Samstag, 4. Januar 2014

Dumme Dosen

Ich halte die Erfindung der Konservendose für einen großen Entwicklungsschritt in der Geschichte der Menschheit. Nicht, daß die zweitbeste Ehefrau und ich uns überwiegend von Dosenfutter ernähren würden. Das behalten wir der Katzenbande vor. Zumindest teilweise. Aber es ist immer praktisch, auch ein paar Dosen mit Menschenfutter im Keller zu haben. Zumal bestimmte Formen von Lebensmitteln auch überwiegend nur in Dosenform auftauchen. Argentinisches Corned Beef zum Beispiel. Und Dosensuppen. Jahaaa, das Letztgenannte war ein Scherz.

Natürlich gibt es Dinge, die man einfach nicht als Dosenvorrat haben muß. Zu diesen Dingen zähle ich an oberster Stelle Spaghetti in Tomatensauce. Das ist doch nur noch eine Matsche. Die darin enthaltenen Nudeln können nicht al dente sein. Und mal ehrlich: Nudeln in Tomatensauce zählt doch wohl zu den Gerichten, welche auch von in der Küche nahezu talentbefreiten Personen herstellbar sind. Zumindest, solange diese Personen nicht auch noch Wasser anbrennen lassen. Aber dann wird das mit dem Aufwärmen des Doseninhalts tendentiell auch schwierig. Was mich daran erinnert, daß ich eine Person kenne, die es dem Vernehmen nach tatsächlich mal geschafft hat, beim Kochen von Nudeln selbige anbrennen zu lassen. Doch Dosennudeln könnte man ja auch kalt… Lassen wir das.

Es gibt ein Dosengericht, welches ich wirklich vermisse. Das ist so eine Kindheitserinnerung. Bestimmte Dinge verbinden wir ja doch immer wieder mit bestimmten Personen. Entweder, weil es diese Dinge nur oder überwiegend nur dort gab. Oder weil diese Gerichte von den benannten Personen am besten zubereitet werden konnten. Ich räume ein, daß die nachfolgende Auswahl an Lebensmitteln nicht viel mit Zubereitungskunst zu tun hat. Bewegen wir uns also zurück in die frühen Siebziger in das Haus meiner Großmutter. Väterlicherseits. Wir schließen die Augen und konzentrieren uns. Da, aus dem Wabern des Nebels der Zeit dringt was hervor. Ich sehe ein Rechteck. Es ist Orange- und Vanillefarben. Ja, ich sehe es ganz deutlich. Es ist – weiße Schokolade. Von Nestlé.

Stopp. Das ist keine Dose.

Neuer Versuch. Weg von der Schokolade. Jetzt kommt es. Ein zylindriger Körper. Eindeutig eine Dose. Ja ja ja, das ist es. Ich sehe das Gesicht einer Asiatin. Die Dose ist insgesamt in einem kräftigen Grünton gehalten. Später wurde das geändert einen Rotton. Das Gesicht der Frau ist von einem kräftigen Gelb umrahmt, welches wohl an Sonnenschein erinnern soll. Die Dose wird geöffnet und in eine Pfanne gegeben. Reiskörner spritzen im heißen Fett umher.

Nasi Goreng der Marke Suzi Wan.

Das war damals schon nicht billig. Für das Geld, was man für eine solche Dose hinlegen musste, hätte man auch gleich die doppelte Menge Ravioli bekommen können. Deswegen gab es das auch nicht so oft. Dieses Nasi Goreng hat natürlich mit einem richtigen, selbst gemachten Nasi Goreng nicht übertrieben viel zu tun. Außer, daß es sich um ein Reisgericht handelt. Aber ich fand es lecker. Leider verschwand es etwa Ende der Neunziger Jahre aus dem deutschen Handel.

Das ist schon ein echtes Problem. Zumindest für mich. Für so genannte Feinschmecker wohl eher nicht. Es sei ihnen gegönnt. Mir hilft es aber nicht weiter. Nun ja, bleibt es also beim selbst gemachten Nasi Goreng. Wird auch mal wieder Zeit, daß ich mich darum kümmere.

Nun stehe ich also wieder vor dem Lebensmittelregal im Keller und versuche etwas aufzuräumen. Der kleine Dosenvorrat will gestapelt werden. Und so gelangen wir zu dem richtigen Übel unter den Dosen. Es gibt Hersteller, welche die Dosen so formen, daß man sie sicher stapeln kann. Der untere Dosenrand ist so bemessen, daß er sicher in den oberen Rand einer gleichartigen Dose gleitet und so stabil steht. Es lassen sich problemlos vier Dosen ohne großartige Umsturzgefahr übereinander aufbauen. Natürlich auch noch mehr, aber wir wollen hier ja den Praxisbezug nicht aus den Augen verlieren.

Jedenfalls gibt es auch Dosen, deren oberer und unterer Rand gleich groß ist. Insbesondere was den Durchmesser betrifft. Was natürlich dazu führt, daß ein Ineinandergleiten nicht funktioniert. Und damit ist es nicht möglich, einen sicheren, platzsparenden Dosenturm aufzubauen.

Diese Dosendesigner haben mit Sicherheit keinen Haushalt zu führen.

Scheiß Theoretiker.



Kommentare:

  1. Tim Mälzer hat einmal in einem Interview zugegeben, dass er als Kind total auf Dosenravioli gestanden hat und das ist so ziemlich das Einzige, was er und ich gemeinsam haben...

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    1. Bei Dosenravioli gibt es nur EINEN wahren Herrsteller.

      Dabei fällt mir wieder ein, daß ich schon seit Jahren mal Ravioli selber machen will. Hier fliegen auch noch so praktische Gerätschaften herum, die dabei behilflich sind. Nie gebraucht...

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  2. theoretisch könnte man ja auch die Dosen trotz ihrer unterschiedlichen Inhalte miteinander vermischen, so dass immer eine kleine auf einer größeren Dose stehen und ihrer Verwendung entgegensehen darf. Optisch wäre das zwar eher ein zweifelhaftes Vergnügen, aber dem kulinarischen Faktor täte es keinen Abbruch. Wobei die produktionstechnische Fehlplanung natürlich weiterhin außer Frage steht - ein Desaster!!

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    1. Das widerspricht meinem Sinn nach Ordnung und Symmetrie aber ganz gewaltig. Nein, das geht nicht. Vollkommen ausgeschlossen.

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  3. Also ich stelle dann immer zwei Dosen hintereinander und die Dritte mittig obendrauf. Dieser Tipp ist nicht kostenpflichtig und der Kommentar ohne Unterschrift gültig.

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    1. Siehe meine Antwort auf Blockvogels Kommentar. Außerdem ist das in Sachen Raumausnutzung total ineffektiv. Ne ne, so klappt das auch nicht.

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