Samstag, 18. Januar 2014

12

Feierabend. Die Uhrzeit war etwas unglücklich gewählt, denn mein Anschlußbus vom Haltepunkt Neustädter Ländchen aus war gut mit schulpflichtigen Kindern gefüllt. Wie stets zu diesen Gelegenheiten saßen die lieben Kleinen auf ihren Plätzen, während die ältere Generation, insbesondere die über Vierzigjährigen, ihre bereits vom Leben gezeichneten gestählten Muskeln in den Beinen dazu verwendete, die weitere Reise stehend hinter sich zu bringen.

Wir sind nicht so verweichlicht, sondern haben das harte Leben noch kennengelernt und profitieren heute davon, daß wir schon als wir noch selber Kinder waren in den überfüllten Bussen immer stehen mussten. Was so rein beiläufig bemerkt auch für ärztliche Wartezimmer gilt. Und in den Sitzecken der Friseure war das auch nicht anders. Ja, wir können es noch. Wir haben es halt drauf. Nur kein Neid, ihr jungen Hüpfer.

Der Haltepunkt Neustädter Ländchen ist schon ein kleines Drehkreuz öffentlicher Verkehrsmittel. Hier hält zwar nur eine Regionalbahn und keine weitere Eisenbahnlinie, dafür aber findet sich Anschluß an deutlich mehr als zehn Buslinien.

Unser Bus fuhr ab und fädelte sich in den eher ruhigen Verkehr ein. Aus einer anderen Richtung war in deutlichem Abstand der Bus einer anderen Linie zu erkennen.

„BOAAAHHH, 12!!!“ tönte es laut aus Richtung des kleinen Jungen.

Ja, da fuhr ein Bus der Linie 12. Fahrzeug in Standardausführung. Andere Straße, andere Strecke, ganz andere Richtung. Ich habe beim besten Willen nicht den Ansatz einer Erklärung gefunden, was daran jetzt so beeindruckend war.




Kommentare:

  1. ehrlich? das weißt du nicht?? 12. Hallo: zwölf. Zett weh öh ell eff! Hats jetzt geklingelt?
    Bei mir auch nicht. Aber ich kann mal meinen Neffen fragen, der ist Straßenbahnfanatiker seit der Kindergartenzeit. Vielleicht ist das ja so ein überregionaler Insider...

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    1. Mach mal. Hier liest übrigens auch ausgebildetes Fachpersonal mit. Zumindest wüsste ich von einem U-Bahn-Fahrer, einem Busfahrer, einer aktiven und einer ehemaligen Taxifahrerin sowie einer ehemaligen Lokführerin. Vielleicht kommt von da ja eine Erklärung, falls sich dein Neffe nur mit Straßenbahnen auskennt. Das ist ja ein ganz anderer Planet. Sozusagen.

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    2. Öhm... Nee...
      Gaaanz anderer Planet...
      Ich kann dir nur sagen wie man fanatische Lokomotivphotografen bis zum Blut reizen kann... 3:-)

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  2. Möglich wäre, dass es sich um eine Art Fangemeinde handelt. Bei uns gibt es solche Kiddis auch. Die favorisieren einen bestimmten Wagen (zb. Wagen 3012) und der hat auch noch irgendeine tolle Werbung drauf.
    Solche Leute wissen dann auch immer wo der Wagen fährt also Linie und Kursnummer.

    "Wissend" aber uninteressiert nicke ich dann, wenn ich solche Kiddis bei mir im Wagen habe.

    Mir erschließt sich das alles nicht ganz, aber solange sie Spass daran haben.

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    1. Das mit der Werbung könnte ich verstehen. Hier fahren auch zwei oder drei Wagen, die eine wirklich sehenswerte Werbung durch die Gegend fahren.

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