Freitag, 6. Dezember 2013

Nur mal eben

Frl. Hasenclever ist eine meiner Akten in die Hände gefallen, welche an sich innerhalb von Minuten erledigt sein könnte, aufgrund unserer ewig miserablen Personalsituation in Kombination mit objektiv mangelnder Dringlichkeit aber seit Wochen oder Monaten nicht den Weg durch meine Hände gefunden hat. Nun ist es so, daß Frl. Hasenclever eine Führungskraft ist. Ein weiblicher Häuptling. Die früher in einem anderen Fachbereich tätig war als unserem. Und als solche hat sie von dem, was wir als dem Fußvolk angehörigen Indianer so tagein tagaus zu bewerkstelligen haben, tatsächlich nicht den Hauch einer Vorstellung. Es handelt sich um eine Massenverwaltung, mit deren Umgang sie objektiv keinerlei Erfahrung hat. Im LASA gilt die Devise, daß eine Führungskraft führen können muß. Sachverstand in Bezug auf die Tiefen und Untiefen des täglichen Geschäfts des Fachbereichs, den man führen soll, ist hingegen nicht in besonders ausgeprägtem Umfang erforderlich.

„Herr Paterfelis, das ist doch eine Sache, die ganz schnell geht. Wenn Sie solche Sachen mal eben nebenbei erledigen, wären die auch schnell weg und wir hätten mehr Erledigungen in der Statistik.“

„Natürlich, Frl. Hasenclever, es stellt sich nur ein Problem.“

„Und welches?“

„Wenn ich die täglich hier auflaufenden Unmengen an Nurmalebens nur mal eben vorziehen würde, käme ich nicht dazu, die ganzen Eilts, Eiltsehrs und Schonzuspäts eilends zu erledigen. Würde ich hingegen nur noch Eilts, Eiltsehrs und Schonzuspäts eiligst vorziehen und mich nicht wenigstens um einen Teil der Nurmalebens mal eben nebenbei kümmern, wären wir hier mit noch mehr Akten zugepflastert. Die Mischung macht es eben. Und die wechselnden Dringlichkeiten, in meinem Schrank Platz zu schaffen. Da passt nämlich nix mehr rein. So etwas ist Präzisionsarbeit der anderen Art. Das erfordert Opfer. Ist halt so. Haben Sie noch Fragen?“

„Ähm, ich glaube nicht.“

War doch gar nicht so schwierig, oder?!



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