Sonntag, 5. Januar 2014

Eine Einladung

Wie der aufmerksame Leser bereits mitbekommen hat, bin ich mit diesem Blog Mitglied im Bund behinderter Blogger. Der Bloggerbund ist ein eingetragener Verein, und wie es das Vereinsrecht erfordert, haben in gewisser Regelmäßigkeit Mitgliederversammlungen stattzufinden.

Nun erreichte mich die Einladung zur anstehenden Mitgliederversammlung. Und natürlich habe ich ein gewaltiges Problem damit, daran teilzunehmen.

Einerseits bin ich durchaus an solchen und vergleichbaren Veranstaltungen interessiert. Und gerade bei kleineren Vereinen denke ich, daß eine zahlreiche Beteiligung der Mitglieder auch an diesen Formalien durchaus wichtig ist. Schließlich werden auf den Mitgliederversammlungen Weichen für die Zukunft gestellt, wobei aufgrund der relativ geringen Mitgliederzahl die Stimme des Einzelnen ein sehr viel größeres Gewicht erhält als dies in großen Vereinen der Fall sein könnte. Und nicht zuletzt signalisiert man den Funktionären des Vereins durch die Teilnahme, daß einem nicht alles egal ist, was da so läuft. Sei dies nun im positiven oder im negativen Sinne. Aber (fast) jede Reaktion ist besser als keine Reaktion.

Andererseits – und damit sind wir wieder bei meinem Problem – kenne ich niemanden unter den Mitgliedern persönlich. Aufgrund der vermutlich eher – zumindest aus meiner Sicht, aber alles ist ja relativ - geringen Zahl der Anwesenden kann ich nicht in einer anonymen Masse untertauchen. Da einige der Mitglieder der Natur dieses Vereines nach bloggen, wird man nicht umhin kommen, sich auch persönlich auszutauschen. Man liest ja die Blogs der anderen. Vielleicht nicht von allen in gleicher Regelmäßigkeit, aber zumindest weiß man um viele Dinge aus dem Leben verschiedener Anwesender, deren Träume, Gedanken, Hoffnungen und Katastrophen. Bei einigen der Blogger (auch außerhalb des Vereines) besteht bei mir schon die Neugier zu erleben, wer wirklich dahinter steckt. Man hat ja so seine Vorstellungen. Aber damit bewegen wir uns auf eine persönliche Ebene, mit der ich nicht umzugehen weiß und die ich daher nicht bewältigt bekomme.

Zu den anstehenden Sachfragen vermag ich mich ebenfalls nicht qualifiziert zu äußern, was ich als sehr bedauerlich empfinde. Natürlich kann ich mir auch vor Ort noch eine Meinung bilden, aber letztendlich wäre ich unvorbereitet. Das macht mich unsicher.

Nein, ich kann mich nicht dazu überwinden, zu einem Treffen mit mir vollkommen fremden Personen in einer mir vollkommen fremden Umgebung zu fahren. Da nützt es auch nichts, wenn die zweitbeste Ehefrau erlaubterweise als Begleitperson mitkommen würde.

Der zeitgleich damit zusammentreffende Kontrast hierzu war, daß Rajiv mich vor einiger Zeit wieder gebeten hatte, nochmals einen Vortrag im Rahmen der von ihm veranstalteten Fitnesstrainer-Ausbildungen zu halten und dieser Vortrag aktuell auch stattgefunden hat. Und wie sonst auch, war ich hier sowohl im Vorfeld als auch während und nach der Veranstaltung die Ruhe selbst. Ich wusste, was ich sagen wollte. In dem Thema bin ich so zu Hause, daß ich auf nahezu alles auch improvisiert reagieren könnte. Der Kontakt zu den mir fremden Personen würde sich auf Fachliches beschränken. Umgebung und Abläufe waren mir vertraut. Es war mir die ganze Zeit egal, daß ich nicht irgendwo untertauchen kann, sondern eher der Mittelpunkt der Veranstaltung sein würde.

Die Unterschiede in meinem Inneren sind erschreckend.



Kommentare:

  1. Ich vermute mal, lieber Paterfelis, daß Du die Entscheidung, teilzunehmen nicht ganz spontan treffen kannst, sondern Dich anmelden musst? Ansonsten könntest Du es ja bon Deiner "Tagesform" abhängig machen... Du solltest Dich auf keinen Fall für einen guten Zweck zu etwas zwingen, was Dir selber nicht gut tut.
    Liebe Grüße von Felina, die sicher ist, daß gerade Menschen mit einer Behinderung, die also auch mit gewissen Einschränkungen zu kämpfen haben dafür Verständnis aufbringen.

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    1. Das bedarf schon einer Vorbereitung, zumal die ganze Sache nicht unbedingt hier um die Ecke stattfindet. Außerdem müssen die Veranstalter ja auch entsprechende Vorbereitungen treffen.

      Am Ende ist dies für mich aber tatsächlich keine Option, denn so gut kann meine Tagesform gar nicht werden, daß ich so etwas bei allem Interesse auch nur halbwegs entspannt überstehen könnte.

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