Freitag, 20. Dezember 2013

Voller Tank und alter Uhu (1)

Es war an mir, Balduin betanken zu müssen. Das mache ich nur noch selten, weil ich mich ja zumeist von meinem Fahrer in dem großen und deutlich stärker motorisierten Wagen durch die Gegend fahren lasse, während sich das kleine Familienauto in der Obhut und Pflege meiner Angetrauten befindet.

Ich füllte den Tank, begab mich zur Kasse und bezahlte, was man von mir verlangte. Mein Lächeln war nur gespielt, denn irgendwie hatte ich das Gefühl, gerade Teilnehmer an einem neuen Benzinpreisrekordversuch der Ölmafia zu sein. Heilige Scheiße, das darf man gar nicht in richtiges Geld umrechnen. Ich kann mich noch an den Aufstand erinnern, als der Benzinpreis die Grenze von 1,00 DM überschritten hatte.

Gut, es ist müßig, sich darüber aufzuregen. Sowohl über die Sache mit dem echten Geld als auch die mit dem Benzin bzw. mit dessen Erwerb verbundenen immensen Kosten. Öl ist angeblich knapp und rechtfertigt alleine aus diesem Grund schon den hohen Preis - sagt man. Ich habe in der Schule noch gelernt, daß die weltweiten Ölreserven innerhalb von weniger als dreißig  Jahren vollständig aufgezehrt sein würden. Mittlerweile sind weitaus mehr als dreißig Jahre vergangen, der weltweite Ölbedarf ist weiter gestiegen und nach meinem Informationsstand wird Benzin immer noch weitestgehend aus Erdöl hergestellt…

So, genug der Muße des sinnfreien Aufregens, kommen wir zum eigentlichen Thema.

Immer wenn ich getankt habe, denke ich an einen von Balduins Vorgängern. Da sich die zweitbeste Ehefrau von allen seinerzeit noch nicht näher mit meinen engeren und weiteren Lebensumständen befasste, hatte der Wagen auch keinen Namen. Er war der Wagen und damit fertig. Und er war das erste und wohl auch letzte Auto, das ich als Neuwagen gekauft hatte. Nix mit Jahreswagen, Tageszulassung,  Vorführwagen oder ähnlichen kreativen Lösungen der Autohändler zur Preisminderung. Es war die wilde Zeit, kurz nach dem Mauerfall, als ein ganzes Volk süchtig nach neuen Autos war und die ehemaligen Qualitätsprodukte aus dem Hause Sachsenring loszuwerden gedachte. Die Zeit war günstig, auch für ältere Gebrauchtwagen gut zahlende Käufer zu finden. Mein bis dahin gefahrenes Prachtstück hatte ein Problem, welches ein baldiges Abstoßen durchaus ratsam erscheinen ließ. Aber davon erzähle ich ein anderes Mal.

Jedenfalls erwies sich vor allem der kurzfristige Neuerwerb eines Personenkraftwagens zu dieser Zeit als durchaus problematisch, aber einem rührigen Autohändler vor Ort gelang es, einen Wagen, welcher so ziemlich meinen Vorstellungen entsprach, bei einem Kollegen im weiteren Umland aufzutreiben und dafür Sorge zu tragen, daß ich eben dieses Automobil hier bei ihm höchstselbst gegen die Überlassung einer gewissen Menge Bargeld erstehen könne.

Wir machen einen kleinen Sprung und befinden uns etwa 136.000 km auf dem Tacho später am Tag vor Heilig Abend. Der Wagen war also gerade zu meiner vollsten Zufriedenheit quasi eingefahren. Ich befand mich auf dem Rückweg von einem Besuch bei meinen Eltern, tankte bei der Gelegenheit nochmal voll bis zum Anschlag und fuhr meiner Wege in Richtung Heimatbasis.

(wird fortgesetzt)



Kommentare:

  1. *stöhn* Ein Cliffhanger.... Jetzt fahr´ nur nicht in Urlaub und erzähle erst danach weiter. Das halten meine Fingernägel nicht aus....

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    1. Keine Sorge, die 27 Teile sind bis Ostern durch. Und die ersten 5 habe ich auch schon geschrieben. :-D

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  2. wenn d i e s e s Wort drin vorkommt, muss was richtig richtig schlimmes passiert sein *nervösandennägelnknabber*

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