Sonntag, 26. Januar 2014

Paterfelis spielt - beinah Warhammer Fantasy Battles (2)

Wir erzählten von unseren abenteuerlichen Plänen jedem Kollegen, den wir zu berufen fühlten, sich uns anzuschließen. Von unserem damaligen Fachbereichsleiter, Herrn Graumann, wussten wir, daß er sich für Fantasy interessiert, und konnten ihn davon überzeugen, sich die Sache mal anzusehen. Für ihn war es auch eine Geldfrage, denn ganz billig würde das nicht werden. Schließlich zogen wir auch noch Peter in unseren Dunstkreis, einen jungen, frisch geprüften Kollegen aus der Assistentenebene.

Guter Dinge betraten wir wenige Tage später den Laden. Das Spiel, um das es ging, hieß Warhammer Fantasy Battles. Die Vielfalt der zur Verfügung stehenden Miniaturen war überwältigend. Nahezu alle bestanden seinerzeit noch aus Zinn, mussten teilweise erst zusammengebaut und auf jeden Fall bemalt werden. Aber es gab auch einige wenige Boxen, in denen 20 Plastikmodelle enthalten waren. Bei den Preisen würden heutige Spielern die Tränen in die Augen kommen. Drei Metallmodelle im Blister kosteten 18 bis 20 DM. Wenn wir damals geahnt hätten, wie steil nach oben sich die Preise später noch entwickeln würden… hätten wir auch nicht anders gehandelt. Aber aufgrund der Masse der benötigt Miniaturen summierte sich das damals auch schon ordentlich.

Wir suchten das jeweilige Volk, welches wir spielen wollten, alleine nach dem Aussehen der Modelle oder dem erzählerischen Hintergrund aus. Von deren Stärken und Schwächen im Spiel wussten wir nichts, wir kannten ja zu dem Zeitpunkt noch nicht mal die Regeln. Heute gehen Interessierte ins Internet und finden zahlreiche Quellen der Information zum Thema. Damals aber stand das Internet für alle noch in den Kinderschuhen. Ein 56 K-Modem als Zugang war der Höhepunkt der technischen Entwicklung für den Heimanwender, während niemand von uns damals überhaupt schon einen PC besaß. So etwas hatten wir ja noch nicht mal im Büro.

Das Regelwerk wurde nur in einer Grundbox zusammen mit einigen Modellen zweier Völker verkauft. Hierzu musste man noch eine Ergänzungsbox erwerben, in denen Regeln und Ausrüstung für anzuwendende Magie enthalten war. Im Laufe der ersten Wochen kauften wir also einige Modelle, Pinsel und Farben. Peter und ich besorgten jeweils auch die Grund- und die Ergänzungsbox mit den Regelwerken. Ach ja, man benötigte zusätzlich noch das so genannte Armeebuch zumindest des Volkes, welches man zu spielen gedachte. Denn nur hier fanden sich dessen speziellen Regeln und Hintergrundinformationen. An sich hätte es ja gereicht, wenn einer von uns die Regeln besaß, denn die paar hundert Seiten hätte man auf den Kopierer werfen und an die anderen weiterverteilen können, aber ich wollte dann doch schon lieber was Eigenes haben, um etwas unabhängiger zu sein. So wechselten in kurzer Zeit hunderte DM den Besitzer, ohne daß etwas Spielfertiges vorhanden war.

Die Armeen wurden nach einem Punktesystem aufgebaut. Je spielstärker eine Miniatur war, desto mehr Punkte kostete sie. Dann gab es noch weitere Differenzierungen. Benötigt wurden Generäle, Helden, eine bestimmte Zahl an Kerntruppen (also Fußvolk), welche mit vorgegebenen Beschränkungen um Kavallerie, Kriegsmaschinen, Alliierte und Monster (Drachen, Greife und solche wunderbaren Dinge) ergänzt werden konnten. Eine normale Schlacht sollte mit Armeen ausgetragen werden, welche etwa 2.000 Punkte stark waren. Es würde aber auch mit kleineren Werten funktionieren, wobei die Spieltiefe etwas verloren ginge.

In unserer Ahnungslosigkeit beschlossen wir,  direkt den Aufbau dieser 2.000-Punkte-Armeen in Angriff zu nehmen und erst zu spielen, wenn wir die erforderlichen Miniaturen beisammen und auch bemalt hätten. Je nach gewähltem Volk bedeutet dies, ein paar Dutzend bis über hundert Modelle bereitzustellen.


(wird fortgesetzt)



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