. Natürlich würde es viel zu teuer sein, direkt alle Modelle auf einen Schlag zu kaufen. Einen Gebrauchtmarkt gab es nicht, E-bay war auch noch kein allgemein gängiger Begriff, also war der Neupreis fällig.

Regelmäßig standen wir in dem Laden und besorgten Nachschub. Mal einen Blister, dann wieder eine Box oder etwas Farbe. Die Verkäufer in dem Laden waren schon eher seltsame Typen. Nerds. Der typische Tabletop-Nerd tritt in drei Erscheinungsformen auf. Zunächst hätten wir als Typ 1 den Heavy-Metal-Fan mit langen Haaren, Bart, schwarzem T-Shirt mit passendem Aufdruck. Diese Jungs wirken sehr martialisch, sind aber, wie ich später erfahren durfte, zumeist sehr freundliche und zugängliche Menschen. Nerd-Typ 2 finden wir in den Akademiker-Typen, wenigstens aber Studenten, zumeist entweder spindeldürr oder einen ordentlichen Bauch vor sich herschiebend. Das Idealbild verkörpert natürlich Typ 3, welcher die beiden erstgenannten Typen in sich vereint – der studierende, langhaarige BombenlegerMetal-Fan.

Eine Szene wird mir unvergesslich sein. Herr Graumann, schon damals mit dem Namen entsprechenden grauen Haaren versehen, ansonsten ein eher unauffälliger Durchschnittstyp, wurde von einem der um Umsatz besorgten Verkäufer angequatscht. Dieser aber war alles andere als ein Durchschnittstyp, sondern ein Nerd vom Typ 1. Da standen sich also die beiden gegenüber: einerseits Herr Graumann in seiner beigen, kurzen Altherrenjacke und  braungrauer Stoffhose, andererseits dieser 2-Meter-Typ mit (rotem, da Berufskleidung) Shirt, schwarzer Jeans, Heavy-Metal-Mähne und entsprechendem Bart, der unseren Vorgesetzten auch direkt – ladentypisch – duzte. Ein Bild für die Götter.

Meine ersten Erwerbungen bestanden neben einigen Zubehörartikeln direkt aus einem so genannten besonderen Charaktermodell (Skaw, dem Falkner) und neun Bogenschützen. Der Sinn dieser Zusammenstellung sei dahingestellt. Die Bogenschützen jedenfalls waren meine ersten Opfer. Waldelfen spielten sich, soviel hatte ich zwischenzeitlich herausgefunden, nicht als diszipliniertes Heer in großen Truppenblöcken, sondern eher als Guerillas, zumeist ohne starre Formation.  In meiner Vorstellung trugen sie als Konsequenz auch keine einheitliche Uniform, sondern eher individuelle Farben. Also bemalte ich jedes der neun Modelle anders. Es sah einfach furchtbar aus, zumal meine Farbauswahl auch nicht das Gelbe vom Ei war. Eines der ersten Dinge, die man beim Bemalen einer größeren Anzahl zusammengehörender Miniaturen lernt ist, daß diese ein gemeinsames Farbschema besitzen sollten. Es darf dabei durchaus Abweichungen geben, welche aber übersichtlich bleiben sollten. Es sieht auf dem Spielfeld später einfach besser aus.

Schnell wurden die Zeugnisse meiner ersten Malversuche in Nitroverdünnung geworfen, bis die Miniaturen wieder in ihrem ursprünglichen Silberglanz erstrahlten und bereit waren, einen neuen, gelungeneren Bemalversuch über sich ergehen zu lassen.

Doch das Bemalen der Figuren ist nichts, was ich mit genereller Leidenschaft praktiziere. Nur gelegentlich kann ich mich dazu begeistern. Meistens in Situationen, in denen ich natürlich keine Gelegenheit habe, meinem spontan entflammten Interesse nachzugehen. Zum Beispiel im Büro. Somit zog sich die Sache immer weiter hin. Als ich genügend Miniaturen für meine 2.000-Punkte-Armee (im Laufe der Jahre wurde daraus dank meines Sammeltriebes eine regeltechnisch zulässige 10.000-Punkte-Armee) beisammen hatte, war ich mit meinen Malarbeiten nicht wesentlich weitergekommen. Michael gelang es nie, eine Armee in der entsprechenden Größenordnung anzuschaffen. Herr Graumann stand vor dem Problem, diese Armeegröße (ebenfalls überwiegend unbemalt) fast erreicht zu haben, als die Regeln für die Untoten neu geschrieben wurden. Aus der Gemeinschaft der Untoten wurden nun zwei verschiedene Völker, nämlich einerseits die Vampire und ihr Gefolge, andererseits die Gruftkönige von Khemri, untote Mumien. Aus Herrn Graumanns Modellen ließ sich weder die eine noch die andere Armee regelkonform bilden. Er war auch nicht gewillt, seinen Fundus deutlich aufzustocken. Peter hingegen hatte inzwischen neben seinen Bretonen auch eine Armee des Imperiums sowie eine Söldner-Armeegekauft und zahlreiche Modelle wirklich gelungen bemalt. Später sollte noch eine Armee der Dunkelelfen hinzukommen.

Aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen hielten wir jedoch daran fest, nur mit vollständig bemalten 2.000-Punkte-Armeen spielen zu wollen. Davon jedoch waren wir immer noch weit entfernt. Umständehalber begruben wir somit das Projekt Warhammer vorerst.

Am Horizont aber erschien eine neue Hoffnung, über die später zu berichten sein wird.


(Ende)



Kommentare:

  1. Leider kenn ich nur Mensch-ärgere-ich-nicht und kann deshalb gar nicht mitreden. :-)

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    1. He, das kenne ich auch. :-D

      Die meisten meiner Leser dürften sich mit Tabletop-Spielen nicht auskennen. Du bist also in guter Gesellschaft.

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