Samstag, 28. Dezember 2013

Weihnachten oder Die Wahl des ungünstigen Zeitpunktes (2)

Seit Heilig Abend hat Lilly nichts mehr gefressen, dafür aber mehrfach grüne Flüssigkeit erbrochen. Vom Verhalten war sie darüber hinaus immerhin unauffällig. Den ersten Feiertag lang beobachteten wir die Sache und unternahmen verschiedene Versuche, ihr das Futter schmackhaft zu machen. Immerhin nahm sie Wasser zu sich. Da ich während meiner freien Tage die Nachtwacheversorgung für Sally übernehme, was bedeutet, bis nach halb drei nachts aufzubleiben und trotzdem nach anschließenden zwei bis vier Stunden Schlaf aufzustehen, die Versorgung wieder aufzunehmen und dann das Tagewerk zu beginnen, konnte ich auch beobachten, was Lilly so treibt. Und das war mit Ausnahme der Futterverweigerung und des erneuten Erbrechens, soweit nichts Ungewöhnliches.

Für ein gewisses Amüsement sorgt stets der Gesichtsausdruck meiner Angetrauten, die ja deutlich vor mir zu Bett gegangen und noch deutlicher nach mir wieder aufgestanden ist, wenn sie feststellt, daß ich trotzdem auch noch beim Sport war oder Einkäufe erledigt habe. Ok, als Dauerzustand halte ich den Schlafmangel dann auch nicht aus, aber im Moment geht es. Ich werde ja auch von alleine nach der kurzen Zeit wieder wach und brauche keinen Wecker.

Am zweiten Weihnachtstag riefen wir bei unserer Tierarztpraxis an. Da dort mehrere Ärzte tätig sind, unterhält die Praxis ihren eigenen Notdienst. Unsere Katzen haben einfach ein Gespür dafür, wann die regulären Öffnungszeiten vorbei sind und das Wochenende oder Feiertage beginnen. Denn das sind die Zeitpunkte, zu denen man derart krank wird oder sich Verletzungen zuzieht, welche die Inanspruchnahme professioneller Versorgung unabdinglich machen. Und die Notdienst-Zusatzgebühren. Wir haben damit im Laufe der Jahre hinreichend Erfahrungswerte gesammelt.


Lilly


So fuhren wir zum vereinbarten Termin in die Praxis. Natürlich jammerte Lilly uns im Auto fortwährend die Ohren voll. Einfach ignorieren. Als sie dann endlich auf dem Praxistisch stand, zeigte Lilly sich von der friedlichen Seite und ließ alles Tastversuche seitens der Frau Doktor über sich ergehen. Man vermutete eine hier in der Gegend aktuell wohl grassierende Infektion. Schließlich bekam Lilly zwei Spritzen und wurde darüber hin aus noch zwei Mal gepiekt, als die Tierärztin ihr Wasserdepots anlegte. Dabei wird Wasser über eine Kanüle unter die Haut gespritzt und später vom Körper aufgenommen. Die gleiche Prozedur hatten wir seinerzeit bei Daisy auch schon durchgeführt und kannten das alles. Wenn man es selbst mal gemacht hat, wirkt es weniger bedrohlich. Insbesondere die sich temporär bildenden ausgeprägten Wasserbeulen unter der Haut. Nun noch Kontrolltermin für den Folgetag, Rechnung bezahlen *stöhn* und ab nach Hause.

Nach einiger Zeit würde Lilly auch wieder das Bedürfnis verspüren, Nahrung zu sich zu nehmen. Sagte man uns jedenfalls. Wir hatten etwas Schonkost mitbekommen, welche wir ihr geben sollten. Nicht mehr als einen Teelöffel voll auf einmal. Das angekündigte grundsätzliche Interesse an einer Nahrungsaufnahme bestand bei Lilly durchaus und sehr offensichtlich, jedoch lehnte sie weiterhin alles ab, was wir ihr anboten. Marty und Smilla mögen übrigens auch keine Schonkost. Alleine der Versuch, ihnen die Reste unterzujubeln, sorgte für ein demonstratives Desinteresse.

Am Abend des zweiten Weihnachtstages musste dann so langsam etwas geschehen. Die zweitbeste Ehefrau von allen zog etwas von Sallys Aufbaupräparat auf eine Spritze auf und versuchte, Lilly davon in die Schnauze zu geben. Doch die wehrte sich - für meine Angetraute unerwartet – ausgesprochen heftig gegen die Maßnahme. Wir sind dann ja entsprechend stur, so daß die Flüssigkeit ihren Bestimmungsort fand. Zumindest Teile davon. Die zum Glück auch nicht wieder erbrochen wurden. Aber bei dem Widerstand, den sie der Zwangsernährung entgegenbringt, ist dies kaum eine Option.


(wird fortgesetzt)



Kommentare:

  1. Wünsche gute Besserung ... Eure Katze sieht übrigens ziemlich genauso aus wie unsere Katze ...

    Gruß Dieter

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