Donnerstag, 12. Dezember 2013

Weihnachten im Landesamt

Wenn halb Klein-Bloggersdorf von betrieblichen Weihnachtsfeiern berichtet, dann kann ich mich einfach nicht zurückhalten.

In unserer Außenstelle hat es diese Tradition der Weihnachtsfeier seit Eröffnung des Hauses gegeben. Mein persönliches Interesse an einer Teilnahme ist, wie nicht anders zu vermuten sein dürfte, gedämpft. In den ersten Jahren habe ich mich kurz blicken lassen, in späteren Zeiten konnte ich dankend darauf verzichten. Warum soll ich mich da herumquälen?

Alle Jahre wieder wurde ein Termin von der Außenstellenleitung festgelegt. Meistens lag dieser an einem Mittwoch, Beginn der Feier war nachmittags nach Ende der Öffnungszeiten für Besucher. Die Feiern fanden im Regelfall in einem unserer großen Säle statt, welche ausreichenden Platz bieten. Hin und wieder mussten aber auch der Besprechungsraum und die Flure auf unserer Etage herhalten, was sich für diejenigen, die arbeiten wollten, als durchaus störend erwies.

Die Führungskräfte des Hauses zeigten sich als Sponsoren der Veranstaltung, es gab Glühwein und Erfrischungsgetränke, auch Bier, etwas zu essen und der Jahreszeit entsprechende Knabberartikel. Man baute einige Stehtische auf, an denen sich die Feierwütigen versammeln konnten und ließ der Dinge nach der Eröffnungsrede Dr. Strebsingers in Form eines Jahresrückblicks freien Lauf.

Ein Unterhaltungsprogramm wurde nicht geboten, obwohl ich alljährlich unseren neuen Mitarbeitern erkläre, daß es stets die Dienstjüngsten sind, welche auf der Weihnachtsfeier ein Gedicht in angemessener Länge aufzusagen haben. Anwesende Auszubildende wurden von mir regelmäßig darauf vorbereitet, als Jesuskind in unserem hauseigenen Krippenspiel, welches immer sehr stimmungsvoll sei, teilnehmen zu müssen. Sollten mehrere Auszubildende greifbar sein, stünden auch noch die Rollen des Esels und einiger Schafe zur Verfügung, da es hier keine festgelegte Obergrenze gäbe. Doch aus nicht nachvollziehbaren Gründen wurden meine Anregungen nie aufgegriffen. Immerhin plätscherte aus in einer Ecke angebrachten Lautsprechern Musik vor sich hin. Gegen 18 Uhr endete die Veranstaltung, da man noch zumindest im Ansatz etwas aufräumen wollte. Die Dienststelle musste zwingend um 19 Uhr verlassen sein.

In diesem Jahr hörten wir zunächst nichts über eine geplante Weihnachtsfeier. Bis schließlich Mitte November eine E-Mail von Dr. Strebsinger gesendet wurde, in welcher er seine Verwunderung darüber zum Ausdruck brachte, daß noch niemand von uns gefragt habe, ob wir in diesem Jahr eine Weihnachtsfeier veranstalten dürften. Es sei doch langsam an der Zeit, einen Termin festzulegen. Angeboten wurden zwei Termine an Freitagen. Jeder sollte sich bis Ende des Monats in eine Liste eintragen, in der er bekunden könne, ob und wann er gedenke, an der Feier teilzunehmen. Auch organisatorische Dinge wurden abgefragt, so zum Beispiel, ob man für die Feier zusammenlegen solle oder ob jeder selbst etwas mitbringen möchte. Er selbst sei bereit, sich an der Feier finanziell zu beteiligen. Es wurde dringlich gebeten, den vorgegebenen Meldeschluss einzuhalten, damit wir, die Belegschaft, noch Zeit genug hätten, die Feier zu organisieren.

In meinem Verständnis ist eine solche Weihnachtsfeier immer ein Dank der Geschäftsführung, hilfsweise der Außenstellenleitung, für die im Jahr geleistete Arbeit. So scheint das neuerdings nicht mehr verstanden zu werden. Kein Wunder, daß die Kollegen sich eher empörten. Zum Ende des Meldeschlusses hatten immerhin 18 % der Kollegen ihren Wunsch kundgetan, an dieser Feier teilnehmen zu wollen. Alle anderen hatten abgelehnt oder sich gar nicht erst geäußert. Ich finde es irritierend, daß doch noch so viele Interessenten zusammengekommen sind. Kann man für ein paar Getränke wirklich seine Selbstachtung über Bord werfen? Scheinbar schon. Die Erkenntnis ist nicht neu.

Und Dr. Strebsinger wundert sich…




Kommentare:

  1. Ich stell mir gerade Herrn Strebsinger mit der Kerze in der Hand, ganz allein im großen Weihnachtsfeiersaal vor. - Sollte ich Mitleid haben?

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    1. Du wirst dich wundern, aber ich glaube, daß er das wirklich nicht merkt. Dr. Strebsinger hat mal gesagt, daß Empathie nicht zu seinen ausgeprägten Fähigkeiten gehört. Niemand hat widersprochen. Was für mich aber an der Sache nichts ändert. Wenn er um sein Manko weiß, dann soll er solche Sachen mit anderen absprechen, die da besser geeignet sind.

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  2. "Glasknochen sind weniger brüchig als die Selbstachtung vieler Leute."
    (Prof.Querulix)
    in diesem Sinne einen schönen Nachmittag.

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    1. Das werde ich mir merken. Schöne Weisheit.

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  3. Kann es sein, lieber Paterfelis, daß die 18% der Kollegen sich von der Teilnahme an der Feier eine Chance versprechen, Eurem Dr. Strebsinger in den "sogenannten oder aber auch" zu kriechen, um so die Möglichkeiten für eine Beförderung zu verbessern?
    Liebe Grüße von Felina, die es Bewundernswert findet, daß Du Dich in den letzten Jahren überhaupt zu einer Teilnahme an so einem Event überwunden hast.

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    1. Auch wenn die Annahme nahe liegt, so kann ich doch behaupten, daß das ausgeschlossen werden kann. Die Mechanismen sind etwas anders.

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  4. wer seine Teilnahme an so einer Feier zusagt, lässt sich bestimmt auch gerne mal auspeitschen... nein, so genau will ich's gar nicht wissen! Und demnächst wird bitte noch für Büromaterial gesammelt, Geld und Naturalien, oder soll das etwa alles vom Amt gestellt werden!?!

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    1. In Anbetracht der Qualität so manchen uns zur Verfügung gestellten Arbeitsmaterials wäre das wohl eine denkbare Option. Alleine schon, um das eigene Leid etwas zu verringern.

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