Sonntag, 29. Dezember 2013

Weihnachten oder Die Wahl des ungünstigen Zeitpunktes (3) - aktualisiert

Den Kontrolltermin hatten wir zu den regulären Praxisöffnungszeiten. Lilly zeigte sich in der Zwischenzeit zwar immer noch ausnehmend mäkelig beim Fressen, aber immerhin ging sie, wenn auch zögerlich, an den Thunfisch ran, von dem wir extra für sie eine Dose geöffnet hatten. Doch es war viel zu wenig.

Noch beeindruckt von den Ereignissen des Vortages begann ihr Protestgeheule gegen die Freiheitsberaubung dieses Mal nicht erst im Auto los, sondern schon, während wir das Haus noch nicht verlassen hatten. Ist ja auch gemein, vom Papa mitten im schönsten Nickerchen, während man an der warmen Heizung lehnte, gestört und gepackt zu werden, nur um sich dann in der doofen Transportbox wiederzufinden.

In der Praxis war es ausnehmend voll. Die Dame am Empfang hatte mehr als alle Hände voll zu tun. Offensichtlich fehlten ihr auch die notwendigen Fähigkeiten eines sinnvollen Abarbeitens der Belange einer größeren Menschenmenge und die Fähigkeit zu erkennen, was wann und in welcher Reihenfolge zu erledigen ist.

War sie zum Beispiel gerade dabei, Wechselgeld abzuzählen, als das Telefon klingelte. Das Telefonat wurde sofort angenommen. Dagegen spricht erst mal nichts. Anstatt den Anrufer aber kurz für eine Minute zu vertrösten, um den Kassiervorgang abzuschließen und den Patienten bzw. dessen Besitzer loszuwerden, wurde der Anrufende sofort und in vollem Umfang abgearbeitet, während es in der Praxis immer voller wurde. Nach erledigtem Telefonieren begann der Vorgang des Wechselgeldzählens wieder bei Punkt A wie Anfang. Und das geschah mehrmals hintereinander.

Schließlich kam ein Herr rein, der Tierfutter kaufen wollte, dies aber nicht vorher angemeldet hatte. Das Tierfutter lagerte also nicht griffbereit in der Nähe des Empfangstresens. Da der Herr ohne Tier gekommen war, wäre es wohl kein Problem gewesen, erst die wartenden Tierhalter abzuarbeiten, insbesondere natürlich diejenigen, die nur noch bezahlen mussten, um die Hütte wieder leer zu bekommen, um danachin den Keller zu gehen und das Futter zu suchen. Man beachte das Wort wäre im vorherigen Satz…

Im Rahmen von Lillys Untersuchung sollte dieser noch eine Wurmkur in Tablettenform verabreicht werden. Eine Mitarbeiterin hielt Lilly fest, während die anwesende Ärztin versuchte, die Tablette in Lillys Schnauze zu versenken. Nach wiederholten Misserfolgen löste meine Angetraute die Mitarbeiterin beim Festhalten ab, denn diese schien dahingehend noch etwas unerfahren zu sein. Lilly arbeitete mit allen Tricks, wehrte das schließlich zu Hilfe genommene Gerät zur Verabreichung der Tablette auch noch mit der Pfote erfolgreich ab, bis irgendwann mal die Tablette in der Schnauze blieb. Wenn auch nur vorübergehend, denn nach einem Biss wurde sie von Lilly als geschmacklich weniger wertvoll erkannt und in zwei Teilen wieder ausgespuckt. Doch was lange währt wird endlich gut; eine neue Tablette nahm schließlich den vorbestimmten Weg.

Nach Ende der Untersuchung begab ich mich mit Lilly wieder ins Auto, während meine Angetraute versuchte, den Bezahlvorgang zu erledigen. Nach gut 20 Minuten war sie dann auch damit fertig. Es geht doch nichts über sorgfältig geschultes Fachpersonal im Empfangsbereich…

Wir vermuteten, daß Lilly uns zu Hause mit dem Ar… nicht mehr ansehen würde, bis sie sich wieder beruhigt hätte. Stattdessen aber kam sie aus ihrer Box und fing an, uns freudig einige Streicheleinheiten abzutrotzen, wobei sie immer wieder zwischen meiner Angetrauten und mir hin- und herwechselte. Das hatte sie früher noch nie so gemacht.War es die Freude, daß wir sie wieder mit nach Hause genommen haben? Vermenschlichen wir die Kleine mal und interpretieren es so.

Natürlich ist noch nicht wieder alles in Ordnung. Bis zum nächsten Tierarzttermin befindet sich die zweitbeste Ehefrau von allen aushäusig. Ich bin ohne Auto, die Anbindung mit dem ÖPNV ist eher schlecht. Das heißt ich bin gezwungen, falls sich Lillys Zustand wieder verschlechtert, meinen Schwiegervater zu bitten, mich mit dem Auto zu fahren. Ja, das ist für mich ein nicht unerhebliches Problem, obwohl er über die Möglichkeit des Eintritts eines solchen Falls informiert wurde. Ich werde mich dazu überwinden können, wenn der Druck groß genug wird. Im Zusammenhang mit einer Verletzung Daisys ist mir das auch schon mal gelungen.

Ich hoffe, es wird nicht erforderlich. Auch für Lilly.


Nachtrag 7.48 Uhr:


Frühstück

  Es wird. Zwar langsam, aber es wird. Schön.


(Ende)



Kommentare:

  1. Es freut mich sehr, dass es Lilly nun wieder besser geht und somit auch dir und deiner Frau. Ich kann dir deine Sorgen um deine kleine Lilly sehr gut nachfühlen und denke mir auch manchmal vonmir selbst, dass ich meine Katzen schon fast wie meine eigenen Kinder ansehe. Das ist durchaus nichts Ungewöhnliches oder Schechtes. Ich finde, unsere Katzen haben es verdient, gut behandelt u werden, weil uns so viel zurück geben. Alles Gute im Neuen Jahr dir und deinen Lieben - Deine Sturmtänzerin

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  2. So lange der Grad zur Vermenschlichung der Tiere nicht überschritten wird, ist mir das nicht unangenehm.

    Lasst es euch im neuen Jahr auch gut gehen.

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  3. Schön, dass Lillys Appetit zurückgekehrt ist. :)

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    1. Ja. Sie frisst zwar immer noch sehr wenig, aber immerhin etwas.

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