Montag, 30. Dezember 2013

Zielgerade

Heute war ich arbeiten. Zwischen den Feiertagen nehme ich niemals Urlaub. Nur mit einer Notbesetzung im Büro und einem kaum klingelnden Telefon schaffe ich es mehr zu erledigen als an anderen Tagen des Jahres. Und ich genieße die Ruhe. Kein Radiogedudel, kaum Stimmen auf dem Gang. Irgendwie ist alles ungezwungener und entspannter. Fast so wie im Rahmen unserer Sonderaktionen, als wir zum Aktenabbau auch samstags zur Arbeit gekommen sind. Der Unterschied zu normalen Arbeitstagen ist wirklich frappierend.

Außerdem war dies der letzte Arbeitstag für Monate, an denen ich halbwegs meine Ruhe habe, denn ab nächstem Jahr darf ich mich wieder mit einem Auszubildenden beschäftigen. Dazu habe ich einen neu einzuarbeitenden Kollegen. Mal wieder. Wir zweifeln aber jetzt schon daran, daß er auch bei uns bleiben wird. Wie das alles funktionieren soll, weiß ich auch noch nicht, denn Rebeccas Einarbeitung ist noch nicht abgeschlossen.

Vor dem Büro, also eher der Außen- als der Innenseite, war ungewöhnlich lang anhaltend das Geräusch eines LKW-Motors zu hören. Noch länger als es die üblichen Weihnachtsmarktbesucherstaus der letzten Wochen erzeugen würden. Natürlich ist Weihnachten vorbei, aber jetzt strömen die Massen in die Innenstadt, um endlich wieder dem Konsum zu fröhnen, erhaltene Geschenkgutschein ein- und missliche Geschenke umzutauschen. Das hat ja alles keine Zeit.

Rein informell wagte ich einen Blick aus dem Fenster. Ein ausgewachsener LKW versuchte, rückwärts in unsere Tiefgaragenausfahrt zu fahren. Wir erinnern uns, daß unsere Tiefgarage ein eher ebenerdiges, teilweise nach oben offenes Parkdeck ist. Die Höhe passte, der Rest war Gefühlssache. Der Fahrer hatte wenig Gefühl und bekam die enge Kurve nicht. Die zweispurige, aufgrund der bereits beschriebenen Umstände relativ dicht befahrene Ringstraße vor dem Haus war minutenlang von ihm blockiert, das Verkehrschaos somit perfekt. Gute Show.

Feierabend. Der Fahrer des LKWs hatte zwischenzeitlich einen Minibagger abgeladen und plättete damit einen Teil der Grünanlagen der so genannten Tiefgarage. Vermutlich soll endlich der von unseren Rauchern lange ersehnte Plastikpavillon aufgestellt werden, in welchem sie künftig ihre Sucht befriedigen können. Angekündigt war die Anschaffung schon seit März/April des Jahres. Gut Ding will Weile haben. Und eine europaweite Ausschreibung für die Beschaffung des Pavillons und Vergabe des gartenbaulichen Auftrages. Die Ausfahrt war blockiert. Aber es fanden sich andere Wege, das Parkdeck zu verlassen. Wozu gibt es Einfahrten?

Auf dem Rückweg wurde einem Fahrschüler drastisch vorgeführt, was es bedeutet, wenn der Fahrlehrer eingreift. Der Fahrschüler meinte, schneller aus dem Stand in einen Kreisverkehr einfahren zu können, als ich Zeit benötigen würde, mich bereits in Bewegung und im Kreisverkehr befindlich seine voraussichtliche Zielposition zu erreichen.

Im nächsten Kreisverkehr interessierte sich der Fahrer eines ehemaligen Militärmotorrads der Marke Knatterkiste, Typ Adolf 2000ebenso wenig für eventuellen Querverkehr, hatte aber niemanden an seiner Seite, welcher ihm die Bremse bedienen konnte. Dummerweise verfügte die alte Maschine auch nicht über motorradtypischen Beschleunigungswerte. Ich war viel zu sehr mit bremsen beschäftigt, als daß ich rechtzeitig die Umluftschaltung hätte bedienen können. Ergebnis: Das Wageninnere war keine abgasfreie Zone mehr. Und das alte Wehrmachtsmotorrad verbreitete einen wirklich enormen Gestank. Im nächsten Kreisverkehr gab es das gleiche Spiel, soweit es den Querverkehr betraf. Auf der folgenden Landstraße beschleunigte die Maschine nicht mal auf 70 km/h. Wenigstens ergab sich eine Gelegenheit, sie zu überholen.

Donnerstag geht es weiter. Neues Spiel, alte Regeln, immer der gleiche Mist.

Ich bin begeistert.



Kommentare:

  1. da fand wohl irgend jemand deinen Arbeitstag zu erholsam, dass du mit so einem nervigen Heimweg belohnt wurdest...

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    1. Echt. Man sollte gönnen können. Vor allen Dingen mir.

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