Montag, 23. Dezember 2013

Voller Tank und alter Uhu (4)

Nachdem sich die Gemüter wieder beruhigt und sowohl die vor mir stehenden Beteiligten als auch das Hutzelmännchen ihre Wagen aus eigener Kraft vom Unfallort entfernt hatten, fragte mich der Polizist, ob ich weiterfahren wolle und wie weit ich es noch hätte. Ich entgegnete, daß es wohl noch fünf Kilometer bis zur Heimatbasis seien, aber der Wagen wohl keinen fahrtauglich Eindruck hinterlasse.

Der Polizist rüttelte mal hier und da, warf den einen oder anderen kritischen Blick auf das Elend und meinte, da die Teile zwar deutlich verzogen aber nicht lose seien und auch alle Lampen erstaunlicherweise noch ihren Dienst taten (wenn auch mit untypischen Strahlrichtungen), könne ich noch bis nach Hause bzw. in die nächste Werkstatt fahren, wenn der Motor mir diesen letzten Gnadendienst erweisen würde. Ansonsten wäre eben der Abschleppwagen gefragt.

Ich versuchte, den Motor zu starten, was auch anstandslos funktioniert und fuhr nach Hause. Und das alles, ohne daß es unbotmäßig klapperte oder sich einzelne Teile des Wagens selbständig machten. Muß ein irrer Anblick für zufällige Beobachter gewesen sein.

Am nächsten Tag führte mich mein erster Weg in die Werkstatt, die am Morgen noch geöffnet hatte. Das Ergebnis war vorauszusehen: Rahmen verzogen, Totalschaden! Dabei war der Wagen doch gerade erst eingefahren. Was sind schon 136.000 Kilometer? Also echt jetzt, da war noch nichts dran. Den Wagen würde ich heute noch fahren, so wie mein Vater seinen Karmann Ghia, den er einstmals in den Graben gesetzt hatte.

Glücklicherweise stand bei meinem Händler ein Wagen zur Verfügung, den ich kaufen konnte. Das gleiche Modell, nur etwas jünger und schon mit den ersten Überarbeitungen der Serie versehen. Immer noch geknickt stand ich da und war froh, daß man sich zu meinem letzten Ansinnen auch noch positiv äußerte:

„Als der Uhu mir den Wagen zerlegt hat, kam ich gerade von der Tankstelle. Können Sie mir bitte das Benzin umfüllen?“

Wie sagte meine Oma immer? "Seien wir froh, daß wir noch labendelich*) sind."

Frohes Fest.


(Ende)


*) am Leben, lebendig, lebend




Kommentare:

  1. Merke: ein vollgetanktes Auto kann im Grunde n i e m a l s einen wirtschaftlichen Totalschaden haben :o)

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    1. Oh, dann war es wohl ein Fehler, das Benzin da wieder rauszuholen. Mist.

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  2. Da bin ich jetzt aber auch froh und erleichtert, das du noch am Leben bist und uns mit deinen Geschichten erheitern, erfreuen und zum Nachdenken bringen kannst! Fröhliche Weihnachten für dich und deine kleine Katzen-Mensch-Familie. Auch ein tolles Neues Jahr wünsch ich dir! Beib so wie du bist! Alles Liebe - Deine Sturmtänzerin

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    1. Danke vielmals und ebenfalls schöne Feiertage.

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