Donnerstag, 2. Januar 2014

Gruß aus der Küche - Apfelkuchen im Glas


In den letzten Tagen vor Weihnachten brachte meine Angetraute wieder meinen geplanten Tagesablauf durcheinander. Sie rief mich im Büro an und trug mir auf, früh Feierabend zu machen und verschiedene Dinge zu besorgen, die sie dringend heute noch benötige und zu verwenden gedachte, bevor sie sich auf dem Weg zum Tanzen machte. Es würde sonst zeitlich etwas knapp werden.

Also begab ich mich in den örtlichen Einzelhandel und besorgte die mir aufgetragenen Dinge so gut es eben ging. Es bereitet durchaus gewisse Schwierigkeiten, wenige Tage vor dem Geschenkefest auch Geschenkeband in einer von meiner Angetrauten vorgegebenen Farbe zu erwerben. Dies wird umso schwieriger, je mehr alternative Farben mir zu kaufen verboten werden. Natürlich waren von den Alternativen noch ein paar Wenige zu finden gewesen. Von denen ich aber die Finger zu lassen hatte. Immerhin konnte ich eine mir als Notlösung gestattete Farbvariante auftreiben.

Weiterhin verlangte meine Angetraute nach zwölf Einmachgläsern in einer bestimmten Größe und mit einem bestimmten Deckel. Dummerweise erhielt  ich die Gläser weder in der passenden Größe noch mit dem geforderten Deckel. Da ich aber ahnte, wozu diese Verwendung finden sollten, fand ich eine Alternative und kaufte den gesamten Lagerbestand des Ladens auf. Meine Angetraute würde zum ersten Mal Kuchen im Glas backen und diese dann als Weihnachtsgabe unter nachbarliches und anderes Volk bringen. Soweit die Zahl der Gläser es eben zulässt.

An der Kasse war die Hölle los. Der Erste in der Schlange räumte seine abkassierte Ware langsam und sorgfältig in die in seinem Wagen bereitstehenden Taschen. Sehr langsam, sortiert und akkurat. Es bildete sich ein Rückstau auf dem Band. Während dessen scannte und kassierte man munter weiter, was dazu führte, daß die Waren des nächsten Kunden, einem jungen Mann mit seinem kleinen Bruder, sich mit dem Zeug des einpackenden Kunden mischten. Es waren nur wenige Sachen, aber der junge Mann hatte keinen Einkaufswagen und auch keine Tasche dabei. Natürlich fiel es auch weder ihm noch seinem kleinen Bruder ein, die paar Sachen jetzt schon direkt vom Band wegzunehmen. Wir lassen die Dinge also laufen und sehen zu, was passiert.

Meine Sachen drohten den gleichen Weg zu nehmen, denn Kunde Nr. 1 war immer noch am einpacken und hatte seinen Platz noch nicht geräumt, während die Brüder begannen, ihre Sachen langsam von seinen zu trennen. Gaaaanz langsam, als ob man sich nicht mehr erinnerte, was man Augenblicke zuvor bezahlte hatte. Ich schaffte es gerade so, meine Einkäufe rechtzeitig in meinen Wagen umzusteuern, als sich von hinten schon die nächste Ladung näherte. Immerhin war ich noch vor den beiden Brüdern und lange vor dem ersten Kunden aus dem Laden raus. Letzteren konnte ich noch im Vorbeifahren sehen, als er in Richtung seines Autos ging.

Zu Hause begannen direkt die Backarbeiten.

Als Form dienten 12 Einmachgläser von etwa 200 ml Fassungsvolumen, vorgesehen waren 250er.  Die Einmachgläser sollten (natürlich) einen abnehmbaren Gummiring besitzen und über einen mit Klammern zu befestigenden Glasdeckel verfügen, der vollständig entfernbar ist. Ich hatte leider nur Gläser mit einem zu klappenden Deckel besorgen können, was später noch zu Herausforderungen führen sollte.




Die Zutatenliste:

4 Äpfel (Braeburn oder Boskoop)
Saft und Abrieb von einer unbehandelten Zitrone
500 g Weizenmehl
6 TL Backpulver
250 g Zucker
2 Pck Vanillezucker
4 Eier
150 ml Sonnenblumenöl
250 ml Kefir

Dazu Butter für die Gläser.


Die Gummiringe direkt zu Beginn in kaltes Wasser legen. Den Backofen auf 180 °C Ober- und Unterhitze vorheizen. Die Gläser mit Butter einfetten.

Die Äpfel klein schneiden. Mit dem frischen Zitronensaft beträufeln und den Schalenabrieb darauf geben. Die restlichen Zutaten, bis auf die Äpfel, in eine Rührschüssel geben. Mittels Handrührgerät mit Rührbesen alles kurz auf niedrigster, dann auf höchster Stufe ca. 2 Minuten zu einem glatten Teig verarbeiten. Nun die Apfelstückchen mit Zitronensaft und -abrieb unterheben.

Den Teig gleichmäßig auf die Gläser verteilen, dabei jedes Glas nur zur Hälfte bis maximal zwei Drittel füllen. Glasränder säubern. Gläser auf dem Rost auf mittlerer Schiene im Backofen ca. 30 bis 35 Minuten backen. Hier zeigt sich der erste Teufel im Detail.  Da die Gläser offen bleiben mussten, der Deckel aber nicht entfernt werden konnte sondern seitlich herunterhing, nahmen diese deutlich mehr Platz ein. Aber es gelang dennoch, sie irgendwie zu verteilen. Spätere Versuche ergaben, daß der Deckel durchaus auch aufgelegt werden kann.

Die Gläser nach dem Backen aus dem Ofen nehmen und sofortfest verschließen. Hierzu je einen nassen Gummiring auf die Innenseite eines Glasdeckels legen und den Deckel mit zwei bis drei Klammern am Glas fixieren. Die Mini-Kuchen in den verschlossenen Gläsern auf einem Kuchenrost erkalten lassen. Und wieder kamen wir an ein Problem. Die Gläser waren heiß und der Gummiring war auf dem ebenfalls heißen, da nicht zuvor entfernbaren Glasdeckel zu fixieren. Also schnappte ich mir zwei Küchenhandschuhe und hielt die Gläser fest, während meine Angetraute versuchte, die Gummiringe entsprechend zu fixieren, ohne sich dabei die Hände zu verbrennen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelang uns dies dann auch sehr routiniert. Alleine hingegen wäre dieses Unterfangen unmöglich gewesen.




Natürlich wandert hin und wieder etwas Teig Rohkost von auszukratzenden Schüsseln zu Testzwecken in meinen Mund. Nicht erschrecken, der Teig ist extrem süß und erinnert an Waffelteig. Nach dem Backen macht sich aber die Säure der Äpfel bemerkbar, was dazu führt, daß sich die Süße deutlich reduziert.

Im geschlossenen Glas ist das Backwerk zwei Monate lang haltbar.




Kommentare:

  1. tuepflischiesser.com2. Januar 2014 um 10:17

    Fantastisch, jetzt hab ich Appetit.

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    1. Lasse dich beim Nachmachen und Probieren nicht aufhalten - dann hat sich der Sport wenigstens gelohnt. ;-)

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  2. Zu schade, lieber Paterfelis, daß ich nur eine virtuelle Nachbarin bin... Über so ein Weihnachtsgeschenk hätte ich mich sicher auch sehr gefreut. So bedanke ich mich aber zumindest für das tolle Rezept und die Inspiration. Dem Bild nach zu urteilen haben sich die Mühen offensichtlich gelohnt.
    Liebe Grüße von Felina, die sich das Rezept auch sehr gur mit Schattenmorellen vorstellen könnte.

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